neue Ziele

das Jahr hat ziemlich eisig angefangen und ich habe mich sehr nach den angenehmen Temperaturen auf den Kanaren gesehnt. Zum Ausgleich hab ich meine Route für 2017 zusammengestellt. Wie immer kann sich jeder, der sich für einen Abschnitt interessiert anmelden und ein Stück mitkommen.

Portugals Küste wird wohl eine Fahrt gegen den Wind und Atlantikwellen. An der Nordküste Spaniens wird das hoffentlich angenehmer. In Bordeaux (sicher ein Highlight!) werde ich 3 Wochen bleiben bevor es nach La Rochelle und die Bretagne geht. Wer gerne sein Schwarzgeld oder seine Briefkastenfirma besucht kann das auf den beiden Inseln Jersey und Guernsey machen, bevor ich den englischen Kanal überquere und an Cornwall entlang zu den Scillies segle. Eine längere Überfahrt gibt es dann nach Cork/Irland, dem Segelzentrum der Insel. Etwas wilder, dafür aber eindrucksvoll und spannend wird die Fahrt entlang der Westküste Irlands bis es schließlich nach Glasgow in Schottland geht. Vor der Abfahrt werde ich 2 Wochen am Schiff arbeiten, damit alles wieder funktioniert, dann geht es am 2. Mai mit neuen Segeln los.

 Die Törnabschnitte hab ich auch auf der Internetseite handgegenkoje.de unter Atlantik-sonstige gestellt. Ich würde mich freuen, wenn jemand Lust hätte, mich ein Stück zu begleiten.

wieder beim Schiff…

Am 19. 04. hat mich Gerlinde bei Schneefall um 4:30 Uhr zum Flieger nach München gebracht. Zur Begrüßung in Lissabon hat der Pilot erst Mal eine Runde über die Stadt und den Atlantik geflogen, bevor er mich abgesetzt hat. Das Warten auf das Leihauto hat dann fast so lange wie der Flug gedauert (Nie wieder AVIS/Budget !!) und viele zusätzliche Gebühren, wenn man eine Selbstbeteiligung von 1.800 € nicht will! Nach einigen Irrfahrten durch Lissabon habe ich die Brücke über den Tejo doch noch gefunden und bin schließlich beim Schiff in Seixal angekommen.

nein, das ist nicht mein Schiff!

Alles soweit in Ordnung nur etwas verstaubt von dem Sandplatz auf dem es steht. Immerhin hat es tagsüber so 25 °C und ich kann gut arbeiten. Erstmal musste ich meine Liste vervollständigen: Ankerrelais einbauen und anschließen, Ankerkasten nachstreichen, Küchenbilge entrosten und streichen, Unterwasserschutz ergänzen, Propeller abschleifen (Seepocken), Schiebeluk und Hülle zerlegen, abschleifen und streichen, Winschen zerlegen, putzen, schmieren, montieren, Wasserpumpe erneuern, Umlenkrollen auswechseln, Windgeber reparieren. Dazu in verschiedenen Geschäften die Werkzeuge und Materialen dazu einkaufen (hat mich ungefähr zwei Tage und 4 Fährfahrten und 60 km Radfahren gekostet) und dann arbeiten! (Streichen heißt übrigens 3 Mal grundieren und 2 Mal Deckanstrich, also mindestens 3Tage bei 12 Stunden Mindesttrocknung)

meine Baustelle (die hintere Hälfte)

Winsch vor und nach der Bearbeitung

Am 25.04. war Nationalfeiertag der sogenannten Nelkenrevolution von 1974 mit Feuerwerk und vielen Grillbuden. Vielleicht wird auch die erste Verfassung gefeiert, die 1822 für 3 Jahre in Kraft trat. Das hab ich nicht so richtig herausgefunden.

Nachmittags-Tango auf der Hauptstraße in Lissabon

Auf meiner Suche nach Ersatzteilen hab ich alle Segelausrüster von Lissabon und Umgebung kennengelernt. Dabei ist ab und zu auch was Kulturelles abgefallen, wie das Kloster von Belèm oder das Denkmal der Seefahrer. Es sind allerdings nicht alle Seefahrer sondern auch Kartographen, Zimmerleute, Ärzte, Seiler, Astronomen, Biologen, und Kartografen dabei. Angeführt wird die Gruppe von König der Portugiesen, Heinrich dem Seefahrer, der nie zur See gefahren ist, aber die Seefahrt massiv gefördert hat. Gefolgt wird er von Vasco da Gama, der für Portugal zahlreiche Handelsniederlassungen in Westafrika besetzt hatte und vor allem den Seeweg nach Indien um Südafrika herum entdeckt hat. Damit hatte Portugal für 100 Jahre das alleinige Recht für den Gewürzhandel mit Indien.

Seefahrerdenkmal

Portugal hat die Promenade von Belèm zu einer schicken Promenade ausgebaut, alle historischen Gebäude restauriert (vor 2 Jahren waren sie noch eingerüstet) und einige neue Bauten hinzugefügt, wie das Kulturzentrum und das maat – Museum for Art, Architecture and Technologie. Von außen beindruckend, für innen hatte ich keine Zeit.

maat in Belèm

die Flaniermeile in Belem

Mein portugiesischer Freund Rodrigo hat mich sogar 2 Mal besucht und etwas aufgemuntert in meinem einsamen Kampf für ein vollständig funktionierendes Schiff. Mit ein bisschen Zusprache, 2 Flaschen Wein und einer Tüte frischer Zitronen geht alles wieder viel besser. Schade, dass sich unsere Wege nun trennen.

mein Winterliegeplatz (ohne bird of tuvalu)

Am 02.05. bin ich nach 2 Tagen im Dreckwasser der Lagune endlich losgefahren nach Cascais, wo ich tatsächlich noch einen Windmesser auftreiben und montieren konnte. Bis auf einige kleinere Dinge hab ich alles geschafft. Die Rollfockanlage braucht noch Ersatzteile und die passenden Umlenkrollen konnte ich auch noch nicht auftreiben. Aber, es geht los….

 

Die Atlantikküste

Zwei Tage in Cascais vergehen vor allem mit dem Organisieren von Reparaturmaterial und Reparaturen. Am Stadtstrand ist trotz 16°C Wassertemperatur schon einiges los.

Der kleine Außenlautsprecher  ist neu anzuschließen und weil beim Windgeber im Mast ein Kontaktstift abgebrochen ist, muss ich da auch einen neuen Halter organisieren und zusammenlöten und montieren. Zum Glück sind noch zwei Franzosen im Hafen, die mich die 16 m hochziehen und wieder runterlassen. Jetzt zeigt er wieder die Windstärke und eine Windrichtung an – leider die falsche, ist mir aber wurscht! Wenigstens hat die Bilge ihren letzten Anstrich bekommen. Zur Belohnung gehe ich essen, zwei Stückchen Robalho, gut aber wenig und teuer.

Auf der Fahrt nach Peniche hab ich wieder einmal eine Fischerboje mitgenommen. Sie sind aber auch auch überall und eine muss man ja mal treffen! Mit einer Halse bin ich sie aber wieder los geworden und die Fahrt ging mit raumem Wind von 15 kn flott dahin. Die Atlantikwellen wurde allerdings immer größer, sodass das Schiff sehr geigte (also 20-30° hin – und herschwankte). Erst im Hafen war das Wasser wieder ruhig und ich konnte die Segel einholen.

Nach einem Hafentag, an dem ich ein Seegewitter vorbeiziehen ließ, gings weiter nach Figuera da Foz.

Figuera da Foz

Für mich ist es diesmal der Ausgangspunkt für die Besichtigung von Coimbra. Nach einer Stunde Bahnfahrt durch die fruchtbare Flussebene mit zahllosen Storchen kommt man von hier nach Coimbra, der ältesten Universitätsstadt Portugals.

Hier hat sogar König Joao III der von König Dini 1290 gegründeten Universität seinen halben Königspalast zur Verfügung gestellt. Das und einige Kirchen wollte ich eigentlich anschauen.

Coimbra

Als ich nach Coimbra kam, war die Stadt voller Studenten (schwarzer Anzug oder Kostüm mit schwarzem, bodenlangem Umhang, z.T. mit Zylinder und Stock). Es war das Abschlussfest des Semesters, eine Berühmt-berüchtigte Veranstaltung. Die Studenten verbrennen (symbolisch) über einem Topf Ihre Studienbücher mit den Semesterbanderolen in den Farben der Fakultäten (rot für die Juristen, blau für die Naturwissenschaften, gelb für die Mediziner etc.).

Dann geht es mit den in den Farben der Fakultäten und bissigen Karikaturen geschmückten LKWs in einem Stundenlangen Umzug durch die Stadt. Dabei wird Bier, Schnaps und Wein in Mengen an und über die Zuschauer verteilt – die Bierdosen spritzen ganz schön weit, wenn man sie schüttelt und dann ein kleines Loch reinsticht.

Die Zylinderstudenten werden dann von jedem Bekannten in das Berufsleben verabschiedet. Das Ritual verläuft so: der Partner bekommt den Stock, muss damit 3 Mal auf den Zylinder schlagen, dann bekommt der Absolvent rechts und links ein Küsschen und einen Tritt in den Hintern.

Am Abend sehen die Zylinder dann natürlich nicht mehr so attraktiv aus wie am Mittag.

Ja, mit Besichtigungen war es an so einem Tag natürlich nichts. So bin ich am nächsten Tag nochmal nach Coimbra gefahren und hab mir die leere Universität die Stadt und ein paar Kirchen angeschaut. Die Universitätsbibliothek mit 120.000 Büchern aus dem 16.-18. Jahrhundert ist wirklich beeindruckend. Auch der Krönungssaal der Könige, in dem die Verteidigung der Doktorarbeiten und die Verleihung der Doktorwürden stattfindet, ist wohl nicht oft an Universitäten zu finden.

Am Dienstag den 09.05. ging es endlich weiter nach Norden. Immer noch hatte ich einen brauchbaren Wind von Süden und war nach 5 Stunden in Aveiro einer kleinen Stadt mitten in einer weitläufigen Lagunenlandschaft. Sieben Meilen Flussaufwärts habe ich am Steg eines Yachtclubs festgemacht und war in 10 Minuten mit dem Fahrrad in der Stadt. Drei Kanäle durchziehen die Stadt, auf denen heute die „Gondeln“ (mit Außenbordmotor) Touristen durch den Ort fahren.

Einige Jugendstilhäuser, ein modernes Viertel und einige etwas heruntergekommene Stadtteile prägen das etwas chaotische Bild der Stadt. In der Lagune reichen die Salzfelder bis an den Stadtrand. Allerdings werden nur noch wenige genutzt.

Auch die Zeiten des beeindruckenden 4-Mast Schoners am Kanal sind vorbei. Er wurde vor 100 Jahren gebaut, um vor Neufundland Kabeljau zu fischen.

Als ich am Freitag weiterfahren wollte war die Hafeneinfahrt gesperrt, weil der Atlantikschwell eine starke Brandung in der Einfahrt verursachte (und das bei nur 12 kn Wind, 4 bfts). Die Hafenaufsicht ist an dieser Küste sehr streng geworden, nachdem vor einigen Jahren einige Segler tödlich verunglückt sind, bei dem Versuch, die Einfahrt trotzdem zu schaffen. Am nächsten Tag durfte ich aber weiter und bin bei schönem SW Wind nach Porto gesegelt. Ich habe mir sogar die teure Marina in vor der Stadt geleistet. Sie liegt vor einem einfachen Fischerdorf am Fluss.

Wäscheleinen

Außer ausgezeichnetem und preiswertem Fisch in den Grillstuben des Dorfes gibt es ein Waschhaus, in dem die Frauen gemeinsam die Wäsche schrubben und anschließend in einem wilden Gestängewald an die Leinen hängen. Die Portweinfabrikanten haben immer noch die traditionellen Boote für den Transport der Portweinfässer am Fluss liegen und Brücke und Stadtansicht sind immer noch so beeindruckend wie vor drei Jahren.

Schon am Sonntag gings weiter nach Viana do Castello, der letzten Station vor der Grenze zu Spanien. Ein hübscher kleiner Ort an einer Flussmündung mit einer Marina, die extra eine Brücke öffnet, um mich einfahren zu lassen.

Am Montag bin ich nach Baiona weitergefahren, in der Hoffnung, dass ich hier endlich meine Rollfockanlage und die Umlenkrollen repariert bekomme. Leider macht mir der Galizische Nationalfeiertag diese Woche einen Strich durch die Rechnung und ich bekomme wieder nichts repariert. Außerdem zieht Nebel vom Meer über die Bucht. Es nieselt und ist kalt! Die richtige Situation, um mein verstopftes Klo wieder in Ordnung zu bringen (keine Angst, ich führe das nicht weiter aus!).

Baiona

Am Mittwoch gings weiter nach Combarro. Das ist ein interessanter Ort am Ende der übernächsten Bucht. Kleine Fischerhäuschen mit Balkonen, daneben zahlreiche Kornspeicher und viele Restaurants prägen das Bild. Auf den Plätzen stehen noch Kreuze, die bei der Christianisierung hier aufgestellt wurden. Damit sollten die Kultplätze für die Hexen und Geister „umgewidmet“ werden. Auf jedem Kreuz ist Christus in Richtung Land und Maria in Richtung See schauend dargestellt.

Combarro

Von Combarro aus gings weiter nach durch zahlreiche Fisch- und Muschelzuchtanlagen nach Ribeiro, eine größere Fischerstadt, aber nicht weiter sehenswert.

Muschelzucht

Dagegen hat Muros, der letzte Ort bevor ich das Cap Finisterre umfahre, eine sehr reizvolle Innenstadt.

Muros

Bei absoluter Windstille fahre ich mit Motor um das Kap und an der Costa del Morte (Todesküste) entlang, ankere für eine Nacht in der Bucht vor Corme und komme schließlich in A Coruna an. Auch hier zerschlägt sich meine Hoffnung auf eine Reparatur der Rollanlage sehr schnell. Obwohl eine ganze Woche zur Verfügung steht, will die Werft erst am nächsten Montag die Anlage anschauen! Da dann sicher noch eine weitere Woche vergeht, bis sie die notwendigen Ersatzteile besorgt haben, dauert es einfach zu lang! So habe ich Zeit nochmal die Toilette zu bearbeiten und die Stadt anzuschauen – was mir der angenehmere Teil ist. Die Bauarbeiten, die vor drei Jahren am Hafen in vollem Gange waren, haben nun zu einer attraktiven Hafenpromenade geführt und es ist eine Wohltat, die gepflegten Häuser mit ihren verglasten Holzbalkonen im Abendlicht glänzen zu sehen.

A Coruna

Auch der kilometerlange Strand auf der Nordseite der Stadt mit Blick auf die Museen, den Jahrhundertpfahl und den ältesten Leuchtturm der Welt, den Herkulesturm ist ein Attraktion. Abends füllt sich dann die Kneipengasse und im Stimmengwirr der Besucher schlängelt man sich durch die Tische vor den Lokalen. Eine lebendige Stadt! Heute kommt Gerlinde und wir können die nächsten Wochen zusammen die Nordküste Spaniens abfahren.

A Coruna bis zur Gironde

Einen Tag lang schauen wir, Gerlinde und ich, die Stadt und den Strand zum Atlantik an, kaufen herrlich frische Sachen auf dem Markt und braten abends den gekauften Fisch.

Am nächsten Tag flüchten wir, denn es hat die „Independence of the Sea“ (Was macht das unabhängige Schiff wohl wenn es keine See hat?) angelegt, ein Kreuzfahrer mit 3.800 Gästen. Leider haben wir Nieselregen und sehr unterschiedlichen Wind. So gehen wir nach einigen Stunden in der Bucht von Cedeira vor Anker.

Der nächste Tag überrascht uns mit einem sonnigen Morgen, doch die Wolken sind gleich wieder da und Wind und Wellen treiben es noch bunter. Bei Wind zwischen 0 und 24 kn kämpfen wir gegen die Wellen bis wir im Flusshafen von Ribadeiro ankommen und anlegen können. Eine Fernsehaufzeichnung (sowas wie der Fernsehgarten bei uns) hat den Ort aus dem Tiefschlaf gerissen und viele Gruppen zeigen was sie sich dafür ausgedacht haben.

Am Sonntag fahren wir weiter nach Ribadeo. Leider sehen wir vor lauter Wolken nicht viel von der reizvollen Küste (Felsen, grüne Berge) und fahren mit Motor über die flache See. Vor dem Hafen überspannt eine riesige Brücke den Fluss und ab und zu kommen Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostella hier oben vorbei. Die Stadt ist ein wildes Chaos von Baustilen. Das wildeste Gebäude – eine Schule – wird gerade saniert.

Das Wetter wird besser. Es ist zwar immer noch kein Wind aber ab und zu kommt die Sonne durch. Als wir in dem kleine Hafen von Luarca festmachen wollen (was an sich schon eine artistische Meisterleistung wäre wegen der einzigen glitschigen Leiter, die man 5 Meter hoch erklimmen muss um die Leinen festmachen zu können) zeigt sich, dass vor der hohen Mauer Felsen im Wasser liegen die bis zu 50 cm unter die Wasseroberfläche reichen. Im Hafenführer steht zwar etwas von 1,30 m in der rechten Ecke, aber die Felsen reichen doch bis über die Hälfte der Molenlänge. Was danach kommt, wollten wir lieber nicht mehr erkunden und sind wieder abgedreht. So haben wir das Museum mit dem 40 m langen Tiefseekraken eben nicht gesehen.

In Cudillero, nur 10 Meilen weiter, haben wir dann einen schönen Platz an einer Boje gefunden. Nun ja, das bedeutet: Beiboot auspacken und ins Wasser lassen, an Land rudern und später wieder alles zurück. Die kleine Stadt ist recht romantisch in eine enge Schlucht gebaut und es sieht aus, als ob ein Haus auf das andere gebaut wäre.

Nach kurzer Motorfahrt – wieder kein Wind – erreichen wir am nächsten Tag Avilés. Vorbei an Kohlehalden und Aluwerken (Windräder) dringen wir bis zum Zentrum mit einem ordentlichen Flusshafen vor. Auf der gegenüber liegenden Halbinsel wurde das erste der nun folgenden modernen Architekturmonumente gebaut: Ein Kulturpalast von Oscar Niemeier. Auf der abgeräumten Industriehalde hat er der Stadt ein Kino, einen Veranstaltungssaal und ein Ausstellungsgebäude geschenkt (mit 105 Jahren!). Ein etwas kurz geratener Turm mit Restaurant, das mangels Besucher wieder geschlossen ist, gehört auch noch dazu. Das Ganze in Weiß, was natürlich gut zu den naheliegenden Kohlehalden passt. Na ja, es regnet hier ja ziemlich oft, da kommt dann das Weiß schon wieder durch! Es gibt auch kaum Veranstaltungen und so bleibt Avilés eine etwas verschlafene Kleinstadt.

Wegen dem vielen Regen hatte man früher die Häuser auch mit Arkaden gebaut, die einen geteilten Boden haben. Die eine Hälfte ist mit Steinplatten leicht zu begehen, die andere ist mit lauter dicken Kieseln belegt und war für die Pferdefuhrwerke gedacht.

Durch einen leichten Morgennebel fuhren wir den Fluss hinaus und ohne Wind und ohne Wellen nach Gijon. Wie schon A Coruna hat auch diese Stadt zwei Seiten zum Wasser, eine zum Meer und eine zum Fluss. Am Meer ist ein langer wunderbarer Sandstrand und Gerlinde geht sogar bei 17°C Wassertemperatur in die Wellen. Nebenan hat gerade eine Schulklasse Surfunterricht. Es hat schon Vorteile am Meer in die Schule zu gehen. Abends stößt Heidi noch zu uns und ich habe jetzt 2 Frauen an Bord – wenn das man gut geht!

Es geht gut! Auf der Fahrt nach Ribadasella haben wir wieder Wind und können segeln. Bei der Einfahrt müssen wir sehr genau durch die Untiefen fahren. Man kann das gut sehen, wenn das Wasser dann zurück gegangen ist. Was vorher ein riesiger See war ist nun bis auf ein schmales Rinnsal eine Sandbank und eine Mauer.

Da es hier in Nordspanien keinen Wein gibt, trinken die Leute Cervesa einen etwas übel riechenden Apfelwein. Dabei ist die Einschenkprozedur sehr wichtig. Der Apfelwein muss nämlich so viel Sauerstoff wie möglich aufnehmen wenn er ins Glas kommt. Dazu schaut der Kellner gelangweilt in die Gegend, hält die Flasche über den Kopf und das Glas möglichst tief nach unten und hofft dann, dass er trifft, wenn er die Flasche kippt. Es klappt auch meistens.

Bei Nieselregen und Flaute geht es mit Motor (ich glaube ich muss mein Schiff umtauschen) weiter nach San Vicente de la Barquera. Wieder ein Ort weit hinter der Flussmündung und ich zirkle mich vorsichtig an den einzigen Platz am Steg zum Dorf. Leider ist das Tor versperrt und so müssen wir trotzdem mit dem Beiboot außen rum ans Ufer fahren. Die Stadt mit der längsten Bogenbrücke Spaniens (zumindest als sie im Mittelalter gebaut wurde) und einer Burg auf dem Felsen neben dem Fluss liegt zu Füssen der Picos de Europa, einem 2.500 m hohen Gebirge. Das sehen wir allerdings erst am nächsten Tag mit seinen Schneefeldern, als die Wolkenbänke sich verzogen hatten und der blaue Himmel heraus kam.

Der Segelversuch scheitert wieder mal mangels Wind und so tuckern wir durch ein Gewusel von Regattabooten in die Bucht von Santander. Es ist gerade die Weltmeisterschaft für Laser, 470er, Skiffs und einige mehr. Ganz schön was los an der Hafenpromenade. Hier steht auch das neue Centrum Botin von Renzo Piano, ein weiteres Highlight moderner Architektur in Nordspanien. Leider haben wir nicht viel Zeit für diese interessante Stadt, die sicher noch viel zu bieten hat, denn Bilbao ruft!

Und es lohnt sich, zumindest für den Freund moderner und ungewöhnlicher Architektur. Der Hafen ist teuer und liegt etwas außerhalb. Aber für 1,80 € ist man in 35 Minuten mit der Metro in der Stadtmitte. Noch 10 Minuten laufen, dann steht man vor dem Kunstobjekt für die Kunst, das Bilbao aus dem schwarzen Industrieloch in die begehrte Kunstmetropole geholt hat. Das Guggenheim Museum von Frank o´Gehry am Flussufer ist wirklich eine Sensation – sowohl außen als auch von innen beeindruckend.

Es hat einige andere Architekten von Weltruf dazu gebracht ebenfalls ein Zeichen in Bilbao zu setzen. So haben Cesar Pelli, Zaha Hadid, Santiago Calatrava, Norman Foster und Philippe Starck hier mittlerweile ihre Spuren hinterlassen. Gerlinde ist jedenfalls nach diesem Highlight erst einmal nach Hause geflogen und die Reise geht mit Heidi alleine weiter.

Bei trübem Wetter – Heidi sagt irgendwo muss ja das viele Wasser für die „grüne Küste“ costa verde“ herkommen – geht es weiter um ein kleines Kap nach Bermeo. Hier frischt der Wind plötzlich auf und pustet uns mit 28 kn in den Hafen. Ich hatte ganz schön zu kämpfen um die Segel zu bergen. Dafür durften wir erst mal an einem Privatsteg festmachen. Morgens um 7 mussten wir dort allerdings wieder weg – warum auch immer; es kam nämlich den ganzen Vormittag kein anderes Schiff.

Wieder kein Wind und keine Sonne. Dabei fuhren wir an diesem Freitag an einer eindrucksvollen Küste aus schräggestellten Schieferplatten entlang. Kurz vor Getaria hat sie dann doch mal durchgeblinkt und ich hab ein paar Aufnahmen machen können. Der kleine Ort ist bekannt für sein gutes Essen und überall stehen große Grills vor den Lokalen. Wir leisten uns einen Rodaballo (Steinbutt), ein Riesenfladen mit fast 1,4 kg – ausgezeichnet!

Im Hafen trainieren die Jungs derweil  ihre Muskeln beim Rudern im 13er mit Steuermann. Diese Boote gibt es hier in jedem Hafen und jeder Bucht und es wird jeden Abend eifrig trainiert für den nächsten Wettkampf.

Mit Hilfe unseres Motors kommen wir die kurze Strecke nach San Sebastian, das sich nun nach der baskischen Befreiung Donostia nennt. Gut das ich mich angemeldet hatte, so hab ich einen Platz im sehr engen und quirligen Hafen bekommen und wir waren mitten in der Stadt.

Die Badesaison in der Bucht war schon in vollem Gange, das Wasser hatte inzwischen auch schon 20°C. Statt der spanischen Tapas gibt es hier die baskischen Pintxos in jeder Bar. Sie sind an der Theke ausgelegt und koste 2-3 €. Wenn man etwas trinken will, nimmt man sich dann ein oder zwei davon dazu. Es gibt richtige Wettbewerbe um die besten Pintxos. Die Stadt ist in die Altstadt mit den Kneipen und eine Neustadt mit den großen Läden und den Badehotels am Ufer geteilt. Beides interessant und lebendig.

Nur 12 Meilen weiter liegt Hondarribia am Grenzfluss zu Frankreich. Nach kurzem Segeln waren wir da und haben nach einem hin und her auch eine schönen Platz bekommen. Der erste war zu schmal und der zweite von einem Schlauchboot belegt, das erstmal raus musste. Unten hat Hondarribia eine kleine Fischerstadt mit 2-geschossigen Häusern und vielen Lokalen.

Den kurzen Berg hoch gibt es dann die Burg und die Häuser der Händler und, sehr passend, war hier gerade ein Mittelaltermarkt. Wilde Gestalten mit Totenkopfstäben, Gaukler Musikanten und 4 Meter hohe Figuren gingen durch die Gassen. Überall Stände mit Handgefertigten Dingen. Es war ein fröhliches Treiben in den alten Mauern.

 

 

Nur 18 Meilen weiter ist Bayonne, das wir wieder im Nieselregen ohne Wind mit Motor erreichen. Mit dem Bus (2€ pro Person für 24 Std im ganzen Verkehrsverbund!) kommen wir in die Stadt. Auch hier eine Altstadt (Studentenviertel) und eine Neustadt mit interessanten Läden, Häusern, Kirchen etc.

Heidi fliegt am nächsten Tag heim und ich fahre weiter nach Arcachon, wo ich erst kurz nach 9:00 Uhr ankomme. Die Stadt liegt in einer riesigen Bucht und lebt von Muscheln und Austernzucht und den Touristen, die diese verschlingen. Zum Meer gibt es die größte Sanddüne Frankreichs mit über 100 Meter Höhe.

Ich kämpfe mich bei der Hitze mit dem Fahrrad über die Berge, wo zwischen den hohen Kiefern lauter Villen stehen. Es war die Idee eines Bauunternehmers, in dieser damals gottverlassenen Gegend ein Winterdorf zu errichten, in dem reiche Pariser den Winter logieren konnten. Mit der entsprechenden Werbung (gesunde Luft etc.) fanden die Häuser auch reißenden Absatz. Arcachon ist damit zu einem der beliebtesten Ziele an der Atlantikküste geworden.

Nach einem Ruhetag bin ich weiter nach Royan am Kopf der Girondemündung gefahren. Der Wind war zum Segeln ausreichend, aber ich wollte ja vor Mitternacht ankommen und so musste der Motor wieder ein bisschen nachhelfen. Hier ist erst einmal Ruhe und Stefan kommt am Samstag auch mit Familie, da werden wir zu fünft einen kleinen Segelausflug über die Bucht machen. Die Küste ist ganz abwechslungsreich. Zwischen den Felsnasen, die meist mit kleinen Fischerhäuschen bestückt sind, gibt es kleinere und größere Sandbuchten, in der Gironde mit braunem Wasser und am Atlantik mit blauem Wasser.

Zur Biskaya hin liegen am Sandstrand immer noch die alten Betonbunker aus dem 2. Weltkrieg.

Nach ein paar Tagen mit Familie bin ich am 22.06. mit Stefan und Simon nach Pauillac gefahren.

Hier werde ich mein Schiff für einen Monat lassen und heim fliegen. Ich hoffe, das dann endlich das gebrochene Vorstagprofil repariert werden kann Ich möchte nicht noch länger einen Schaden an meiner neuen Genua riskieren. Jetzt ist aber erst einmal „fête d´agneau“ das Lämmerfest, dazu extra ein poetischer Erguss:

Fête de l ´agneau in Pauillac

Es ist 3 Uhr nachmittags. Das Wasser der Gironde ist hier in Pauillac seit heute früh um 5 Meter gefallen. Ein breites Band aus Schlick trennt das Ufer des Flusses vom Wasser. Pauillac ist eine kleine Gemeinde auf halben Weg zwischen dem Atlantik und Bordeaux. Noch hier, rund 50 Kilometer landeinwärts sind die Gezeiten des Meeres so deutlich spürbar. Die Gegend, das Medoc, ist berühmt für die besten Weine der Welt.

Weingut Chateau Pichon Longueville

Haut Medoc

Hier liegen die Weingüter von Mouton Rotschild, Lafitte und Latour und weitere 60 Chateaus. Aber Pauillac ist auch bekannt für seine Schafe und das wird heute ausgiebig gefeiert.

Die mit Buckenhofen bei Forchheim befreundete Schäfertruppe „les esquiroous“ (die Eichhörnchen) versammelt sich früh morgens am Ortseingang. Mit dabei ist eine kleine Schafherde von etwa 30 Tieren. In ihren traditionellen Kostümen – die Baskenmütze darf nicht fehlen – marschieren sie dann durch die Straßen zur Kirche. Voran die Kapelle, die Bauern und Bauersfrauen, dann die 3 Schäfer und Schäferinnen, die mit ihren Hunden die Herde dicht zusammenhält. Unglaublich wie konzentriert die Hunde ihre Arbeit verrichten. Kein Schaf kann sich weiter als 1 Meter von der Herde entfernen.

Die Schäfer Innen und ihre Hunde

Die Jungschäfer

Es folgen Stelzengänger, heute sind es die Kinder, die das machen. Früher hatte man damit eine bessere Übersicht  über das hohe Gras des Flussufers. Schließlich folgen noch die Reiter.

Vor der Kirche werden die Schafe und das jüngste Lamm gesegnet. Dann folgen einige Tänze und der Zug geht zurück zum Flussufer, wo gefeiert wird. Hier zeigen auch die Stelzengeher noch einige Tänze. Es ist erstaunlich, was man auf zwei langen Stöcken alles machen kann.

Der Nachmittag vergeht dann an einer langen Tafel, an der alle das berühmte Agneau de Pauillac mit einem neuen Rotwein der umliegenden Chateaus verzehren.

Pauillac, am 25.06.2017

Es geht wieder weiter

Am Dienstag, den 18.07. bin ich nach 6,5 Std Flug (mit Pause) und 3,5 Std Bus-, Tram- und Busfahrt endlich wieder in Pauillac beim meinem Schiff angekommen. Vorher musste ich noch alle Taschen ausräumen und wieder packen, weil Ihnen am Flughafen die Flex, der Akkuschrauber und die Rollenblöcke in den Taschen doch etwas seltsam vorkamen. Ich hab aber alles wieder einpacken können und war bestens ausgerüstet für die Reparaturen.

Auswechseln der 16 m langen Rollreffanlage

Am Mittwoch um 15:00 Uhr kam dann Bernard mit der neuen Rollreffanlage und wir haben bis um 21:00 Uhr alles zusammengebaut und montiert –puh endlich wieder in Ordnung (ein teurer Spaß, hoffentlich hat das Mal ein Ende). Die Rollenblöcke, die Stefan hat machen lassen, haben auch gepasst und so ist nach einer ausgiebigen Reinigung des Schiffes alles wieder prima!

Der Donnerstag ist dann mit dem Setzen der Genua (28 kg für 47 m²) und einer Weinprobe vergangen. Im Haus des Weines war nämlich „Degustation gratuit“ von 20 Chateaus der Umgebung. Ich hab aber nicht alle probiert.

Tour Pey Bernland

Nachdem alle Versuche einen Platz für das Schiff in Bordeaux zu finden gescheitert sind, bin ich am Freitag mit dem Zug und dem Fahrrad hingefahren (Fahrradtransport ist kostenlos!). Bordeaux kann man zu Fuß auch kaum erkunden. Zu lang sind die Wege in dieser riesigen Stadt und überall ist was los. Erst einmal zur besseren Übersicht auf den Tour Pey Berland mit 233 Stufen – großartig! Es ist der Glockenturm der Kirche St. Andre. Man kann in der Ferne sogar schon mein Ziel, die Cite du Vin an der Gironde erkennen.

 

 

 

 

 

 

 

 

St. Andre

 

Dann einen Abstecher in die moderne Architektur mit dem Tribunal des Grandes Instances – dem Gerichtshof mit seinen ungewöhnlichen Sälen. Eine wilde Stahlkonstruktion umhüllt die eierförmigen Gerichtssäle. Eine ganz eigenartige Atmosphäre. Vielleicht hilft´s.

Tribunal des Grandes Instances

Gerichtssäle

Durch das Gewühl der Altstadt bin ich weiter zur neuen Fluss Promenade gefahren. Mit dem Fahrrad ist hier alles erlaubt: mitten durch die Fußgängerzonen, auf der Straßenbahntrasse und jede Einbahnstraße in Gegenrichtung darf von den Radfahrern benutzt werden.

Nach ca 4 km Uferpromenade bin ich zur Cité du vin gekommen. Das im letzten Jahr eröffnete Gebäude steht stolz am Ufer der Gironde. Dahinter fängt allerdings abrupt die verfallene Industriebrache des alten Hafens an. So faszinierend das Gebäude von außen ist, so langweilig ist es von innen. Der ganze Schwung ist dahin und es bleiben rechteckige Räume für die Ausstellungen. Ich habe dann eine Architekturführung mitgemacht, bei der ich kaum etwas verstanden habe, denn die Führerin hat so schnell gesprochen, dass sie sich beim Sprechen ständig selbst überholt hat. Das ganze Programm mit „Erlebniswelt“ etc. hätte übrigens 20 € gekostet. Ganz schön saftig. Unter den deutschen Weinen in der Galerie der Weine der Welt gibt es übrigens keinen einzigen Frankenwein!

Cité du Vin

Jetzt bin ich um das Hafenbecken gefahren, das für die Gastlieger gedacht ist. Hier stehen noch die U-Boot Bunker der Deutschen aus dem 2. Weltkrieg. Der Kanal dorthin ist mit einem gesunkenen Boot blockiert und die anderen Boote machen den Eindruck, als ob sie bald folgen würden. Gut, dass ich nicht hingefahren bin.

Mit dem letzten Zug bin ich wieder zum Schiff gefahren und hab um 21:00 Uhr endlich ein Knäckebrot verspeist. Heute war nun ein Vorbereitungstag für die Weiterfahrt und morgen früh um 6:00 Uhr werde ich den Hafen wieder in Richtung Atlantik verlassen.

Hafenausfahrt Pauillac bei Niedrigwasser

Die nächsten Wochen bin ich wieder alleine unterwegs, denn diejenigen, die sich eigentlich angemeldet hatten, haben sich nun nicht mehr gerührt. Wird schon gut gehen!

France Atlantique

Am Sonntag, den 23.07. bin ich gleich in einem langen Schlag bis La Rochelle gefahren. Die ersten 20 Meilen sind dank des rasanten Ebbstroms auf der Gironde auch mit 10 kn Fahrt dahingeflogen. Für die insgesamt 82 Meilen hab ich dann nur 12 Stunden gebraucht. Bei einer etwas doofen seitlichen Welle bin ich mit einem Reff noch 7 kn gefahren und hab dabei sogar einen Franzosen (ohne Reff) überholt. Kurz vor der Einfahrt hat mich dann noch ein Regenschauer erwischt, aber ich war froh, dass ich die Schleusenzeit bei Hochwasser noch erreicht hatte und in den inneren Hafen einfahren konnte.

Gut geschützt habe ich nun 2 Tage direkt am Stadtzentrum in La Rochelle verbracht. Natürlich musste ich auch wieder reparieren. So fuhr ich zum großen Hafen (über 3.000 Boote!)zu einen Elektronikspezialisten der sich meinen nicht funktionierenden Kartenchip anschauen musste. Es war alles in Ordnung, nur muss man beim Aktualisieren der Karten einen Bereich auswählen. Das steht aber in der Anleitung nirgends und so hatte ich meine Seekarte nur für den Bereich zwischen Bamberg und Nürnberg aktualisiert, da mich mein gps dort gefunden hatte. Sie haben mir dann 3 Stunden lang kostenlos die Aktualisierung gemacht und ich kann nun am Ruder sehen, wo ich bin und wohin ich fahre. Diese Elektronik bringt mich manchmal zum Verzweifeln!

La Rochelle ist natürlich voller Touristen – auffallend viele Engländer sind dabei. Suchen sich die eine neue Bleibe in Europa? Entsprechend sind unzählige Restaurants und Shops  am Hafen und in den Gassen zu finden. Die Hafenpromenade wird gerade mit großem Aufwand aufgefrischt und wird wohl richtig schön mit Grünanlagen etc. wenn sie fertig ist. Die beiden Türme in der Hafeneinfahrt sind eindrucksvoll. Man kann sich gut vorstellen, dass sie mit einer schweren Kette dazwischen hundert Jahre verhindert haben, dass die Stadt von englischen oder holländischen Piraten geplündert wurde.

Als nächstes hab ich Les Sables d`Olonne angesteuert. Immer hoch am Wind und gegen die Atlantikwelle etwas anstrengend. Entlang der langen Hafenpromenade wurde ich in die hinterste Ecke des Hafens geleitet. Immerhin gab es morgens einen Semmeldienst an Bord! Der Hafen ist auch Start der berühmten Mini-Transat, einer einhand  Regatta über den Atlantik mit 6,5 Meter langen Booten (also gerade mal halb so lang wie meins!). Es sind schon etwa 20 im Hafen und bereiten sich für den Start im September vor.

Die Stadt ist wieder ein reiner Touristenort mit wenig alten Häusern (meistens auch noch ziemlich kitschig) und vielen Hotels am langen Sandstrand. Zwei kleine Gassen sind mit ganz lustigen Muschelbildern an den Hauswänden verschönert und inzwischen zu einer Attraktion geworden.

Nach nur einer Nacht gings weiter nach Joinville auf der Ile d`Yeu. Das Wetter wird schöner und ich gönne mir eine Dorade (kostet im Fischladen noch 11 €) zum Abschluss des Tages.

Jetzt hab ich endlich mein Fahrrad ausgepackt und hab eine Inselrundfahrt gemacht. Ca. 30 km geht es überwiegend auf eigenen Radwegen immer die Küste entlang. Im SO durch Kiefernwälder und an schönen Sandstränden entlang bis zum Leuchtturm im Süden.

Dann die raue Felsenküste im Westen wieder hinauf nach Norden. Unterwegs kommt man an einer Festung vorbei, die für 1,50 € – ein Schnäppchen – zu besichtigen ist. Außerdem sind noch ein paar Dolmen, also Hünengräber zu sehen.

Eine sehr kleine und feine Insel. Hier kann man übrigens auch ganz besondere Autos mieten: wunderschön restaurierte 2CVs und Renaults in allen Farben.

Nach weiteren 42 Meilen und einem ungemütlichen Segeltag bin ich nach Turballe gekommen. Erst schaukelt das Boot in mäßigem Wind furchtbar in den Wellen dann nieselt es zweimal und dann kommt eine dicke Regenwand und ich kann gerade noch die Segel reffen bevor es so richtig zu blasen anfängt. Dafür hab ich einen schönen Platz im Hafen bekommen und hab wieder einmal einen Ruhetag eingelegt.

Bei einem Radausflug durch die Marais salant, das alte Sumpfgebiet, das zur Salzgewinnung genutzt wird hab ich mir die Umgebung angeschaut. Mitten drin ist die von einer Stadmauer vollkommen umschlossene Stadt Gueronde. Sie ist natürlich das Ausflugsziel für alle Feriengäste der umliegenden Badeort und entsprechend voll. Trotzdem sehr eindrucksvoll.

Ohne Wind hab ich am letzten Julitag den Schlag nach Vannes im Golf von Morbihan mit dem Motor hinter mich gebracht. Im Zick Zack geht es durch unzählige Inseln bis zum Kanal von Vannes.

Dort ist das Tor und die Brücke nur eine Stunde vor und nach Hochwasser geöffnet. Man muss also pünktlich sein. Als ich im Kanal war, ist plötzlich mein Motor ausgegangen. Alle Versuche, ihn wieder anzukriegen schlugen fehl. Als auch die Hafenhelferin mit ihrem Schlauchboot nicht verstand, dass sie doch bitte mit der angebotenen Leine mein Boot zum Stillstand bringen möge, bin ich schließlich auf ein ausrangiertes Stahlboot geknallt und hab mir den Bugkorb verbogen (dann hat sie mich endlich weggezogen) dem anderen Boot ist dabei nichts passiert. Schließlich hab ich den Motor wieder angekriegt und sollte nun an einem der 4 rechts liegenden Boote vor der nächsten Brücke festmachen. Das hatte nur den Nachteil, dass mein Vordermann das ebenfalls tun sollte, aber wir beide es nicht konnten, da alle Boote gleichzeitig ablegten, einer davon in der Mitte wieder anlegte und die anderen 3 uns nun entgegenfuhren. Die Marinahelferin hat sich inzwischen mit ihrem Schlauchboot ein paar hundert Meter in den Kanal zurückgezogen und so versuchten wir, 4 Franzosen ein Ire und ich, etwas Ordnung rein zu kriegen. Das haben wir auch ohne weiter Schäden hingekriegt und schließlich waren alle Boot, die dableiben wollten fest und die anderen weg. Puh!

In der Stadt ist gerade ein Jazzfestival zu Ende gegangen – schade, aber ich kann meine Stationen ja nicht nach den Festivals ausrichten. Ein Stück Stadtmauer, eine große Kirche und viele Fachwerkhäuser prägen das sehr unterschiedliche aber durchaus interessante Bild der Stadt. Trotzdem hat es nur für eine Nacht gereicht und ich bin weiter zur Belle Ile, der angeblich schönsten aller Inseln. Immerhin ist sie aus der Krone der Feenkönigin erwachsen, als diese sie ins Meer warf, weil sie aus dem Paradies vertrieben wurde. Bei schönem Segelwind schein an diesem Tag ganz Frankreich ins Boot gestiegen zu sein für einen Ausflug. Besonders im Golf von Morbihan (ein kleines Binnenmeer) wimmelt es nur so von kreuz und quer fahrenden Booten alle Kategorien.

Auf der Belle Ile bekomme ich keinen Hafenplatz mehr. Es ist alles voll. Ich bin schließlich ganz froh darüber, denn die Ankerbucht nebenan ist sowieso viel schöner.

Mein Anker hält nach einer windigen Nacht auch bombenfest und ich kann beruhigt einige Ausflüge machen. Nach einem kleinen Marsch über den Küstenweg hab ich mir den Hauptort Le Palais angeschaut. Laufend kommen und gehen Fähren und laden hunderte von Gästen aus.

Über dem Hafen wacht immer noch die uneinnehmbare Festung, die der Statthalter von Napoleon damals für sich bauen ließ. Als Napoleon meinte, das er etwas mit dem Prunk übertrieben hätte, hat er in dort gleich einsperren lassen.

Am Donnerstag bin ich zu einer Busfahrt um die Insel gestartet. Mit dem ersten Bus zur Nordspitze, dort Leuchtturm und Besichtigung des Hauses von Sarah Bernard (Berühmte Schauspielerin) die hier ihre Sommermonate im Kreis ihrer Verehrer verbrachte. Dann 1,5 Stunden Fußmarsch auf dem Küstenpfad nach Sauzon, der zweiten Stadt der Insel.

Nach einem Cafe und einem Crepes gings mit dem Bus an die Westküste, wo besonders eindrucksvolle Klippen und Felsen zu bewundern sind. Die haben sogar Claude Monet so begeistert, dass er davon 5 Bilder gemalt hat. Die 30 Meter hohe Kante ist übrigens nicht gesichert oder abgesperrt, nur die Landseite ist abgesperrt, damit niemand in die Pflanzen steigt.

Das nächste Ziel war Concarneau, das ich mit Motor bei Dauernieselregen erreicht habe. Mitten im Hafen ist eine große Festung die den Hafen in den hinteren Fischerhafen und den vorderen Yachthafen teilt. Die Mauern umschließen ein kleines Dorf das nur aus Läden und Restaurants zu bestehen scheint und voller Touristen ist. Am Eingang ist Musik von unterschiedlichen Gruppen und am Ende ist auf einem Platz eine Ritterkampfvorführung.

Nach zwei Tagen bin ich weiter, bei schönem Segelwetter um das berüchtigte Cap du Raz in die Bucht von Brest. Eine wilde Steilküste mit vielen Felsen davor begleitet mich. Sehr eindrucksvoll, auch wenn die Gischt nicht so hoch spritzt, wie auf den Postkarten.

Hoffentlich landet mein Boot nicht da!

Abends hab ich erstmal den Anker vor dem Hafen fallen lassen (draußen kostet es nix) und bin am nächsten Morgen in die Marina gefahren. Dabei ist mir nochmal der Motor ausgegangen –ich muss ernsthaft was dagegen unternehmen. Mal sehen, was sich im Ort findet. (Aufklärung im nächsten Bericht)

Auf dem Weg nach England

Das Wetter wird mich nun ein paar Tage in Camaret festnageln. Es ist ein kleiner netter Ort an der Westspitze der Bretagne mit vielen Kunstgalerien (oder Künstlern die sich als solche verstehen). Auch die Restaurants sind ganz ansprechend und so gönne ich mir wieder einmal Moules frites. Abends gab´s dann ein Klavierkonzert in der kleinen Kirche am Ende der Landzunge. Ungerührt von dem gewaltigen Busen den die umblätternde Dame im feuerroten Kleid ihm immer wieder vor die Augen schwenkte hat der Pianist sein Programm heruntergespielt. War mal was anderes!

Aber ich muss ja noch die Sache mit meinem stotternden Motor aufklären. Ich habe also den Filter am Tank geprüft – sauber, dann denn Tank geöffnet (Sitzbank zerlegen und 24 Schrauben des Deckels abschrauben), kleine Schmutzlinse am Tankgrund mit einem Blasebalg abgesaugt, dann Diesel-Vorfilter gereinigt, dann – oh wie schön, dass man sich auf die Motorspezialisten verlassen kann – wäre der Dieselfilter dran gekommen. Aber es war keiner da! Bei der letzten Motorwartung in Lissabon hat mir dieser Heini einen Ölfilter eingebaut! Ich hab schließlich einen Laden gefunden, der mir den richtigen Filter bestellt hat. Ich hatte vorsichthalber die Bestellnummer schon im Internet recherchiert. Am nächsten Tag war er dann tatsächlich da und ich konnte ihn einbauen. Jetzt läuft der Motor wieder ruhig und ist seither auch nicht mehr ausgegangen. In meinem nächsten Leben werde ich hochdotierter Motorspezialist.

Der letzte Tag verging wieder mit einer Radltour über die mit Heidekraut bedeckten Klippen zu Hünengräbern und tollen Aussichtspunkten.

Der nächste Hafen – L`Aber wac`h – war ziemlich langweilig, ein paar Touristen und ein paar Kneipen, das wars. Deshalb bin ich auch am nächsten Tag im Nebel durch die Felsen weiter nach Roscoff gesegelt.

Die Stadt ist ganz reizvoll und ich hab noch einen Tag dran gehängt für eine Radtour durch die Umgebung.Die Häuser aus Granit geben den Orten hier einen ganz urigen Charakter. Roscoff hat dazu einen sehr eigenartigen Kirchturm, durch den die Stürme blasen können ohne Schaden anzurichten.

Der Nachbarort  St. Pol de Leon im Landesinneren (auch noch an der Flussmündung) hat dafür eine sehr hohen Kirchturm (111 m), den man auch besteigen kann. Die oberste Wendeltreppe ist so schmal, dass ich mit den Schultern nur schräg durchpasse. Der Bilck über die Landschaft ist allerdings großartig. Überall Gemüsefelder für Zwiebeln, Artischocken, Kartoffeln etc. Früher sind die Bretonischen Bauern nach England gesegelt, um dort ihre Ernte zu verkaufen. Heute verdienen sie mit den Artischocken und den Touristen aus England mehr.

Früh morgens geht es weiter, denn es sind über 50 Meilen bis zum nächsten Hafen Lezardrieux. Leider ist er voll belegt, weil im nächsten Hafen ein riesiges Hafenfest mit historischen Schiffen und viel Musik stattfindet und deshalb viele hier Zuflucht gesucht haben. Ein bisschen Segelgeschichte hab ich dann auch noch mitgekriegt , als die Zweimaster am nächsten Morgen an meiner Ankerbucht vorbeizogen.

 

 

 

Ich hab jedenfalls einen schönen Ankerplatz gefunden, zwischen all den vielen Felsen, die da unter Wasser lauern. Friedlich lag ich da und konnte zusehen, wie bei Ebbe langsam die Muschelzuchtanlagen aus dem Wasser steigen.

An den villenbestückten Hügeln vorbei ging es wieder weiter auf das offene Meer hinaus.

Der letzte französische Hafen war schließlich St. Malo. Vollständig von einer Festungsmauer umgeben liegt die „Altstadt“ auf einer Halbinsel. Sie wurde im 2. Weltkrieg von den Allierten vollkommen zerstört, weil dort deutsche Stellungen waren. Nach dem Krieg bauten die Franzosen die Stadt dann wieder auf dem alten Straßenbild auf und nun schieben sich die Touristenmassen durch die Gassen und auf dem Mauerkranz außen herum.

Es ist wohl auch der Reiz der alten Corsarenstadt der die Menschenmassen anlockt. In St. Malo wurden die ersten Gesellschaften gegründet, die Piraten ausstatteten und beauftragten fremde Schiffe zu überfallen und auszurauben. Da sich das die Engländer, Holländer und Spanier aber nicht so einfach gefallen ließen, musste die Stadt so gewaltig befestigt werden. Von einigen der Skrupellosen Corsaren kann man noch Portraits in den Souvenirläden kaufen.

Nachdem ich einen Tag keinen Stromanschluss hatte und den Platz wechseln musste hab ich schließlich St. Malo fluchtartig verlassen und bin durch einige Regenschauer nach Jersey gesegelt.

Die steuerfreie Insel der Engländer (Diesel nur 60 cent) in der Bucht von St. Malo hat einen ganz anderen Charakter. Die Stadthäuser haben oft die typisch englische Holzverkleidung, und am Stadtrand stehen die bunten Reihenhäuser. Außer der Hauptstadt St. Helier gibt es nur wenige kleine Orte und ein gut ausgebautes Radwegenetz das ich ausgiebig genutzt habe.

An den exponiertesten Stellen haben die Deutschen Geschützstellungen gebaut (oder bauen lassen). Nach dem Krieg wurden sie zugeschüttet, weil sie zum Sprengen zu stabil gebaut waren. Nun sind sie wieder ausgebuddelt und etwas hergerichtet als Mahnmal oder Gedenkstätte oder Touristenattraktion?

In Gorey gibt es die Entsprechung aus dem Mittelalter : ein Burg mit vielen interessanten Zutaten für Jung und Alt, Die Kinder dürfen sich in einem Raum am Eingang als Ritter oder Prinzessin einkleiden und in den einzelnen Räumen sind mit Holzfiguren oder Kunstwerken Szenen aus dem Mittelalter verarbeitet worden.

In Guernsey, meiner nächsten Station, kann man nur bei Hochwasser 4 Stunden lang in den Hafen. Ein Sill verhindert, dass bei Ebbe zu viel Wasser herausläuft und die Boote weiter schwimmen können. Das Hochwasser geht dann bis zu 4 Meter über diese Betonwand und die Schiffe können ein- und ausfahren. Drei rote, bzw. grüne Lichter zeigen an, ob man durchfahren darf oder nicht.

Auch hier hab ich wieder eine Fahrradtour gemacht, vorbei an einem Landgut, dass von den ehemaligen Besitzern zu einer Stiftung gemacht wurde, in der pflegebedürftige untergebracht sind. Dann wieder an die Küste, wo die Deutschen eine viktorianische Befestigung noch etwas verbessert haben für die neusten Kanonen im 2. Weltkrieg.

Als krönender Abschluss die kleine Kirche, die ein Mönch 1915 errichtete. Er hat sie schließlich voller Liebe 3 Mal gebaut. Beim ersten Mal haben sich seine Mitbrüder über den Bau lustig gemacht, so hat er ihn wieder abgerissen. Beim zweiten Bau hat der Bischof nicht durch die Tür gepasst, als er das Kirchlein besichtigen wollte. So hat er es wieder abgerissen und zum 3. Mal gebaut.

Am 22.08. um 5:45 Uhr bin ich zur 14 stündigen Kanalüberquerung nach England gestartet.

Südwestengland

Mein Laptop hat leider seinen Geist aufgegeben, darum geht es erst jetzt weiter im Bericht.

Damit ich die 74 sm über den Kanal nach England bei Tageslicht schaffe, bin ich um 5:50 Uhr in St. Peter Port auf Guernsey gestartet. Bei sanftem Wind aus SO konnte ich gemütlich in den englischen Kanal segeln. Dort war nix los: 2 Frachter von Westen und 4 Frachter von Osten konnte ich gut umfahren. Eine Stunde sogar mit Schmetterling! Da hatte mich der Ergeiz gepackt, denn ein anderer Segler fuhr parallel und ich konnte ihn damit ganz schön abhängen. Außerdem ist meine Strömungstheorie gut aufgegangen und ich konnte die letzten 3 Stunden der Überfahrt mit dem Tidenstrom in die Mündung der River Dart segeln. Am Schluss hatte ich fast 1 Stunde Vorsprung!

In Dartmouth, dem Hafen in der Flussmündung, war Regattawoche und entsprechend voll waren die Marinas und extra Stege. Ich hab aber noch einen Platz gefunden, musste aber immer mit dem kleinen Dinghy an Land rudern, weil der Steg ohne Landverbindung mitten im Fluss war. Das kann ganz schön anstrengend sein, denn der Fluss fließt (je nach Tide) mit 3 kn auf  oder abwärts.

Mit großer Zeremonie, vielen Reden, der Überreichung vom Hafenkontrollstab an die Regattaleitung, Absingen der Nationalhymne in Begleitung durch das Musikcorps der Königlichen Marine und spätem Feuerwerk hat am Abend die Regatta begonnen. In der Marineakademie auf dem Berg über der Stadt werden übrigens traditionsgemäß die Königskinder ausgebildet.

Ich bin am nächsten Tag erst einmal geflüchtet. Auf einer langen Rundreise kann man erst mit dem Boot den Fluss hinauffahren bis Totnes einem kleinen idyllischen Ort. Dann geht es mit dem Bus (offener Doppeldecker) über Land nach Brixham dem Seebad an der englischen „Riviera“. Ich hatte immer gehofft, dass der warme Golfstrom mich eines Tages trifft, aber das Wasser hatte auch hier nach wie vor 16°C. Für mich zu kalt zum Baden.

Zurück nach Dartmouth fährt dann eine alte Dampflok mit schön restaurierten Wägen. Wie in England früher üblich, haben Sie zwischen zwei Bänken immer eine Türe, sodass unzählige Türen offen stehen, wenn der Zug im Bahnhof steht. Weil man nun am anderen Flussufer ankommt, ist schließlich noch eine kurze Fahrt mit der Fähre drin, um die Runde zu beenden.

Der Wetterbericht hatte eigentlich für den nächsten Tag einen leichten SO Wind versprochen, allerdings ist er dann um 12:00 Uhr ganz eingeschlafen und ich musste wieder mit dem Motor die restlichen 3 Std hinter mich bringen. Angekommen bin ich schließlich in Plymouth, einer riesigen Bucht in der auch ein großer Marinehafen liegt. Das ist auch der Grund, warum im 2. Weltkrieg die Stadt von den Deutschen platt gebombt wurde.

Der Wiederaufbau ist leider abgrundhässlich bis auf einen kleinen Bereich um den sg. Sutton Harbour in dem auch die Marina liegt, in der ich unter gekommen bin. Zunächst musste ich aber durch eine Schleuse, die mir auf meinen Anruf hin geöffnet wurde.

Auf der anderen Seite lag der 2 Master Atyla, der an dem gerade beendeten Tall Ships Race über den Atlantik teilgenommen hatte. Unter der Besatzung auch 2 Deutsche, die als Trainees teilgenommen hatten. Das sind zahlende junge Mitsegler, die unterwegs ausgebildet werden und an allen Manövern und Wachen teilnehmen.

Der Sutton Harbour ist ein kleiner Bereich, in dem noch einige alte Häuser mit Läden und Restaurants stehen, und einige Wohnhäuser sehr harmonisch ergänzt wurden, sodass ein ganz angenehmes Hafenflair entstanden ist.

Am Sonntag war dann totale Flaute und der Motor hat mich wieder weiter geschoben nach Falmouth. Ein paar Delphine haben mich wieder einmal begleitet. Es ist einfach phantastisch, wie sie nur wenige Zentimeter am Rumpf entlang schwimmen und dann wieder in der Tiefe verschwinden. Falmouth ist ein kleiner Ferienort mit vielen Läden und einigen Restaurants. Hier lag die Alexander von Humboldt am Kai, ein grüner 3-Master, der ebenfalls am Tall Ships Race teilgenommen hatte.

Am Montag war wieder Flaute. So hat mich nur der Strom mit 1,5 bis 2 kn angeschoben als ich weiter in die Bucht nach Penzance fuhr. Dort hab ich einen schönen Ankerplatz gefunden direkt vor dem St. Michael`s Mount. Der sieht nicht zufällig so aus wie das Pendant in Frankreich, der Mont St. Michel, denn die Mönche, die dort das Kloster besiedelten erhielten den Auftrag auch in England den Berg mit einem Kloster zu versehen. Das hat Heinrich VIII dann wieder enteignet, als er seine eigene Kirche gründete (weil der Papst in Rom einer erneuten Scheidung und Hochzeit nicht mehr zustimmen wollte).

Am Dienstag bin ich kurz entschlossen weitergesegelt, weil wieder ein brauchbarer Wind aufkam. Eigentlich wollte ich noch nach Penzance auf der anderen Seite der Bucht, weil da ein gutes Lokal ist, das ich vor 3 Jahren mit Silke und Andreas besucht hatte aber den günstigen Wind wollte ich mir auch nicht entgehen lassen. Mit einfach gerefften Segeln war es immer noch eine ziemlich ruppige Fahrt gegen die Wellen. Die überkommende Gischt hatte nun schon 16,5° C, der Golfstrom kommt! Vor Land´s End hab ich sogar noch einen Minkwal gesichtet, wie er ein paar Mal senkrecht aus dem Wasser schoss und dann mit einem riesen Platsch wieder ins Meer abtauchte.

Nach der flotten Fahrt bin ich in der Südbucht von St. Marys auf den Scilly Islands angekommen, dem Traumziel der Engländer vor der SW Spitze Cornwalls. Leider hat sich mein Anker irgendwo am Grund verhakt und ich habe eine halbe Stunde gebraucht, bis ich ihn wieder los hatte. Tauchen wollte ich nicht, denn das Wasser hatte wieder 15,8 C (wo bleibt der warme Golfstrom?) An einer Boje hab ich schließlich noch einen sicheren Platz gefunden und meinen Anker eingepackt.

Mit dem Dinghy ruderte ich an den Sandstrand und schaute mir die kleine Feriensiedlung an. Am nächsten Tag folgte dann ein Ausflug auf die Nachbarinsel Tresko und einer 4 Std Wanderung um die Insel. Von den Hügeln hat man eine wunderschöne Aussicht über die etwa 70 zerklüfteten Inseln und Felsen die hier auf einem Haufen im Meer liegen. Auf den 3 großen Inseln gibt es dann außer Felsen auch einsame Sandstrände (kein Wunder bei 16° Wassertemperatur) und Kiefernwälder.

Nun zog es mich aber weiter nach Irland, wo Christoph aus der Schweiz mich für 10 Tage begleiten wollte. Die Wetterprognose war gut und so zog ich am 31.08. um 9:00 Uhr los auf die längste Etappe meiner diesjährigen Reise nach Cork in Irland.

Das Finale in Irland

Ich konnte gerade noch an der Tankstelle anlegen, da kam auch schon der erste Regenschauer herunter. Im Regen ging es dann mit gerefften Segeln nach NW. Der Wind war sehr böig ist aber am Nachmittag beständiger geworden und ich konnte 11 Stunden ohne Motor weiter segeln. Nach einem eindrucksvollen Sonnenuntergang sind die Wolken langsam verschwunden – leider auch der Wind – und ein prächtiger Sternenhimmel hat sich gezeigt (nachdem um 2 Uhr der Mond untergegangen war).

Bei klarem Himmel und 8°C bin ich an den Gasbohrstationen vor Cork vorbeigefahren und um 15:00 Uhr konnte ich schließlich im Royal Cork Yacht Club, dem ältesten Yachtclub der Welt, anlegen. Das Royal werden sie wohl nicht mehr los, obwohl es seit hundert Jahren keinen (englischen) König mehr auf der Insel gibt.

In der Vitrine vor dem Salon stehen die Trophäen, die der Club ergattern konnte. Der Bootshafen liegt 16 sm vor Cork in Crosshaven, einem kleinen Dorf an der Flussmündung.

Am Samstag, den 02.09.17 hat ein Oldtimertreffen und ein Triathlon stattgefunden. Allzu viel hab ich davon nicht mitgekriegt, da es den ganzen Tag geregnet hat. Bei den Oldtimern habe ich mir immer überlegt, ob das Auto oder der Besitzer älter ist. Es waren wirklich schöne alte Exemplare dabei!

Am Sonntag bin ich dann 2,5 Stunden lang den Fluss hinauf nach Cork gefahren um Christoph abzuholen, der aus der Schweiz eingeflogen ist, um ein  paar Tage mit zu segeln. Dabei kommt man an der Stadt Cobh vorbei, der letzten Station der Titanik vor ihrer Reise über den Atlantik. Außerdem sind hier zahlreiche Auswandererschiffe nach Amerika gestartet. Die Amerikanischen Iren haben später die riesige Kathedrale gespendet, die über dem Ort steht.

In Cork ist für die Besucher mit Boot ein einsamer Steg im Fluss, ohne sanitäre Einrichtungen. Das ganze Areal wird gerade umstrukturiert. Büro- und Appartementhäuser und eine Uferpromenade verdrängen langsam die leer stehenden Fabriken und Lagerhallen. Doch daneben ist noch der Altstadtkern mit zahlreichen Pups.

Am Montag sind wir dann zu zweit wieder den ganzen Fluss runter und hinaus gen Westen gefahren. Es war ein angenehmer Segelwind, nur leider genau von vorne. Nach zwei langen Kreuzschlägen sind wir in Kinsale angekommen. Der kleine Ort mit 2 Yachtclubs in einer Flussmündung wird von einer großen Festungsanlage bewacht. Die Häuser sind z.T. sehr gewagt angestrichen – bei dem vielen Regen liebt man wohl kräftige Farben!

Einen Tag lang haben wir alle Wetterberichte befragt und keiner hat uns Hoffnung auf vernünftiges Segelwetter an der Westküste angezeigt. Der ständige W bis NW Wind mit Stärke 6-8 (in Böen bis 10) hat uns schließlich dazu gebracht den Kurs Richtung O zu setzen. So sind wir an 2 Tagen über Youghal nach Dunmore East gesegelt.

Wir konnten sogar den Spinnacker für eine Stunde setzen (dazu eine halbe Stunde Aufbau und eine halbe Stunde Abbau). Während wir in Youghal an einer Boje vor dem Quai festmachen musten, hatte Dunmore East immerhin einen Pontoon zum festmachen und wunderbare Duschen!

 

 

 

 

 

Hier gibt es auch zum ersten Mal Reet gedeckte Häuser, die an der Küste wieder in Mode gekommen sind. Am Freitag, den 08.09. fuhren wir bei sehr wechselnden Winden um den Carnsore Point, Irlands äußerster SO.

Bei 3 bis 16 kn Wind fuhren wir zwischen den Regenschauern hindurch, bis es uns in der langen Einfahrt durch die flache Lagune nach Wexford doch noch erwischte. Wir hatten gerade die Segel geborgen, als die ersten Böen einfielen. Dichter Regen und Wind bis 35 kn (8 Beauforts) schlug uns entgegen. Mehrfach zog der Kiel durch den weichen Schlick am Grund, denn wir hatten noch über 2 Stunden bis Hochwasser und der Wind hat das Wasser noch nicht wieder richtig einfließen lassen. Ohne stecken zu bleiben sind wir aber in Wexford angekommen, wo aber das Fischerboot, an dem wir festmachen sollten, nicht da war. Nach einigen Gesprächen mit Fischern und einem anderen Yachtbesitzer haben wir an einem größeren Fischerboot festgemacht. An der Kaimauer, wo wir zunächst waren, ist das Wasser bei Niedrigwasser nämlich unter einem Meter tief, sodass wir dort auf Grund gegangen wären. Für die nächsten 2 Tage hatten wir jedenfalls einen sehr guten Platz, mussten nur jedes Mal über zwei Fischerboote klettern, um an Land oder zurück zu kommen.

Der Samstag verging mit Stadtbummel, Kaffee trinken, Abendessen (Christoph hat eingeladen!) und Pupbesuch mit Musik.

Die nächsten Tage hat der Wetterbericht wieder kein Segelwetter zugesagt, deshalb hat Christoph sich entschieden, seine geplante Wanderung im Westen der Insel gleich anzutreten. Ich bin dann noch bis Waterford im Bus mitgefahren und hab mit die kleine Stadt dort angesehen. Beim „Food Festival“ gab es in der Hauptstrasse einige Grillstationen und viel Rummel. Daneben im Glasmuseum sind die Meisterwerke der Waterford Glashütte zu bewundern. Die Glashütte wurde von einem Auswanderer aus dem Böhmerwald hier gegründet und ist schnell zur berühmtesten Glaswerkstätte in Irland gewachsen. Es sind aber auch eindrucksvolle geschliffene Objekte zu bewundern.

Am Montag habe auch ich mich wieder von meinem Fischer getrennt und bin zurück gesegelt. Der Wetterbericht hat mir ein Wetterfenster bis 15:00 Uhr gegeben, bevor ein dreitägiger Sturm kommen sollte. Da ich wieder auf Hochwasser warten musste, bin ich erst um 9:30 Uhr losgefahren. Ohne stecken zu bleiben, bin ich eine Stunde im Zick Zack nach den Fahrwassertonnen aus der Bucht gefahren und hab dann die Segel gesetzt. Mit dem 2. Reff gings wieder um das SO Cap und dann mit 28 kn Wind auf den Hafen von Kilmore Quay zu.

Der Hafen war voll von Fischerbooten, zwischen denen ich mich gerade noch durchzwängen konnte. Am Tankstellensteg hab ich schließlich einen guten Platz bekommen und durfte auch die nächsten Tage dort bleiben. Da pfiff dann der Wind mit bis zu 33 kn über den Hafen. Ich hab inzwischen nach einem Winterlagerplatz gesucht und ein günstige Zusage in New Ross bekommen, ca. 20 sm (35 km) flussaufwärts nach dem nächsten Cap.

Da bin ich schließlich am Freitag, den 15.09. hingefahren, als der Sturm sich etwas gelegt hatte. Am Anfang hat es zwar immer noch mit 25 bis 33 kn geblasen aber mit 2 Reffs in den Segeln ging das ganz gut. In der Flussmündung hab ich die Segel eingeholt und bin mit Motor weiter flussaufwärts (bei steigenden Wasser natürlich, denn sonst muss ich gegen 3-4 kn Strömung fahren). Um 14:00 Uhr hab ich die Eisenbahnbrücke passiert, die extra für mich geöffnet wurde (kostet nix!). Nach weiteren 2 Stunden war ich in New Ross und konnte am Steg festmachen.

Eine Woche habe ich das Boot geputzt, Wäsche gewaschen, Winschen repariert, Listen geschrieben und Heimfahrt organisiert. Zwischendrin hab ich den 3-Master besichtigt, der im Hafen liegt. Es ist der Nachbau der Dunbrody, eines Schiffes,das 1840-1860 tausende von Auswanderern aus Irland nach Canada gebracht hatte. In dieser Zeit hatte es eine katastrophale Hungersnot in Irland gegeben, da 4 Jahre lang die gesamte Kartoffelernte kaputt gegangen war. Die einfachen Bauern hatten sich damals ausschließlich von Kartoffen ernährt (ca. 5-6 kg am Tag pro Mann). Etwa 1,5 Mio Iren sind  verhungert und so sahen die anderen keinen anderen Ausweg, als auzuwandern. Das wurde noch unterstützt von den englischen Großgrundbesitzern, die den Familien die Überfahrt zahlten, wenn sie dafür auf ihr Land verzichteten. So wurden auf  einem solchen Schiff bis zu 300 Personen unter Deck nach Amerika oder Canada transportiert. Die Fahrt dauerte damals 6-8 Wochen. Unterwegs starben dabei bis zu 40 % der Passagiere. Dieses Schiff allerdings hatte auf einer Überfahrt nur 4 Tote zu beklagen. Übrigens kamen auch Kennedy´s  Vorfahren aus dieser Gegend, weshalb neben dem Schiff eine Kennedystatue aufgestellt ist.

Am Donnerstag, den 21.09. bin ich dann bei Hochwasser auf die andere Flussseite gefahren und das Schiff wurde aus dem Wasser gehoben und im Trockenen aufgepallt.

Am Freitag hat mich Martin, ein Engländer, der hier lebt, um 7:00 Uhr abgeholt und eine halbe Stunde lang nach Wexford zum Flughafenbus gefahren – einfach so – vielen Dank! Mit Bus, Flieger und Zug (2. Flug war storniert) war ich schließlich um 21:30 zuhause.

Damit ist die Segelsaison für dieses Jahr beendet. Ich war 114 Tage unterwegs und bin 2.340 sm von Portugal bis Irland gesegelt. Im nächsten Jahr geht es (hoffentlich) mit der Westküste Irlands weiter, wenn ich im Mai das Boot ins Wasser bringe. Im Januar gibt es dann voraussichtlich wieder den neuen Törnplan. Bis dahin wünsche ich euch allen einen schönen Herbst, ein fröhliches Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr.