Neue Pläne

Ich hab meinen Segelplan bis zur Sommerpause nochmal überarbeitet. Die neue Route geht jetzt über Madeira zu den Kanaren und es sind auch noch ein Paar Wochen frei. Allerdings sind da auch zwei längere Überfahrten nach Madeira (ca 4 Tage) und nach La Palma (ca. 3 Tage) drin. Wer also noch Lust und Zeit hat, kann mich gerne auf den Abschnitten Marroko- Madeira oder Madeira-Kanaren begleiten.Canaries madeira

Auf nach Afrika….

Am 20.04. bin ich mit Volker wieder in Almeria gelandet. Bird of tuvalu stand noch sicher auf dem Trockenen und wir hatten 2 Tage zu tun um alles für die weitere Reise vorzubereiten: Zinkanoden anbringen, Ankerkasten auskleiden (den ich einen Monat zuvor entrostet und 5 Mal gestrichen Hatte), Spinnackerbaum richten, Segel setzen Wasser auffüllen und entkeimen, Sprayhood montieren und noch einige Kleinigkeiten mehr.

Im Hafen von Almerimar

Im Hafen von Almerimar

Am Sonntag war dann Fiesta San Marco in El Ejido, dem Nachbarort. Nach einer Messe in der Kirche wird der Schutzheilige San Marco durch die Stadt getragen (eigentlich ja vom Traktor gezogen). Vorneweg die Farmer auf Pferden und mit Kutschen, dann die Straßenreinigung, hinterher die Ehrenjungfern des Heiligen auf einem Wagen und danach ein endloser Zug mit Festwagen mit Musik und vielen Leuten drauf. Es erinnert ziemlich an eine Loveparade bei uns.elejido5 elejido3

Am Montagnachmittag ging es dann endlich los nach Afrika.Ich verabschiedete mich von Udo und Alex, die mein Schiff die ganze Zeit so gut betreut hatten und fast alle Probleme aus dem Weg räumen konnten. Die angekündigten 10-17 kn Wind wurden sehr schnell zu 20 kn, die uns mit 1,5 m Welle ganz schön zum Schaukeln brachten. Um Mitternacht schlief der Wind dann ziemlich ein, und wir mussten die letzten 4 Stunden mit Motor nach Melilla fahren. Die spanische Enklave in Marokko macht einen recht langweiligen und vergessenen Eindruck. Viele Läden sind geschlossen und ein vernünftiges Lokal zum Essen haben wir auch nicht gefunden.melilla melilla2

So sind wir am Mittwoch gleich weiter nach Al Hoceima, der ersten marokkanischen Stadt. Wir konnten an der Fährmole festmachen, denn der Yachthafen war noch im Bau und wird sicher einmal sehr schön. Nach 1,5 Stunden waren auch alle Formalitäten erledigt – Polizei, Hafenverwaltung, Zoll (die haben das Boot sogar mit einem Hund durchsucht!). Das Abendessen haben wir uns nach einem Rundgang durch die sehr arabische Stadt auf einer Aussichtsterrasse über dem Hafen gegönnt. Am nächsten Tag sind wir für 70 Cent mit dem Taxi den Berghinauf gefahren und haben im Souk groß eingekauft. Abends gab es dann wieder einen Restaurantbesuch im Hafen. Der Restaurantchef hat uns zunächst nebenan zum Markt der Fischer geschickt, wo wir einen Rotbarsch und eine Dorade für 4 Euro erstanden haben. Die Fische sind dann am Tisch dahinter für 30 cent ausgenommen und geputzt worden. Dann sind wir mit der Tüte Fisch wieder zum Restaurant und haben dort den Fisch grillen lassen. Mit Pommes frites, Gemüse, Salat, Brot Wasser und Tee hat das dann nochmal 4,50 Euro gekostet. Für 9 Euro also ein köstliches Mahl zu zweit.hoceima2 hoceima3

Am Morgen haben wir unseren Ausreisestempel in den Pass bekommen, nachdem das Schiff mit einem Schnüffelhund durchsucht worden war. Immerhin ist das Riffgebirge zwischen hier und Tanger der Welt größte Produzent an Haschisch. Man schätzt die Jahresproduktion auf über 53.000 to. Aber bei uns war kein Gramm davon zu finden. Um 17:00 Uhr sind wir im Hafen Jebha abgewiesen worden, weil hier keine fremden Yachten sein dürfen und er außerdem zu voll sei. Das haben wir auch eingesehen, denn jeder Platz an der Mole war von Fischerbooten besetzt, an denen wiederum mindestens 3 weitere Boote festgemacht hatten. Der nächste Hafen –Marina Stehat –  war nur in der Seekarte verzeichnet, aber im Hafenführer vom (edlen!) Kreuzerverband nicht aufgeführt. Als wir kurz vor Nachteinbruch dort ankamen haben uns ganz viele Fischer beim Anlegen geholfen, aber der Polizist hat nach einem Anruf gesagt wir müssten wieder raus weil ein Anlegen hier verboten sei. Darauf gab es eine große Diskussion unter den Anwesenden. Der Chef der Fischervereinigung hat mir erklärt von seiner Seite könne ich gerne bleiben, auch der Ortspolizist stimmte ihm zu – aber die Anweisung. Wir wollten schon wieder ablegen, das sollten wir doch bleiben, weil extra einer aus der nächsten Stadt angereist kam um die Situation zu klären. Die Schiffspapier und Reisepässe wurden unterdessen mehrfach mit dem Smartphone fotografiert. Endlich kam der wichtige Mann von der Gendarmerie Royale, fotografiert nochmals alles und schrieb es zur Sicherheit nochmal ab. Ein anderer Beamter musste dann das Abgeschriebene nochmals auf einen Zettel aus dem Kalender des Chefs abschreiben, dann erhielten wir die Erlaubnis über Nacht zu bleiben, aber den Steg nicht zu verlassen. Puh! Es war 20:30Uhr.stehat küste

Die nächste Station war die nur noch 35 Meilen entfernte Marina Smir, ein echter Yachthafen mit Strom, Wasser, Duschen und WC. Hier saßen wir 2 Tage fest, denn draußen blies der Wind mit 32 kn (Windstärke 6-7). Smir ist ein Kunstort, d.h. alles ist in Resorts aufgeteilt , eingezäunt und bewacht. Zum Teil sehen diese Appartementanlage ganz nett aus, haben auch einen schönen Park zwischen den Häusern, aber man kommt halt nicht rein. An den nächsten Tage haben wir M´diq angeschaut ein kleines Städtchen mit einem leeren Hafenneben dem vollen Fischerhafen. Der leere Hafen ist dem König vorbehalten. Warum dafür aber 100 Anlegeplätze frei sein müssen, ist mir nicht ganz klar. Tetuan ist die Bezirkshauptstadt und ein wildes Getümmel von Menschen . Immer wieder sieht man auch Berberfrauen aus dem Rif mit ihren typischen Hüten. Die Männer in den Spitzmützenkaftanen haben es Volker besonders angetan. Ich konnte ihn aber nicht dazu überreden, einen zu kaufen. Die Medina (Altstadt) ist ziemlich verwinkelt und wir nehmen einen der Führer, die sich sofort nach dem Austeigen aus dem Bus (40 min Busfahrt für 65 cent) aufdrängen. Für angeblich 2 Euro führt er uns den ganzen Tag (als wir ihm 5 geben, will er plötzlich für jeden 5 Euro – kriegt er aber nicht). Mit ihm kommen wir in ein kleines Hotel, eine Apotheke und natürlich einen Kunstgewerbeladen mit Teppichen, Schmuck, Töpferwaren, Blechtöpfen und Kannen und Kleidern. Volker ersteht hier seine ersten Mitbringsel und der Ladenbesitzer ist ganz glücklich.smir kamel apotheke tetuan berber m diq

Am Dienstag den 3.5. geht es weiter nach Ceuta der zweiten spanischen Enklave in Marokko. Von See aus sieht man gut das Band des doppelten Grenzzaunes, das die Enklave umgibt und vor dem unkontrollierten Einreisen der Flüchtlinge schützen soll. Die Stadt ist wieder deutlich europäischer, was insbesondere dem besseren Erhaltungszustand der Häuser und der Sauberkeit auf den Straßen zu verdanken ist. Viele Frauen laufen hier mit Kopftuch rum, aber man hat meistens nicht den Eindruck, dass das eine ungeliebte Pflicht ist. Nach einem Einkauf bei Lidl zur Auffrischung der Vorräte mache ich ein Festessen für den Abend: Schweinefilet in Tomatensauce mit Nudeln und Salat. Dazu eine gute Flasche spanischen Rioja.

Herkules mit den Beiden Säulen die in Gibraltar und Ceuta stehen sollen

Herkules mit den Beiden Säulen die in Gibraltar und Ceuta stehen sollen

Ceuta

Ceuta

In einer flotten Fahrt vor dem Wind rauschen wir am Mittwoch in 4,5 Stunden nach Tanger. Wie herrlich das ist, wenn der Wind einmal von hinten kommt! Die neue Marina ist leider noch nicht fertig, so Müssen (dürfen) wir im Fischerhafen am Rettungskreuzer festmachen. Das ist eine Kloake hier im Hafen! Ich schreibe lieber nicht, was da alles so rumschwimmt in der schwarzen Brühe. In der Capitanerie hängt übrigens ein Plakat: „Die Häfen sind die Augen unseres Landes, lasst sie uns sauber halten!“ Volker hat später die eine weiße Festmacherleine einen Tag bearbeitet, bis sie wieder hellgrau war. Wir mussten die Stadtbesichtigung getrennt machen, da immer einer auf dem Schiff bleiben musste. Die Medina ist relativ übersichtlich hat aber sehr schöne Läden und ein Kunstmuseum mit Picasso und Dahli Werken in 9 Räumen (meist nur etwa 8 qm groß). Volker hat dann „Päckchen öffnen“ müssen, weil die Rettungscrew eine Spazierfahrt machen wollte. Wir haben anschließend das Boot um die Ecke an die Mole versetzt, an der nur ein Poller zum Festmachen war. Die Vorleine haben wir dann über 30 Meter auf quer über die Mole an die andere Wand verlegt. Das hatte nur den Nachteil, dass wir jetzt bei Ebbe ungefähr 2,5 Meter an der glatten Betonwand hoch mussten , um vom Schiff zu kommen. Wir haben dann den Baum rüber geschwenkt und so wenigsten 1,5 Meter Höhe geschafft, wenn man darauf zur Mole balanciert. Ingenieure sind eben Improvisationstalente!Tanger5 tanger4 tanger tanger2 tanger3

 

Am Freitag geht es um die Ecke an die Atlantikküste nach El Larache. Wieder haben wir einen Platz am Rettungskreuzer, der aber wohl nie ausläuft, denn wir dürfen das Boot alleine lassen. Die Medina ist klein und übersichtlich, hat aber ein paar schöne Plätze. Als wir neugierig in ein Haus schauen, aus dem Musik kommt, erhalten wir eine Einladung zur Abschlussfeier des Musikkonservatoriums im alten Kino für den nächsten Abend. An dem Tag ist auch noch der Afrikatriathlon in der Stadt und der Hafen ist für die Schwimmer geschlossen. So bleiben wir noch einen Tag, sehen einige Triathleten und Musikgruppen, die zum Anfeuern gekommen sind und gehen Abends zur angegebenen Zeit ins alte Kino. Nach einigem Suchen haben wir zwei Klappsitze gefunden, die den Eindruck machen, dass sie den Abend noch durchhalten und warten gespannt zwei Stunden bis es losgeht. Die ersten Musikstücke traditioneller Musik halten wir durch, dann flüchten wir, weil der Gesang des Gesangsstars über Verstärker so ohrenbetäubend war, dass man danach immer einige Minuten gebraucht hat, bis man wieder etwas gehört hat.Larache 1 larache2 larache3 akademie

Am Sonntag ging es bei starkem Gegenwind und 3 Meter Wellen nach Süden Richtung Rabat. Als wir uns bis um ½ 9 Uhr vor Mahedia durchgekämpft hatten, beschlossen wir dort in den Hafen einzulaufen, denn nach Rabat wären es 3-4 Stunden durch die Wellen und ein Einlaufen bei Nacht. Beim meinem Anruf, der immer vor einer Einfahrt erfolgt, wurde uns auch gleich wieder ein Platz neben dem Pilotboot zugewiesen. Die Einfahrt verläuft zwischen zwei fast parallelen Wellenbrechern etwa 500 m lang in einen Fluss mit starker Strömung. Nach einer Weile Beobachtung hab ich mir eine Stelle rausgesucht um durch die quer laufende Brandung in den Fluss zu fahren. Bei einer Reihe niedriger Wellen ging´s mit Vollgas rein. Mitten in der Einfahrt türmte sich hinter mir eine Riesige Welle auf und hob das Schiff mit seinen 12 To etwa 4 Meter hoch. In einer gewaltigen Gischtwolke schoss das Boot mit 18,4 kn (35 km/h) mindestens 150 Meter in die Hafeneinfahrt. Das Ganze wiederholte sich gleich nochmal und etwas abgeschwächt ein drittes Mal. Dann waren wir drin! Später erfuhr ich, dass die Hafenpolizei mich gar nicht hätte rein lassen dürfen und der Hafen eigentlich geschlossen war. Wenn es nicht so gefährlich gewesen wäre, hätte man das geglückte Manöver richtig genießen können. Mir haben jedenfalls nach dem Anlegen noch die Knie gezittert (oder erst da, denn während des Manövers war keine Zeit dazu). Bei starkem Seegang kommt es vor, dass in der Hafeneinfahrt solche Brecher entstehen. Dabei kommt die Welle nicht nur rein, sondern saugt aus dem Fluss noch Wasser an um sich derart aufzutürmen. Dabei sinkt der Wasserstand im Fluss kurz vor der Welle gewaltig ab und hat je nach Tide nur noch wenige Zentimeter. Wenn dann das Boot zu früh von der Welle rutscht, gibt es unweigerlich Kleinholz. Eine knappe Meile aufwärts war dann unser Liegeplatz. Leider war der Weg dahin schon so seich,t dass wir im Schlick stecken geblieben sind und die halbe Nacht auf steigendes Wasser warten mussten, bis wir endlich unseren Liegeplatz am Pilotboot erreichen konnten (dann kam das mit den Knien, s.o.).mahedia mahedia2

Der nächste Tag ging bis mittags erst mal drauf mit dem Behördenkram: Capitanerie, Police du Port, Gendarmerie Royale, Douane wieder mit Hund. Alle schreiben alles ab und kommen manchmal auch 2 Mal, dann wird noch das Boot fotografiert und wir haben unsere Ruhe. Für die nächsten Tage war die Ausfahrt jedenfalls gesperrt. Außer der Kashba (Festung) über der Hafeneinfahrt gibt es hier nichts zu entdecken. Unser Ausflug in den Ort zum Abendesse war noch ganz lustig. Auf der Hinfahrt haben wir ein Dreiradtaxi genommen, so ein Motorrad mit Ladepritsche auf der zwei Styroporblöcke zum Sitzen liegen. Die Rückfahrt haben wir dann viel komfortabler in einem alten Mercedes gemacht. Allerdings waren vorne 3 Mann und hinter 4 Mann gesessen. Dafür hat die Fahrt nur 65 Cent pro Person gekostet. Am Dienstag den 10.05. verlässt mich Volker um 5 Uhr früh und fliegt wieder heim. Er hat gemeint, dass er noch nie so viel erlebt hatte auf einer Segeltour mit mir. Das glaube ich ihm glatt. Es war sehr schön zusammen. Ab jetzt geht es bis zu den Kanaren alleine weiter.

das Abenteuer geht weiter….

Mahedia

Am Mittwoch den 11.05. war ein kleines Wetterfenster mit wenig Wind, sodass ich die 15 Meilen nach Rabat gut schaffen könnte. Dort gibt es endlich eine schöne Marina mit Duschen , Klos und Tankstelle. Um 7:00 Uhr wollte ich auslaufen, aber da kam ein Polizist und wollte meinen Pass nochmal sehen. Als er ihn in der Hand hatte, sagte er, ich dürfe jetzt nicht auslaufen. Es sei zu gefährlich. Wie gefährlich es sein kann hatte ich ja bei der Einfahrt erlebt, also hab ich die Fender wieder ausgepackt und aufgehängt, die langen Leinen ausgepackt und die Segelklamotten ausgezogen. Da kam er an und sagte ich dürfe nun doch auslaufen, wenn ich in 15 Minuten draußen bin. Also alles wieder von vorne. Nach 10 Minuten bin ich langsam aus der Flussmündung in den Atlantik gefahren. Es war absolut harmlos! Dann mit Motor gegen den leichten Wind und die Wellen nach Rabat. Nach 3 Stunden war ich dann vor der Hafeneinfahrt und habe mich angemeldet. Wie üblich 3 Mal ohne eine Antwort zu kriegen. Dann kam doch noch ein Rückruf, der Hafen sei gesperrt und ich müsse weiter nach Mohammedia (kurz vor Casablanca), als weitere 45 Meilen gegen Wind und Wellen! Gleichzeitig ging der Motor aus und ich musste schnell die Fock setzen, um manövrieren zu können. Das Diesel war alle, bzw. es war so wenig im Tank, dass bei der unsäglichen Schaukelei Luft angezogen wurde und deshalb der Motor kurzzeitig keinen Kraftstoff hatte und ausging. Mit Luft in der Leitung geht er aber auch nicht wieder an. Die muss man erst mal von Hand am Motor herauspumpen. Inzwischen waren die Wellen auf etwa 3 Meter angestiegen und der Wind hatte auch auf 25-28 kn (6-7 bfts) zugenommen. Eine Stunde hab ich in dem Geschaukel, das immer wilder wurde, nun einen langen Segeltörn im Sturm vorbereitet: Leinen klar machen, Großsegel mit 2 Reffs setzen, Vorsegel auf 1/3 setzen, Windpilot einstellen und neuen Kurs setzen. Der Wind verstärkte sich auf 35-42 kn (8-9 bfts) und die Wellen wurden immer wilder und stiegen auf über 4 Meter, ab und zu krachte das Boot richtig in eine Welle hinein. Die Nacht kam langsam und ich kreuzte weit (ca 25-30 Meilen) hinaus, um den Fischernetzen zu entgehen, die hier in Landnähe immer noch ausgelegt sind. In der Nacht hörte der Regen langsam auf, dafür bekam ich immer wieder einen Schwall Gischt ab, der das Cockpit mit 20 cm Wasser füllte. Einmal war die Dusche so lang und intensiv, das die automatische Rettungsweste auslöste und ich mit einem Knall in einem dicken Luftpolster eingeklemmt war. Na, wenigstens hatte sie funktioniert! Gegen morgen ließ der Wind etwas nach und die Wellen waren auch nur noch 2,5 m hoch. Das war auch gut so, denn in der Nacht bin ich bei einem unvermuteten Wellenschlag unter Deck quer durch die Kabine geflogen und mit der Brust auf der Kante des Kartentischs gelandet. Seither war ich nicht mehr so richtig einsatzfähig (gebrochen sind die Rippen wohl nicht aber doch heftig gestaucht.) Immerhin schwankt das Schiff bis zu 35 Grad nach beiden Seiten und fällt beim Seitenwechsel dann noch 4 Meter runter. In der Bucht von Mohammedia hab ich die Segel eingeholt. Der Motor startete auf den 3. Versuch auch ganz zuverlässig und ich habe nach 29 Stunden in einer echten Marina mit Klo und Dusche festmachen können. Anschließend die übliche Prozedur mit Police frontiere, Gendarmerie Royale, Police nationale, Douane, Capitanerie und Marina. Nach 2 Std war auch das erledigt und ich konnte endlich mal schlafen!Mohammedia baumblüte

Zwei Tage hab ich nun hier verbracht. Gleich am ersten Tag hat mich wieder so ein überaus freundlicher Marokkaner angesprochen, den ich dann nicht mehr los wurde. Bis er schließlich in einer Kneipe neben mir saß und mich bei meinem Fischteller zulaberte. Als ihm dann endlich klar wurde dass er von mir auch nicht einen Dirham bekommen würde ist er endlich abgezogen. Im Basar hab ich dann noch Obst und Gemüse gekauft. Das bringen die Bauern hier vom Land auf Eselskarren in die Stadt und ziehen dann langsam von einer Gasse zur anderen, bis sie alles los sind. Im Zentrum gibt es eine Gasse mit rechts und links zwei Lokalen für Fisch. Ein Fischteller mit 3-4 kleinen Fischen Garnelen und Calamares mit Brot und Salat gibt es für 7 Euro. Die Beilagen sind immer gleich: absolut geschmackloser Salat aus kleingehackten Tomaten, Gurken, Zwiebeln Fenchel ohne Salz, Pfeffer oder Öl, dafür mit (vermutlich) Kardamon gewürzt, eine Schale mit lauwarmer Tomatensauce und ein Schälchen mit einer scharfen roten Sauce.fritures mixtes küche

Am Sonntag bin ich früh morgens los nach Jadida. Der Wind war weg, aber die Wellen kamen von der Seite und ließen das Schiff wieder bis zu 30 Grad aufschaukeln. Erst mal ging es an Casablanca vorbei, das einen riesigen Bauboom hat. Nur zu einer Marina hat es noch nicht gereicht. Ist aber in Planung – inshallah!

riesige Moschee in Casablanca

riesige Moschee in Casablanca

Um 14:00 Uhr reichte der Wind endlich zum Segeln und ich war 3 Stunden später in El Jadida. Hier gibt es nur einen kleinen Fischerhafen, der ziemlich versandet ist. Ich durfte zwar bleiben, musste aber in der Mitte des kleinen Hafens ankern. Also musste ich auch noch das Dinghi zu Wasser lassen und an die Anlegestelle rudern.jadida

Der Kommandant hat geschlagene 2 Stunden gebraucht , um die Formulare auszufüllen. Dabei hat er mindestens Zehn mal seinen Computer hochgefahren und sein Passwort eingegeben bis er endlich alle Angaben richtig drin hatte. Dann hatte er natürlich kein Wechselgeld (4 Euro) und es dauerte eine weitere Stunde bis ich ausbezahlt wurde und meinen Einreisestempel bekam. Inzwischen war es schon dämmrig und ich wollte doch die alte Portugieserstadt anschauen, die sogar Weltkulturerbe ist. Die Portugieser katten hier an der Küste bist 1760 eine Reihe von Handelsniederlassungen, die alle sehr stark befestigt waren. El Jadida war eine Zeitlang der Hauptsitz der Niederlassungen. Meistens wurden hier die Sklaven verschifft, die durch die Sahara an die Küste verschleppt wurden. Als sie dann von den Arabern verdrängt wurden, haben Sie die Stadt zerstört und man hat den Eindruck, dass sich in den letzten 250 Jahren daran nicht viel geändert hat.

Moschee im Portugieserviertel

Moschee im Portugieserviertel

Weltkulturerbe Portugieserviertel???

Weltkulturerbe Portugieserviertel???

Abendessen war dann im Basar in einer Grillbude. Man sagt was man will, dann geht der „Restaurantchef“ über die Gasse zum Fleischermeister und kauft Hähnchenstücke. Der hackt sie zurecht wirft sie in eine Plastiktüte, tut ein bisschen Salz und Kräuter dazu und schüttelt die Tüte kräftig. Das Ergebnis wird in einen Gitterrost eingezwängt und auf den Grill gelegt, dazu gibt es einen Berg gegrillte Zwiebeln und Tomaten, den unsäglichen Tomatensalat (s.o.) und Brot und Wasser – ohne Besteck!

Safi

Hafeneinfahrt Safi

Am Morgen hab ich den Anker hochgezogen (voller Dreck: Schnüre, Plastik etc.)Nach 4 Stunden Schaukelei mit Motor wurde der Wind stärker, die Wellen niedriger und ich konnte den Rest nach Safi segeln. Nach 12 Stunden hab ich am Versorgungsboot festgemacht. Am Dienstag wollte ich mir dann die Medina anschauen und besonders die Töpfereien, für die Safi in ganz Marokko berühmt ist. Nach 20 Minuten hatte ich endlich meinen Begleiter abgehängt (deutsch gut Freund, Düsseldorf , Frankfurt, Onkel Tante oder sonst was leben in Deutschland… ) Der Töpferhügel hinter der Medina hat noch zahlreiche kleine Töpfereien, die meist in einer Genossenschaft zusammengeschlossen sind. Die alten Kuppelförmigen Brennöfen, die mit Holz befeuert wurden werden allerdings nicht mehr benutzt.

Brennofen

Brennofen

Jetzt gibt es die modernen aus Schamott mit Steinwolledämmung und Stabgitterabgrenzung, die von einer Gasleitung auf dem Dach über zahlreiche Schläuche befeuert werden. Gebrannt wird bei 900 Grad, die Glasur bei 1.000 Grad. Das Drehen funktioniert allerdings wie immer: im Boden sind Löcher mit dem Schwungrad, das mit den Füssen angetrieben wird. Der Töpfer sitzt dann auf Bodenniveau mit einer Lederschürze, die das ganze Loch abdeckt.

Töpfer

Töpfer

töpfe Zurück über den sehr quirligen Fischerhafen hab ich mich auf den nächsten Abschnitt vorbereitet.

Fischerhafen Safi

Fischerhafen Safi

8,5 Stunden bin ich mit Motor an der sehr langweiligen Küste entlanggeschaukelt, bis ich in Essaouira an einer ausrangierten Segelyacht im Fischerhafen festmachen konnte. Zu meinem Erstaunen wimmelt es hier geradezu von Touristen! Die Stadt ist bekannt für sein Holzhandwerk. Vor allem aus Thujenholz und –Wurzeln werden schöne Kästchen, Schalen Tabletts etc. gefertigt. Wenn man nicht auf die utopischen Preise hereinfällt, die einem genannt werden, sind die Sachen auch preiswert.

Hafen Essaouira

Hafen Essaouira

basar holz

Da die nächste Tour nach Agadir wieder sehr lang ist, gönne ich mir noch einen Hafentag und gehe in einen Hamam. In dem arabischen Bad wird man zunächst mit Öl eine Stunde lang massiert. Dann kommt man in einen anderen Raum. Der ist völlig kahl mit Lehmwänden und einem Ziegelboden, auf dem ein Stück PVC liegt. In der Ecke ist noch ein kleiner Brunnen mit Wasserhahn. Alles strahlt Wärme ab. Dort muss man sich hinlegen und wird dann mit Wasser übergossen. Nach 10 min rumliegen wird man eingeseift. Nach weiteren 10 min abgegossen. Dann das Ganze nochmal für die andere Seite. Anschließend darf man noch 20 min ruhen. Fertig! Na ja, der Hit wars nicht, aber interessant.

Hotel in Essaouira

Hotel in Essaouira

Durch ziemlich dichten Nebel ging es am nächsten Tag nach Agadir. Dafür war das Meer platt und die Schaukelei war vorbei.

Sonnenaufgang

Sonnenaufgang

Nachdem auch kein Wind war bin ich mit Motor sehr schnell durch die zahlreichen Fischernetze gekommen und war schon um 5 Uhr in Agadir. Am nächsten Tag hab ich das Boot gründlich vom Mövenschiss der letzten Fischerhäfen reinigen müssen. Die kommen mit Schwung sogar unter die Sprayhood! Der Marinahafen ist getrennt vom Industrie- und Fischerhafen neu gebaut und umgeben von Edelboutiken (mit je einem Wachmann davor darüber sind dann noch Appartements.

Hafen Agadir

Hafen Agadir

Die Stadt ist chaotisch aufgebaut (wurde 1960 bei einem Erdbeben stark zerstört) und hat eigentlich nichts Marokkanisches an sich. Breite Straßen, Betonbunkerarchitektur und vermüllte, verwahrloste Parks prägen das Bild der Stadt.

gehobenes Wohnviertel

gehobenes Wohnviertel

Am kilometerlangen Sandstrand vor den Hotels, Bars und Nachtklubs gibt es dann auch Animation ohne Ende und Grenzen. Würden nicht hin und wieder verschleierte Frauen rumlaufen und alle 100 Meter drei Polizisten mit Maschinengewehr patrollieren könnte man sich wie in Europa fühlen.

Für den nächsten Tag hab ich mir ein Auto gemietet und bin ins Hinterland gefahren. Erstmal muss man aus dem Moloch Agadir hinauskommen. Das dauert etwa 1 Stunde durch die Vororte. Dann geht es durch eine Tiefebene in die Berge des Antiatlas (bis 3.000 Meter). Das ist das Land wo die Arganbäume wachsen. Sie wachsen nur hier und werden 250 Jahre alt, wenn sie vorher nicht von den Ziegen gefressen werden oder als Brennholz enden. Die Früchte liefern das auch in Europa sehr gefragte und teure Arganöl. Damit kann man sich einreiben oder Salat machen.

Arganbäume

Arganbäume

Durch das Tal der Ameln, in dem unter einer mächtigen Gebirgskulisse tatsächlich auch richtig Gemüse angebaut wird, bin ich dann wieder Richtung Küste und zurück nach Agadir gefahren.

Im Antiatlas

Im Antiatlas

ammeln

Ich hatte nun genug von der Bürokratie der marokkanischen Häfen und habe die letzten Abschnitte in Afrika sausen lassen. Für die Tour zu den Kanaren (Ihr seht ich habe meine Pläne geändert) hab ich mir noch 50 L Extrasprit besorgt. Bei wenig Wind und kaum Wellen hab ich am Dienstag, den 24.05. um 6:30 Uhr abgelegt und bin durch die zahlreichen Fischer nach Westen gefahren. Noch nach 4 Stunden waren um mich herum Fischerboote unterwegs. Ein paar Delphine und fliegende Fische sind ab und zu aufgetaucht. Um 15:00 Uhr hab ich dann einen Segelversuch gestartet, der immer besser lief und ich konnte bis Mitternacht mit der Genua gut vorwärts kommen. Um Mitternacht war der Wind wieder weg und ich musste mit Motor weiter durch die schwarze Nacht (war ziemlich stark bewölkt, also kein Licht von Mond und Sternen. In der üblichen Weise – Wecker auf 20 Min stellen, hinlegen, aufstehen oben Ausschau halten Kurs und Geräte kontrollieren und wieder von vorne. Morgens fuhr dann tatsächlich ein Containerschiff etwa 2 Meilen hinter mir vorbei. Nach 35 Stunden hab ich dann in Arrecife auf Lanzarote festgemacht. Eine sehr saubere Marina mit 4-Sterne Toiletten und Duschen! Hier werde ich einige Tage bleiben.

nach 1 Monat in Afrika !

nach 1 Monat in Afrika !

auf den Kanaren

Es ist nun schon über einen Monat her, seit ich in Arrecife auf Lanzarote angekommen bin. Lanza 1

Im Gegensatz zu Afrika ist hier der Sand nicht mehr gelb sondern schwarz. Auch die ganze Insel ist schwarz, bis auf einige Grüne Palmen oder Kakteen. Bevor ich aber mehr erkundet habe, legte ich erst mal einen Ruhetag ein, d.h. Boot putzen bis in alle Ecken, Wäsche waschen und wieder einräumen usw. Das ist gar nicht so einfach, denn beim Niesen und jeder Bewegung , die Brust oder Bauchmuskeln erfordert, schmerzen die Rippen ziemlich stark. In der Sturmnacht bei Rabat hsind wohl doch zwei Rippen angebrochen. Ich habe dann Horst angerufen und er hat mir seine Ferndiagnose als Arzt gegeben: „Wenn du kein Blut spuckst oder die Rippen vorn herausstehen, kannst du nur abwarten und Schmerztabletten nehmen.“  Das hab ich dann auch gemacht und es ging mir wesentlich besser.küste

Am Freitag hab ich mein Fahrrad ausgepackt und bin nach Puerto del Carmen, einem totalen Touristenort, der nur aus Hotels, Restaurants und Souvenirläden zu bestehen scheint gefahren. Danach nach St. Batolomae, einen Dorf im Hinterland. Dorthin geht es 10 km nur bergauf! Leider hab ich keinen Kaffee mehr bekommen, den der einzige Laden macht um 13:00 Uhr zu. So hab ich mir das Museum angeschaut, ein Sammlung von altem Hausrat wie bei meiner Schwiegermutter:Töpfe, Geschirr, Heugabeln, Kleider, Tische, Schränke, bemaltes Strandgut, Radios, Taschen, Körbe, Weinpressen, Heiligenfiguren, Lampen etc. Das einzig interessante war ein Schrank, den es wohl z.T. bis heute in entlegenen Gebieten gibt, der für die Trinkwasserversorgung der Familie gebraucht wurde. Im obersten Boden war ein großes Loch in dem eine Tonschale lag.Wasser

Hier wurden aus der Zisterne, die jedes Haus hatte immer wieder Wasser nachgefüllt. Das sickerte dann langsam durch den porösen Ton und tropfte darunter in einen Becher. Wenn der überlief, tropfte das Wasser in einen weiteren Tontopf darunter. So hatte man immer einen großen Schluck sauberes Wasser im Becher bereit und der Topf darunter sorgte für schnellen Nachschub. Brunnen gab es nicht, da das Wasser durch das poröse Lavagestein sehr schnell und tief versickerte. Das ist wohl auch der Grund warum fast nichts wächst auf dieser Insel.Musik

Am Wochenende war Pfingsten. Auf dem kleinen Wochenmarkt vor der Kirche hat eine Musikgruppe alte Lieder gespielt und viel Applaus geerntet. Manche Besucher haben auch leise mitgesungen. Am späten Nachmittag sind dann verschiedene Gruppen, Schulen, Altenclub, Kirchengemeinde, Lions etc. auf den Platz und die angrenzenden Straßen gekommen und haben auf dem Boden Bilder aus eingefärbtem Salz ausgelegt. Am Sonntag ging dann eine kleine Prozession aus der Kirche durch die Straßen und zu einem Altar vor der Kirche. Anschließend haben viele Besucher das bunte Salz in schönen Lagen in Gläser und Flaschen gefüllt. So hat sich jeder etwas von der Pfingstfeier auf Fensterbrett stellen können.Teppich prozession

Ich bin am Nachmittag nach Norden in die nächste Touristenhochburg, Teguise geradelt und von dort weiter ins Landesinnere (immer bergauf!) nach Tahiche. Dort ist das ehemalige Haus des Künstlers Cesar Manrique als Museum zu besichtigen. Es besteht aus verschiedenen Räumen auf und unter dem schwarzen Lavagestein, das teilweise in die Zimmer hereinzufließen scheint. Die natürlichen Höhlen, die im Lavafluß entstanden sind sind geschickt zu eine spannenden Abfolge von Außen- und Innenbereichen verbunden. Das Haus war so revolutionär, dass viele Besucher aus aller Welt anreisten, um es zu besichtigen.manrique

Manrique ist schließlich in ein anderes Haus gezogen, weil ihm der Rummel zu groß wurde. Überall auf der Insel kann man noch die Windspiele sehen, die er auf wichtige Wegkreuzungen gestellt hat. So hat man den Eindruck, dass er die ganze Insel gestaltet hat.manrique3

Am Montag hatte ich erst mal genug vom Radfahren und hab mir ein Auto gemietet. Über Yaiza fuhr ich nach Süden zu den Salinen von El Golfo, aus denen bis heute noch Meersalz gewonnen wird. Beeindrucken ist auch die Schroff steile Küste an der sich die Atlantikwellen brechen.salz

Danach gings durch die Mitte der Insel nach Norden durch das große Weinbaugebiet La Geria. Hier wächst der berühmte (und teure) Malvasierwein. In verschieden Weingütern kann man den leichten Wein probieren und kaufen. Die Weinfelder zeichnen eine ganz eigenartige Struktur in die Landschaft. Wegen der ständigen starken Nordwinde sind lauter halbkreisförmige Mauern aus Lavagestein errichtet, in deren Mitte 2-3 Weinstöcke in eine Mulde wachsen. Der Wein muss deshalb auch von Hand gepflegt und geerntet werden. Maschinen können nicht eingesetzt werden.wein

Schon weit im Norden, hab ich danach bei Guatiza den Kakteengarten besucht, den ebenfalls Manrique in einer Mulde in der Lava gestaltet hat. Wirklich eindrucksvoll werden hier auf mehreren Terrassen etwa 1.100 Kakteenarten präsentiert.kakteen

Ganz im Norden kann man dann auf die Nachbarinsel Graciosa schauen, auf der es nur einen Fährhafen gibt und Lava. Von den Klippen aus kann man die absolute Einsamkeit aus 500 m Höhe bestaunen. Den Abend hab ich dann mit einer ausgezeichneten Dorade und einem Glas Wein auf einer Terrasse im Fischerdorf Arrieta ausklingen lassen.graciosa

Am 31.05. hab ich Arrecife verlassen und bin gemütlich an das Südende der Insel gesegelt. Schon um 3 Uhr hab ich den Anker in der Papageienbucht fallen lassen. Klares blaues Wasser mit 21°C hat mich gleich angelockt. Am Abend hab ich mir dann die beiden Thunfischfilets in die Pfanne geworfen, die ich am morgen noch schnell in der Fischercooperation gekauft hatte – für 2,75 €.papageienbucht

Am Mittwoch bin ich an den großen Sanddünen im Norden von Fuerteventura entlang gesegelt. Vorbei an der Hauptstadt Puerto Rosario (sie soll eine ziemlich hässliche Industriestadt sein) hab ich den Anker in der Bucht von Pozo Negro fallen lassen. Das war leider keine gute Wahl, denn das Boot hat die ganze Nacht wie wild geschaukelt – bis zu 15 Grad auf jede Seite! Das war Gift für meine geschädigten Rippen und ich habe die ganze Nacht nicht schlafen können. So war ich froh, dass ich am nächsten Tag wieder in einem Hafen festmachen konnte in Gran Tarajal.grand tarajal

Nachdem sich wieder keiner meldet auf meinen Anruf, mache ich einfach irgenwo fest. Die Hälfte des Hafens ist nicht genutzt und in der anderen Hälfte ist auch nicht viel los. Immerhin gibt es einen schönen Strand gleich neben dem Hafen und eine Fischhandlung der Fischercooperative. Dort hol ich mir eine große Rotbrasse zum Abendessen für 3 €. Im Ort gibt es viele Baulücken zwischen den in unterschiedlichsten „Baustilen“ errichteten Häusern. Die kahlen Fassaden sind dann oft mit großen Wandbildern geschmückt.  Die Hafenpromenade hat aber durchaus Atmosphäre. wandbilder

 

Am Freitag bin ich weiter gesegelt nach Moro Jable, dem letzten Hafenort auf Fuerteventura. Die Insel ist hier schon recht flach und der Nordwind pfeift recht böig über die Hügel. Mit 25-28 kn Wind bin ich recht schnell in den Hafen gekommen, in dem auch die Fähren von Gran Canaria anlegen. Hier ist dann auch wieder richtig Touristentrubel mit Partycatamaran, Jetski, Segelausflügen und Badetouren zu den Dünen.moro jable

Am Sonntag segle ich weiter nach Las Palmas. Im Windschatten von Fuerteventura bläst der Wind wieder über die Hügel mit 7-25 kn und wechselt die Richtung immer wieder urplötzlich um bis zu 90 Grad. Ganz schön anstrengend wenn ich da halbwegs meinen Kurs halten will. Nach dem Kap kommt er dann beständig mit 12-15 kn. Vorbei am Verkehrstrennungsgebiet, in dem mich aber nur 3 Schiffe kreuzen komme ich in den großen Hafen von Las Palmas. Eigentlich sind es ja 4 Häfen und ganz schön was los mit raus und reinfahrenden Schiffen. Ich lege für die Nacht am Empfangssteg an, denn das Hafenbüro ist schon geschlossen. Thiery, ein Canadier, den ich schon in Arrecife kennengelernt hatte, hilft beim Anlegen und wir feiern das Wiedersehen erst mal mit einem Bierchen.Las Palmas

Am Dienstag kommt Gerlinde. Bis dahin muss ich alles geputzt, gewaschen und repariert haben. Vor allem das AIS (das Schiffserkennungssytem, das mir die anderen Schiffe auf dem Display anzeigt) sollte wieder funktionieren, nachdem es bei dem Sturm in Marokko den Geist aufgegeben hatte. Ein Elektroniker hat das auch recht flott wieder hin gekriegt. Für Reparaturen an Yachten ist dieser Hafen der Beste im ganzen SO-Atlantik!

Demnächst geht`s weiter nach Teneriffa!

…weiter durch die Kanaren

Jeden Dienstag geht ein Direktflug von Nürnberg nach Las Palmas und Gerlinde ist planmäßig angekommen. Damit gleich ein bisschen Erholungsstimmung aufkommt, sind wir an den Stadtstrand les Cantares im Norden gegangen. Auf 2 Km zieht sich ein wunderschöner weißer Strand an den Hotelanlagen dahin, gut geschützt durch ein langes Riff, dass den gewaltigen Atlantikwellen die Kraft nimmt und so auch für Kinder ein idealer Spielplatz ist.strand

Am Mittwoch haben wir eine Rundfahrt mit dem offenen Doppeldeckerbus gemacht, der auch in fast alle Stadtteile gefahren ist. Mittags gab es dann noch eine Stadtführung zu Fuß, was aber mehr eine Führung zu bestimmten Läden war, in denen man kanarische Souvenirs kaufen konnte.l palmas2 l palmas1

Am 09.06. haben wir die Überfahrt nach Teneriffa in Angriff genommen. Die Wettervorhersage war gut und es ging auch ganz gemütlich los. Mit 7-10 kn Wind sind wir die Nordküste entlanggefahren. Dann kam die offene Strecke zwischen den beiden Inseln. Wie erwarte hat der Wind hier zugelegt und teilweise 30 kn (Windstärke 7) erreicht. Die Wellen sind auch auf 2 m angestiegen und es war eine ganz schöne Schaukelpartie, bis wir schließlich nach 9 Stunden in Sta Cruz de Tenerife festmachen konnten. Die Stadt liegt am Fuß einer schwarzen Bergkette, die eindrucksvoll aus dem Atlantik aufsteigt.sta cruz konzerthalle

Schon Stunden vor den Ankunft (mit so einem langsamen Segelboot) sieht man ein weißes Gebäude und der Gedanke drängt sich auf, dass einem hier ein Engländer seinen weißen Po entgegenstreckt – nein, es ist ein Spanier, der Architekt Calatrava, der hier an der neuen Uferpromenade ein wild geschwungenes, weißes Konzerthaus hingestellt hat. In der Stadt gibt es den berühmten „Afrikamarkt“, der aber nichts mit Afrika zu tun hat, außer dass er als Schutzpatronin die Nuestra Senora de Africa hat. Er ist aber sehr offen  und luftig gestaltet mit Innenhöfen und Galerien und sehr guten Läden. Sonst gibt es viel Grün und eine sehr angenehme Atmosphäre in den Straßen mit blühenden Bäumen , kleinen Parks mit Ruhebänken und Cafes.africa markt bank

Wir wollten Teneriffa noch mehr erkunden. So haben wir uns für den nächsten Tag einen Wagen genommen und sind zum Teide, dem Vulkan von Teneriffa und gleichzeitig mit 3717m höchsten Berg Spaniens. Zunächst fährt man durch ausgedehnte Kiefernwälder immer den Berg hinauf. Es gibt wunderschöne Wanderwege hier, die offensichtlich auch gut beschildert sind. Dann wird die Vegetation spärlicher und es sind nur noch vereinzelte Büsche und Sträucher vorhanden, die z.T. wunderschön blühen und nur hier vorkommen, wie der Teide-Natternkopf oder die Drachenbäume. Schließlich gibt es nur noch Steine und man kann mit einer Seilbahn nochmal mit 50 Höhenmeter unter den Gipfel fahren. Das haben wir auch gemacht – wenns auch schweinisch teuer ist – und den Rundblick durch den gewaltigen, mehrere Kilometer großen Krater genossen. Über die tief unten liegende Wolkendecke schauen dann nur die Berge von La Palma und La Gomera raus – eindrucksvoll!teneriffa blume krater

Am nächsten Tag war so wenig Wind, dass wir fast die ganzen 8 Stunden mit Motor fahren mussten. Dabei hat uns die Atlantikdünung sehr ungemütlich hin und her geschaukelt. Zur Entschädigung sind wieder ein paar Delphine aufgetaucht, die uns eine Weile begleitet haben.delphin

Wir sind schließlich in einem kleinen Hafen gelandet, in Garachico an der Nordseite von Teneriffa. Der Ort war, bis 1706 der größte Hafen auf Teneriffa. Dann hat ihn ein Vulkanausbruch fast völlig zerstört. Einige alte Häuser sind noch erhalten. Auch das Hafentor wurde wieder aus der Lava ausgegraben und mit einem kleinen Park umgeben. An der Steilküste ist aus dem Lavastrom ein Meerwasserschwimmbad entstanden in dem man zusammen mit vielen feuerroten Krabben den Atlantik direkt genießen kann.lavabad garachico

Über San Miguel (nix zu berichten, denn es gibt nur abgezäunte Appartementareale und Golfplätze, nicht einmal einen Laden!) sind wir wieder nach GC (Gran Canaria) gesegelt. Da mußten wir wieder durch die stürmische Passage zwischen den beiden Inseln (GC  und Teneriffa). Außerdem gibt es ein Verkehrstrennungsgebiet, das wir meiden wollten, weil wir den schnellen Frachtern nicht in die Quere kommen wollten. Die haben auf dieser Schiffsautobahn nämlich Vorfahrt und können damit den Segelkurs ganz schön durcheinander bringen.  Wir mussten deshalb ein Drittel der Strecke gegen Wellen und Wind ankämpfen haben es aber bis 6:30 abends ganz gut geschafft (Gerlinde hat gar nicht geschimpft, bei der nassen Schaukelei!).gerlinde

In Puerto de las Nieves auf GC gibt es für Segler weder Duschen noch WC und kostet an der Kaimauer (Tidenhub ca. 2 m) trotzdem 24 Euro.las nieves2

Der Hafen ist die kürzeste Verbindung nach Teneriffa. 5 Mal am Tag fahren Katamaranfähren der Fred Olson Linie in 1 1/5 Stunde hinüber und herüber. Dann werden sie in 4 Reihen gleichzeitig entladen und beladen und nach einer halben Stunde ist das Ungetüm wieder weg. Ein guter Fisch in der Cofradia war der Abschluss unseres Erholungs- und Badetages.leuchtturm las nieves

Bei wenig Wind sind wir am Donnerstag die letzten 27 Meilen um die Nordspitze von GC wieder nach Las Palmas zurückgefahren. So haben wir in einer Woche Teneriffa umrundet und haben noch ein paar Tage Zeit für Gran Canaria. Doch erstmal musste ich der Ursache für die volle Bilge auf den Grund gehen. War es bisher  immer ein abgerottetes Kabel, so war diesmal die Bilgepumpe kaputt und gleichzeitig auch noch die eingebaute Handpumpe (164 bzw. 69 Euro plus Schlauchersatzmaterial so etwa 350 Euro) Das schlimmste ist aber die Sauerei, bis die schmierige, ölige Bilge mühsam leergeschaufelt ausgetrocknet und geputzt war. Es war ja auch das Diesel aus den kaputten Reservekanistern aus Marokko noch reingelaufen gewesen. Na ja wir habens jedenfalls geschafft! Das Material für die Reparatur besorg ich mir dann in Deutschland. Da ist es um einiges billiger.

Am Samstag haben wir mit einem schönen Essen im Hafenrestaurant meinen Geburtstag gefeiert. Ich möchte mich hier noch für die Geburtstagsglückwünsche bedanken, die mir viele auf Facebook geschickt haben und gleichzeitig entschuldigen, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe. Ich habe das Programm aber abgeschaltet, wegen der nervigen Werbung etc. und so hab ich erst durch meinen Nachbarn erfahren, dass ich da doch mal reinschauen sollte.kathedrale

Wir haben uns auch hier wieder einen Leihwagen genommen und eine kleine Inselrundfahrt gemacht. Zunächst gings nach Arucas, wo man von der Spitze eines Vulkankegels eine schöne Aussicht über das sehr fruchtbare Land im Norden hat. In der Stadt wird der berühmte ron anejo herhestellt ein 12 Jahre gelagerter Rum, der mit Honig versetzt wird. Die Familie ist mit dem Rum so reich geworden, dass sie dem Ort eine der größten Kirchen der Insel gespendet hat. Sie ist in neugotischem Stil errichtet und erst 1977 fertiggestellt worden (jaja, die Neugotik war bei uns viel früher und auch nichts Besonderes).dorf1

Der nächste Ort war Teror, der einzige Ort auf den Inseln, der reichlich Wasser hat und dessen Mineralwasserquellen ganz GC versorgen. Es ist noch ein ganz gemütlicher kleiner Ort mit idyllischen Gassen und einer Brunnentreppe. Auf dem Heinweg haben wir dann doch noch einen Palmengarten besichtigt, der in einem kleinen Tal vor der Stadt liegt. Viele schöne Drachenbäume und Kakteen waren dort zu sehen und es hat nicht einmal Eintritt gekostet.drachenbaum

Am Dienstag hat uns dann ein Fahrer vom Mietwagenservice zum Flughafen gefahren und den Wagen dann gleich übernommen. Toll!  Für 4 Wochen bin ich nun zuhause. Am 19.07 geht es wieder weiter durch die Kanarische Inselwelt. (Aber erst, wenn ich das mit der Bilge wieder in Ordnung gebracht habe). Es soll dann in den Süden von Gran Canaria nach Mogan gehen, weiter nach La Gomera und La Palma, dann wieder zurück bis Lanzarote und weiter nach Madeira. Mal sehen, obs klappt.

noch ein paar Kanareninseln

Am 19.7. bin ich wieder in Las Palmas auf Gran Canaria gelandet. Am Flughafen musste ich mal wieder in die Sonderkontrolle, weil sie nicht wussten, was ich mit Pumpen, Funkgeräten, Holzleisten, Schläuchen und Kabeln im Koffer vorhatte. Ich hab das Zeug dann fast nicht mehr in die Tasche zurück gekriegt. Auf dem Schiff musste ich erst alle Stauräume ausräumen, damit ich an die Leitung der Lenzpumpe kommen konnte. Die nächsten Tage hab ich damit verbracht, die Leitungen zu verlegen, den Bilgenschacht zu entrosten und 6 Mal zu streichen (3 Voranstriche und 2 Endlackierungen) klingt professionell, gell! Ist aber eine Sauarbeit. Nach 6 Tagen hatte ich es endlich fertig, Handpumpe, Elektropumpe (immerhin mit einer Leistung von 240 L/Min) und Schläuche waren drin und alles wieder eingeräumt und geputzt. Es geht los!werkstatt

An der Westseite der Insel entlang nach Süden kommt man erst an Industrie und Flughafen vorbei, dann folgt die absolute Touristenzone mit dem Zentrum Maspalomas: lange Sandstrände und Sanddünen, riesige Hotel- und Appartementanlagen, Vergnügungsparks usw. Maspalomas maspalomas2Nach dem Leuchtturm an der Südspitze wird es etwas felsiger und mein Ziel, Puerto Mogan, liegt schon mitten in den Lavabergen. Damit sie auch ein paar Touristen abbekommen, haben sie hier einen extra „Hafen“ für die Badegäste geschaffen und Sand aus der Sahara antransportieren lassen. Der Ort selbst ist ganz idyllisch angelegt und hat nur 2-geschossige Häuschen mit viel Grün dazwischen. Am nördlichen Hügel gibt es sogar noch eine verschachtelte Altstadt mit lauter steilen Fußwegen und Treppen bis zu einer Aussichtsplattform.P1030319 mogan

Der Dienstag war wieder Segeltag. Das läuft hier wie folgt ab: um 3:30 Uhr (ja, nachts!) aufstehen, frühstücken und nebenher Logbucheintragungen und Wettercheck. 4:30 Uhr ablegen, aus dem Hafen fahren und Großsegel setzen. Statt NNW, 11 kn nach dem Wetterbericht habe ich SO, 9 kn – ist eh besser. Schiff schaukelt ziemlich wild 25° zu jeder Seite, weil die Wellen von der Seite kommen. Um 7 Uhr – die Sonne geht endlich auf – Flaute und Motor. Nach einer halben Stunde kommt der Wind nun tatsächlich aus NNW mit 12 kn, also wieder segeln. Um 9 Uhr steigt der Wind auf 18-20 kn, Windstärke 5, also beide Segel reffen (kleiner machen). Um 13:30 ist der Wind weg und auch die Wellen. Alle Segel bergen und weiter mit Motor. Um 14 Uhr kommt der Wind wieder, aber ziemlich von vorne. Nur mit der Genua versuche ich meinen Kurs gegen 2,5 m hohe Wellen und mittlerweile 28 kn Wind (Windstärke 6), in Böen auch über 30 kn zu halten und komme gegen 19:00 Uhr zum Hafen von San Sebastian auf Gomera (Tagestour 77,5 sm). Dort antwortet keiner auf meinen Funkruf und ich fahre durch den ganzen Hafen in die hinterste Ecke zum Yachthafen. Endlich Ruhe und festgemacht! Leider ist die alte Genua  bei dem Starkwind und Geschaukel gerissen und es gibt hier keinen Segelmacher der das reparieren könnte. Fazit: der Wetterbericht hat tatsächlich für etwa 2 Stunden gestimmt!segelrissla gomera

Doch nun zu Gomera: Überall felsig (Lava) und dort, wo kleine Sand oder Kiesstrände sind, bestehen sie aus Lava, sind also schwarz und ab 11:00 Uhr auch höllisch heiß! Der höchste Berg ist der Garajonai mit 1.487 m. Von ihm und einigen anderen 1.000 m hohen Bergen im Zentrum gehen tiefe und steile Schluchten zum Atlantik runter. Nach NW stehen dort ausgedehnte Lorbeerwälder und Nebel ziehen gespenstisch durch das flechtenbewachsene Gehölz. Ich hab dann auch nach einem Tag Ruhepause eine Busfahrt (2,10 €) auf die Berge gemacht. Dort bin ich dann 3 km auf den Gipfel des Garanjonai gestiegen mit einer herrlichen Rundumsicht über die ganze Insel (und Teneriffa im Dunst).brandwald

Dann auf einem schönen Wanderweg11 km nach unten wo ich dann im Dorf Hermigua bei Kaffee und Kuchen wieder auf den Bus gewartet habe (immerhin 1.400 Höhenmeter abwärts!). Am Anfang war noch wenig Schatten, da vor wenigen Jahren ein Waldbrand die ganzen Bäume zu schwarzen Skulpturen verwandelt hat. Doch dann kam der noch intakte Nebelwald, ein Bächlein und einige Blumen.weg wald weg2 P1030534 Auch das Abendessen im La Forestera war ein Genuss: Ziegenkäse mit Waldbeeren, Bacalao mit Tomaten und Kartoffeln, Zitronensorbet und ½ Liter Wein. In dieser Nacht hab ich gut geschlafen!

Jetzt fehlte noch eine Autotour in den Westen und den Süden, an den großartigen Felsformationen der Vulkane vorbei durch die terrassierten Täler und einem kleinen Ausflug (bei so vielen perfekten Wanderwegen kommt man um ein paar Schritte durch den Wald einfach nicht herum) zu einem uralten Brunnen. Gomera eine Insel zum Wandern.gran rey felsen brunnen

Am Samstag den 30.07. zeigte der Wetterbericht nur 11 kn Wind an und ich wollte nach La Palma übersetzen (60 sm). Diesmal gings erst um 9:00 Uhr los. Ich musste aber am Anfang gegen den Wind ansteuern, der hier kurz nachdem ich den Hafen verlassen hatte mit 28-40 kn (Windstärke 8) entgegen blies.leuchtturm delfine Ein großer Schwarm Delphine hat mir den Kampf gegen die Wellen 20 min lang versüßt. Erst gegen 11:00 Uhr ging der Wind auf unter 20 kn und ich konnte die Genua wieder ein bisschen dazu nehmen. Vor dem Hafen von Sta. Cruz de La Palma musste ich dann noch 20 min in dem Geschaukel warten, weil ein Containerschiff gerade hinausmanövrierte, aber dann konnte ich endlich rein. (18:30)sta cruz 1

Sta Cruz soll die schönste Stadt der Kanaren sein und ist auch wirklich reizvoll mit hübschen kleinen Plätzen und vielen alten Balkonen an den Häusern. Über der Stadt thront die kleine Wallfahrtskirche der Señora de las Nieves. Sie istl die reichste Madonna Spaniens, denn der Altar auf dem sie steht, soll aus 2 to mexikanischem Silber bestehen. Dafür ist die Madonna ein bisschen kleiner ausgefallen.sta cruz2 madonna

Mit dem Mietwagen gings am Dienstag über die Insel nach Süden. Hier wird seit wenigen Jahren ein ausgezeichneter Wein produziert, der allerdings auch seinen Preis hat. Stolz hat der Leiter des Weingutes mir nach einer Führung seine Weingalerie und die Auszeichnungen gezeigt.weingut teneguia

An der Südspitze von La Palma liegen die schneeweißen Salzfelder von Fuencaliente- ein faszinierender Kontrast.salzfelder

Weiter westlich wurde gerade ein langer Pfad über ein Lavafeld fertiggestellt, der die verschiedensten Lavastrukturen erleben läßt und am Schluss in einer Lavahöhle endet.Lavaweg tazacorte

Inder Mitte der Westküste liegt Tazacorte, ein verschlafenes Straßendorf inmitten von Bananenplantagen und einem großen Hafen an der 3 km entfernten Küste.bananen

Ich hatte das Auto noch einen 2. Tag und konnte damit die nördliche Hälfte abfahren. Auch hier wächst auf der dem Wind und den Wolken zugewandten Seite der Lorbeerwald, in dem sich Steinritzungen der ersten Steinzeitlichen Bewohner finden.

Noch interessanter fand ich die nicht enden wollende Fahrt auf den Roque Chico, mit 2.370 m der zweithöchste Berg der Kanaren. Ich hab mal geschätzt: so 700 Kurven hinauf und dasselbe wieder runter!nach amerika

Hier ist die Luft so klar wie nirgendwo in Europa und deshalb versammeln sich sämtliche Forschungsinstitute Europas mit entsprechenden Teleskopen. Das modernste ist ein Gammastrahlenteleskop, bei dem neben 11 andern Staaten auch 2 Institute aus Deutschland mitgewirkt hatten.teleskope Gammastrahlen T

Ich hab schließlich noch mein kaputtes Segel geprüft und mich schweren Herzens davon verabschiedet, denn es war wohl nicht zu retten. So hab ich ein kleineres Reservesegel aufgezogen. Bei dem heftigen Wind der hier herrscht, reicht das sicher auch.

Am Samstag hatte ich dann eine etwas ruhigere Überfahrt auf die Nordseite von Teneriffa, nach Garachico. Den Hafen kannte ich schon und anlegen ist dort kein Problem, wenn man die sehr enge Haarnadelkurve in der Einfahrt geschafft hat. Es war gerade Fiesta (Romeria) in der Stadt, das geht im August über 3 Wochen lang. So habe ich gerade den kleinen Festumzug miterlebt, bei dem  kleine Wägen von Hand durch die Straße gezogen werden, vorne steuert einer die Behelfskonstruktion, oben sitzen die Kinder drauf und hinten hängt ein Grill, auf dem Spieße gebraten werden, die dann an alle umstehenden verteilt werden – lecker! Nachdem sich jeder kennt, wird an jedem Haus angehalten und mit den Bewohnern geredet, bis die nachfolgende Band so laut wird, dass man weiterziehen muss. So dauert der Umzug durch die 500 m lange Straße gute 2 Stunden.garachico fiesta

Nach 2 Tagen hab ich aber Garachico wieder verlassen und bin bei null Wind nach Sta Cruz de Teneriffe motort. Hier blühen mittlerweile die Palmen.palmblüte

Mit der Trambahn bin ich nach La Laguna gefahren. Nach vielen modernen und langweiligen Wohnblocksiedlungen und dem Universitätskampus kommt man nach 45 min in die alte Hauptstadt der Insel auf dem Berg. Hübsche alte Häuser mit Holzbalkonen und Innenhöfe, die auch zu besichtigen sind, lassen einen in eine andere Welt kommen.hof la laguna

Langsam komme ich auf meiner Tour durch die Kanaren zum Ende. Auf einem langen Trip geht es zurück nach Fuerteventura. Dort wollte ich einen Mietwagen nehmen. Den gibt es aber hier im zweitgrößten Ort der Insel nicht. Der Hafen ist ja auch ziemlich leer und im Ort fast nur Spanier, die mit dem eigenen Auto gekommen sind. Trotzdem hab ich in der Cofradia einen guten Fisch und einen guten Wein gekriegt. Eine Cofradia gibt es in jedem Fischerdorf und ist immer eine gute Adresse zum Essen. Es ist das Lokal der örtlichen Fischergemeinschaft und hat einfache aber frische Fischgerichte zu bieten.fuerteventura

Nach einem weiteren Tag entlang der Ostküste Fuerteventuras bin ich in der Marina Rubicon auf Lanzarote angekommen. Die Luxusmarina hat alles, was ein Urlaubszentrum braucht: Kneipen mit Musik bis Mitternacht, Restaurants, Supermarkt, Shopping Center, und 5 Sterne Hotel. Ist aber dennoch ein sympathischer und ruhiger Ferienort mit schönen Sandstränden zu beiden Seiten.rubicon

Der hier jeden Mittwoch stattfindende Markt war jedoch enttäuschend.  Statt der erwarteten Gemüse-, Obst- und Käsestände gab es nur Billigsouvenirs und Ramsch in Mengen. Morgen werde ich nun die letzte Insel im Norden besuchen: La Graciosa.

und dann nach Madeira….

Noch ein kleiner Nachtrag zu den Kanaren. Am 18.08 bin ich gegen wenig Wind zur Insel La Graciosa gefahren und einen Tag dort geblieben.la graciosa

Es ist die kleinste Insel der Kanaren ganz im NO der Gruppe. Abgesehen vom Trubel in der kleinen Hafenstadt – hier fährt alle Stunde eine Fähre zur Insel Lanzarote und einige Ausflugsboote bringen die Badegäste in die nächste Bucht – ist es recht einsam auf der Insel. Es gibt nur Sandpisten und Landrover, auch im Ort, und so hab ich mich ein bisschen wie in der Sahara gefühlt.lg

Mit einem Mountainbike bin ich einmal um die Insel gefahren. Obwohl sie nur 2 Vulkanberge hat, muss man doch etwas rauf schnaufen, um daran vorbei zu kommen. Im Norden hat das Meer die Lavaströme freigelegt, die sonst überwiegend von Sand bedeckt sind. Da spritzt die Gischt trotz fehlendem Wind noch ganz gehörig durch die Felsen.N Küste

Am Abend hab ich mir einen Papageienfisch direkt vom Fischer gemacht, war recht lecker. Auch wenn er erstmal sehr bunt aussieht, schmeckt er doch nach Fisch.papageienfisch

Am nächsten Morgen bin ich dann auf die große Überfahrt nach Madeira gestartet. Gut vorbereitet mit einigen hart gekochten Eiern und vorgekochtem Reis, Nudeln und Gulasch gings um die Insel in den Atlantik. Ich hatte mir etwa 48 bis 60 Stunden ausgerechnet, also mindestens 2 Tage. Die Wellen waren recht ruppig und der Wind auch 2 Windstärken mehr als im Wetterbericht angesagt war. Ich konnte aber die 280 Meilen in einem Schlag segeln, an Kochen war allerdings nicht zu denken, da ich immer 25 bis 30 Grad Lage (Neigung im Boot) hatte. Da fliegt einfach alles vom Herd! 5 Stunden früher als gedacht war ich dann auch vor dem Hafen von Funchal und wartete nun draußen auf den Tagesanbruch damit ich bei Licht in den Hafen fahren konnte.anfahrt

In den Bergen über der Stadt habe ich immer noch an 4 Stellen die lodernden Flammen der Waldbrände gesehen, die vor 2 Wochen ausgebrochen waren. Hat auch alles gut geklappt und ich hab mich erst mal 2 Stunden ausgeschlafen.

Funchal ist eine lebendige und reiche Stadt. Was für ein Unterschied zu La Graciosa: dort kleine einfache Häuser und Sandwege, hier große prunkvolle Geschäftshäuser, Parks mit blühenden Bäumen und  mit Marmor gepflasterte Wege, in die auch noch Muster aus Basaltsteinen eingelegt sind.funchal

Eine Woche lang hab ich mir nun die Insel und die Stadt angeschaut. Zunächst mit der Seilbahn auf den Monte, den Hausberg von Funchal. Dort ist eine Wallfahrtskirche und ein Tropischer Garten und vor allem eine tolle Aussicht über die Stadt.  Seltsame Fische gibt es auf dem Markt, wie dieser Espada, 1,5 m lang mit furchterregendem Gebiss (lebt aber nur in 1.500 m Tiefe).espada

Von der Seilbahn aus sieht man die verbrannten Hänge, über die das Feuer bis in die ersten Häuser vorgedrungen war.

Am nächsten Tag gings mit dem Bus in die Berge. Ich hatte mir einen Wanderweg an einer Levada rausgesucht. Das sind Wasserkanäle, die das Wasser aus dem Wasserreichen Norden zu den Anbauflächen führen und über viele Kilometer an den Hängen entlangführen. Dabei geht es manchmal auch direkt an einem Abgrund entlang (gut gesichert) oder durch einen Tunnel. Die Portugiesen haben sich dazu im 15 Jahrhundert Sklaven aus Afrika geholt und ganz böse schuften lassen. Großartig sind die Wanderwege trotzdem.

levada1 levada3

 

levada2

Die Wanderwege sind oft schwer zu erreichen, weil keine Busse hin oder weg fahren. Deshalb wird empfohlen mit Taxis zu fahren, die aber immer etwa 30 E kosten. Ich hab mir deshalb für einen Tag ein Auto gemietet und bin um die Westhälfte der Insel gefahren. Erstmal geht es an den Steilhängen in unendlich vielen Kurven rauf und runter und tief in die Täler hinein (auf der alten Landstraße), durch Hotel und Ferienwohnungen und einige kleine Orte. Die Berge sehen aus als hätte jemand die Häuser gleichmäßig ausgesät. Um die wenigen Strände sind große Wellenbrecher gebaut, um zu verhindern dass der aus der Sahara importierte Sand gleich wieder im Atlantik verschwindet.Küste küste2

Nach 2 Stunden Fahrt an der Küste bin ich eine kleine Straße in die Berge hoch gefahren. Kurz nach dem Ort Calheta führt die Straße durch den verbrannten Wald. Es riecht noch nach verbranntem Holz bis man oben auf dem Kamm angekommen ist.brand1 brand2

Eine Kleine Wanderung hab ich mir gespart, denn schon am Ausgangspunkt standen etwa hundert Autos. So bin ich gleich weiter nach Porto Moniz. Schön, wenn man eine ganze Hafenstadt nach der eigenen Tochter benennen kann, wie der Portugiese Perestrelo, der die Inseln entdeckt und für den portugiesischen König annektiert hat. Die Tochter hat er dann auch noch mit dem Abenteurer Columbus verheiratet, dem eines Tages der Handel mit dem Zuckerrohr der Insel zu langweilig war und auch auf Entdeckungstour ging.moniz

n küste2

In einem Tal kann man 700 m tief in eine alte Lavahöhle gehen.
lavagrotte

Die entstehen dadurch, dass die langsam fließende Lava oben abkühlt und eine harte Kruste bildet. Darunter fließt die Lava weiter ins Tal bis der Zustrom versiegt.tanz

Abends war Volkstanzfestival in Funchal (was die Touristeninfo übrigens 1 Tag vorher noch nicht wusste – ist ja auch erst am Nachmittag plakatiert worden.)

Jetzt war wieder ein einsamer kurzer Levadaweg zu einem Aussichtspunkt auf dem Programm. Ich hatte allerdings übersehen, dass ein Kreuzfahrer seine Meute entlassen hatte und viele wohl das gleiche Programm hatten. Die Bergkette wurde jedenfalls in allen Sprachen ausführlich erklärt.levadaaussicht

Nach einer sehr guten Forelle, die dort in den Bergen gezüchtet werden bin ich mit dem Bus weiter nach Santana an der Nordküste. Einzige Attraktion sind 4 alte restaurierte Siedlerhäuschen, die mit Stroh gedeckt sind. Zwei Stunden später hat mich der Bus wieder heim gefahren.santana

Am Montag hab ich meinen Startpunkt für die Rückfahrt angefahren, die Insel Porto Santo. Anders als Madeira gibt es hier fast keine Bäume – alles ist kahl. Dafür gibt es einen Kilometerlangen weißen Sandstrand.

Die Insel ist zwar auch durch Vulkanausbrüche entstanden, wurde im Tertiär aber vom Meer überflutet, wodurch sich viele Korallen gebildet haben. Danach ist sie aus dem Wasser gehoben worden, die Korallen hat es „pulverisiert“ und sie liegen nun als einmalige Sensation als Weißer Sand an der Südküste.hafen

Nun das war mein Ausflug in den Atlantik. Morgen will ich versuchen nach Portugal zu kommen. Ohne Umwege sind das 550 Meilen, also etwa 5 Tage (und Nächte). Ein Andenken habe ich , wie viele Segler hier auch schon zurückgelassen . ein Bild an der Hafenmauer.bild

 

5 Tage auf See

Für die lange Überfahrt hab ich eingekauft und einige warme Essen vorbereitet, auch wenn ich aus der letzten Überfahrt nicht die Hoffnung hatte jemals kochen zu können. Mit Mario, einem Portugieser, der den gleichen Weg hatte wollte ich unterwegs in Funkkontakt bleiben. Dann gings los:

Montag, der 05.09.2016, 9:30 Uhrposa

Ablegen und alle Leinen und Fender verstauen. Wenig Wind und fast keine Welle.  Großsegel mit 2. Reff aufgezogen. Eine Stunde später Cap Sao Lourenco gerundet. Der offene Atlantik liegt vor mir – ruhig und mit nur 6-8 kn Wind aus Nord (angesagt NO, 14 kn). Segeln bringt mich zu weit nach Westen, also mit Motor strikt nach N. Mario segelt ab nach Westen. Das Wetter bleibt unverändert und ich mache mir abends um 6:00 Uhr Nudeln mit Hackfleischsoße. Wunderbarer Sternenhimmel mit kleiner Mondsichel und weit und breit kein Schiff. Heute 95 sm geschafft (aber Umweg, da ich Kurs 360° gefahren bin und nicht direkt 45°). abend1

Dienstag, der 06.09.2016leichter-wind

Um 7:00 Uhr wird es endlich hell. Wind und See unverändert ruhig. 12 Mal bin ich heute Nacht aus meiner Koje im Salon über das Leebrett (das ist so ein Rausfallschutz wie bei einem Pflegebett, nur dass er nicht zum Wegklappen ist) geklettert, schlaftrunken die Leiter zum Cockpit hochgestiegen, um die Leinen der Selbststeueranlage geturnt, auf dem Plotter nach Schiffen gesucht, dann das Ganze wieder zurück. Um 8:00 Uhr fährt endlich mal ein Frachter in 15 Meilen Entfernung vorbei – kaum über dem Horizont zu sehen. Tank mit den Kanistern (40 l) nachfüllen. Mittagessen Tomatenreis mit Schinken und Zwiebeln. Um 15:15 Uhr ist endlich genug Wind zum segeln. Im Tank sind nur noch 70 l Diesel. Mit langsamen 3 kn Fahrt geht es in die Nacht. Um 22:00 Uhr hab ich die Höhe von Gibraltar erreicht. Europa ich komme! – langsam… In der Nacht glitzern lauter Leuchtpunkte silbern in der Gischt seitlich am Boot. Wieder mit den Sternen alleine.abend2

Mittwoch, der 07.09.2016delphin

Es geht weiter mit 3 kn durch die Nacht. 2 Mal muss ich außerplanmäßig nach oben und den Kurs wieder korrigieren. Die Wellen hatten das Boot bei dem wenigen Wind so zur Seite geschoben, dass es im Wind stand und alles flatterte und klapperte. Morgens besucht mich eine Herde – etwa 20 –  Delphine und spielt eine halbe Stunde ums Boot herum. Der Wind läßt nach auf 2-4 kn. 2 Std Motorfahrt zum Batterien laden und vorwärts kommen. Dann stehe ich mitten im Atlantik 4 Stunden in der Flaute. Eine Runde schwimmen im 2.000 m tiefen Meer, Wassertemperatur 23 ° C. Duschen, Mittagessen (Kartoffelbrei mit Nürnberger Bratwürsten).windstille

Regenfront taucht im Norden auf und kommt langsam näher. Binde vorsichtshalber wieder ein Reff ins Groß, dann kommt endlich Wind. Sonnenuntergang, der Wind frischt auf 18 kn auf. Es geht mit 4,5 kn Fahrt schön voran – allerdings ist jetzt alles noch schräger, 15-20° Lage.abend3

Donnerstag, der 08.09.2016

Es hat nicht geregnet, aber die Nacht war schwarz. Immer noch keine Schiffe im Umkreis von 30-40 Meilen. Soweit zeigt mein AIS alles an. Erst um 8:00 passieren 2 Tanker im Abstand von 5 bzw. 25 sm. Die Wolken werden dünner und schließlich ist es ein weiß-blauer Himmel. Der Wind hat wieder etwas nachgelassen und ich fahre unter vollen Segeln 4 kn (schade, dass die Genua zerrissen ist. Die kleinere Fock bringt einfach nicht so viel Zug. Der Wind bleibt den ganzen Tag gleich, nur die Wellen sind etwas ruppig und bremsen das Schiff wieder ab. Entsprechend werde ich in der Koje hin und her gerollt und geschubst. Jetzt sind viele Frachter unterwegs, die aus der Straße von Gibraltar kommen oder rein wollen.frachter

Abends mach ich mir die 2. Portion Nudeln mit Hackfleischsoße. Ich krieg das schon ganz gut hin in dem dauernden Geschaukel, bei 20 ° Lage, den Topf und mich festhalten, umrühren etc. In der Nacht dreht der Wind und ich kann wieder etwas nördlicher fahren.mond

Freitag, der 09.09.2016

Die See wird ruhiger, der Wind bleibt. Immer noch viele Frachter unterwegs, aber alle mit großem Abstand. Ich glaube, sie halten extra so viel Abstand, weil Segler ja so unberechenbar sind und dann auch noch Vorfahrt haben. Zum Frühstück gibt es das letzte Brötchen. Die restlichen 2 sind angeschimmelt und gehen über Bord.- Es wird Zeit, dass ich ankomme! Ab Mittag dreht der Wind wieder zurück und ich muss wieder 60° fahren. Macht nix, ich bin schon weit genug im Norden. Um 18:00 Uhr gibt es warme Erbswurstsuppe mit Wienerle. Leider hab ich nach dem Öffnen der Dose mal wieder nicht aufgepasst und die Dose mit den Würstchen saust über den Tisch und macht einen Salto über die Kante. Die ganze fettige Brühe verteilt sich am Boden im Salon. Dann halt erst mal putzen, bevor es was zu essen gibt! Der Wind legt etwas zu und ich muss auch nicht mehr so hoch am Wind fahren. Es geht mit 5,5 kn weiter. Ein kleines Tief kommt wieder auf mich zu und ich binde das erste Reff ein.regenfront

Als der Wind um 22:00 Uhr auf 20 kn ansteigt binde ich auch noch das 2. Reff ein und komme flott aber schräg vorwärts. Die Turnerei aus der Koje an Deck und zurück in jeder Stunde wird langsam richtig anstrengend. Na ja, andere gehen dafür ins Fitness Studio. Hier hab ich das ganz umsonst.abend4

Samstag, der 10.09.2016

Der Wind lässt nach. Mit dem neuen Kurs komme ich aber immer noch schnell vorwärts. Die Nacht war wieder sternenklar – unglaublich, was da alles über dem schwarzen Meer leuchtet. Als es um 7:00 Uhr wieder hell wird sehe ich eine lange schwarze Regenwand vor mir. Der Wind geht zurück auf nix und die Wellen sind auch so gut wie weg. Es ist kein Regen – es ist dichter Nebel. Ich hole schnell noch die Segel ein und fahre 4 Stunden (ohne Frühstück!) durch den kalten feuchten Nebel. Ich traue mich nicht vom Steuer, denn so kurz vor der Küste können kleine Fischerboote auftauchen, die man im Plotter nicht sieht. Kurz vor der Küste reißt der Nebel auf, klarer blauer Himmel über Cascais meinem Zielort. Ich habs geschafft. 632 sm und 120 Stunden auf See liegen hinter mir und ich bin in der noblen Marina von Cascais, einem Vorort von Lissabon.cascais

Mario ist übrigens zu weit nach Westen gekommen auf seinem Kurs und musste 2 Tage gegen starken Wind und hohe Wellen ankämpfen, bis er die Algarve erreichte. Das sind über 100 Meilen südlicher. Gut dass meine Strategie so erfolgreich war!festung

In den nächsten Tagen werde ich mein Winterlager organisieren. Mal sehen , wo ich unterkomme.

…angekommen

In Cascais angekommen, hab ich mich erst einmal ausführlich erholt und lange ausgeschlafen. Es ist einer der Luxushäfen im Einzugsbereich von Lissabon und deshalb auch ziemlich teuer. Nach dem Wäsche waschen, duschen, Müll entsorgen, Boot putzen etc. hab ich die Stadt erkundet. Von kleinen halb verfallenen Häuschen bis zu großen Luxusvillen gibt es hier alle Varianten. Parks, Museen, Hotels, Pensionen und eine Festung (gegen Piratenüberfälle mehrfach vergrößert) vervollständigen das Konglomerat. Am Wochenende sind hier immer irgendwelche Veranstaltungen um die Städter herzulocken. Diesmal war es ein Lichtfestival, bei dem Künstler an etwa 25 Orten in der Stadt ihre Lichtinstallationen präsentiert haben.hasen

Vormittags gibt es in den Markthallen alles was der Magen begehrt. Außen an den Markthallen sind aus den typischen portugiesischen Fayencekacheln Bilder aus dem Leben der Bauern und Fischer angebracht. Zum Hafen hin ist alles voller Restaurants, wo man von den Kellnern in allen Sprachen fast zum Essen hineingezogen wird. Ich habe mich dennoch los reißen können und in einem Grillrestaurant im etwas abgelegeneren Westen ein gutes und preiswertes Essen gefunden. markt

Im Hafen liegen einige tolle Luxusyachten, unter anderem die Endeavour, die jeden Tag von ihrer Crew gewienert wird.endeavour

Nach 5 Tagen hatte ich einen Winterliegeplatz gebucht und Rodrigo hat es sich nicht nehmen lassen mit mir die letzten 25 sm dorthin zu segeln.belem

Vorbei an Belém und Lisboa ging es in die Lagune von Seixal, auf der gegenüberliegenden Seite des Tejo, wo wir pünktlich um 15:00 ankamen um gleich aus dem Wasser gehoben zu werden. 4 Stunden später hab ich dann gesehen, warum es so wichtig war den Slalom durch die Tonnenstraße und die Ankunftszeit einzuhalten: Wo wir gefahren sind, war nur noch ein dünnes Rinnsal im Schlick!fahrrinne

Nun hatte Sergio, der Werftbetreiber; die Ruhe weg. Ich durfte die erste Nacht an Bord meines „fliegenden Holländers“ verbringen, denn ich hing die Ganze Nacht in den Gurten des Krans. Ein ganz neues Fluggefühl! Bis zum Hochwasser am nächsten Nachmittag hatte ich aber meinen fest verbolzten Standplatz und ich konnte in Ruhe meine Liste der fälligen Reparaturen machen: Rollreff geht nicht mehr, Ankerwinsch rührt sich nicht, Motorwartung mit Ölwechsel, Windmesser ohne Anzeige, vor allem aber erstmal die Segel waschen, trocknen, zusammenlegen und verstauen (immerhin über 30 kg pro Segel).fliegender-hollaender

Dazwischen am Sonntag nachmittag eine kleine Rundfahrt mit dem Fahrrad (mit Reifen flicken) durch Seixal, ein ziemlich trostloses Kaff, aber trotzdem irgendwie liebenswert.seixal

Mit 40 kg Gepäck bin ich schließlich am 21.09. um 6:30 wieder auf Heimreise gegangen: mit Taxi, Zug, Bus, Flughafenshuttle, Flieger und Auto war ich endlich nach 116 Tagen auf See und 2.820 sm über den Atlantik wieder zuhause. Hier ist es auch ganz schön. Ich habe nun ein halbes Jahr, um mir meinen weiteren Weg zu planen und die notwendigen Reparaturen vorzubereiten. Der Törn in diesem Jahr verlief etwas anders als ich zunächst vorhatte, deshalb hier nochmal die tatsächliche Route.

route-16 toern2016

 

Winterpause

 

p1060271Am 7.11. ist der Winter eingezogen. Mit unseren Freunden Ernst, Vreni, Gunter, Conny und Eva, die wir vor 40 Jahren auf unserer Indienreise kennengelernt hatten, haben wir ein paar schöne Tage auf einer Hütte in Wildhaus/Schweiz verbracht. Kaum zu glauben, dass ich vor 2 Monaten irgendwo im Atlantik, zwischen Madeira und Lissabon herumgesegelt bin. Im Januar gibt es dann den neuen Plan.p1060313

Schöne Weihnachtszeit und einen guten Start ins neue Jahr !