Die Saison beginnt

In Portugal hat der Sommer schon angefangen und mein Vogel darf an Ostern wieder ins Wasser. Dann geht es auf die Tour ins Mittelmeer bis nach Griechenland und wieder zurück. Wer mich ein Stück begleiten will, kann sich gerne melden. Ich werde den Törnplan immer aktualisieren, damit ihr seht, was noch frei ist.Törn 2015törn15

 

Lissabon am 13.04.15

 

Flug über die Pyrenäen

Flug über die Pyrenäen

Aber der Reihe nach: Am 07.04. sind Gerlinde und Werner nach einer Arbeits- und Urlaubswoche wieder nach Hause geflogen. In der Woche habe ich recht viel richten können, z.B. den Steuerautomaten (zeigt zwar immer die falsche Richtung an, aber steuert richtig), die W-Lan Antenne, einige Bereinigungen in der Backskiste mit den Kabeln, Abwasserleitungen etc., Wassertankreinigung und Neubefüllung und schließlich Segel, anschlagen nachdem das Boot wieder im Wasser liegt.

mein Osterpirat

mein Osterpirat

In der Osterwoche haben wir in dem Städtchen Braga die Feierlichkeiten zum Karfreitag und Ostersonntag angeschaut . Braga ist der Sitz des ersten Erzbischofs von Portugal gewesen und hat im Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert eine große Blüte erlebt. Am Nachmittag sind wir noch die 600 Stufen zur Wallfahrtskirche Bom Jesus de Monte hinaufgestiegen. Tolle Aussicht dort oben! Mit einer Wasser betriebenen Schrägseilbahn ging s dann bequemer wieder runter.

Karfreitagsumzug in Braga

Karfreitagsumzug in Braga

Wallfahrtskirche bei Braga

Wallfahrtskirche bei Braga

Orgelprospekt in der Kathedrale des Erzbischofs

Orgelprospekt in der Kathedrale des Erzbischofs

An einem anderen „freien“ Tag haben wir die Stadt Guimares besucht. Hier wurde Portugal gegründet indem sich 1139 Afonso Henriques zum König ausrufen ließ und über der Stadt eine Festung errichten ließ. Das alte Stadtbild ist noch gut erhalten und es geht recht lebendig zu.

Guimares

Guimares

viele Heilige vom Padre selbst gefertigt

viele Heilige vom Padre selbst gefertigt

Im Nachbarort meines Hafens in Vila do Conde gab es aber auch schon einiges zu sehen. Die Mönche, die dort ein Kloster errichteten haben zur Wasserversorgung ein 7 Kilometer langes Aquädukt gebaut, das das Wasser aus den Bergen ins Kloster fließen läßt.. Sehr eindrucksvoll.

Vila do Conde

Vila do Conde

An einem Tag waren wir dann auch noch in Porto besucht.  Porto ist voller Gegensätze. Breite Einkaufsalleen, enge Gassen, riesige Plätze und kleine beschauliche Ecken, prunkvolle renovierte Häuser und halb oder ganz verfallene Wohnhäuser. Die Altstadt ergießt sich über die Hügel in den Fluss Douro.

Porto

Porto

Bahnhof

Bahnhof

Azuleijos im Bahnhof

Azuleijos im Bahnhof

Hier sehen die Portugiesen übrigens die Wiege des Weinbaus. Immerhin ist am Douro die erste Verbriefung von Weinanbaugebieten in Urkunden festgehalten worden. Egal, er schmeckt jedenfalls hervorragend. Der Stadt gegenüber liegen die Portweinkellereien. Die Keller sind tief in das Schiefergestein eingegraben. Der Portwein ist eigentlich eine Erfindung der Engländer, die den ausgezeichneten Wein mit ihren Segelschiffen nach England bringen wollten. Leider war er aber in England immer hinüber. So kamen sie auf die Idee, den Wein mit Gin oder Weingeist haltbarer zu machen, was schließlich auch gelungen ist. Allerdings ist es nun ein schwerer hochprozentiger Wein, der durch unterschiedliche Reifeprozesse verfeinert wird.

Porto

Porto

Porto

Porto

Brücke über den Douro

Brücke über den Douro

Jetzt geht s aber los! Am Mittwoch, den 08.04. bin ich um 2:00 Uhr Nachts aufgestanden, habe meine Reiseverpflegung fertig gemacht und hab abgelegt. Leider war überhaupt kein Wind und so hat mich der Motor durch die Nacht getrieben (und durch eine wahre Armada von Fischerbooten). Um 6:00 Uhr hat dann ein leichter Regen eigesetzt, der aber nach einer Stunde wieder aufhörte. So hatte ich einen wunderschönen Sonnenaufgang über den Hügeln und unter den Wolken, bis die Wolken die Sonne wieder verschluckt hatten.

Sonnenaufgang

Sonnenaufgang

Um 9:00 kam dann auch der Wind und wurde langsam immer heftiger, sodass ich sogar wieder 2 Reffs eingebunden hab. Das ist alleine eine ganz schöne Schinderei! Um 14:00 Uhr war dann der Wind wieder weg und der Rest bis 17:15 Uhr lief dann wieder unter Motor. Immerhin war ich bis Figuera da Foz gekommen. Ein verschlafener Hafen wo ich mir abends meine Brote schmieren musste, weil ich kein offenes Restaurant gefunden hatte. Ich  hab aber nur zu früh die Suche abgebrochen, denn am anderen Ende der Stadt wäre ein Kasino mit einer Reihe überteuerter Restaurants gewesen. Ich hatte aber nicht mehr viel Lust zu suchen, denn ich bin beim Anlegen auch noch auf dem nassen Mövenschiss ausgerutscht und mit einem Bein im Hafen gelandet. Übrigens ist nur der Gästesteg so verschissen, rutschig und wackelig – ich hab mir die anderen danach noch angeschaut!

Am Donnerstag bin ich dann gleich weiter, zunächst bei wenig bis gar keinem Wind. Erst die lezten 2 Stunden hab ich die Segel mal hochgezogen hab dann aber wieder ein bißchen mit dem Motor nachgeschoben, damit ich um 18:30 Uhr in Peniche ankomme. Hier gabs endlich wieder Fischlokale wo ich einen ausgezeichneten Rotbarsch mit einem guten Weißwein genossen hab.

Bacalau in Peniche

Bacalau in Peniche

Am Mittwoch hab ich nach einem Stadtrundgang, der nicht viel gebracht hat – na ja, sie haben hier auch ein altes Fort zu dem die Schulklassen ihren Ausflug machen, mein Fahrrad ausgepackt und bin einmal um die Halbinsel geradelt. Das geht ganz schön auf und ab. Im Restaurant am Kap Carvoeiro hatten sie ein Stück Mandelkuchen und einen Kaffee für mich, dann hatte ich wieder Saft für die 2. Hälfte der Umrundung.

Am Cap Carvoeiro

Am Cap Carvoeiro

Am Samstag, den 11.04. gings dann um 9:00 Uhr los nach Lissabon. Es hatte Wind! Schon im Hafen hab ich das Groß gesetzt und draußen gings im Schmetterling  (ein Segel nach backbord, das andere nach steuerbord) nach Süden. Es lief immer besser von anfänglich 9 kn Wind hat es sich auf 15 kn bis zu 23 kn Spitze gesteigert. Kurz vor Lissabon geht’s um die Ecke und dann raumschots mit 11 kn in die Bucht. Das war besonders schön, da hier die lästige Atlantikdühnung weg ist in der man sonst hin und her geschaukelt wird. Ein traumhafter Segeltag! Um 18:00 Uhr war ich dann im Hafen Alcantara hinter der ersten Brücke am Stadtrand. Diese Stahlbrücke, die der Golden Gate in San Francisco nachempfunden ist, verbreitet einen Höllenlärm. Oben fahren die Autos und unten relativ häufig die Züge.

Brücke vor Lissabon

Brücke vor Lissabon

Und wie ist Lissabon? 2 Tage lang hab ich mir die Stadt erlaufen! Jedenfalls nachdem ich mit dem Sightseeing Bus einmal außen herum gefahren bin. Erstmal hatte ich Lust auf moderne Architektur und bin in den Parque des Nacoes gefahren, das ehemalige Weltausstellungsgelände von 1998. Es sind noch viele beeindruckende Gebäude da, wie das Oceanario, der Bahnhof Oriente, der Portugiesische Pavillon oder der Torre Vasco da Gama und eine 17 km lange Brücke über den Tejo. Zurück in der Stadt habe ich mir die weiteren Denkmäler, Kirchen und Aussichtpunkte erlaufen. Am Montag bin ich erst einmal auf das Kastell marschiert, weil am Vormittag die gegenüber liegende Stadtseite in der Sonne liegt. Der Blick ist in diese Richtung genauso atemberaubend eindrucksvoll wie am Nachmittag vorher von der Gegenseite.

Lissabon

Lissabon

Eine Kirche habe ich gestrichen weil dazu ein Tal zu durchqueren und ein Berg zu erklimmen war.  Überhaupt scheint es in Lissabon für jede Sehenswürdigkeit einen eigenen Berg zu geben, damit man auf jeden Fall erst mal hoch und dann wieder runter muss! Für das nächste Ziel hatte ich aber den Aufzug  Santa Justa (ja, hier sind sogar die Aufzüge heilig!) angepeilt, der von der Geschäftsstadt unten in die westliche Altstadt führt. aufzugDer Aufzug ist Anfang des 20.Jahrhunderts gebaut worden, ganz im Stil der filigranen Stahlkonstruktionen Gustave Eiffels. Danach kommt man direkt ins Barrio Alto mit seinen verwirrenden engen Gassen.

Barrio Alto

Barrio Alto

Nach 2 weiteren Bergen hatte die nächste von mir auserkorene Kirche geschlossen und ich habe mich mit einem portugiesischen Steak getröstet bevor ich zum Schiff zurückgegangen bin.  Das wars fürs erste, morgen geht es weiter nach Sines.

Cadiz am 21.04.15

Am Dienstag hab ich Lissabon verlassen und erstmal verschiedene Segelversuche gestartet bis ich es wegen der dauernd wechselnden Winde aufgegeben habe und mit Motor weiter bin. Der Wind ist dann auch fast eingeschlafen, um am Nachmittag wieder genau von vorne loszulegen. Um 19:00 Uhr hatte ich dann die 61 Meilen hinter mir und ich hab in Sines angelegt. Dort konnte ich auch volltanken, damit ich für die weiteren Strecken gerüstet bin.Sines

Sines ist ein kleiner Fischerort, bei dem sich die Ölindustrie angesiedelt hat. Deshalb ist hier nicht alles so verfallen, wie in anderen kleine portugiesischen Orten. Am Mittwoch bin ich noch dageblieben, weil kräftige Regenschauer und stürmische Winde vorausgesagt waren. Der Wetterbericht um 10:00 hat dann allerdings alles in Sonnenschein und Flaute verwandelt. Da war es aber schon zu spät zum losfahren. Ich hab dann beim Stadtbummel ein Lokal gefunden, wo ich ausgezeichnete Sardinen gegessen und einen guten Wein getrunken habe (mit Suppe Oliven  und Kaffee 10 € !). Wäsche waschen konnte ich dann auch noch, alles wieder klar! Am Abend hat mich dann Rui, ein Portugiese vom Hafen, 3 Stunden vollgequatscht. Er hat Flugdrohnen entwickelt und macht jetzt anderen elektronischen Kram. Vor Allem kennt er jedes Schiff im Hafen und wer es von wem gekauft hat und wozu usw. Sein eigenes Segelboot baut er gerade auf Energieeinsparung um. Er hat mir immerhin gleich 4 LEDs für meine Kajütbeleuchtung mitgebracht und eingebaut. So eine Verschwendung mit Halogenbirnchen konnte er einfach nicht sehen!

Am Donnerstag früh um 4 Uhr gings dann aber los nach Süden ohne Wind mit Motor. Um 13:00 konnte ich da Cap San Vincente runden und bin schließlich noch 5 Stunden schön gesegelt, bis ich in Portimao angekommen bin.

Cabo San Vincente

Cabo San Vincente

Portimao

Portimao

Das ist der Vorgeschmack aufs Mittelmeer: der Orte besteht nur aus Hotels und Ferienwohnungen (Heute Resorts genannt) einigen Restaurants und vielen Angeboten für Angeltouren, Jetskifahren, Surfkurse usw. Ach ja eine alte Festung gibt’s natürlich auch noch zu bewundern. In einem Restaurant habe ich dann ein Lamm im Topf gekriegt – ausgezeichnet aber mit allen drum und dran (Suppe, Wein, Wasser, Kaffe) so 21 €.

Die Küste zwischen Portimao und Faro ist die Algarve-Traumküste: Steile Felsen mit tiefen Höhlen und dazwischen kleine Sandbuchten. In der Bucht von Faro alles Sand, kilometerweit!  algarveAls ich aber im Hafen von Olhao angelegt hatte, kam der Hafenofficer und hat mich wieder weggeschickt, weil alles voll sei. Da kein weiterer Hafen in der Nähe war, musste ich also einen Ankerplatz suchen. Ich wollte mir das eigentlich aufheben, bis wir zu zweit sind, aber nun musste es eben gleich sein.  Eine schöne Bucht habe ich auch gleich gefunden, nun den Anker fallen lassen und mit der Fernbedienung langsam Kette nachlassen bis alles fest sitzt. Leider ging die Fernbedienung nicht. Anker runter geht auch von Hand, also erst Mal war alles klar. Die Suche nach dem Fehler zog sich nun über drei Stunden hin. Zunächst war die Batterie der Fernbedienung leer – eine 9 V Blockbatterie. Kein Ersatz da, weil ich das sonst nicht brauche. Ich baue mir aus 6 1,5 V Zellen in einer Papierröhre an einem stabilisierenden Brett eine 9V Batterie. Dann verbinde ich die Enden mit den Batterieanschlüssen der Fernbedienung und es geht nicht. Nachdem ich in den Kettenkasten gekrochen bin, hab ich den Fehler entdeckt. Die Anschlusskabel waren einfach auf die Steckschuhe aufgesteckt ohne weitere Abdeckung. In der nassen Salzluft des Kettenkastens sind sie dann in den letzten 3 Jahren so verrottet, dass sie einfach abgefallen sind. Ich hab dann die Kabel gekürzt, neue Anschlüsse aufgeklemmt und kurzgeschlossen – funktioniert! Endlich Ruhe – nein: Ein Fischer hat mit seinem kleinen Boot ein Netz hinter mein Schiff ausgebracht und nun fährt er mit großem Getöse ständig um meinen Liegeplatz und trommelt dabei wie ein Irrer mit einem Knüppel auf seine Bordwand, damit die Fische in sein Netz flüchten sollen. Nach einer Viertelstunde ist auch dieser Spuck vorüber.

Am Samstag ging es ohne Wind zunächst nach Spanien. (Das Anker lichten mit der kurzgeschalteten Winsch hab gut geklappt) Auf halben Weg hat der Wind eingesetzt und es ging vor dem Wind flott nach Mazagon. Bei dem Wind habe ich gleich in einer Box angelegt und durfte dort auch für die Nacht bleiben. Der erste Hafen in Andalusien hat den Papierkram nochmal verdoppelt: Anmeldung, Abtretungserklärung bei Schäden, Zollformular und Kautionsblatt für die Codekarte. Am Schluss krieg ich noch die Quittung für die 20,38 € Hafengebühr, dann kann ich nach einer halben Stunde mit einem Paket Papiere das Büro wieder verlassen. Der Ort liegt leider auf dem Berg und ich erreiche das Stadtzentrum in 40 Minuten Fußmarsch. Ziemlich langweilig hier, ein bißchen Ferienrummel und sonst nix.

Hafen in Mazagon

Hafen in Mazagon

Am Sonntag bin ich dann nach Chipiona aufgebrochen. Der Hafenkapitän wollte noch ein Foto vom Schiff  beim Auslaufen unter Segeln machen. Also bin ich nochmal zurück in den Hafen, hab beide Segel gesetzt und bin dann genau gegen den Wind wieder die Ausfahrt hinaus. Na ja, ein bisschen Gemurkse war das schon. Aber was tut man nicht alles für einen  netten Hafenkapitän!

Chipiona

Chipiona

In Chipiona ist am Abend Robert an Bord gekommen. Von nun an geht es also zu zweit weiter. Ich musste dort am Anmeldesteg in der Hafeneinfahrt bleiben, was mir durch das Stampfen bei den vorbeifahrenden Fischerbooten eine sehr unruhige Nacht bescherte. Der halbe Hafen war leer. Es wäre also genug Platz an anderer Stelle gewesen. Aber dafür hatte die Hafenmeisterin hier kein Verständnis.

Montag fing wieder ruhig unter Motor an, dann eine Stunde segeln und wieder unter Motor in den Hafen von Cadiz.

Für die Ingenieurfreaks die neue Brücke über den Industriehafen

Für die Ingenieurfreaks die neue Brücke über den Industriehafen

Dort lag schon ein Kreuzfahrer und ein „Pseudo“5-Mast Kreuzfahrtsegler. Die Stadt hat ein tolles Flair. Viele enge schattige Gassen , kühle Innenhöfe in den Häusern und Plätze mit Palmen  und Cafes, einen riesigen Dom und drei Festungen an der Küste. domgasseinnenhofWirklich sehenswert! Wir bleiben noch einen Tag hier, weil am Dienstag Windstärken bis zu 39 kn (Windstärke 8) angekündigt sind und das scheint diesmal auch zu kommen. Am Mittwoch geht es nach Barbante, dem Thunfischzentrum an der Atlantikküste.

Almeria (Aquadulce) am 01.05.15

Die Fahrt nach Barbate dem Zentrum des spanischen Thunfischfangs, haben wir gleich verlängert, nachdem der Ort nicht sehr vielversprechend aussah und auch keine Erwähnung im Reiseführer hatte. Die ersten Thunfischnetze waren schon ausgelegt. Manchmal muss man da ganz schön Slalom fahren, damit man nicht hinein gerät.Thunfischreusen

Danach kommen wir am Cap Trafalgar vobei, wo Lord Nelson von den Fischen gefressen wurde, als er die spanische Flotte versenkte.beim Cap Trafalgar

Auch Tarifa haben wir schließlich ausgelassen, da uns dort nur ein Fischerhafen erwartete und sind schließlich in Alcaidesa gelandet, dem spanischen Hafen an der Grenze zu Gibraltar. So haben wir in einem Rutsch 70 Meilen hinter uns gebracht (leider mit Motor) und fallen müde in die Kojen.

Verkehr in der Bucht von Gibraltar

Verkehr in der Bucht von Gibraltar

Am nächsten Tag geht es nach Gibraltar über die Grenze, ja auch in der EU mit Grenzkontrolle! Mit der Seilbahn sind wir auf den Felsen und hatten eine ganz passable Rundsicht- es war halt immer etwas diesig. Bis Afrika konnte man zwar nicht sehen, dafür haben sich die Affen getummelt und waren ganz fotogen.gibraltar affe

Unten war dann der übliche Touristenrummel mit unzähligen Souvenirläden und zollfreien Alkoholika und Parfüms. Nach einem Kaffee und einem Brownie haben wir die englische Kronkolonie wieder verlassen und den nächsten Tag vorbereitet. Am Steg war auch noch Tommy, ein Österreicher, der aus zwei verschiedenen Segelbooten einen Katamaran zusammenbasteln wollte, um damit in die Karibik zu segeln. Viel Glück!

Am Freitag, den 24.04. haben wir erst mal getankt (73 l für 42 €!) und sind dann um den Felsen herum nach Estepona gefahren. Ziemlicher Nebel hat die Fahrt etwas unheimlich gemacht, aber wir sind sicher angekommen. Die Stadthat einen ganz reizenden Kern mit kleinen Häusern, engen Gassen und Restaurants auf den kleinen Plätzen.Estepona

Am Samstag war schon wieder Hafentag! Ich habe hier in Estepona übrigens endlich meine Gasflaschen wieder füllen können. Angeblich der einzige Platz auf der Iberischen Halbinsel, wo das geht! Mit einem Linienbus sind wir durch die Ferienwohnungssiedlungen ins Hinterland gefahren. In den Bergen gibt es da ein ganz romantisches Dorf Casares mit vielen steilen Gassen, weißen Häusern und oben drauf eine kleine Festungsanlage. Überall gleiten Adler durch die Luft. Angeblich gibt es in der Umgebung 200 Pärchen. In einem Felsen gegenüber machen wir sogar ein Nest aus, das immer wieder angeflogen wird. Die Jungen kommen dann hervorgewatschelt, holen das Fressen und watscheln wieder zurück.casares

Am Sonntag geht es weiter nach Marbella. Der Hafen ist aber angeblich voll (na ja, die Reichen und Schönen wollen uns halt nicht) und wir fahren weiter nach Bajadilla. Auch ein schöner Ort mit lieblichen Gassen voller Blumen und einigen schönen Plätzen. Man merkt schon, dass die Reichen nicht weit sind. Für das Abendessen (Muscheln, 2 halbe Seebrassen, etwas holziges Gemüse und eine Flasche Wein) zahlen wir immerhin 95 €. Etwas unverschämt finde ich (gut wars aber schon).bajadilla

In Malaga, unserem nächsten Hafen, wird gerade der in der Karte und den Handbüchern eingetragene Hafen abgebrochen. Mal was Neues! Die Polizei weist uns dann einen Platz an dem Pier für Kreuzfahrer an. Leider gibt es nirgends Toilette oder Duschen und kostet trotzdem 25 €.malaga2 malaga 1

Egal, Malaga hat viel zu bieten: gleich 2 Festungen, eine große Kathedrale, eine alte Markthalle, viele Einkaufsstraßen und Plätze mit herrschaftlichen Häusern, und das Geburtshaus von Picasso mit einem Museum dazu und schließlich auch noch eine Stierkampfarena. Genug, um schon wieder einen Hafentag einzulegen.schinken kathedrale  malaga3arena

So geht es am Mittwoch erst weiter nach Adra. Dort gibt es einen übervollen Hafen des Yachtclubs und daneben einen riesigen, völlig leeren staatlichen Hafen (mit EU Förderung gebaut). Nachdem uns der Hafenpolizist gezeigt hatte wie man das Schoss am Stegtor blockiert, damit man wieder reinkommt haben wir bei EL Timon am anderen Hafenende ausgezeichneten Thunfisch gegessen (mit großem Salat, Pommes, Wein, Kaffee und Kuchen 55 €!). Am nächsten Tag brauchten wir keine Hafengebühr zu bezahlen, da der Computer nicht ansprang – auch gut.

Am Donnerstag fuhren wir wieder mal mit Motor nach Almeria. Leider war der Hafen wegen einer Regatta übervoll und wir mussten zurück nach Aquadulce (nur 4 Meilen).Hier gibt es zusammen mit Roquetta del Mar 18 km Sandstrand und unzählige Ferienwohnungen. Dahinter ziehen sich die mit Plastikfolien abgedeckten Plantagen die Berge hoch. Die Küste heist hier deshalb auch Costa Plastico. Voll zurecht!

Plantagen sind waagerechte Striche, Hotels sind senkrecht

Plantagen sind waagerechte Striche, Hotels sind senkrecht

Das Obst und das Gemüse ist allerdings ausgezeichnet. Das Ganze wird nach dem offiziellen Prospekt nach den „Plan de Excelencia Turistica“ dem Plan touristischer Vortrefflichkeit weiterentwickelt. Na dann viel Erfolg! Am 1. Mai ist Robert heimgeflogen und kann nun bei der Geburt seines 1. Enkelkindes, das in den nächsten Tagen erwartet wird, dabei sein. Ich werde morgen weiter nach Garrucha fahren. Mal sehen ob sich an den Touristenburgen in den nächsten Wochen etwas ändert.

Valencia – Barcelona

Von Aquadulce bin ich am 2. Mai bei totaler Flaute mit Motorhilfe doch immerhin 63 Meilen weit gefahren und habe in einer kleinen Bucht am Pta el Canon geankert. Da das Wasser inzwischen 18 Grad hat, habe ich mich auch einmal hineingetraut. Herrlich! Wenn man erst Mal drin ist. Am Sonntag gings weiter, leider immer noch ohne Wind, und als er langsam kam, hatte ich Cartagena erreicht. Anlegen alleine mit 10 kn Seitenwind hat aber trotzdem geklappt.meine Ankerbucht am Pta del Canon

Cartagena ist noch eine recht ursprüngliche Stadt (im Kern). Es gibt prunkvolle Häuser an der Haupteinkaufsstraßen, in den Seitengassen sind teilweise nur noch die Fassaden da (von hinten mit einem Gerüst abgestützt. Viele Baulücken und zum Verkauf stehende Häuser. Eine alte Festung und römische Ausgrabungen zeigen die lange Geschichte der Stadt. Da heute Sonntag ist haben viele Geschäfte geschlossen (Nicht alle!) und die Leute promenieren durch die Fußgängerzone und die Parks. Manche Frauen haben dabei noch Flamenco Kleider an und einige Hazienderos reiten stolz auf ihren Pferden durch die Stadt.Cartagena Hazienderos

Am Montag bin ich schon wieder bei Flaute um einige Fischzuchten Slalom gefahren, dann musste ich noch ziemlich weitläufig ein Sperrgebiet, in dem Taucharbeiten gemacht wurden , umschiffen. Am Nachmittag gabs etwas Wind, sodass ich endlich mal die Genua aufziehen konnte. In Torrevieja angekommen, hab ich dann versucht, rückwärts einzuparken. War etwas chaotisch, aber wenigstens ohne Schrammen.

historische Salzverladestation in Torrevieja

historische Salzverladestation in Torrevieja

warum ist hier noch kein Hotel

warum ist hier noch kein Hotel?

hier sind sie ja!

hier sind sie ja!

Dienstag gings nach Alicante. Eingerahmt von Ferienwohnungsburgen und Hotel, schält sich doch ein ganz attraktives Städtchen heraus. Ein altes Viertel mit vielen Treppen schmiegt sich an einen Felsen, auf dem noch eine Festung steht.Alicante 1 Alicante 2 Alicante 3

Am nächsten Tag kam ein schöner Segelwind und ich konnte gemütlich mit der Windsteueranlage 3 Stunden durch die Wellen gleiten. Eine schöne Ankerbucht habe ich auch gefunden und gehofft, dass der Wind abends einschläft, was er auch getan hat. Allerdings kam eine sehr unschöne Dünung von SO in meine Bucht, sodass das Schiff fürchterlich schwankte und ich in der Nacht kein Auge zugemacht habe. Eigentlich sollte die Dünung laut Wetterbericht ja auch von NO kommen. Sie hat sich nur nicht dran gehalten!

noch ein paar Hotels

noch ein paar Hotels

jetzt langt's aber

jetzt langt’s aber

Nach 2 Std segeln und 3 Std mit Motor wegen Flaute bin ich in Denia eingelaufen. Obwohl der Hafen sehr elegant und gut ausgebaut ist, kostet er nur 25 € die Nacht. Da muss ich doch gleich noch einen Tag bleiben. Meine Aktionen waren allerdings ein Reinfall: am Strand neben dem Hafen versuchte ich ins Wasser zu kommen. Nachdem es mir nach 200 m immer noch nur bis zu den Knien ging hab ich mich reingelegt in die warme Brühe (war schon schön klar!) und anschließend kalt geduscht zur Erfrischung. Das zweite war das Tapas Essen. Die empfohlene Bar hatte zwar an die 100 Tapas, allerdings war dieses „Snackessen“ am Schluss doch mit 35 € ganz gut bezahlt.

haben sich doch noch ein paar hinter dem Felsen versteckt

haben sich doch noch ein paar hinter dem Felsen versteckt

Endlich nach Valencia. Die Tagestour hat mir 3 Std herrliches Segeln bei großartigem Wetter beschert. Vorher waren aber auch ein paar Stunden Flaute, die ich mit einer Schwimmpause über 68 m Wasser genutzt habe- traumhaft! Am Schluss hat sogar das rückwärts einparken funktioniert und der Hafen hat nur 23 €/Tag gekostet.

color run in Valencia

color run in Valencia

Der nächste Tag fängt mit einer riesen Party im Hafen an. Es ist „bunter Volkslauf“, d.h. 10-30.000 Menschen laufen einen Rundkurs über 5 km. Viele mit weißem Ballettröckchen und werden an verschiedenen Stationen mit Farben beworfen. Ganz bunt kommen sie dann nach geraumer Zeit wieder am Hafen an. Ich bin dann geflüchtet. Mit dem Fahrrad hab ich die neu geschaffene und sehr weitläufige Wissenschafts- und Kunststadt erkundet, die an einem breiten, wunderbar angelegten Park liegt, der sich durch die ganze Stadt zieht. Die riesigen Prachtbauten von Calatrava und anderen Architekten beinhalten Museen, Ausstellungs- und Veranstaltungshallen.val 3 val 2

Am Abend ist Gerlinde gekommen und wir haben am nächsten Tag die Altstadt erkundet. Eine Fülle von interessanten Gebäuden, kleinen Gassen und ruhigen Plätzen geben der Stadt ein angenehmes Flair. Stadttürme, Kathedralen, Märkte, eine Seidenbörse, der Bahnhof sind sehr eindrucksvoll. Dazwischen immer wieder prächtige Bürgerhäuser mit Läden und Cafes. Merkt ihr‘s? Valencia hat uns gefallen!val 4 val5 val 15

Bei gemütlichen 1-4 kn Wind sind wir zusammen weitergefahren. Ein paar Segelversuche haben wir wegen Windmangel abgebrochen und sind schließlich vor Oropesa gekommen. Ein alter Holzkahn hat dort die Hafeneinfahrt versperrt und so sind wir im nächsten Hafen Las Fuentes gelandet. Außer dem eigenwilligen Hafenmeistergebäude und einen kleinen Supermarkt gibt es da nicht sehr viel.

Las Fuentes

Las Fuentes

So gings weiter mit lauem Wind und einigen Segelversuchen nach Amettla, einem  kleinen Fischerdorf auf einem Felsen.ametlla2

Ametlla

Ametlla

Der nächste Tag brachte uns nach Vilanova. Als ich im Office fragte, ob es etwas interessantes in Vilanova gäbe erhielt ich die Antwort, dass die Sonne das interessanteste sei, und die würde aber gerade nicht scheinen. Es war tatsächlich ziemlich diesig! Wer jemals nach Vilanova kommt, sollte eines nicht versäumen, nämlich bei L‘Oganpetit essen zu gehen, an der Rambla (Haupteinkaufstrasse) 150 m vor der Uferpromenade. Ein Franzose aus Nizza bereitet hier die köstlichsten Speisen und hat hervorragende Weine aus den Weingütern der Region. Das Essen ist den Aufenthalt wert. Ach ja, es gab Thunfischfilets mit Salat und einem köstlichen Rotwein.

Abstellplatz der Luxusyachten in Vilanova

Abstellplatz der Luxusyachten in Vilanova

Endlich Barcelona! Nachdem die ersten beiden Häfen über 50 € gekostet hätten, sind wir für 33 €/Tag in den dritten Hafen (Forum) gefahren. Nach einem wunderschönen Segeltag hat der Wind 3 Meilen vor dem Hafen plötzlich zugelegt und wir haben erst gerefft und dann die Segel ganz eingeholt. Die letzte Meile ging es dann durch die steilen Wellen bei 23 -30 kn in den Hafen. In der Einfahrt waren 2 Laser des Yachtclubs auf der Molenverlängerung gelegen, einfach vom Wind hin geklatscht mit Mast und Segel. Den Jugendlichen, die damit unterwegs gewesen sind ist nichts passiert, haben wir später erfahren. Jedenfalls haben drei Marineros ganz schön gezogen um unser Boot am Steg zu halten. Dann wollten Sie nochmal 5m weiter vor und haben nochmal gezogen.

Sagrada Familia

Sagrada Familia

Mit einem 2 Tagesticket der Tram/Metro/Buslinien haben wir Barcelona erkundet. Zunächst zur Sagrada Familia. Nach längerem Anstehen haben wir erfahren, dass wir erst heute Abend um 18:45 Uhr einen Termin bekommen. Also 2 Karten für Pensionäre (für 16,50€ geradezu ein Schnäppchen) besorgt und weiter zum Palau de la Musica, dem Palast der Musik. Er hat für 11 € einen wirklich nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Ein Musiksaal in dem fast täglich Konzerte stattfinden und er auf das prächtigste ausgestattet ist mit farbiger Glasdecke, Glasfenstern, Mosaiken, Figuren, Säulen, Leuchtern usw. – nicht von Gaudi wie der Führer mehrfach betonte, aber überwältigend!

Palau de la musica

Palau de la musica

Die Kathedrale war danach für 7 € ein richtiges Schnäppchen und in der schlichten Ausgestaltung  ebenfalls schön. Doch nun kommt die Sagrada familia: nach kurzem Anstehen durften wir in das Gelände und nach weiterem Anstehen unseren Audioguide in Empfang nehmen. Um es kurz zu machen: auf mich wirkt die Kirche, an der noch überall gebaut wird, wie eine Sandburg, die man mit den Kindern am Strand baut. Da noch ein Türmchen und dort noch ein paar Zinnen, ab und zu ein paar bunte Muscheln und wenn die Flut kommt ist alles wieder weg. Nicht so diese Kirche . Sie ist aus Beton und es wird immer noch (fleißig) daran gebaut. Es kommen ja auch überschlägig 1/2 Mio € pro Tag an Eintrittsgeldern herein. An jedem Eingangsportal eine andere Epoche aus dem Leben Jesu, und das in völlig gegensätzlichen Stilen. Innen geht es gleichermaßen weiter. Je weiter man nach oben schaut, umso wilder wird die Gestaltung und ist noch strahlend hell beleuchtet, denn oben sollen nach dem Willen des Architekten keine farbigen Glasfenster mehr verwendet werden. Unten dagegen sind wunderbare moderne Bleiverglasungen in den, einer gotischen Kirche nachempfundenen Betonöffnungen eingesetzt (übrigens erst seit 1999). Wozu in der Mitte ein Andachtsbereich abgetrennt ist, ist mir schleierhaft, denn in der Kirche herrscht das Getöse einer Bahnhofshalle und die kreuz und quer laufenden Chinesen (mit Tablet zum Fotografieren) Italiener, Franzosen,  Spanier, Schweizer und Deutschen lassen wohl keine Andachtsruhe aufkommen. Ach ja nicht zu vergessen die zahlreichen Kinder, die sich aus lauter Langeweile ihre Spielchen ausdenken. Nach einiger Zeit haben wir also den Betonhaufen verlassen und sind zum Schiff zurück.

Sagrada Familia innen

Sagrada Familia innen

Am 17.5. ist Gerlinde wieder heim geflogen und ich habe sie noch zum Flughafen begleitet. Tram, Zug, Busshuttle etwa 1Std 15 Min. Dann wieder zurück in die Stadt. Jetzt war der Rest Gaudi dran: 4 Häuser an der Rambla, der Haupteinkaufsstraße Barcelonas. Wer hätte es anders gedacht, sie haben mich nicht sonderlich beeindruckt (Man kann sie übrigens alle besichtigen, Eintritt jeweils 8 bis 25 €! Beim letzten hätte es um 4 Uhr keinen Termin mehr am selben Tag gegeben).

Gaudi

Gaudi

nicht Gaudi

nicht Gaudi

Die Rambla endet am Hafen in der on Menschen überquellenden Hafenpromenade. Immer wieder tauchen plötzlich Afrikaner auf, legen ein Tuch aus und bieten Handtaschen, Fächer, Sonnenbrillen etc an. Wenn irgendwo ein Polizist auftaucht – und das ist ziemlich oft auf der Rambla – werden die 4 Leinen, die an die Enden des Tuches geknüpft sind, hochgezogen, alles fällt in den Sack und weg sind sie.

"Fliegende" Händler

„Fliegende“ Händler

Am nächsten Tag war ich dann auch weg, eigentlich schon um 8 Uhr, aber nachdem das Office erst um 9 Uhr aufmacht, konnte ich erst um 9:30 Uhr weg.Im Hafen von LLfranc wurde ich abgewiesen und musste zurück nach Palamos. Außer dass der Hafen 77 € gekostet hat ist von ihm nichts zu berichten. Für die nächsten Tage ist der Tranmontana angesagt, ein Wind der mit bis zu 56 kn (das ist Windstärke 11) von Norden kommt. Ich wollte noch soweit wie möglich nach Norden kommen und bin deshalb früh um 6:30 Uhr gestartet. morgenfahrtErfreulicherweise hatte der Wetterbericht zunächts nicht recht und ich hatte nur mäßigen Wind von der Seite und schräg von achtern. So kam ich an verschiedenen Häfen, in die ich hineinhuschen wollte, wenn es losging vorbei und fast bis ans Cap Creu.fels

Sturm im Anmarsch

Sturm im Anmarsch

Da hat der Wind innerhalb einer Viertelstunde gedreht und kam nun von vorne. Am Cap hatte ich dann ca. 3 m Welle und 17-22 kn Wind von vorne. Einige Male bin ich mit Salzwasser geduscht worden, aber am Schluss hat der Einsetzende Regen das auch wieder weitgehend abgewaschen. Jedenfalls war ich froh als ich nach 2 Stunden Kampf gegen die Wellen in die Bucht von Selva einfahren konnte und der Wind auf 15 kn reduziert war. Sogar das Anlegemanöver war gelungen und ich habe einen sicheren Platz an dem ich warten kann, bis der Strurm sich gelegt hat. Im Augenblick sieht nichts danach aus, die ganze Nacht und den ganzen Tag knattert der Wind mit über 20 kn über den Hafen (und das in der Bucht, die ringsum mit Bergen geschützt ist!).

Selva

Selva

Das nächste Ziel ist nun Gruissan in Frankreich.

Die Fahrt nach Marseille

Selva

Hafen von Selva

Die nächsten 5 Tage sollte ich nun in Selva eingesperrt bleiben , denn es waren ständig 25-40 kn Wind und 3 m Welle angesagt. Es ist unglaublich, aber der Wind hat tatsächlich 5 Tage ohne Pause durchgeblasen! d.h. bis auf einmal, da bin ich morgens um 6:00 Uhr aufgewacht, weil es plötzlich ruhig geworden war: kein Pfeifen in den Wanten, kein Schlagen der Fallen am Mast, kein Knattern der Fahnen im Wind – es hatte nur noch 8-12 kn Wind im Hafen. Schon 30 min später hatte es aber wieder 20-25 kn. Auf dem Dach des Hafenmeisters hat das Messgerät täglich bis zu 42,5 kn angezeigt.

St Pere de Roses

St Pere de Rodes

Nun hab ich also Hafenprogramm gemacht. Nach dem Putz- und Waschtag hab ich am Donnerstag mein Fahrrad ausgepackt und bin die Serpentinen hochgefahren zu der auf 540 m Höhe liegenden Klosterruine Sant Pere de Rodes. Die Gebäudereste sind wunderbar restauriert, sodass man einen guten Eindruck bekommt, wie die Mönche vor 1.000 Jahren dort gelebt hatten. Einiges hat sich natürlich verändert, aber die ursprüngliche Ruhe, die in dem archaischen Mauerwerk steckt, ist immer noch zu spüren. Überwältigend aber ist der Blick auf die Bucht von Selva und auf die andere Seite des Bergrückens in die Pyrenäen, wo in der Ferne die Schneefelder aus dem Dunst leuchten. Interessant finde ich auch die beiden Türme. Der Glockenturm, der erst später gebaut wurde und der Wehrturm. Dieser wurde ohne Treppen gebaut. Nur Leitern führten auf die einzelnen Plattformen. So konnten die Menschen, die im Kloster lebten, sich bei Plünderungen in den Turm zurückziehen und abwarten bis der Ansturm vorbei war. Das ist wohl auch öfter passiert.S Pere

surfer

Surfer in der Bucht von Selva

Am Freitag hab ich versucht, endlich die Außendusche fertig einzubauen. Da mir ein paar Teile fehlten, die es in Selva nicht gab, bin ich mit dem Fahrrad die 10 km nach Llanca gefahren und hab tatsächlich einen Klempner gefunden bei dem ich die Teile bekommen hab. Wieder 10 km zurück bin ich in die Schränke gekrochen und hab alles angeschlossen. Der hinterste Anschluss war beim Test natürlich undicht und bei meinem Versuch ihn abzudichten ist mir ein Plastikanschluss abgebrochen. Ich hab dann alles hingeschmissen, die Wasserleitungen zugedreht und bin essen gegangen. Es gab 3-erlei Fisch mit Gemüse und Wein – ausgezeichnet.

Cadaques

Cadaques

Dali

Wohnhaus Dali

cadaques2

Kein Dali aber lustig

Samstag stürmt es immer noch! Also hab ich mein Fahrrad gepackt und bin über einen Pass (270 m) nach Cadaques gefahren. Ein nettes kleines Touristendorf (ohne Hochhäuser) mit vielen Restaurants und Cafes um den Hafen herum. Einige Häuser sind sehr verspielt, aber ganz lustig anzusehen. Über dem Hügel liegt das Wohnhaus von Salvador Dali und seiner Muse Gala. Das hab ich natürlich besichtigt. Es ist volle Scurilitäten, liegt aber in einer wunderschönen Bucht (die jetzt nicht mehr so einsam ist).

MF

Weingut Feixa

abfahrt

Weg zur Bucht von Selva

Nach dem Genuss eines Salatbüffets mit 30 Salaten habe ich mich auf den Rückweg gemacht. Nachdem ich den Pass zum zweiten Mal geschafft hatte, habe ich mir bei dem dort liegenden Weingut von Martin Faixo („fächo“) also MF zwei  Weine gekauft. Hoffentlich sind sie gut, teuer genug waren sie. Beim Runterfahren vom Pass hab ich fast nicht bremsen müssen, weil der Wind mich fast wieder den Berg hinauf geblasen hat.

cap bear

Sonnenaufgang am Cap Bear

Es ist Pfingstsonntag und der Wind soll tatsächlich nachlassen. Es hat tatsächlich nur 11-15 kn und ich mache mich auf den Weg nach Norden. In einer Ankerbucht am Cap Bear lasse ich den Anker fallen und die Nacht bleibt auch sehr ruhig.

sturm

leicht gereffte Genua bei Windstärke 5 (2. Reff im Groß – für die Spezialisten)

Im Morgengrauen um 7:15 hole ich den Anker ein und hoffe, dass der Wetterbericht stimmt. Es sollen nur 17-19 kn Wind kommen mit 0,7m hohen Wellen. Vorsichtshalber ziehe ich gleich das 2. Reff ein und segle los bei 12 kn Wind. Schon nach zwei Stunden nimmt der Wind und die Wellen rasant zu  und ich habe 25-28 kn Wind und 2 m Welle. Bei Schräglagen zwischen 20 und 30 Grad läuft die Gischt über die Bordkante am Schiff entlang bis ans Heck. Später steigert sich der Wind noch auf durchschnittlich 28-29 kn und Böen bis zu 39 kn, das sind volle 8 Windstärken.

Nach 8,5 Std hab ich schließlich im Hafen von Cap d‘Agde festgemacht (noch 19 kn Wind im Hafen). Nach einer Ruhepause hab ich mir 1 kg Moules marinieres genehmigt und hab mich in die Koje gelegt.

cap agde

Cap Agde

Am Dienstag bläst es immer noch mit über 20 kn. Im Hafen gibt es Schaumkronen auf dem Wasser. Da es hier 4 Yachtausstatter gibt, versuche ich die Ersatzteile für meine Dusche zu bekommen. Ich muss dafür 5 Mal zu dem Werftgelände fahren bis ich tatsächlich alles beisammen habe und die Dusche fertig installiert ist. Jetzt kann ich mir das Salz nach dem Baden wieder abduschen – toll! Leider ist die Wassertemperatur aber wieder auf 14,3 Grad gesunken. Ich wird also noch etwas warten müssen.

Stierkampf

St Maries de la Mer

Für Mittwoch sind zunächst 3 kn Wind und später 12-15 angesagt. Es war natürlich genau umgekehrt und ging wieder bis 20, in Böen bis 25 kn. Ich bin trotzdem nach Les Saintes Maries de la Mer gekommen. Die Marien, die hier besonders von den Zigeunern verehrt werden, sind Maria Salome, die Mutter vom hl. Jakobus (Jakobsweg) und Maria Magdala, die mit einem Boot ohne Ruder und Segel an den Strand der Camarque getrieben wurden und von hier aus Frankreich missioniert haben. Besonders Ihre schwarze Dienerin wird von den Zigeunern hoch verehrt und ihre Figur in der Krypta mit Seiden und Brokatgewändern behängt. An Pfingsten gibt es dann eine Große Wallfahrt, bei der der heilige Schrein ins Meer getragen wird. Außerdem gibt es noch Stierkämpfe, bei denen der Stier nicht getötet wird und wilde Pferde (auch Flamingos – hab ich aber nicht gesehen). st maries

Am Donnerstag bin ich bei schönem Segelwind (später ist er leider ganz eingeschlafen) nach Marseille gefahren. Dort hab ich rückwärts mit Mooring angelegt – 1A!

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Hafeneinfahrt Marseille

Schon lange bevor man in die Nähe des Hafens kommt , sieht man die Kirche St. Maria de la garde auf einem Felsen über der Stadt thronen. Dann schälen sich das Hochhaus einer Reederei (von Zaha Hadid) und das MuCEM, das Museum der Zivilisationen Europas, aus dem Dunst des Häusermeers. marseille 1

Der Hafen ist Mittelpunkt der Stadt, die eigentlich ganz viele Mittelpunkte hat. Hier ist das Haupteinkaufviertel mit 2 Galerien La Fayatte, vielen Mode und Souvenirläden, Märkten (Fischmarkt morgens am Hafenkai) und Massen von Touristen. Schöne alte Bürgerhäuser stehen neben langweiligen Bürobauten wie überall sonst auch.mars 4

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au Panier

Interessant sind zwei alte Viertel, das Au Panier ist etwas heruntergekommen. Hier sind hier viele Künstler mit Bio-Kleidern, Bildern und Töpferwaren zuhause. Es gibt auch alle möglichen Bars mit Tapas oder anderen Snacks.

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Julien

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Lokal im Julien

Das andere Viertel, das Julien, ist auf einem entgegengesetzten Hügel und wird von der alternativen Musikscene bewohnt. Ich hab aber lediglich am Cours Juilen unter den Olivenbäumen gut gegessen und anschließend die zahlreichen Graffities bewundert, die viele Häuser hier schmücken. Sie sind wirklich recht kunstvoll!

Am letzten Tag bin ich dann noch mit dem Fahrrad auf den Berg zur Kirche Maria de la Garde und hab den herrlichen Ausblick über die Stadt genossen.

Für die nächste Woche ist Andreas an Bord und wir werden zusammen die französische Riviera erkunden.

die Cote d’Azur

Am Sonntag, den 31.05. haben wir, Andreas und ich, Marseille verlassen und sind weiter nach Osten gezogen. Gemütlich sind wir an den Calanches entlang gefahren. Das ist eine tolle Steilküste mit vielen Buchten, die direkt nach Marseille anfängt. Entsprechend beliebt ist die Gegend und voller Ausflugsboote.calanches

Weil zunächst kein Wind war, sind wir dicht an den Felsen entlang gefahren. Erst die letzten 2 Stunden hatten wir schönen Segelwind mir 8 kn , der uns in das kleine Fischerdorf Sanary sur mer brachte.sanary s m

Der Hafen, obwohl eine große Baustelle, hat 56 € gekostet. In der Bucht haben Löschflugzeuge Wasser aufgenommen, ein tolles Manöver.Flugzeuge

Wir haben dann beschlossen, die nächste Nacht vor Anker zu verbringen und sind an Porquerolles vorbei in die Bucht von Port Cros gefahren. Wir waren nicht allein, noch 20 Yachten hatten sich den Platz ausgesucht. Da das Wasser nun schon 20 Grad warm war, sind wir gleich eine Runde geschwommen.port cros

Neben St. Tropez, unserem nächsten Ziel, gibt es auch eine schöne Ankerbucht und so konnten wir wieder die Hafengebühr sparen. Wir lagen genau vor der Villa von George Cluny, der Auflauf an begeisterten Mädchen hielt sich in Grenzen. Er war wohl gerade nicht da.villen S T

St. Tropez ist ein kleiner idyllischer Ort mit einer Festung auf dem Berg (auf der anderen Seite unserer Ankerbucht) in der eine interessante Dokumentation über die wilde Geschichte von der mehrfachen Zerstörung und dem jeweiligen Wiederaufbau der Burg gezeigt wird. Außerdem gibt es natürlich eine wunderbare Aussicht zu genießen.st Tropez

Das nächste Ziel war Cannes, wo ein Festival nach dem anderen stattfindet. Vom reichen und mondänen Publikum haben wir in beiden  Orten nicht viel gesehen. Außer vielleicht hin und wieder einen braungebrannten alten Herrn in weißen Hosen, rosa Hemd und weißem Seidenschal (bei 28°C im Schatten!). Sonst hatten beide Orte so ihre kleinen reizvollen Straßen mit den Restaurants dran. Ach ja, Cannes hat auch noch eine Markthalle, hier der vegetarische Teil:markt in cannescannes

Am Donnerstag, den 04.06. haben wir schließlich Nizza erreicht. Andreas fährt nun wieder heim und Horst kommt für die nächste Woche. Der Hafen liegt tief in der Altstadt, eingerahmt von schönen Bürgerhäusern und einer Kirche.Hafen Nizza

Darüber liegt die alte Festung, von der man einen schönen Blick über alle Viertel von Nizza hat: den Hafen im Osten, die Altstadt im Norden und die Promenade des Anglais im Westen.nizza

An der Promenade ist immer Betrieb, Tags über wird gebadet und nachts gefeiert. Am Anfang liegen noch die alten Werkstätten, die heute in Wohnungen und Restaurants umgebaut sind.nizza3

Später folgen an der kilometerlangen Strandpromenade die berühmtesten und Geschichtsträchtigsten Hotels, wie das Le Negresco, in dem das Abendmenü 280 € kostet. Wem das noch nicht genug ist kann ja noch ein paar Gramm Kaviar für 180 € als Appetizer vorneweg nehmen. Wir haben uns mit einer Pizza in der Altstadt für 20 € (für 2) begnügt – war viel und gut!

Am Samstag geht es weiter nach Korsika.

Über Korsika nach Italien

Für die 90 Meilen Überfahrt nach Korsika hatte ich 15-17 Stunden kalkuliert. Leider hat uns der Wind im Stich gelassen und wir mussten die ganze Strecke als Motorboot aus spiegelglatter See zurücklegen. Es hat immerhin den Vorteil, dass keiner Seekrank wird, wir schneller vorankommen und auch noch mittendrin einen Badestopp (Wassertiefe 2300 m, Temperatur 24,3 °C) einlegen konnten. So waren wir – nachdem wir morgens um 3:00 Uhr abgelegt hatten, schon um 18:00 Uhr in Calvi. Nach einer Dusche gabs dann ein schönes Abendessen Thunfischsteak, bzw Fischspieß. calvicalvi 2

Zum Ausgleich für die horrenden Preise (die Übernachtung hatte immerhin 72 € gekostet ging es am Sonntag zum Ankern in den Golf von Girolata. Vorbei an der grandiosen Felsenküste des Reserve Naturel de Scandola mit bizarren Auswaschungen im roten Gestein. Am Ende haben wir eine schöne kleine Bucht gefunden. Leider war das Wetter etwas trüb, sodass die Felsen im diffusen Licht ziemlich langweilig aussahen. ankerbucht scandolascandola 2

Dafür hat am nächsten Morgen die Sonne geschienen und wir haben die Bucht etwas fluchtartig verlassen, denn vor der Bucht hatte so eine Kleinmillionärsyacht geankert, auf der der Boss im Obergeschoss eine halbe Stunde auf dem Laufband trainiert hat (das Boot war wohl doch nicht lang genug zum Laufen), um dann in das vom Personal bereitgestellte Speed Boot zu steigen und ein paar Runden „die Sau raus zu lassen“. Inzwischen hatte dann die Stewardess den Tisch für das Frühstück gedeckt. Nun, wir haben uns die einsame Küste angeschaut – jetzt im wunderschönen Morgenlicht.

Weiter gings, die interessante Küste entlang bis wir im Golfe Sagone bei den Iles Sanguinaires wieder einen guten Ankerplatz gefunden haben. Hier war es etwas belebter, denn wir waren kurz vor Ajaccio. Gegenüber sind am Abend dann die betuchteren Ausflügler mit ihren Hubschraubern vor ihrer Wohnanlage eingetrudelt. Insgesamt haben wir 11 Hubschrauber gezählt, die in dem kleinen Privatgelände runter gegangen sind.

Nach dem Morgenschwimmen haben wir am Boot dri Quallen gesichtet. Wir müssen wohl doch wieder etwas vorsichtiger sein, wenn wir ins Wasser springen.qualle

ajaccio

Ajaccio

Nach wenigen Meilen waren wir in Ajaccio, der Geburtsstadt von Napoleon, auf den sie auch noch mächtig stolz sind. Sein Nachbar, den er wohl mal beleidigt hatte, hatte es immerhin erreicht, dass er seinen Lebensabend auf der Insel Helena im Atlantik verbringen musste. Sonst ist Ajaccio ein nettes, aber eher langweiliges Städtchen, in dem man im Sommer ziemlich geschröpft wird. Bei meinem Topf Muscheln im Restaurant war jedenfalls kein Tropfen Weinsauce drin und der Topf war auch nur halb voll.

Am Mittwoch hab ich dann in der Fischmarkthalle noch 2 Seebrassen gekauft, dann sind wir ab in eine Bucht. Das hatten sich auch 20 andere Yachten gedacht, jedenfalls war die Bucht recht voll (war aber auch recht groß). Zwei idyllische Dörfchen und einige Ferienhäuser, die sich gut in der Maccia versteckten haben einen Bilderbuchrahmen für unser Abendessen gebildet.ankerbucht2

Am nächsten Tag sollte es nach Bonifacio gehen. Nachdem der Wind wieder aus der verkehrten Richtung kam, mussten wir dagegen an kreuzen. Anschließend ging das gekreuze weiter, weil er jedesmal, wenn wir den Kurs ändern konnten auch mitgedreht hat. Am Cap Senetosa segelten wir bei ruhiger See und 8-10 kn Wind auf „weißes Wasser“ zu. Wie mit dem Messer geschnitten, hörte die Ruhige See auf und auf einer Linie vom Cap hinaus in die Ferne, begannen die Wellen mit Schaumkronen. Wir haben vorsichtshalber festere Sachen angezogen Schwimmwesten und Gurte angeschnallt und das 2. Reff eingebunden. Nicht zu früh, denn nach ein paar hundert Metern kamen wir wirklich in die raue See mit ca. 6 Windstärken. Es hat aber trotzdem Spass gemacht und wir sind mit zwei langen Schlägen nach einem 10 stündigen Segeltag bis vor die Einfahrt von Bonifacio gekommen.

Das schluchtartige Hafenbecken hat zwar ruhiges Wasser, aber bei Ostwind kommt doch noch einiger Wind durch die Senke am Hafenende.bonifacio hafen

Der nächste Tag war ganz der interessanten Stadt auf dem Felsen gewidmet. Ein Panoramaweg mit eindrucksvollen Ausblicken auf die Felsformationen und die , auf den überkragenden Felsen stehenden Häuser geht durch die Macchia bis an die Felskanten.bonifacio

Die steilen Straßen voller Restaurants und Läden wirken trotz des Touristenrummels irgendwie doch selbstverständlich und nicht so aufdringlich wie in anderen Touristenorten. Die Hälfte des Plateaus, das von den ehemaligen Kasernen belegt ist, ist z.Zt. eine große Baustelle, denn man will offensichtlich dort, in den alten Gebäuden, ein Dokuzentrum für die Militärgeschichte der Halbinsel errichten (die EU zahlt natürlich mit). Abends hab ich dann noch mal Muscheln in Weißwein-Gorgonzolasauce versucht. Diesmal absolut köstlich. 1 Kg Muscheln (der Topf war voll!) und ganz viel leckere Sauce. Frankreichs Muschel-Ehre ist gerettet! bonifacio 2

Am Samstag sollte es nun nach Sardinien gehen. Der Wetterbericht sieht nicht besonders gut aus für die gefährlichste Meeresenge im westlichen Mittelmeer: Ostwind mit 16-20 kn (ist noch o.k.) ab 11:00 Uhr aber 26 kn. Wir sind also um 6:00 Uhr losgefahren um den leichten Wind zu nutzen. Als wir zwischen den Inseln des Maddalena Archipels nur 12-17 kn hatten, haben wir uns entschlossen bis nach Olbia weiter zu fahren.maddalena

Da der Wind wieder mal genau von vorne kam haben wir alle Segel eingeholt. Es gab nun auch schon Böen über 20 kn, aber die See war ungewöhnlich ruhig, d.h. wir hatten nur eine Wellenhöhe von 1 m (später waren es dann auch nicht mehr als 1,5 -1,8 m). Kaum waren wir aus dem Inselgewirr draußen hat es auch schon mit 28 – 34 kn gekachelt. Immer hinter irgendwelchen Landzungen oder Inselchen versteckt haben wir uns langsam bis zum Cap Figari, dem exponiertesten Punkt vorgearbeitet. Jetzt noch rum und dann in den Hafen von Olbia! Am Kap ging der Windmesser allerdings nicht mehr unter 34 kn (Windstärke 8) und die Böen erreichten sogar 54 kn (Windstärke 10, ca. 100 km/h). Wir sind trotzdem gut im alten Hafen von Olbia angekommen und haben einen sicheren Platz am Kai gefunden (ohne WC oder Dusche für 50 €!).

olbia

Olbia

Am Sonntag haben wir das Boot noch in die neue Marina verlegt. Dort haben sie uns den hintersten Platz zugewiesen sodass man fast 1 km bis zum Hauptgebäude laufen muss. Horst hat deshalb fast seinen Flieger verpasst, weil er mir bis zur letzten Minute noch helfen wollte. Es hat dann gerade noch geklappt. Ich hab nun 2 Tage in Olbia verbracht, d.h. etwa 5 km außerhalb in der Marina. Es gibt aber einen kostenlosen Shuttledienst zum Einkaufszentrum und zur Stadtmitte, den ich auch ein paar Mal genutzt habe. Olbia hat im Kern eine Fußgängerzone mit Restaurants und Läden, eine historische Kirche und ein paar unscheinbare römische Steine. Sonst gehen hauptsächlich die Verkehrsadern der Insel  an der Stadt entlang, oder auch mitten durch.

Nach dem Putzen, Aufräumen und Einkaufen (und Erholen von der letzten Sturmfahrt) hab ich mir einen Plan für die Überfahrt nach Rom (Fiumicino) gemacht. Für die 137 sm würde ich etwa 23 Std brauchen. Nach dem Wetterbericht sollte es überwiegend wenig Wind haben, nachts allerdings auch bis zu 20 kn. Ich fuhr also am Dienstag um 16:00 Uhr los, bei 4 kn Gegenwind – also Motor. Nach 4 Std kam über Funk eine Gewitter- und Sturmwarnung für das gesamte Gebiet, durch das ich fahren wollte (das nördliche Thyrrenische Meer). Die ganze Planung im Eimer!

das erste Gewitter zieht auf

das erste Gewitter zieht auf

Ich fuhr trotzdem durch die finstere Nacht. Erst haben sich auf meiner Nordseite drei Gewitter gebildet, die abwechselnd die Wolken hell erleuchtet haben. Ein spannendes, stundenlanges Schauspiel, das aber an den Nerven zerrt, denn ich wollte doch in sowas nicht reinfahren. Die Gewitter sind dann auch brav im Norden geblieben. Gegen Morgen hat sich noch eines auf der Südseite dazugesellt, ist mir aber auch nicht näher gekommen. Wo sieht man schon mal 4 Gewitter gleichzeitig und fährt dabei unter einem tollen Sternenhimmel dahin! Wenn ich das nur hätte genießen können, aber es lauert ja immer die Gefahr, dass die Gewitter sich vereinigen und ich mitten im Schlamassel stecke! Nun es ging gut. Ich hatte auch kaum über 20 kn Wind und morgens war schönster Sonnenschein und fast kein Wind. Eigentlich wollte ich nochmal ins Meer springen für ein Morgenbad, da kam schon wieder eine neue Sturmwarnung und ich bin lieber gleich in den Hafen eingelaufen.

fiumicino

Fiumicino, Flusshafen mit Fußgängerbrücke vorne und Autobrücke hinten

Am Donnerstag konnte ich dann endlich ein Stückchen flussaufwärts mein Ziel erreichen, an dem das Boot für die nächsten Wochen liegen kann (ohne die horrenden Gebühren in den anderen Häfen). Dazu musste ich erst mal durch 2 Brücken, die nur Donnerstag bis Montag 2 Mal am Tag geöffnet werden.

Es hat geklappt und ich hab auch schon 2 Fuhren Wäsche gewaschen. Wenn‘s in drei Wochen weiter nach Süden geht, ist Gunter dabei. Ich freu mich schon drauf.

Rom und die italienischen Vulkane

Colosseo

Colosseo

Eigentlich wollte ich gar nix über Rom schreiben, weil es eh jeder kennt und das letzte Mal nicht sehr beeindruckend war. Jetzt war es aber ganz anders. Bevor ich am 20.06. heimgeflogen bin, habe ich morgens um 9:00 Uhr für 6 Euro den Schnellbus nach Rom genommen. Nach 1 Stunde war ich am Hauptbahnhof (Termini) und habe die Touristeninfo gesucht. Nach weiteren 20 min hab ich sie in einem Seitengang entdeckt mit 2 Auskunftsschaltern für alle Romreisenden! Mit einem Stadtplan bewaffnet, hab ich mir in einem Kaffee meine Route für den Tag ausgedacht. Zuerst das Colosseo, benannt nach der Kolossalstatue von Nero, die hier auf dem Forum Romanum stand. Nachdem die Römer ihn später nicht mehr mochten, haben Sie die Statue dann als Baumaterial verwertet. Das halbe Forum Romanum ist so in den Profanbauten und anderen Palästen verschwunden.

Das Colosseo hab ich mir erst nach meinem Heimflug angeschaut, denn es war hier eine 300 Meter lange Schlange an der Kasse angestanden. Mit einer Karte aus dem Internet geht es viel schneller. Das Colosseo war der Vergnügungstempel für alle Römer. Man musste nur eine Eintrittskarte (kostenlos) abholen, dann durfte man bei den „Spielen“ zuschauen. Zuerst waren es ja auch Wagenrennen und Kämpfe, die später in Kämpfe ausarteten, bei denen Einer sterben musste (nach Volksbefragung). Schließlich kam es in Mode wilde Tiere auf die Menschen zu hetzen, bis schließlich ganze Löwenmeuten (oder Tiger oder Nilpferde oder Nashörner etc.) auf viele Menschen losgelassen wurden und der Boden rot von Blut war. Dazu hat man Aufzüge gebaut, wo Tiere oder Menschen aus dem Arenaboden hochgefahren wurden, um das Massaker zu beginnen. Technisch hochinterressant läuft es mir bei 37°C im Schatten trotzdem kalt den Rücken runter, wenn ich mir vorstelle, wozu Menschen in der Lage sind.fressgasse rom

Weiter Richtung Vatikan bin ich durch viele kleine Gassen mit schattigen Restaurants gekommen. Vor dem Petersdom dann wieder eine lange Schlange vor der Sicherheitskontrolle, denn Eintritt kostet es hier nicht. Alle 30 m steht da ein Grüppchen mit bunten Sonnenschirmen, das sind dann die Chinesen. Im Petersdom ein buntes Gemisch aus allen Nationen und vor allem die Chinesinnen machen an jeder Säule und jedem Heiligen ein Selfi zur Erinnerung (die Ausziehstöcke dazu werden draußen überall von fliegenden Händlern für 10 € angeboten). Der Blick vom Dach der Kuppel über Rom ist übrigens grandios. Nach wie vor bin ich auch von der Pieta fasziniert, die für mich die ausdrucksvollste Skulptur ist, die ich je gesehen habe.petersplatz

Piazza Navona

Piazza Navona

Auf dem Weg zum Termini bin ich noch über den Piazza Navona gekommen, auf dem sich gegen Abend die Künstler versammeln und ihre Bilder anbieten, Portraits malen, Standbild in Gold oder Silber spielen oder Musik machen. Ein lustiges Treiben! Der Trevibrunnen ist komplett eingerüstet und auf der Videoleinwand, die danebensteht, ist nichts zu sehen. Um 10:00 Uhr war ich dann wieder am Schiff und ziemlich fertig.brücke

Am 08.07. ging es dann von Fiumicino aus weiter nach Süden. Pünktlich um 9:00 wurde die Straßen Brücke angehoben und ich konnte mit Gunter die nächste Etappe antreten. Erstes Ziel waren die Pontinischen Inseln. Es war ein traumhafter Segeltag mit blauem Himmel und immer gleichmäßigen 10-11 kn Wind. Vorgewarnt von den hohen Hafenpreisen haben wir beim letzten Sonnenlicht in einer Bucht geankert, was sehr eindrucksvoll war. Die hellen Steilwände ringsum die Bucht haben sogar im Sternenhimmel geleuchtet. Der Hauptort Ponza liegt sehr idyllisch nebenan in die Hügel geschiegt in der nächsten Bucht der Insel.ponza2 Ponza

Der nächste Tag war ohne Wind ,wie auch die folgenden Tage. Für Neapel habe ich nach vielen Anfragen einen nagelneuen Hafen etwas (1 Stunde) außerhalb gefunden in dem die Nacht „nur“ 90 € kostet. Wir haben uns trotzdem 2 Nächte gegönnt und einen Tag lang Neapel erforscht. Pompei und der Vesuv waren uns bei den Temperaturen doch zu viel. Wir wollten von der Hauptverbindungsstraße die Viertel rechts und links erkunden und haben erst einmal eine halbe Stunde gebraucht bis wir endlich diese Hauptstraße gefunden hatten. Sie unterscheidet sich von den Seitengassen vor allem dadurch, dass hier auch Autos durchpassen, die Gassen sind dann für die Roller. Da passen übrigens auch bis zu 4 Personen drauf: Sohn, Vater, Tochter, Mutter (die Reihenfolge ist hier wichtig!). In einer Gasse sind die Krippenbauer angesiedelt. In einigen Höfen werden Weihnachtkrippen gebaut die ganze Landschaften darstellen mit Felsen und Höhlen mit Lagerfeuer, Treppen, Bäumen usw. So eine Landschaft  ist dann etwa 60×60 cm in der Grundfläche und bis zu einem Meter hoch.neapel 2 krippen

Noch enger wird es dann im Spanierviertel, das man nachts meiden sollte. Wir haben lauter freundliche Menschen getroffen, an jeder Ecke gibt es kleine Kneipen, die aus der Kühltruhe (die auf der Straße steht) Wasser, Bier, Cola, Limoncello, Wein etc. für 1 € im Pappbecher verkaufen. Die Kühltruhe auf der Gasse ist wichtig, denn man kann sich daneben gut vor den Rollern in Deckung bringen. Die hupen an jeder Gassenkreuzung, und wer zuerst hupt, hat Vorfahrt.neapel

Abends haben wir dann eine Pizza gegessen in der Pizzeria, von der auch der Papst eine Pizza gesegnet hatte. Das Bild hängt in jeder Ecke.

Am Sonntag sind wir mit tausenden Neapolitanern ausgefahren und mit der Hälfte an der Amalfiküste entlang nach Süden weitergezogen (die andere Hälfte der Neapolitaner ist nach Capri gefahren). Wir sind uns vorgekommen, wie wenn wir aus Versehen in die Generalprobe zum D-Day geraten wären. Das Meer hat nur so geschäumt von den Motorboot in allen Größen.

Mittagspause an der Amalfiküste

Mittagspause an der Amalfiküste

amalfi

Amalfi

Zum Ende zu war es dann wieder einsamer und wir konnten die an die Felshänge geklebten Dörfer vom Meer aus genießen. Vor Amalfi sind wir vor Anker gegangen, damit sich die Bordkasse etwas erholen kann.anker amalfi amalfi 2

Die Bucht von Salerno haben wir abgekürzt. Es stinkt nach Öl und Abgasen, große Containerschiffe und Öltanker fahren hier ein und aus. So sind wir direkt in das Cilento gekommen, eine dünn besiedelte bergige Landschaft, die einige kleine Orte an der Küste hat, aber so gut wie keine Hotelburgen.

Acciaroli

Acciaroli

In Acciaroli haben wir kurz eingekauft und sind dann weiter an die Steilküste von Palimuro. Die hat uns noch besser gefallen als die berühmte Amalfiküste, denn sie ist nicht so zersiedelt aber genauso eindrucksvoll.

Anker palimuro

Ankerbucht bei Palimuro

küste cetraro camerotta

Quer über die Bucht von Palimuro gings weiter nach Cetraro einem kleine Ort mit Hafen, der aber immerhin noch 60 € kostete. Das von unseren Segelnachbarn empfohlene Restaurant war zwar sehr romantisch halb in eine Höhle gebaut aber das Essen ist total mit Maggi verwürzt gewesen. Schade!

Der Mittwoch war wieder eine lange Motorfahrt. Nach Wetterbericht soll es auch in den nächsten Wochen nicht anders werden. Wir haben dann zur Erfrischung einen Badestopp eingelegt. Leider hat das Wasser inzwischen auch schon 31°C ja einunddreißig! Und die Luft 35,4°C. Also ist die Erfrischung nur mäßig. In Tropea angekommen, haben wir gleich „unsere“ Pizzeria gesucht, von der wir beim Segeltörn vor über 10 Jahren schon waren. Kurz: sie ist immer noch da, sie ist immer noch gut und rappelvoll. Und der Kamin von dem alten gemauerten Pizzaofen ist immer noch mit ein paar dünnen Drähten zu den Ecken des kleinen Hauses verspannt, damit er nicht umfällt. Es ist schön, wenn man an Orte zurückkehrt, wo man den Eindruck hat, man sei erst gestern dort gewesen.vecchio forno

Klosterinsel vor Tropea

Klosterinsel vor Tropea

Am Donnerstag konnten wir endlich wieder segeln und erreichten Stromboli mit dem 2. Vulkan unserer Reise. Aus dem Lavafeld an der Nordküste kommen immer wieder kleine Gasausbrüche hervor, dann rieseln einige Steine ins Meer, sonst war nicht viel aktives zu sehen. Die Nacht am Anker war dagegen ziemlich schlimm. Trotz Windstille war ein dauernder Schwell in der Bucht und wir schaukelten ununterbrochen hin und her.stromboli2

Stromboli

Stromboli

In Panarea, unserem nächsten Halt, haben wir ganz toll mit Anker rückwärts an der Kaimauer angelegt, um Diesel zu tanken. Dabei kam von rechts eine Fähre bis auf 10 m heran und legt dort an und ein Schlauchboot ist noch schnell zwischen Mole und Boot durchgeschossen. Die anderen Boote, die in der Umgebung herummanövrierten sind mir dann doch nicht näher gekommen. In Lipari, der nächsten Vulkaninsel im Äolischen Inselreich wollten wir eigentlich über Nacht bleiben, aber der Preis von 80 € am Steg ohne Dusche und ohne WC war dann doch etwas unverschämt (im August kassieren sie dafür übrigens 130 €).

Lipari

Lipari

Wir sind schließlich in einer Bucht von Vulkano gelandet (Boje 30 €). Wo wir uns gemütlich 2 Doraden, die wir beim Fischer in Lipari mitgenommen hatten, mit Kartoffeln und Gurkensalat gemacht haben. Dazu einen frisch gezapften Rose – einfach köstlich! Am nächsten morgen habe ich erst mal ein Schlammbad im Schwefelfangoteich genommen bevor wir weiter Richtung Sizilien motort sind.

Schwefelfelsen von Vulcano

Schwefelfelsen von Vulcano

Am Eingang zur Straße von Messina sind die Schwertfischjäger kreuz und quer gefahren. Das sind lange Fischerboot mit einem riesigen Mast auf dem der Ausguck steht. Er dirigiert das Boot dann zu einem an der Oberfläche schlafenden Schwertfisch. Dann versuchen die auf einem 30 m langen Ausleger stehenden Jäger den Schwertfisch zu harpunieren. Wir haben sie aber nur rumfahren sehen.

Schwertfischfänger

Schwertfischfänger

Jetzt hat auch richtig Wind eingesetzt (13-20 kn) und wir sind unter vollen Segeln die ganze Straße von Messina herunter gesegelt.

In der Bucht von Taormina haben wir noch eine Ankernacht eingelegt, bevor wir am Sonntag nach Catania weitergesegelt sind. Wie immer in den letzten Tagen mit einem Badestopp in glasklarem Wasser.

Ätna

Ätna

Nun grüßt uns der Ätna als 4. Noch aktiver Vulkan unserer Reise mit einer kleinen Rauchwolke über dem 3.360 m hohen Gipfel. Die Stadt ist mehrfach vollständig zerstört worden aber hatte seit 1693 keine größeren Zerstörungen mehr. So ist eine wunderbare Barockstadt entstanden, die einen ganz eigenen Charakter hat. Es ist zwar einiges schon wieder dem Verfall entrissen worden, vieles sieht aber noch aus wie die DDR vor der Wende.In manchen Vierteln würde ich auch lieber nachts durch Neapels Spanierviertel laufen, als mich hier aufzuhalten.

Catania

Catania

Universität

Universität

Den legendären Fischmarkt habe ich mir heute angeschaut. Es ist wirklich ein lebhaftes Handeln quer über Plätze und Gassen, bei dem außer Fischen, Muscheln und Krebsen auch Obst und Gemüse von den Bauern der Umgebung angeboten werden, sowie Fleisch und Käse und Oliven etc. Ein fantastisches Durcheinander!

Fischmarkt

Fischmarkt

Nun Gunter ist jetzt heim geflogen, Es war schön und er hat die unendliche Hitze (auch nachts noch 29°) mit mir geduldig ertragen. Wie kann man nur im Sommer nach Italien fahren. Ich werde morgen langsam weiterziehen Richtung Griechenland immer an der Sohle des italienischen Stiefels entlang.

 

Des Stiefels Absatz

Genau genommen fängt es ja beim Fußball vor dem Stiefel, nämlich in Catania schon an. Ich hab meine Flüge für Ende August von hier gebucht, weil die Preise annehmbar und der Hafen für einen längeren Aufenthalt ganz brauchbar und preiswert ist. Am Dienstag den 21.07. bin ich dann um 6:30 Uhr auf die 87 sm lange Tour gestartet, zunächst bei absoluter Windstille. Dann hat der Wind zugelegt und ich hab die große Genua gesetzt. Bei etwas mehr wind und einem Winddreher wollte ich das Groß setzen. Faul wie ich war hab ich die Genua dazu nicht eingeholt, wie es normalerweise sein sollte, sondern hab das Großsegel einfach so hochgezogen. Kann man auch mal machen. Leider hab ich dabei einen saftigen Überläufer produziert. Das ist so ein Leinengewirr auf der großen Winsch, wo die Leine, also hier das Großfall, so übereinander und untereinander eingeklemmt ist, dass sich nichts mehr bewegen läßt. Nach einer Stunde vergeblichem Bemühen die Leine wieder klar zu kriegen – segeln ging inzwischen übrigens prima, der Wind hatte auf 12 Kn zugelegt, nur die Welle mit 1,2 m war etwas unangenehm beim arbeiten. Schließlich hab ich doch den Werkzeugkasten geholt und die Winsch zerlegt, die Leine abgewickelt und die Winsch wieder aufgebaut. Es war auch höchste Zeit, mittlerweile hatte der Wind in der Straße von Messina auf 25 kn aufgefrischt (immerhin Windstärke 6). Also erst mal 2 Reffs ins Groß einbinden und die Genua etwas einrollen. Bei dem Seegang –inzwischen hatte ich 1,5 m seitliche Welle – ist das eine ganz schöne Schinderei! Dann ging es 1 Stunde ganz zügig mit 7 kn voran bis der Wind wieder nachgelassen hat und ich eine Stunde später die Reffs wieder rausgelassen hab. Nach einer weiteren Stunde war dann endgültig aus, ich hab die Segel eingeholt und bin die restlichen Stunden mit dem Motor nach Roccella ionica gefahren.

Yachthafen Roccella ionica

Yachthafen Roccella ionica

Capo Spartivento

Capo Spartivento

Den Ballen vom Stiefel hatte ich um 20:30 Uhr. Ach ja, 2 Stunden bevor ich zum Hafen kam hat mich der Hafenmeister angefunkt, ob ich in seinen Hafen will. Ist sei dann ein Helfer vor Ort um mir beim Anlegen zu helfen. Das ist mir noch nie passiert! Aber der Hafen nennt sich ja auch „Porto delle Grazie“.

Am nächsten Tag hatte ich 0-4 kn Wind, also nur Motor!  Es war dann auch nur heiß, heiß, heiß! Um 15:00 Uhr war ich dann auch schon in der Marina le castella, wo mir auch wieder ein freundlicher Marinero beim Anlegen half. Inzwischen hab ich das schon ganz gut drauf: ich fahre mir langem Anlauf rückwärts in die Lücke an der Mole und bremse kurz vorher ab, dann kurz warten, denn der Wasserschwall der hinter dem Schiff herkommt schiebt mich nochmal zur Mole, also nochmal bremsen! Dann die beiden Achterleinen mit großem Schwung auf die Mole -möglichst auf der anderen Seite wieder ins Wasser – werfen, die Mooringleine von der Mole mit dem Boothaken angeln und damit so schnell wie möglich nach vorne rennen, dabei die Leine einholen und das Boot, das hoffentlich der Marinero inzwischen an der Mole festgemacht hat von der Mole wegziehen (Ach ja, die Mooring ist eine Festmacherleine des Hafens. Sie ist in 20 m Abstand zur Mole am Grund befestigt und liegt dann gerade zur Mole oder Steg, wo sie an einer dünnen Leine befestigt ist, die dort senkrecht aus dem Wasser kommt. Entsprechend dreckig ist diese Leine, die man da aus dem Hafenschlick zieht und womit dann das Boot am Bug festgemacht wird. Danach ist jedenfalls erst mal eine Dusche für Mann und Boot mit dem Schlauch fällig!). Le Castella, also die Burgen, hat seinem Namen von verschiedenen Resten von Burgen, die hier gefunden wurden. Eine steht noch und ist zu besichtigen. Sonst ist es ein kleiner Touristenort mit einigen Restaurants und Bademodenläden.

Le Castella

Le Castella

ionische küste

Am Donnerstag fuhr ich bei Flaute nur um den Ballen des Stiefels nach Crotone um zu tanken. Erst mal muss man durch die verschiedenen Gasbohrinseln, die vor der Küste stehen, dann kommt man in den Hafen.gasplattform crotone

Der Ort hat einen alten Kern an einer Befestigung auf dem Felsen über der Stadt. Es sind viele romantische Gässchen, die ich mir in der Hitze erarbeitet habe. Von dem Castell hat man einen Wunderbaren Blick über die Hafenanlagen und den Ort. Es sieht nur leider etwas trostlos aus. Vieles ist vor nicht allzu langer Zeit schön hergerichtet worden, aber dann in Vergessenheit geraten (bzw. es fühlte sich keiner für die Pflege verantwortlich): gepflasterte Terrassen wellen sich , weil überall Unkraut heraussprießt, vor dem Wochenmarkt steht eine Reihe Verkaufsgestelle die der Rost nun niedermacht, aus dem Wasserlauf, der den Weg zum Castell begleiten soll, sprießt aus dem trockenen Boden das Kraut usw. Ich hab zumindest ein Brot und einige Getränke für die Weiterfahrt bekommen.

Festung Crotone

Festung Crotone

Crotone

Crotone

Am Freitag gings erst mal mit schönem Segeln um 5:30 Uhr los bis um 9:00 Uhr der Wind plötzlich weg war. Mittags hab ich dann wieder einen Badestopp eingelegt, bei 31° C Wassertemperatur auch nur 5 Grad kälter als die Luft. Um 15:30 kam plötzlich wieder schöner Wind auf und ich konnte nur mit der Genua 8 kn Fahrt machen. In Santa Maria di Leuca hab ich dann vor dem Hafen den Anker gesetzt, denn der Hafen war recht voll. Ich hab den Stiefelabsatz erreicht. Vom Hafen aus geht eine (verfallene) Freitreppe zur Kirche auf dem Berg, die Mussolini für einen Auftritt hat bauen lassen. Hier erreicht man das Capo Santa Maria di Leuca ein Wallfahrtsot und (schon wieder)  ein finnibus terrae ein Ende der Welt – mein fünftes!

Leuca

Leuca

Santa Maria de Leuca mit Mussolinitreppe

Santa Maria de Leuca mit Mussolinitreppe

Nachdem „um die Ecke“ die angeblich schönste Küste der Ostseite Italiens auf mich wartete, wollte ich die natürlich auch noch sehen. Ich bin also wieder mit Motor die 27 sm um den Stiefelabsatz nach Otranto gefahren (Wind war wieder mal keiner). Die ersten 7 Meilensind wirklich recht eindrucksvoll, dann lässt es aber ziemlich nach.küste

Am Cabo Otranto

Am Cabo Otranto

Im Hafen konnte ich wieder voll tanken, musste aber ankern, weil alles belegt war (ein Hafenteil war allerdings ganz neu und fertig zum Anlegen, aber abgesperrt). Otranto hat auch eine Festung und darum herum eine sehr romantische Altstadt mit kleinen verwinkelten Gässchen und vielen Restaurants und Souvenirläden.

Otranto

Otranto

hafen otranto

Die Festung wurde zum Schutz der Stadt von den Aragonesen (also Spaniern) gebaut, nachdem die Türken 1480 die Stadt überfallen und 800 Einwohner enthauptet hatten. Sehenswert ist aber vor allen die Kirche mit einem vollständig erhaltenen Mosaikboden den ein Mönch in den Jahren 1163-65 dort gelegt hatte.

Mosaikboden

Mosaikboden

Am Sonntag früh um 5:00 Uhr hab ich den Anker gelichtet und bin nun endlich Richtung Griechenland gestartet.

Sonnenaufgang auf dem Weg nach Griechenland

Sonnenaufgang auf dem Weg nach Griechenland

Griechenland 1. Teil

Korfu

Korfu

In Griechenland muss man im ersten Hafen einklarieren, obwohl ich ja aus einem EU Land komme. Das geht nur in bestimmten Häfen, wie Gouvia auf Korfu. Der Hafen gehört einem internationalen Konsortium und kostet deshalb 60 €uro. Dazu kommt die Meldegebühr von 45 Euro und 15 Euro Einreisegebühr. Das Billigste war dann das Abendessen im Dorf mit 4 Lammkotelettes, griechischem Salat, ½ kg Retsina (Liter gibt es hier anscheinend nicht) und einen Kaffee für 20 €uro.yachthafen Gouvia

Eigentlich wollte ich mich auf Korfu von der Überfahrt erholen, aber der Hafen war einfach zu teuer und die Überfahrt so sanft gewesen, dass ich gleich nach Mourtos, einem Ankerplatz an der Festlandsküste, gefahren bin. Eine kleine Insel ist dort mit dem Festland über eine Sandbank verbunden und morgens stapfen alle Feriengäste mit Badesachen durch das knietiefe Wasser zur Insel, weil da wohl der schönste Badestrand ist. Außerdem gibt es eine Segel und Surfschule Tauchkurse und noch so allerlei, was sich morgens um mein Boot tummelt.Küste bei mourtos

Morgentrubel am Ankerplatz

Morgentrubel am Ankerplatz

Also ab zur Insel Paxos. So stellt man sich Griechenland vor: eine kleine Bucht mit einem idyllischen Fischerdorf, einigen Tavernen und Läden, ringsum zirpen die Zikaden in den Olivenbäumen. Nur die Bucht ist so rappelvoll mit Jachten, die hier vor Anker liegen, dass man kaum dazwischen durch kommt. Ich hab trotzdem einen Platz gefunden bin aber nachts um ½ 4 Uhr umgezogen, weil mir eine englische Jacht zu nahe gekommen ist, als die ganze Meute sich im Wind um 180° gedreht hatte.

dichtes Ankerfeld - enger geht nicht

dichtes Ankerfeld – enger geht nicht

Paxos

Paxos

Der nächste Stopp im Ambrakischen Golf, einem großen Binnenmeer, hatte dagegen Platz im Überfluss und ich hatte eine ruhige Nacht, bevor es durch den Kanal zwischen Festland und der Insel Levkas ging. Die Brücke öffnet dazu alle Stunden einmal. Die Brücke ist ein Ponton, also ein Schiff mit zwei Rampen, das dazu zur Seite gefahren wird. Levkas ist ein lebendiger Touristenort, wo es alles gibt. Erst mal wieder tanken, denn da war nix mehr drin. Dazu winkt man einfach einen der kleinen Tankwägen (etwa Kleintransportergröße) herbei, die hier überall herumfahren. Der füllt dann mit seinem selbstgebastelten Tankstutzen den Tank und kassiert (1,19 € der ltr Diesel).

Kanalbrücke

Kanalbrücke

lefkas

Levkas

Kanalfahrt

Kanalfahrt

An der Insel Kalamos hab ich wieder einen schönen, fast leeren Ankerplatz gefunden. Das Dorf, das in dieser Bucht liegt ist verlassen. 1953 hat es hier an der Küste ein furchtbares Erdbeben gegeben, das 80 % der Häuser auf den Inseln zerstört hat. Hier in Porto Leone sieht man noch die Mühlräder der Ölmühlen in den verfallenen Häusern. Eine Kirche ist wieder schön aufgebaut worden und zwei Mal im Jahr findet hier eine Wallfahrt statt.

Ankerplatz auf Kalamos

Ankerplatz auf Kalamos

ölmühle Porto Leone

Das nächste Ziel ist Ithaka. In Vathi, der Hauptstadt, findet man alles was man auf der Reise braucht, vor allem aber Odysseus! Der ist ja auf Ithaka geboren, König von Ithaka geworden und hat mit seinem Holzpferd die Trojaner besiegt. Danach ist er ein bisschen wirr durch die Welt gesegelt, weil er nicht mehr heim gefunden hat. Nach einigen obskuren Abenteuern hat er dann doch noch seine Insel gefunden und seine Frau Penelope (natürlich umschwärmt von zahlreichen Werbern, die er kurzerhand alle umgebracht hat), die die ganzen Jahre auf ihn gewartet hatte.

Ithaka

Ithaka

Vathi auf Ithaka

Vathi auf Ithaka

Auch auf der Insel Kephallinia,der größten Insel im Ionischen Meer, gibt es natürlich auch einige mystische Orte. Einer davon ist die Arethusaquelle, die aus einer Felswand im Osten der Insel herauskommt (wenn es nicht so trocken ist) und in einem kleinen Bächlein ins Meer fließt. Nun hat mein Schiff, das ja früher Arethusa hieß, endlich seine Flussnymphe gesehen.

Arethusaquelle

Arethusaquelle

In Katelios, einer Bucht im Süden der Insel, hab ich einen ruhigen Ankerplatz gefunden und eine Schöne Taverne mit frischem Fisch. Das mit dem Ankern ist zwar billig und einfach, aber wenn ich an Landkommen will, muss ich immer das Schlauchboot ins Wasser lassen, Ruder und Sitzbank einbauen und später wieder alles an Bord holen und aufräumen. Aber langsam hab ich die Tricks schon raus, wie ich das 25 kg Monstrum am besten anpacken muss.

Taverne in Katelios

Taverne in Katelios

In Killini, der äußersten Ecke des Peloponnes, hab ich Zwischenstation gemacht. Der Ort wacht alle Stunde einmal kurz auf, wenn eine Fähre kommt, dann versinkt wieder alles in Tiefschlaf. Verständlich bei 34° C im Schatten (wenn einer da wäre). Sonst ist der Ort ein wildes Durcheinander aus verfallenen oder leer stehenden Häusern, neu hergerichteten Restaurants, ein paar Bars und Hotels und einigen grünen Gärten mit kleinen oder großen Häusern und improvisierten Anbauten. Das Anlegen im Hafen kostet nix, außer dem Ausfüllen von einigen Papieren bei der sehr freundlichen Polizei.

Killini

Killini

Zakinthos, heute kommt Horst an Bord und ich bin endlich nicht mehr alleine unterwegs. Ich darf ausnahmsweise längsseits an der Hafenmole anlegen und muss dafür aber den doppelten Preis zahlen (das sind 20 € ! ist eben staatlich und nicht international privat). Das Wiedersehen feiern wir erst mal mit einem frisch gezapften Bier in eisgekühlten Gläsern! Morgen geht es weiter um den Peloponnes, wo sich Horst, der jahrelang dort Urlaub gemacht hatte gut auskennt.

Griechenland 2. Teil

Von Zakynthos aus sind wir nun auf der Westseite des Peloponnes entlang gefahren. Es gibt hier durchaus auch beeindruckende Felsformationen, vor allem, wenn sie in so düsterem Licht vor einem Gewitter zu sehen sind. Vom Gewitter haben wir nichts abgekriegt. Der Ort Pilos hat in paar ganz nette Tavernen und einige Hotels. Wir haben aber nur griechische Sommerurlauber gesehen, wie in den meisten Badeorten, die wir noch besucht haben.

Felsen vor Pylos

Felsen vor Pylos

Der nächste Tag brachte uns in die Bucht von Itilon am mittleren Finger des Peloponnes. In der Nachbarbucht ist die berühmte Höhle von Dyros zu finden, die wir vor 40 Jahren schon besucht hatten. Mitten in der Höhle wird man in Holzkähne verladen und fährt dann ein Stückchen auf dem unterirdischen Fluss. Wir hatten damals noch Karbidlampen zur Besichtigung bekommen, das ist heute sicher anders. In der Taverne in Itilon gab es Bärenkrebse, aber wir hatten schon in Pilos zwei Doraden gekauft, die wir uns am Abend machten. War auch gut! Auf der Halbinsel haben sich im 13. Jahrhundert die Niklier angesiedelt, ein kriegerischer Volksstamm der andere und sich selbst bekriegt hatte. Deshalb hatte jeder Hof einen befestigten Turm um sich gegen Angreifer zu schützen. Es gibt immer noch einige halb verfallen Türme, aber auch als Ferienhaus restaurierte und neuerdings auch neue Hotelanlagen, die diesen Stil aufgenommen haben. Sieht jedenfalls sehr malerisch aus und mit einer guten Taverne in der Nähe sicher ein lohnenswertes Urlaubsziel!bucht von itilon

In Gythio, auf der anderen Seite der Halbinsel Mani, haben wir dann  die Freunde von Horst getroffen, ungeheuer liebe Leute. Sie betreiben seit vielen Jahren einige Ferienwohnungen und haben eine Olivenbaumgarten, wo sie sehr gutes biologisches Olivenöl produzieren. Babel hat uns am nächsten Tag noch sehr geholfen, Teile für die Reparatur der Bootstoilette zu bekommen. Nach vielen Versuchen und einer großen Sauerei haben wir die Verstopfung beheben können. Es war aber später noch 2 mal verstopft. Nähere Details erspare ich Euch dazu.

Githiou

Githiou

Nun wollte Horst noch einmal seine Trauminsel Elafonisio sehen, ganz am Südzipfel des dritten „Fingers“. Das Wasser war immer noch türkisfarben und klar, der Sandstrand sauber aber halt nicht mehr einsam! Ein großer Campingplatz mit Selbstbedienungsrestaurant (es hat viel besser geschmeckt als es ausgesehen hat!), die ehemalige Taverne eine verkommen Strandbar und einige Häuser, die vorher auch nicht da waren. Na ja die Zeiten ändern sich.

Kap Maleas

Kap Maleas

Das nächste Ziel war Monembasia auf der Ostseite des letzten Fingers, das wir beide in guter Erinnerung hatten. Diesmal wurden wir auch nicht enttäuscht. Der Felsen an den das malerische Dorf angeschmiegt ist, steht wuchtig im Meer und die Häuser sind schon fast alle hergerichtet – ein paar Ruinen gehören in Griechenland halt immer dazu. Ach ja, fast hätte ich es vergessen, wir konnten heute mal segeln. Bisher war jeden Tage schon 1-2 Stunden Segeln drin, aber sonst war Flaute und wir sind mit Motor gefahren. Aber um das Kap Maleas herum war richtig schöner Wind. Nicht ganz die richtige Richtung, sodass wir kreuzen mussten und die Welle war Horst auch etwas zu ruppig, aber sonst ganz schön.

Monembasia

Monembasia

monemb monemb 3

Im Hafen Plaka von Leonidia war unsere nächste Station. Der Ort liegt eindrucksvoll unter einer roten Felswand. Ich bin extra hingeradelt, um mir das 5 km hinten im Tal anzusehen, aber der Ort war schon sehr verschlafen Bei der sehr rührigen Wirtin haben wir dann noch 2 alte Fische zum Abendessen bekommen. Na ja die müssen auch mal weg!

Leonidia

Leonidia

Auf dem „Daumen“ gegenüber liegt Portoheli ein Hafen in einer riesigen Bucht. Wir waren früh dran und hatten einen guten Platz an der Pier. Horst hat das inzwischen raus mit dem Anker und es wird jedesmal perfekter. Hier in Griechenland kann man nämlich ankern oder man wirft in Hafenmitte der Anker aus, fährt rückwärts an die Pier und macht dann zwei Leinen zur Pier fest. Klingt einfach ist aber alleine nicht zu machen, weil ich nicht gleichzeitig den Anker fieren (rauslassen) kann und 12 Meter weiter hinten im Boot den Motor bedienen und steuern kann. Das Eis ist gut hier und auch das Restaurant am Abend, mit Blick auf die Bucht, war ein schönes Erlebnis.portoheli

Nun haben wir den Daumen umrundet und sind in Poros gelandet. Ein schmaler Kanal trennt die Insel Poros vom Festland und der Ort zieht sich den ganzen Kanal entlang und einen Berg hinauf. Sehr idyllisch und auch sehr lebhaft, denn die Insel ist wohl ein beliebtes Ausflugsziel für Athener und dauern legen Fähren in den unterschiedlichsten Größenordnungen an, um die Leute hin und her zu bringen. Wir haben wieder gegenüber unserem Boot ausgezeichnet gegessen. Hier mussten wir auch zum ersten Mal Hafengebühr zahlen seit Zakynthos (16 €). Na, Athen wird dann schon teurer mit 40 Euro pro Tag.

Poros

Poros

Bei der Fahrt über den Saronischen Golf nach Athen haben wir wie fast jeden Tag wieder eine Badepause eingelegt. Motor aus , warten bis das Boot stillsteht – ist ja eh kein Wind – und hinein. Danach mit Süßwasser abduschen und die Erfrischung hält für eine halbe Stunde. Die Sonne brennt nämlich täglich mit 34°im Schatten (wenn einer da wäre) herunter und wenn man nicht in der Zugluft steht, sondern in einem windgeschützten Eck läuft einem einfach so der Schweiß in Strömen herunter. Und segeln? So 2-3 Stunden haben wir jeden Tag versucht zu segeln, oft mit gutem Erfolg, aber der Rest war dann doch mit Motor, weil der Wind wieder eingeschlafen war.

Strand vor der Luxusmarina

Strand vor der Luxusmarina

In Athen haben wir dann in der Luxusmarina für Boote bis 180 Meter Länge angelegt. Sie war halb leer und wohl froh, dass wir für 2 Tage etwas Geld mitbrachten, denn von den Luxusjachten ist nichts zu sehen. Sie ist auch Teil der Olympiabauten von 2004, die heute in erbärmlichem Zustand sind. Auf dem vermüllten Parkplatz mit einigen vertrockneten Bäumen haben sich einige Flüchtlingsfamilien niedergelassen. Die Pickups, die sie hatten haben sie mit selbstgebastelten Eisenkonstruktionen in 2-stöckige Wohnungen umgebaut. Oben leben die Kinder und unten kocht und wäscht die Mutti. Am ersten Abend war es mir etwas unheimlich und am 2. Abend, als ich mir vorgenommen hatte mal zu fragen woher sie kommen, waren sie weg.flüchtlinge

Vielleicht war es ihnen auch zu ungemütlich, denn abends sind die stolzen Motorradbesitzer hier Kurzrennen gefahren und haben mit schmierenden Reifen Kreise auf den Beton gemalt. Der Strand neben unserer Luxusmarina ist so vermüllt, dass die Einheimischen, wenn sie zum Baden herkommen (tun sie tatsächlich!) einen Rechen mitbringen, um sich ein Stückchen Strand vom Müll frei zu rechen.  Der zweite Eindruck von Athen war, dass es voller Touristen ist, vor allem Chinesen. Sie überschwemmen die Akropolis und Teile der Altstadt.

Akropolis

Akropolis

akropolis

Die Plaka  (Altstadt) sieht noch aus wie vor 40 Jahren : viele Souvenirgeschäfte, Restaurants, Antiquitätenhändler und sonstiger Trubel.dass es noch viele andere interessante Viertel gibt, hab ich auf einen Busrundfahrt mit dem offenen Doppeldecker gesehen. Auf der Autobahnfahrt nach Piräus pfeift einem da ganz schön der Wind um die Ohren. Ziemlich k.o. hab ich mich im Hafen erst Mal unter die Dusche gestellt.

Plaka

Plaka

Von Athen aus bin ich vor den Kanal zum Ankern in eine Bucht gefahren, denn ich wollte den Kanal im Morgenlicht erwischen. Die Abfertigung ist problemlos und schnell – Hauptsache ich zahle die 184 € Gebühr. Puh! Mit dem Kanalbau haben sie zwar schon 700 v.Chr. zu bauen angefangen aber erst 1893 ist er fertig geworden. Na ja, an der Akropolis bauen sie heute noch. Eindrucksvoll ist das schon, wenn man die teils 80 m hohen senkrechten Felswände auf beiden durchfährt.

Kanal von Korinth

Kanal von Korinth

kanal kor 2

Danach bin ich gleich weiter nach Galaxidi auf der Nordseite der Bucht von Patras. In dem hübschen kleinen Ferienort hab ich direkt vor einer Taverne geankert, die früher eine Ölmühle war und die Mühlräder und Pressen noch im Gastraum hatte. Der Sonnenuntergang hat dann die ganze Stadtkulisse noch in ein warmes rot getaucht – Romantik pur, nur alleine hat man nicht so viel davon.

Galaxidi

Galaxidi

Navpaktos  am Ausgang der Bucht von Patras war die nächste Station. Ein stark befestigter Hafen und eine Festung, die sich den ganzen Berg hinaufzog sind die markanten Bauten dieser Stadt. Hier hatten die Türken über 70 Jahre einen Stützpunkt erobert und ausgebaut, bis die „Heilige Allianz“ die ganze Flotte mit über 300 Schiffen in der Schlacht von Lepanto (so nannten die Venezianer diese Stadt damals) niedermachten und die Stadt zurück eroberten.

Navpaktos (Lepanto)

Navpaktos (Lepanto)

Am nächsten Morgen ging es unter der neuen Brücke von Rio hinaus und um die Ecke nach Norden Richtung Korfu.

Brücke von Rio nach Antirion

Brücke von Rio nach Antirion

Es gibt hier in den Lagunengebieten, die zwischen den Bergen ans Meer reichen, viele Fischzuchtanlagen und so manche Bucht ist gar nicht mehr oder nur noch halb zum Ankern zu gebrauchen. So arbeite ich mich bei wenig Wind oder Wind von vorne langsam vor, bis der Abstand zwischen Griechenland und Italien so klein wird, dass ich es an einem Tag hinüber schaffe.

Fischzucht

Fischzucht

Waren bis Navplion so gut wie keine deutschen Touristen zu sehen, quellen sie einem hier so richtig entgegen, ich meine mit Charterbooten. Fast jedes 2. Boot ist mit Deutschen besetzt und im Gegensatz zu meiner Runterfahrt vor 4 Wochen war jetzt richtig was los. Zum Abschluss ist noch zu sagen, dass alle Griechen, mit denen ich zu tun hatte überaus freundlich waren und keiner eine negative Äußerung zu Deutschland oder die deutschen gemacht hatte. Es ist nach wie vor ein Land, in dem wir Willkommen sind und in dem es sich leicht und angenehm leben lässt (wenn es nicht immer so heiß wäre!).

Zurück nach Catania

Auf dem Rückweg hab ich mir dann doch einige Abstecher erlaubt, die vielleicht interessant sind. Nachdem auf Paxos alle Buchten gerammelt voll waren bin ich gleich weiter nach Korfu. Es war auch ein schöner Segelwind und ich konnte die Tagestourverlängerung  schön genießen. An der Landspitze an der ich in die erste Bucht abbiegen wollte, war der Wind dann urplötzlich total weg und ich bin die letzten 2 Meilen mit Motor gefahren. Eine Taverne mit frischen Doraden hat den Tag perfekt gemacht.

Taverne in Petriti, Korfu

Taverne in Petriti, Korfu

Kurz entschlossen bin ich am nächsten Tag nach Albanien gefahren. Das hatte mich schon auf der Herfahrt gereizt und jetzt hab ich es einfach gemacht. Im Hafen von Sarandee werde ich gleich freundlich von einem Agenten herein gewinkt, der mit seinem Sohn die Leinen übernimmt. Dann kassiert er die Schiffspapiere und den Ausweis und ist erst mal für eine gute halbe Stunde weg. Dann hab ich eine Aufenthaltsbescheinigung, eine Ausfahrtgenehmigung für den nächsten Tag und Zoll, Hafenbehörde und Polizei sind auch erledigt. Das ganze kostet dann 75 Euro!

Sarande, Albanien

Sarande, Albanien

Sarande

Sarande

Die Stadt ist in choatischem Aufbruch. Überall stehen angefangene Häuser, teilweise direkt 2 Meter vor den Balkonen der alten Häuser dahinter gebaut, aber offensichtlich seit Jahren nicht weitergemacht. In manchen 5 Stöckigen Rohbaugerippen ist nur im Erdgeschoss ein Laden drin oder das oberste Geschoss ist mit einer Wohnung ausgebaut. Alle hundert Meter steht ein Polizist und pfeift, damit man auch merkt, dass da schon wieder einer ist. Die Hafenpromenade wacht abends um 8 Uhr langsam auf und es gibt jeden billigen Kitsch den man sich vorstellen kann, aber auch viele Restaurants, Fast Food, Pizzerien, Eisdielen und überall geröstete Maiskolben von Bauern, die mit einem improvisierten Grill ihre Ernte an die Leute bringen wollen. Billig ist es nur, wenn man Gemüse oder Obst in einem der kleine n Läden kauft. Die Restaurants sind genauso teuer wie in Italien. Mit Euro zahlen ist übrigens kein Problem. Man bekommt nur das Wechselgeld in der Landeswährung Leke zurück.

Morgens um 5 Uhr hab ich dann per Funk die Auslauferlaubnis bekommen und los gings, genau nach Westen Richtung Italien. Fast die ganze Strecke war auch schöner Wind, Anfangs etwas viel, so mit 24-30 kn (das sind 6 Windstärken) und 1,5 m Welle gegenan etwas ruppig, aber später wurde es immer angenehmer bis er um 17:30 ganz eingeschlafen ist.  Kurz vor Santa Maria de Leuca bin ich dann noch von einem englischen Bordercontrol Schiff begleitet und ausgefragt worden. Sie waren mit meinen ehrlichen Antworten wohl zufrieden und haben mir schließlich noch eine gute Fahrt gewünscht. Ziemlich müde hab ich nach 14 Stunden um 19:00 Uhr vor der Stadt geankert.leuca leuca 2 leuca 3

Diesmal hab ich mir eine Besichtigungstour durch Leuca gegönnt und hab früh morgens das Dinghi ins Wasser geworfen und bin an den Strand gepaddelt. (Da gucken immer alle, wenn einer angepaddelt kommt, und nicht mit einem Außenborder anrauscht). In der kleinen Stadt gibt es viele alte Villen, denn es war um 1900 eine beliebtes Ferienziel für die Neapolitaner, die Geld genug hatten, sich hier einen Palast hin zu bauen. Heute sind das meistens Hotels. Um 10 Uhr hatte ich das Beiboot wieder fest an Bord verzurrt und los gings in die Bucht von Taranto. (kommt von Tarantel, der Spinne, deren Biss Halluzinationen hervorrufen soll. Es heißt allerdings, dass die Frauen im Mittelalter dieses Märchen erfunden haben sollen, um ohne männliche Zurechtweisung einmal so richtig ausflippen zu können! ) Jedenfalls bin ich unter Segeln gegen den Wind nach Westen gefahren (also kreuzen – jeder Schlag 5 Meilen also etwa eine Stunde – für die Fachleute) und hab um 18:00 Uhr den Anker vor Gallipoli geworfen.

Gallipoli

Gallipoli

Schnell das Dinghi ins Wasser und rüber rudern, damit ich im letzten Tageslicht noch durch die Stadt komme. Die Altstadt ist befestigt und liegt auf einer Insel. Heftiger Touristenbetrieb mit Läden, Restaurants und immer mehr Leuten, je später der Abend wurde. Am Rande der Stadt gibt es einen Fischmarkt, auf dem ich erst eine Fisch für den nächsten Tag gekauft habe (5€) und dann eine große Platte mit Meeresfrüchten mit Wein genossen habe. Zu meinem Erstaunen waren die Muscheln, Austern, Krebse und Seeigel aber nicht gekocht, sondern roh! Na ja, nachdem sie hier noch keine rausgetragen haben, scheint man das essen zu können und das hab ich dann auch gemacht. War eigentlich ganz gut, bißl schlabbrig vielleicht.

Meeresfrüchteplatte

Meeresfrüchteplatte

Quer über die große Bucht nach Crotone hat der Wind hat nicht ganz gereicht und so hab ich einfach den Motor mitlaufen lassen, damit ich die 75 sm auch bis zum Abend schaffe. In Crotone haben sie die Preise im August nochmal angehoben, so hab ich hier auch 40 € zahlen müssen. Dann hab ich meinen Fisch in die Pfanne gehaut und mit Genuss, Nudeln und Salat verspeist.

Den nächsten Hafen kannte ich schon: Roccella Ionica. Wieder um 7 Uhr früh los, damit ich die 70 sm schaffe und dann den Motor an, denn es war wieder kein Wind. Im Hafen hab ich wieder die legendäre 1/2 Pizza gegessen (also nur ¼, den Rest gabs am nächsten Abend am Boot). Es ist immer faszinierend, wie der leere Hafen abends mit Tischen für 800 Personen bestückt wird und ab 9 Uhr die Leute einströmen, um Pizza zu essen. Um 10 Uhr ist tatsächlich fast alles voll, um 12 Uhr sind dann alle wieder weg. (die nächsten Häuser sind immerhin 3 km weg.

Taormina

Taormina

Auch der nächste Tag begann um 7 Uhr und es mussten nochmal 70 sm bewältigt werden. Ganz ohne Wind mit dem Steuerautomat wird man da stundenlang nur in der Sonne gebraten! Zwischendrin gibt es einen kurzen Stopp und ich springe in das 200 bis 800 m tiefe glasklare Wasser. Ein bisschen erfrischend ist es schon, es hat nämlich nur noch 29°C. In der Bucht von Taormina hab ich wieder einen schönen Ankerplatz gefunden. Die Stadt hat mich jetzt doch sehr gereizt und so hab am Morgen ich mein Dinghi wieder ins Wasser geworfen, bin ans Ufer gerudert und habe auf dem gesperrten Fußweg den 200 Meter hohen Berg erklommen. Obwohl noch Schatten war, war ich oben klatschnass geschwitzt. In den engen Gassen und den kühlen Kirchen hab ich mich dann schnell erholt. Überall sind Keramikläden, die die sizilianische Kunst der Kopftöpfe verkaufen. Für uns ziemlich kitschig siht man nach einiger Zeit doch die feinen künstlerischen Unterschiede und ich hab sie schließlich ganz originell gefunden.

Keramikköpfe

Keramikköpfe

Die Attraktion von Taormina ist aber das Amphitheater auf dem Berg mit einer großartigen Aussicht auf die Bucht und den Äthna.taormina

Bevor die Besucherscharen die Stadt erobern, bin ich mit dem Bus wieder runter zum Boot gefahren, hab das Dinghi aufgeladen und bin weiter  zu der Isola die Ciclopi. Entlang der schwarzen Lavafelsküste bis zu einer kleinen Bucht, in der einige Felsen wild aus dem Wasser stehen.

Isola dei Ciclopi

Isola dei Ciclopi

Ja, das sind die Felsen, die der Kyklop, dem Odysseus das einzige Auge ausgestochen hatte, ihm hinterher warf, als sich Odysseus mit seinem Schiff davon machen wollte. Getroffen hat er natürlich nicht. Er hat ja nix mehr gesehen. Jetzt ist dort ein Naturreservat für die Unterwasserwelt eingerichtet. Von der Bucht aus hat man noch einen schönen Blick auf den Äthna, soweit er nicht im Nebel oder seinem eigenen Rauch eingehüllt ist.

Jetzt waren es nur noch 6 sm bis nach Catania, wo ich das Schiff für die nächsten 4 Wochen lassen werde. Vorher hab ich noch aufgetankt, ganz hinten im Hafen quer, mit Booten auf beiden Seiten. Bin aber gut rein und wieder raus gekommen (war ja auch kein Wind in dem Loch dahinten).

Tankstelle in Catania

Tankstelle in Catania

Jetzt werden noch die Segel eingepackt und die Wassertanks gefüllt, dann ist alles fertig. Ende September geht es dann wieder weiter. Algerien hab ich jetzt gestrichen, nachdem das Auswärtige Amt dringend vor Reisen dorthin gewarnt hat und man weder Fernglas noch GPS oder Kartenplotter  noch Sprechfunkgerät einführen darf. Außerdem muss die Route auf den Tag genau angegeben werden. Das ist bei den Wetterverhältnissen im Herbst nicht so ohne weiteres möglich. So bleibt nur der Rückweg über Sardinien und die Balearen. Wird sicher auch interessant.

der letzte Tag auf meinem Schiff in Catania

der letzte Tag auf meinem Schiff in Catania

Auf zum Endspurt

Am 26.09. bin ich wieder im Flieger nach Catania gesessen, im Gepäck einige Reparaturteile fürs Schiff. Zunächst hab ich die angenehmeren Arbeiten erledigt: die Stromversorgung für den Plotter mit einem neuen Stecker und die AIS Anzeige, die mir auf dem Bildschirm die größeren Schiffe in der Umgebung anzeigt und deren Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit. Dann kam die Wasserpumpe dran, die das Waschbecken im Bad abpumpen soll. Funktioniert auch!

Ätna links und Nebenkrater

Ätna links und Nebenkrater

Zur Belohnung hab ich mir am nächsten Tag einen Ausflug auf den Ätna, bzw. auf einen der ca 300 Nebenkrater gegönnt. Da fährt man erst mal mit dem Bus 2 Stunden auf 2000 m Höhe. Die letzten Kilometer geht es nur noch durch die Lavaströme in Serpentinen Bergauf. Dann kommt eine Gondelbahn bis auf 2500 m. Von dort geht es im Unimog mit jeweils 25 Touris auf 2900 m. Den Rest muss man dann hinter einem Führer her laufen, bis man an einem Kraterrand steht, aus dessen Grund noch etwas Dampf austritt. Inzwischen ist der Vulkan wohl so erforscht, dass die Wissenschaftler schon ca. 3 Tage vorher wissen wann und wo er wohl aktiv werden wird. Trotzdem lässt sich der Lavafluss nicht so recht beeinflussen und es werden immer wieder (das letzte Mal 2009) Häuser getroffen.krater gräser

Nach 20 Jahren ist die Lava dann so verwittert, dass sich erste Gräser ansiedeln, denen ( viel) später Eichenwälder, Kastanien und anderes folgen. Berühmt ist der Wein und der Honig der hier produziert wird.

Die Arbeit geht weiter mit der größten Aktion: WC ausbauen, Schläuche abnehmen und neue Pumpe einbauen. Nach 4 Stunden ist alles geschafft und scheint auch zu funktionieren. Inzwischen ist auch Gerlinde eingetroffen und wird mich die nächsten Tag begleiten – schön!

So sind wir am 29.9. nach Syracus aufgebrochen. 1. Schreck, das Schiff bewegt sich nur ganz langsam und reagiert sehr träge. Später stellt sich heraus, dass die Schraube voller Seepocken ist, die sich im Hafen von Catania angesiedelt hatten. Da stimmt natürlich die ganze Hydraulik nicht und der Antrieb ist recht mau. 2. Schreck, der Plotter funktioniert doch nicht. Also lege ich mit dem Trafo ein neues Kabel direkt von der Steckdose durch das Klofenster hin und schließe an – er geht!siracusa

Nach 35 Meilen legen wir in Syracus an. Am nächsten Tag regnet es in Strömen. Wir schauen uns trotzdem die Stadt an, eigentlich mehr die Flussläufe auf den Straßen und Gehwegen, um die etwas flacheren Gewässer zum weiter laufen zu finden. Am Nachmittag wird es besser und wir gehen durch die Altstadt, die auf einer Insel liegt.siracusa1 siracusa 2

Alles was es an Hochkulturen im Mittelmeer gab, hat hier einmal geherrscht: Phönizier, Griechen, Karthager, Römer, Spanier etc. Jeder hat irgendwas gebaut und das andere meist zerstört. So ziemlich alle sin in der großen Kathedrale auf der Insel vertreten. Die Byzantiner (hatte ich die vorher vergessen?) haben z.B. die griechischen Säulen des Tempels einfach zugemauert, eine Apsis angefügt  und schon war die Kirche fertig.

Dom in Siracusa

Dom in Siracusa

Am Donnerstag haben wir schon um 6:30 Uhr abgelegt, um in einer Tour bis Malta zu kommen. Der Wetterbericht war günstig und wir konnten schön segeln (immer mit „angezogener Handbremse“ weil auch Rumpf und Kiel voller Seepocken war. Um 12:00 haben wir den Leuchtturm von Cabo Passero gerundet, das ist die SO Spitze von Sizilien.

Cabo Passero

Cabo Passero

Mehrere Gewitterschauer haben wir umfahren, bis uns abends vor Valetta (Hauptstadt von Malta) beinahe doch noch eines erwischt hätte. Die Sonne war schon untergegangen und die Blitze schossen wild aus der  schwarzen Wolke. Dann waren alle Lichter von Valetta hinter einer dichten Regenwand verschwunden, die langsam nach Westen zog. Als die ersten Lichter wieder auftauchten, haben wir Gas gegeben und sind trocken! In den Hafen eingelaufen.

Grand Harbour

Grand Harbour

Valetta ist ein Faszinierendes Gemisch aus maurischen, spanischen und römischen(italienischen) Einflüssen. Italienische Pallazzi mit Spanischen Balkonen und maurischen Verzierungen gibt es an jeder Ecke. Französisches findet man nicht so oft. Vielleicht mögen sie das auch nicht, nachdem ihnen Napoleon ihre Festung zusammengeschossen hatte, weil sie ihn nicht freiwillig reingelassen haben.

Hafeneinfahrt Valetta

Hafeneinfahrt Valetta

Auch die Sprache ist ein tolles Gemisch aus vielen Einflüssen, überwiegend arabischen. Man versteht kein Wort, wenn die Einheimischen sich auf Maltesisch unterhalten. Am Samstag war dann die berühmte Notte Bianca, die Nacht in der viele Palazzi geöffnet haben alle Kirchen und Banken ihre Räume zeigen und auf der Straße und vielen Höfen Musik gemacht wird. Ganz Malta pilgert da durch.

Palazzo (Kaufhaus)

Palazzo (Kaufhaus)

Valetta

Valetta

Am Sonntag ist Gerlinde wieder heim geflogen und ich hab den teuren Hafen (72 €/Nacht) verlassen und bin Richtung Gozo, der zweiten bewohnten Insel Maltas gefahren. Dort in der Blauen Lagune hab ich vor einer tollen Felskulisse geankert und in dem glasklaren Wasser mein Schiff von unten angeschaut: voller Seepocken (sehen aus wie kleine Ätnas).

Blue Lagoon

Blue Lagoon

Bevor es wieder regnet und stürmt bin ich um 6:00 Uhr früh in einem langen Schlag nach Licata / Sizilien aufgebrochen.

Sonnenaufgang

Sonnenaufgang

Dort im Hafen hab ich am nächsten Tag versucht mit zahlreichen Tauchgängen die Muscheln von der Schiffsschraube ab zu kratzen. Ist mir auch ganz gut gelungen, jedenfalls ist das Boot danach wieder 1 kn schneller gelaufen. Licata hat einen ziemlich trostlosen Charme. Die Palazzi der Stadt erkennt man daran, dass bereits aller Putz abgefallen ist, während er sonst noch teilweise vorhanden ist.

Palazzo Frangipane

Palazzo Frangipane

Die einzige Attraktion ist ein großer Friedhof, der den halben Berg einnimmt und auf dem sich die Familien, die es sich leisten können ein 2-stöckiges Grabmal haben (oben Kapelle unten Gruft). Zumindest die Aussicht ist nach dem schweißtreibenden Aufstieg einmalig. Übrigens ist auch der Hafen perfekt eingerichtet und das Personal wahnsinnig freundlich und hilfsbereit.

Friedhof

Friedhof

Nach 2 Hafentagen hat sich der Wind etwas gedreht und kam nur noch schräg von vorne, sodass ich wieder weiter gefahren bin. Ziel war nun Sciacca (für die Nicht-Italiener: Schaka). Unterwegs hat mich die Küstenwache eine halbe Stunde geprüft, allerdings ist keiner an Bord gekommen. Jetzt hab ich immerhin 3 DIN A 4 Seiten mit jeweils 3 Unterschriften von wichtigen Offizieren. Wie sie allerdings festgestellt haben, dass ich keine weiteren Personen an Bord habe und auch keine 10.000 € weiß ich nicht.

palast

Palazzo in der Oberstadt

Sciacca, eine Stadt mit einer blutrünstigen Geschichte. Angeblich war schon Dioniseus hier, nachdem er auf Kreta sein Labyrinth fertig gestellt hatte. Er hat dann Thermalquellen entdeckt und Sessel in die Felsen geschlagen (lassen vermutlich), auf denen jeweils die Krankheiten standen, von denen man geheilt wurde wenn man da lange genug drauf saß. Na ja, ist alles wieder kaputt – siehe Syracus.

Fischerhäuser am Hafen

Fischerhäuser am Hafen

Im Mittelalter begann dann eine wilde Fehde zwischen zwei Adelsgeschlechtern, den Perollo (normannischen Ursprungs) und den Luna (Katalanen). Ein Luna heiratete 1400 die schöne Margret aus einem dritten Adelsgeschlecht und gewann dadurch an Einfluss. Darauf wurden die P. fürchterlich eifersüchtig und überfielen bei einer Prozession die Luna, zerrten sie in eine Gasse und metzelten auf sie ein. Nachdem diese aber doch noch nicht tot waren, schworen sie Rache. Da kriegten es die Luna mit der Angst zu tun und holten sich ein paar Mann Hilfe. Die wurden aber von den Perollo in einem Turm aufgespürt, umgebracht und aus den Fenstern geworfen. Jetzt gings erst richtig los: die Luna haben ihre Burg mit dicken Burgmauern und Türmen versehen, die Perollo haben sich Kanonen besorgt und sie beschossen. Schließlich wurde der Familienfürst der Perollo ermordet und das Oberhaupt der Lunas hat Selbstmord begangen. Damit endete nach 130 Jahren dieses Kapitel von Sciacca. In Geschichte hatte ich davon noch nix gehört! treppe2

Treppenstufen

Treppenstufen

Morgen soll das Wetter wieder besser werden. Ich werde dann weiter nach Tunesien ziehen.

Tunesien – warum nicht?

Der Wetterbericht war gut, als ich um 10:00 Uhr endlich loskam: NW Wind mit 20 kn auf 14 kn abflauend bis zum Abend. Im Hafen hab ich noch das Großsegel gesetzt, weil es da weniger Wellen gibt (mit einem Reff). Draußen kam dann noch ein Stückchen Genua dazu und es ging richtig schön (bis auf den ruppigen Seegang) davon. Ich hatte mir vorgenommen nach Kelibia an der Ostküste Tunesiens zu fahren, aber der Wind hat sich nicht an den Wetterbericht gehalten und kam aus Westen. Damit musste ich auch meinen Kurs weiter östlich legen, na ja nach 12 Stunden, um 10 Uhr nachts, hab ich dann auf der Insel Pantelleria den Hafen besucht, weil mich der Wind sowieso dorthin trieb. Das war komplizierter als gedacht. Die Hafenpolizei hat zunächst verlangt, dass ich einen der dortigen Yachtclubs anrufen müsse, damit ich einen Platz bekomme. Nachdem ich die Telefonnummer bekommen hatte, hab ich tatsächlich einen erwischt der mir auf französisch einen Platz zusicherte. Mit der Zusage bekam ich die Erlaubnis in den Hafen einzufahren. Vor der Hafeneinfahrt muss dabei ein Wrack umfahren werden und im Hafen liegen die Trümmer eines alten Phönizischen Hafens, die man auch nicht treffen sollte. Die Beleuchtung der Sicherungsbojen ging auch nicht, so hab ich mich im Dunkeln langsam vorgetastet und schließlich mit der Hilfe von 2 Jungs vom Club festgemacht. Ich war übrigens das einzige Schiff im Hafen!pantelleria

Der Wind hatte gedreht und kam am Montag dann von Süden, was sehr günstig war und mir eine schöne Überfahrt nach Kelibia in Tunesien bescherte. Auf meine Anrufe meldete sich niemand, also bin ich einfach in den Hafen eingefahren. Er war gepfropft voll mit Fischerbooten. Nach einigem Hin und Her habe ich einen Platz bekommen und gleich waren auch Polizei und Zöllner bei mir. Nach 2 Stunden waren die Papiere ausgefüllt, das Schiff nach irgendwas durchsucht und der Stempel im Pass. Um 19:30 Uhr hatte ich meine Ruhe. Kelibia hat nur eine alte Festung auf dem Berg und sonst ist es ein Fischerdorf, etwas entfernt dann noch Feriensiedlungen. Auf die Benutzung der Fischertoiletten hab ich verzichtet –schließlich funktioniert meine ja wieder.kelibia kelibia2

Am Morgen hab ich ohne Probleme meine Papiere bekommen und konnte weiter nach Sidi Bou Said, einem Vorort von Tunis. Da der Wind etwas lau war, hab ich mit dem Motor etwas nachgeholfen und kam recht gut um das Cap. Unterwegs hat mich 3 Mal die Polizei und die Küstenwache kontrolliert (per Anruf) bis ich schließlich in eine Fischerleine gefahren bin. Die hat sich natürlich gleich um meinen Propeller gewickelt (obwohl ich den Motor da gar nicht an hatte). Eine Stunde hab ich nun wegen der blöden Leine rumgetan – herausgefummelt, auseinander geschnitten und wieder zusammen geknotet, damit der Fischer sein Netz nicht verliert, und in einigen Tauchgängen von dem Propeller abgezupft. Das Wasser hatte ja immerhin noch 25 °C und ich musste sowieso wieder mal Duschen. Mein schöner Zeitgewinn war also dahin als ich endlich um 18:00 Uhr in Sidi Bou Said ankam. Der Hafenchef hat mir mindestens 5 Mal gesagt, dass es eine große Ausnahme sei, dass ich hier sein darf, denn es ist nur für die ansässigen Leute und ganz voll. Für 110 Dinar durfte ich dann doch 2 Nächte bleiben. Die Duschen waren allerdings schon geschlossen (die Anmeldung hat wieder über eine Stunde gedauert) aber die Toiletten waren noch offen. Kurzer Exkurs zu den Toiletten: Schüssel vorhanden, Klobrille nicht, Papier auch nicht – hier wird mit einem Schlauch, der an der Wand herunter hängt, der Hintern abgespült. Will man spülen, so drückt man auf den Knopf und das Wasser spritzt z.T. in die Schüssel und z.T. an die Rückwand, von wo es dann auf dem Boden in einem kleinen Tsunami nach vorn schwappt. Dann sollte man die verklemmte Türe aufgekriegt haben, damit man flüchten kann. Bei der zweiten Toilette hatte ich die Türe dann vorher aufgemacht, aber der 2. Teil des Wassers kam am Knopf senkrecht nach oben geschossen. Nun, man hat dann gleich eine gewaschene Hand.sidi bou said

Sidi Bou Said ist ein Nobel Vorort von Tunis mit zahlreichen Villen, Botschaften Konsulaten etc. Auch die leer stehende Villa des alten Diktators ist noch gut erhalten. Einige Kaffees und Restaurants und Souvenirshops sind auch da. Mauro, der zufällig Zeit hatte und gerne mit mir englisch sprechen wollte, hat mich herumgeführt. Eigentlich wollte er für seine selbstlose Tat ja nur am Schluss abkassieren – dass ich da auch immer wieder drauf reinfalle! Die Häuser sind wirklich prächtig, soweit man das von außen sehen kann. An den Türen sind immer drei Türklopfer (Fatimas Hände), die alle einen anderen Ton erzeugen. Klopft man mit dem einen, so steht ein Mann davor und ein Mann öffnet, klopft man mit dem anderen so steht eine Frau davor und eine Frau öffnet. Der untere ist für die Kinder. Vielleicht stimmt`s.türe

Mittags bin ich mit meinem Begleiter nach Karthago gefahren und habe mir den Ausgrabungshügel und das Museum angeschaut. Mit einem Taxi sind wir dann noch zum Kolosseum und zu den Zisternen gefahren, mindestens 3 weiter Ausgrabungsstätten hab ich mit gespart, denn Mauro mit seinen Kommentaren hat inzwischen sehr genervt. In Sidi Bou Said bin ich ihn dann endlich für 20 Dinar (10 Euro) wieder losgeworden.

Karthago

Karthago

Kolosseum

Kolosseum

Am Donnerstag den 15.10. hab ich meine Papiere zur Weiterfahrt nach einer halben Stunde gehabt und bin nach Bizerte weitergefahren. Dort soll es einen schönen neuen Yachthafen geben mit echten Duschen und Toiletten! Der ist auch weitgehend fertig, aber ich werde in den alten Fischerhafen verwiesen. Der ist eine Meile zurück und auf der anderen Seite des Flusses. Der dritte Liegeplatz dort war dann endlich so, dass ihn mein Schiff wohl schadlos überstehen würde, und ich habe festgemacht. Gleich war wieder einer da, der in dieser unsicheren Gegend auf mein Schiff aufpassen würde, denn es gibt überall schlechte Menschen und es wäre wohl nichts mehr da, wenn ich mich kurz vom Schiff entfernen würde. Nachdem er in jeder Pause, die zwischen den Verhandlungen mit Douane, Garde National, Police Frontiere und Police du Port (waren alle am Schiff versammelt) entstand, wieder damit anfing, hab ich ihn irgendwann weggejagt – dabei will er mir doch nur einen Gefallen tun! Nach 2 Stunden waren die Formalitäten erledigt und ich bin 45 Min durch die vermüllte Gegend in die Stadt gelaufen.

Müllwagen auf der Werft in Bizerte (extra für Gunters Sammlung)

Müllwagen auf der Werft in Bizerte
(extra für Gunters Sammlung)

Am Flussufer gibt es eine schöne breite Promenade, dahinter die Altstadt mit einem chaotischen Markt. Dann gibt es noch den alten Hafen, ein kleiner Wasserarm in dem viele kleine Fischerboote liegen. Daneben ist die Kashba, umgeben mit einer hohen Festungsmauer. Ich hab nur einen Eingang gesehen, durch den bin ich rein und ein bisschen herumgeirrt. Ziemlich eng und verwinkelt und die Bewohner wohl noch recht traditionell. Jedenfalls sind Frauen, wenn sie nicht gleich ganz verschwunden sind, einen Schritt in die Seitengassen gegangen um mich vorbeizulassen. Manche Gassen sind wirklich so eng, dass man beide Wände berühren könnte, wenn man die Arme ausstreckt. Nachdem ich kein vernünftiges Lokal gefunden hab, bin ich wieder zum Schiff zurück (Taxi 2 Dinar für 15 Min Fahrt).

Kashba in Bizerte

Kashba in Bizerte

Kashba und alter Hafen

Kashba und alter Hafen

Nachdem am Freitag natürlich kein Polizist auftauchte um mir die Ausreisepapiere zu bringen, bin ich auf die Suche gegangen. Die Garde National habe ich gefunden und sie versprachen, den zuständigen Polizisten anzurufen, damit er dann sofort käme. Die Telefonnummer dürfen Sie mir aber nicht geben. Den Rest erspar ich euch. Es hat jedenfalls 4,5 Stunden gedauert, bis der Grenzpolizist in meinem Boot stand, mir die Papiere übergab und mich fragte, ob ich vielleicht ein Geschenk für ich und seinen Freund hätte, vielleicht ein Flasche Whiskey oder so…….In der Zwischenzeit hab ich wieder getankt (60 Cent /Liter). Dann hat noch ein Fischerkahn bei mir angelegt und hat 2.500 l getankt!

Gedränge an der Takstelle

Gedränge an der Takstelle

Um 12:15 Uhr konnte ich den Hafen verlassen in Richtung Sardinien!

Mein Begleiter bei der Abfahrt nach Sardinien

Mein Begleiter bei der Abfahrt nach Sardinien

Sardinien und die langen Fahrten

Mit ein bisschen Wut im Bauch bin ich aus dem versifften Fischerhafen von Bizerte hinausgedüst. Eigentlich wollte ich noch kurz Station auf der tunesischen Insel La Galaia machen, damit ich nicht die ganze Nacht durchfahren muss, aber ich hatte genug von den Tunesiern. Der Wetterbericht hatte kaum Wind vorhergesagt, das Meer war platt wie ein Ententeich, also gings geradewegs zurück nach Europa. Ziel war die kleine Insel San Pietro an der SW-Ecke Sardiniens. 140 sm würden wohl so 22 Stunden dauern. Die Hauptschiffahrtsroute hatte ich bis zum Dunkelwerden passiert, und keiner der etwa 20 Frachter und Tanker (z.T. 366m lang und 50 m breit!) hat mich versenkt. Der Viertelmond ging unter und der Sternenhimmel war prachtvoll. Ich vertrieb mir die Nacht mit meinem Käfer, den ich vor einiger Zeit mit an Bord genommen hatte. Das ist ein kleiner Marienkäfer (was ihr schon wieder gedacht habt…) als Eieruhr, der alle 20 Min klingelt. Dann muss ich hoch und schauen, ob etwas im Weg herum steht oder mich rammen will. Dann kann ich mich bis zum nächsten Klingeln wieder 20 min hinlegen. So geht das dann von 7 Uhr abends bis 7 Uhr morgens. Irgendwie hat mich die Strömung etwas unterstützt und ich war schon um 9:00 Uhr in Carloforte, dem Hafen von San Pietro. Der Hafen – ein Traum: alle Stege mit Bretterbelag – kein Brett fehlt, keines ist durchgebrochen und alle festgeschraubt; nirgends auch nur die Spur von Müll; der Weg am Ufer mit einer duftenden Hecke zur Promenade abgegrenzt, Duschen und WC total sauber und freundliches Personal die ganzen 24h am Tag! Woah!

Hafen in Carloforte

Hafen in Carloforte

Nach dem Duschen und Schlaf nachholen hab ich abend gegessen mit einem ausgezeichneten Schwertfisch Carpaccio, Tunfischsteak und Tomatensalat – toll! Der nächste Tag war Ruhetag, dh. Ortsbesichtigung, Radrundfahrt um und über die Insel (dass so eine kleine Insel so viele Berge haben kann!) Baden und Eis essen.

Radweg - war nicht immer so

Radweg – war nicht immer so

Der Ort ist für italienische Verhältnisse sehr ordentlich und sauber, hat viele Blumen und Bäume und die typischen verwinkelten Gassen mit den Wäscheständern auf den Balkonen.

Carloforte

Carloforte

Die ganze Insel ist grün, von Macchia überzogen, nur einige Flecken sind frei. Dort wird Wein angebaut oder ein paar Kühe stehen herum. Die NO- Ecke ist noch immer mit vulkanischen Gestein in ganz eigenartigen Formationen bedeckt. Hier wächst seltsamerweise auch fast nichts, obwohl das Lavagestein schon 15 Mio Jahre alt ist. Ist wohl nicht so lebensfreundlich wie am Ätna.

Vulkangestein

Vulkangestein

Saline mit Flamingos

Saline mit Flamingos

In 2 Etappen mit einem nächtlichen Ankerstopp in der Bucht bei Capo Manu bin ich dann weiter nach Carloforte. Der Weg nach Menorca ist durch den Mistral blockiert, der mit 35-40 kn zwischen Menorca und Sardinien hindurchpfeift. Hier ist aber nix los und so tucker ich langsam nach Norden.

In Alghero, der angeblich schönsten Stadt Sardiniens, ist erst mal die Tankstelle kaputt und betanken aus Kanistern anscheinend verboten. Der Marinero hat mir trotzdem einen 30 l Kanister gebracht, den ich aber nur nachts verwenden durfte. Ich hab ihn dann in einer großen Einkaufstüte versteckt und bin 2 Mal zur Tankstelle geradelt und mit dem vollen Kanister wieder zurück zum Schiff. Na das hat wenigstens geklappt.

Alghero

Alghero

Die Altstadt ist – ähnlich wie Syracus – auf einer Halbinsel mit einer großen Befestigungsmauer umgeben. Dazu nochmal einen kleinen Geschichtsexkurs: Im 11. Jahrhundert haben erst mal die Genuesen sich hier eingenistet, nachdem sie die Piraten vertrieben hatten und die Stadt ausgebaut. Nach 200 Jahren, 1354 und diversen Versuchen von Pisa, die Stadt zu erobern, gelang es dann dem König von Aragon (also Katalanien) zusammen mit den Venezianern die Stadt einzunehmen. Irgendwie hat er dann die Venezianer wieder ausgebootet und dir Stadt war 400 Jahre unter katalanischer Herrschaft. In der Zeit kam auch Kaiser Karl der Große mal hier vorbei, hat seinen Soldaten bei Kampfspielen auf dem Platz vor dem Palast zugesehen. Als er zusehen musste, wie viel besser die Katalanen waren hat er sie kurzerhand geadelt (Ihr seid alle geadelt, rief er angeblich aus dem Fenster). Hat ihn ja nix gekostet, es waren ja die Untertanen des Katalanischen Königs. Schließlich fiel die Stadt an Savoyen, wurde also französisch. Irgendwie schon interessant, dieses Gerangel der Städte Genua, Pisa und Venedig gegeneinander und die Einmischung Kataloniens, Savoyens der Normannen und alle zusammen gegen die Piraten aus Nordafrika und der Türkei. Heute sind die Wappen der Seestaaten Italiens (Pisa, Genua und Venedig, den 4. weiß ich nicht mehr) in der Nationalflagge friedlich vereint.

Alghero

Alghero

Am Donnerstag gings noch an den Cabo Caccio, den äußersten Zipfel Sardiniens im NO. Dann kam die lange Überfahrt mit ca. 200 Meilen (kalkulierte 36 Std). Die Nacht in der Bucht am Cap war alles andere als entspannt. Die Wellen vom Mistral schwappten um die Ecke bis in die Bucht und ich rollte von einer Seite der Koje in die andere. Dabei war an Schlaf nicht zu denken!

Cabo Caccia

Cabo Caccia

Um ½ 4 Uhr früh hab ich mir einen schnellen Tee gemacht und bin aus der Bucht Richtung Menorca gefahren. Draußen war zwar kein Wind mehr, aber eine 2-3 m hohe Welle mit einer kleineren Welle dir quer dazu lief. So hat es das Schiff ständig von einer Seite zur anderen geworfen, dazu das Auf und Ab, die Kälte, die Müdigkeit und die Finsternis – das hat mich ziemlich fertig gemacht. Erst gegen 3 Uhr war so viel Wind, dass ich endlich etwas segeln konnte. Beim Segel fertig machen bin ich mir vorgekommen, als ob ich auf so einer amerikanischen Bullriding – Maschine stehen würde. Ist aber alles gut gegangen (sonst wär ich ja nicht hier) und ich konnte bis Sonnenuntergang segeln. Es wäre noch länger gegangen, aber wenn es dunkel wird berge ich zumindest das Großsegel, wenn ich alleine an Bord bin. Jetzt kam wieder mein kleiner Käfer zum Einsatz –insgesamt 20 Mal bis zum Sonnenaufgang. Kurz darauf war auch schon  La Mola zu sehen, der mächtige Felsen in der Einfahrt nach Mahon, der Hauptstadt von Menorca.

La Mola

La Mola

Vor genau 15 Jahren war ich schon einmal hier mit Lothar und Helmut auf meinem ersten Chartertörn. Viele Grüße an meine beiden Freunde, die noch viele Törns mitgemacht haben.

Mahon

Mahon

Die längsten Fahrten hab ich nun hinter mich gebracht. Den Rest kann ich mit Touren bei Tageslicht machen. Das ist doch sehr viel angenehmer.

Der Weg ins Winterlager

Bis zum Hafen, den ich nun nach vielen Empfehlungen rausgesucht habe, ist es noch ein langer Weg. Zunächst hab ich mir aber Mahon angeschaut. Viele Häuser und Wege sind in den letzten 15 Jahren hergerichtet worden. Die Stadt hat einen richtigen Aufschwung genommen. Trotzdem ist jetzt in der Nachsaison nix los und ich wandle ziemlich einsam durch die Gassen.mahon nachsaison

Auf einem langen Fahrradausflug schau ich mir die berühmte prähistorische Ausgrabungsstätte Trepuco an, die mit den anderen 20 Plätzen auf der Insel zum Weltkulturerbe angemeldet wurde. Ist auch ganz nett aufbereitet, so mit Infotafeln usw. Dann geht es weiter nach Es Castell, einem Vorort von Mahon. Neben einem ehemaligen Militärlager gibt es eine kleine Bucht mit Fischerbooten um die sich reizvolle Lokale angesiedelt haben. Eine richtige Idylle, gleich neben Mahon.

Trepuco

Trepuco

Es Castello

Es Castello

Am Montag, den 26.10. sind immer wieder Regenschauer durchgezogen. Dabei ist der Wind ganz eingeschlafen und ich hab den Autopiloten steuern lassen, während ich mich unter der Sprayhood verkrochen habe. Kurz vor Cala Ratjada auf Mallorca hat mich dann ein anderes Segelboot angefunkt, weil es Probleme mit dem Motor gab. Ich hab dann eine Leine übernommen und die beiden Kölner Architekten (Wie sich später herausstellte) eine Stunde lang bis in den Hafen geschleppt. Dort haben sie mich dann zu Restenudeln und Salat eingeladen – war eine ganz nette Abwechslung.

Cala Ratjada

Cala Ratjada

Am Dienstag fuhr ich gleich weiter mit einer kurzen Tour nach Porto Cristo. In einer engen S-Kurve windet sich der Hafen durch die Felsen, die mit Luxusvillen bebaut sind. Sieht aber ganz gut aus, denn es ist noch viel Platz für Felsen und Palmen dazwischen übrig.

Porto Cristo

Porto Cristo

Es gibt dort die berühmte Grotte Cueva del Drach, eine Tropfsteinhöhle, die ich mir auch gleich angeschaut hab. Nach einem Fußmarsch durch die Tropfsteine kommt man in eine große Halle mit einem See. Dort setzt man sich am Hang auf Bänke, das Licht geht aus und es gleiten 3 Ruderboote mit romantischer Beleuchtung über den See. Dabei werden von 3 Musikern 4 klassische Schnulzen gespielt. Danach geht man wieder aus der Höhle und ist beeindruckt!

Cueva del Drach

Cueva del Drach

Am Mittwoch gings um die SO-Ecke von Mallorca nach La Rapita. Der Wetterbericht hatte angenehme 10-12 kn aus W vorausgesagt. Leider hat sich das Wetter wieder einmal nicht daran gehalten und hat schließlich mit25-35 kn aus NW(Windstärke 8) geblasen, also genau von dort, wohin ich wollte. Ich hab dann eben in den letzten 3 Stunden wieder den Motor zu Hilfe genommen, damit ich endlich ankomme –die ganze Fahrt hat 9,5 Std gedauert.

Am nächsten Tag hab ich bei ruhigem Wetter Palma erreicht. Im Yachthafen direkt vor der Kathedrale (gut, ein bissl links wars schon)hab ich einen tollen Platz gefunden – allerdings nur für eine Nacht, weil gerade wieder eine Regatta lief. Es hat aber gereicht um kreuz und quer durch die Stadt zu laufen, die Kathedrale und das arabische Bad zu besichtigen und ein schönes Abendessen zu genießen.cathedrale cathedrale2 palma

Am nächsten Morgen bin ich noch zum Markt am anderen Ende der Stadt gelaufen und hab groß eingekauft. Herrlich, so ein Markt mit lauter frischen Sachen. Am Abend, in der nächsten Ankerbucht, hab ich mir dann eine schöne Scheibe Fisch gebrutzelt mit Reis und Tomatensalat.gemüsemarkt

Ankerbucht bei la Ponza

Ankerbucht bei la Ponza

Am Samstag gings dann wieder auf eine lange Tour mit 66 Meilen nach Ibiza. Dort hatte ich in St. Antonio auf der Westseite einen Hafen gebucht, wo ich ein paar Tage verbringen wollte, denn es kam eine Sturmfront. Es hat dann auch am Sonntagnachmittag angefangen zu blasen. Das ging die ganze Nacht durch und am nächsten Tag bis nachmittags. Immer wieder hab ich im geschützten Hafen 37 kn gemessen. Das wäre wieder kein Vergnügen gewesen. Die Partyhochburg St. Antonio ist im November sozusagen „tote Hose“. ¾ der Lokale haben zu, die Partyhallen Eden und Paradies sind ebenfalls geschlossen und die Apartmenthochhäuser sind bis auf ganz vereinzelte offene Fenster dicht gemacht. Ich hab dann einmal in der Villa Mercedes gegessen: Salat, Steak, Mangocreme und Wein für 40 €, gut, teuer und wenig, aber schön angerichtet. Die Segelpause hab ich genutzt für einige Reparaturen: Bilge ausgeschöpft und getrocknet, aber nicht herausgefunden, warum da Wasser drin war.(Dazu hab ich die Sitzbank zerlegt und die Entlüftungen von den Tanks geprüft – war aber alles in Ordnung). Dann das Kabel für den Kartenplotter, der seit drei Tagen nicht ging, neu verlegt und angeschlossen – der geht jetzt wenigstens.

St. Antoni

St. Antoni

Am Dienstag kam die Überfahrt zum Festland. Wie erwartet war die See recht ruppig mit 2 Meter hohen Wellen, die erst am Nachmittag etwas flacher wurden. Ich konnte sogar die Segel setzen, hab aber meist den Motor mit laufen lassen müssen, damit ich höher an den Wind segeln konnte. Der Wind kam nämlich wieder mal nicht aus der vorhergesagten Richtung, sondern 30 ° steiler, also fast „auf die Nase“. Na ich hab auch die 12 Stunden überstanden und bin vor Calpe vor Anker gegangen. Der anfängliche Schwell hat im Laufe der Nacht nachgelassen, sodass ich doch noch schlafen konnte.

Der nächste Stopp war auf der Isola de Tabarca, einem Naturreservat. Das ist an sich ein beliebtes Tagesausflugsziel für die Touristen aus Alicante. Es gibt auch Ferienwohnungen und 2 kleine Hotels dort, aber alles ist verlassen und um 5 wenn das letzte Ausflugsboot mit 7 Touristen weg ist, ist alles verrammelt und niemand mehr zu sehen. So konnte ich wenigstens im Hafen festmachen, der ist nämlich sonst für Privatschiffe verboten.

Am Donnerstag gings dann 8 Stunden unter Motor über eine glatte See nach Cartagena.

Cartagena

Cartagena

Die Stadt hat mich schon im Frühjahr fasziniert und ich finde, es ist immer noch die interessanteste Stadt südlich von Valencia. Sie hat eine spannende Geschichte von den Puniern über die Römer, die Mauren und verschiedene spanische Könige hat die Stadt viele Höhen und Tiefen erlebt. Überall sind Reste dieser Kulturen in der Stadt zu finden. Der Hafen liegt tief in einer geschützten Bucht und ist deshalb immer wichtig gewesen. Dass dahinter ein Sumpfgebiet lag war zunächst nicht so wichtig. Erst als durch die Krankheiten die Bevölkerung von mehreren Tausend auf 500 Einwohner sank hat man ernsthaft versucht das Tal trocken zu legen. Das gelang aber erst 150 Jahre später. Im 19. Jahrhundert hat man dann noch wichtige Erze gefunden (Blei, Zink und sogar Silber) und die Stadt erlebte einen neuen Aufschwung. Die Minen sind mittlerweile wieder geschlossen und teilweise zu besichtigen. Heute ist Cartagena Militärstadt (Hauptstandort der spanischen U-Boot Flotte) Universitätsstadt, Stadt der Mode und Kultur (für letzteres müssen sie noch etwas tun). Vor allem aber ist sie bis heute durch und durch spanisch und daran ändern auch die tausenden von Kreuzfahrer nichts, die täglich die Stadt überfluten.cartag3 Cartag Das Leben fängt hier erst um ½ 10 Uhr nachts an. Da sind alle Lokale voll, die Menschen flanieren durch die Straßen und die Geschäfte, alles ist unglaublich lebendig! Nach 3 Tagen hab ich mich aber doch von dieser Stadt getrennt, und bin weiter nach Süden gefahren.

Küste zwischen Cartagena und Almeria

Küste zwischen Cartagena und Almeria

küste2

Mit zwei Ankerstopps in ruhigen Buchten bin ich nun bis Almerimar, ca. 50 km südlich von Almeria, angekommen. Ein reiner Touristenort – also nix los. So kann ich mich ganz auf das Überwintern des Schiffes und die notwendigen Reparaturen konzentrieren. Nächste Woche geht es dann wieder nach Hause.

In 162 Tagen habe ich dieses Jahr 9 Länder besucht. Dabei bin ich in 81 Häfen eingelaufen und habe 36 Mal geankert. 5.360 sm liegen hinter mir mit wenig und mit viel Wind. Regentage hatte ich, glaube ich, nur 5 in der ganzen Zeit. Den Blick durch die Dachluke in den blauen Himmel am Morgen werde ich in den nächsten Monaten wohl am meisten vermissen. Wenn ich im Frühjahr weiß, wie es weitergeht, werde ich mich wieder melden. Bis dahin wünsch ich euch einen schönen Winter und einen guten Start ins nächste Jahr – euer Salzwasserfreak 😉fenster

Auf ins Neue Jahr

Blumen 2

Mit ein paar Blumen von meiner Reise in diesem Jahr möchte ich mich bei meinen treuen Fans bedanken. Es war eine tolle Reise und ich hoffe, Ihr habt sie in meinen Beiträgen ein bisschen miterleben können. Für 2016 hab ich erst einmal nur die Hälfte bis zum Juni geplant. Hier die kleine Vorausschau:kanaries

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Törnplan 16

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie Ihr seht, bin ich auf exotischen Pfaden (zumindest für Segler) unterwegs.Zunächst wünsch ich Euch aber einen guten Start ins Neue Jahr und immer gute Laune

Matthias

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