Neue Ziele

Lange habe ich über meine neuen Ziele gegrübelt. Sie liegen wieder einmal nicht auf den üblichen Segelrouten, sondern können auch ganz schön anstrengend werden. So will ich nun ab Mai noch einmal versuchen an der Westküste Irlands nach Norden zu segeln. Dann geht es weiter über die Whisky Insel Islay in die Inneren und Äußeren Hebriden. Das wird aber erst der halbe Törn sein.

Im letzten Hafen wird sich entscheiden wohin der weitere Weg geht: wenn ich in den folgenden 2 Wochen ein Wetterfenster finde, in dem eine Fahrt über die Färöer nach Island möglich ist, werde ich dorthin segeln. Da muss aber das Wetter zuverlässig sein, einmal für 2 Tage zu den Färöer und dann nochmal 3 Tage nach Island! Ich habe jedenfalls keine Lust, bei 8° C und Sturm gegen die Wellen zu kämpfen. Die Alternative geht über die Orkney Inseln an die Ostküste Englands und wieder in den Süden.

Auf der Route liegen nur wenige Marinas, meistens werde ich ankern oder in einem kleinen Hafen an einem Fischerboot festmachen müssen. Ich hoffe trotzdem, dass sich nicht alle davon abschrecken lassen und hin und wieder einer mitsegeln möchte. Es erwarten uns sicher wieder sehr spannende und abwechslungsreiche Erlebnisse in einer wilden Landschaft. Hier mein Segelplan.

Törn 2018-1

Die Vorbereitung zur Nordtour

Am 19.04. hat mich Gerlinde nach München gefahren und ich bin mit meinen strategisch gepackten Sachen nach Irland geflogen. Strategisch nenne ich es, weil die beiden Gepäckstücke die begrenzt sind jeweils knapp ein Kilo mehr hatten und die kleine Fototasche alles schwere beinhaltete und auch 8 Kilo wog.so habe ich immerhin 40 kg eingeschleppt. Nach 2,5 Stunden war ich in Dublin und musste 2 Stunden auf meinen Bus warten, dann ging es im Expressbus in 3,5 Stunden nach New Ross, wo ich für die erste Woche ein B&B gebucht hatte. Schon der Frühstücksraum war überwältigend und das Continental breakfast kaum zu bewältigen.

Natürlich war am nächsten Tag wieder einmal nichts von dem fertig, was ich vorher ausgemacht hatte. Nachdem ich ihnen nun aber täglich auf den Füßen stand, haben sie schließlich doch noch die neue Rettungsinsel bestellt und montiert (wie blöd muss man eigentlich sein, um die Rettungsinsel so zu montieren, dass sie seitlich ½ Meter übersteht!). Dann kamen auch noch die 2 Ersatzklampen -viel zu klein – und der Außenlack ist auch noch fertig geworden (bei Regen, sieht auch entsprechend aus). Immerhin habe ich keine Mitbewohner mehr im Boot. Die Kakerlaken von Portugal haben es mir sehr übel genommen, dass ich sie bei -7 Grad eine Woche ohne Heizung gelassen habe und sind wohl alle verstorben- ooooh! So hatte ich nun eine Woche zu tun, um alles auszusaugen und auszuwischen, Geschirr und sonstige Utensilien zu spülen und schließlich alles einzuräumen.

Zur Erholung bin ich dann 2 mal im Pub gewesen um die berühmte Irische Pubmusik zu hören. Da sitzen dann 6-8 Leute um einen Tisch und einer nach dem anderen gibt mit seiner Gitarre ein Lied zum Besten. Die anderen zupfen dann etwas mit. Nach 2 Guinness reicht es mir aber meistens.

Nach einer Woche war endlich alles so weit fertig, dass mein Boot ins Wasser konnte. Ein bisschen gesponnen hat der Kühlwasserauswurf , hat dann aber doch funktioniert und ich bin über den Fluss in die Marina gefahren. Nun war ich erst Mal zuhause und musste nicht mehr 2 Km zur Werft und zurück radeln. Dafür musste ich die Nächte nun bei 8° C verbringen (Tagsüber sind hier wenigstens 12-14 Grad) und das Frühstück selber machen. Das mit dem Kühlwasser hat mir aber keine Ruhe gelassen und nachdem ich alles überprüft hatte, musste ich feststellen, dass der Impeller tropft. Das ist ein Gummirädchen, das vom Motor gedreht wird und Kühlwasser durch den Motor (bzw. Wärmetauscher) pumpen soll. Es gehört zum Motorservice – den ich ja professionell machen ließ – dieses Gummirädchen zu wechseln. Schrauben anziehen half nichts, also aufmachen. Und siehe da: eine Gummischaufel zeigt in die falsche Richtung und der Dichtungsring war verdreht und gequetscht. Super Arbeit! Mehr kann man bei dieser einfachen Arbeit eigentlich nicht mehr falsch machen.In diesem Zustand hätte mein neuer Motor den ersten Tag nicht überstanden! Mein Kartenplotter hatte auch den Geist aufgegeben und der Tipp des deutschen Händlers ich solle einfach ein Reset machen, denn es kann in der Elektronik nichts kaputt sein war auch falsch, denn die Platine des Plotters (Computer der mir während der Fahrt die Seekarte zeigt und wo ich bin) war innen verrostet. Die Lieferung eines neuen Plotters war in einem Tag von Deutschland hier! Toller Service von SVB!  Den Rest erspar ich euch, denn am Montag den 30.04. hatte ich es endlich geschafft und die Reise begann.

Nach meinem morgendlichen Gang zur unbeheizten Toilette im Stadtpark, in dem die Wiesen noch vom Nachtfrost einen weißen Schimmer haben, gab es noch ein gemütliches Frühstück, bevor ich bei klarem blauem Himmel dem Fluss abwärts folgte. Wenn man zur falschen Zeit hier (20 Meilen vor der Küste) abfährt, fließt der Fluss nämlich aufwärts, was in New Ross immer noch einen Tidenhub von 3,60 m erzeugt. Wenn man richtig losfährt wird man dafür mit bis zu 4 Kn angeschoben. Bei der Hälfte hab ich wieder die Eisenbahnbrücke passiert, die extra für mich geöffnet wurde und der Brückenwärter hat mir eine gute Reise zugerufen.

Nun liege ich in Dunmore East im Hafen zwischen lauter Fischerbooten und ein Sturm braust über mich weg (7-9 bfts). Mal sehen, ob ich morgen weiter komme.

Ich habe inzwischen auch die 2. Hälfte meiner Jahrestour geplant und die Daten mal angehängt. Nachdem Hubert mich bei der langen Überfahrt von den Hebriden zu den Färöer und nach Island begleiten wird, bin ich ganz zuversichtlich, dass es auch klappt. Jetzt geht es aber erst einmal an die Westküste Irlands (hoffentlich wird´s wärmer!) sobald die Weststürme nachlassen und ich weiter komme.

ein holpriger Anfang war das , aber es wird schon besser…

Am Mittwoch, den 2.05. war der Sturm durchgezogen und ich habe mich auf den Weg nach Westen gemacht. Es sollten angenehme 14 kn Wind werden. Ich habe aber vorsichtshalber das 2. Reff ins Großsegel gebunden und wollte abwarten, wie es draußen aussieht. Das war auch gut so, denn es hat immer noch mit 23 kn (6 bfts) gepfiffen. Die alte Welle von gestern mit 2-2,5 m war auch noch da mit einer kleineren Querwelle. So kämpfte ich mich 8 Stunden hoch am Wind und gegen die Wellen voran, bis es mir zu dumm wurde und ich den Motor anwarf, um direkt gegen den Wind in die Bucht von Cork zu kommen. Das war ein Fehler, denn es machte einen großen Rumms und der Motor lief noch, zeigte aber keine Wirkung mehr. Ich hatte übersehen, dass sich am Bug eine Leine gelöst hatte und unter dem Schiff bis zum Propeller abtauchte, diesen umwickelte und so zum Stillstand brachte. Obwohl dort ein Trennmesser eingebaut ist, war die Welle fest und ist aus der Kupplung gerissen. Mist! Als ich das Desaster sah, habe ich gleich im nächsten Hafen angerufen und sie wollten mich in der Einfahrt abholen. Bis dahin musste ich nun noch 5 Stunden aufkreuzen, bis mich Hugh mit seinem Schlauchboot an den Steg brachte. Der Wind hatte nun auch abgenommen und schlief schließlich fast ganz ein. So war ich um 22:00 Uhr endlich in Crosshaven angekommen.

Am nächsten Tag stellte sich heraus , dass das Seil die Bolzen aus der Gelenkscheibe des Getriebes gerissen hatte. Alle Teile waren noch da, aber ich brauchte eine neue Gelenkscheibe. Die haben wir auch sofort beim deutschen Hersteller im Spessart per Express bestellt (48 € plus 65 € Versand). Nun habe ich sagenhafte 10 Tage auf das Teil gewartet und bin dann mit einer Provisorischen Reparatur weitergefahren. (das Teil kam dann weitere 4 Tage später dort an).

Die lange und quälende Wartezeit habe ich mir mit einigen Ausflügen verkürzt. Mit dem Bus gings nach Cork, wo ich mir die Universität angeschaut habe. Sie besteht aus einem altehrwürdigen Gebäude mit eindrucksvollen Sälen und einigen Neubauten auf einem Campus am Stadtrand. Eine alte Hängebrücke führt vom Sportpark in die Wohngebiete auf der anderen Flussseite.

An einem anderen Tag habe ich Cobh angeschaut, eine kleine Stadt, die man auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht sieht und wo jeden 2. Tag ein Kreuzfahrer festmacht. Es war auch die letzte Anlegestelle der Titanic vor dem Untergang (o o ihr lieben Kreuzfahrer!) Und Abfahrtsort für viele Auswanderer, die von hier in die USA gefahren sind. Dazu gibt es natürlich Museen und eine Figurengruppe am Ufer. Es ist Annie Moore mit ihren zwei Brüdern, die damals als erste durch das neu geschaffene Aufnahmelager in New York kamen. Die mächtige Kathedrale über der Stadt ist auch überwiegend von Auswanderern gestiftet worden.

Ein letzter Ausflug hat mich über die Hügel der Stadt zur Einfahrt der Bucht mit ihrer Befestigung gebracht. Die war allerdings geschlossen. Ich habe mir aber immerhin einige Blumen gepflückt und einen Salat draus gemacht. Ich hatte nämlich gelesen, dass das sehr gut sein soll. War es auch und schmeckt etwas nach Knoblauch.

Ich fuhr also mit meinem Provisorium fast 60 Meilen bis Baltimore. Es war bis auf 2 Std kein Wind und nur eine lange flache Welle. Aber die Aussicht auf die Küste war schön.

Im Hafen habe ich einen Platz an einem Motorboot bekommen, da der Rest des Steges noch in Arbeit war. Der Winter hatte der Küste 5 Stürme mit über 200 km/h Wind gebracht und ziemlich viel zerstört. Schon im letzten Hafen hatten die Stürme eine Yacht am Steg entmastet und das Dach einer Motorbootes abgerissen, hier haben sie die Pontons abgerissen und die Hütte auf dem Steg stand, war spurlos im Meer verschwunden.

In der Stadt war gerade Fiddle Fair, eine Musikwoche zur traditionellen Geigenmusik in Irland. Jeder zweite lief mit einem Geigenkasten herum. Und in verschieden Lokalen trafen sie sich zu einer Session.

Ich machte einen kleinen Ausflug an die Einfahrt der Bucht wo „Lot´s Frau“ ein weißer Steinobelisk weit ins Meer strahlt. Hier gibt es auch schon die schön gepflegten Steinmauern, die nun immer mehr die Wiesen unterteilen.

Es wird warm! Heute hat das Thermometer erstmals 16° C erreicht! Bisher waren es immer zwischen 8 und 13 Grad. Die Wolken verzeihen sich auch langsam und es weht eine sanfte Brise mit 10 kn. So fahre ich hinaus zu einem der berühmtesten Felsen der irischen Küste, dem Fastnet Rock. Jedes Jahr findet hier eine Regatta von England  um diesen Felsen und wieder zurück statt. Ich bin gemütlich herumgefahren und habe ihn mir von allen Seiten angeschaut, d.h. von Norden hab ich nicht mehr viel gesehen, denn es ist Seenebel aufgekommen und der Wind ist eingeschlafen.

Schließlich bin ich doch noch in Castletownbere angekommen, einem kleinen Ort mit einem großen Fischerhafen. Da es hier keinen Platz für Yachten gibt, habe ich den Anker geworfen.

Am nächsten Morgen war dichter Nebel. Der ist wohl vor einiger Zeit auch einem Fischerkahn zum Verhängnis geworden – muss aber schon einige Jahrzehnte her sein. Nach kurzer Fahrt kam ich nach Bantry am Ende der langen Bucht. Außer einem Schwimmsteg ist hier nichts für Segler – keine WC, keine Duschen. Die kleine Stadt quillt über vor Autos, sodass die Häuser kaum zu sehen sind, was im Nieselregen natürlich noch trübsinniger aussieht.

Dafür war am nächsten Tag schon wieder Sonne und ich hab das berühmte Bantry House angeschaut. Das ist der Wohnsitz eines englischen Fürsten, der es im Laufe der Jahrhunderte immerhin zum Earl gebracht hatte und zu erheblichem Reichtum. So hat die Familie das Haus immer wieder erweitert und einen großen Garten in 7 Terrassen angelegt mit einer wirklich beeindruckenden Aussicht über die Bucht.

Das mit den Engländern ist so eine traurige Geschichte für die Iren. Am Anfang hat ein Irischer König (damals gab es einige davon) den englischen König um Beistand gebeten. Der wollte erst nicht so recht, ist aber dann doch gekommen um ihn gegen seine Nachbarn zu verteidigen. Damit nun Ruhe ist, hat der englische König einige Siedler geschickt, die mit Sonderrechten ausgestattet waren. Es folgte die Christianisierung, die in Irland sehr erfolgreich war und die Iren zu Katholiken machte. Als Heinrich der VIII dann seine eigene Kirche gründete, weil ihn der Papst nicht scheiden wollte, wollten wiederum die Iren nicht mitmachen. Das gab natürlich wieder Zoff und die Iren verloren noch mehr Rechte. In den folgenden Jahrhunderten versuchten sie dann immer wieder die englischen Fürsten los zu werden, scheiterten aber immer kläglich. Sie holten die Franzosen (die haben allerdings schon bei der Anreise die Hälfte ihrer 50 Schiffe im Sturm verloren), die Holländer, die Spanier und schließlich sogar die Deutschen. Als die dann im 2. Weltkrieg mit einem Schiff voller Waffen ankamen, war kein Ire da, um sie entgegen zunehmen. Sie sind dann nach 2 Tagen wieder abgezogen und es war wieder nichts. 1920 waren sie dann bei Verhandlungen erfolgreicher und hatten erst einmal ihren eigenen Staat (bis auf Nordirland, wo überwiegend englisch stämmige Einwohner lebten, also Protestanten). Die nutzten ihre Rechte so schamlos aus, dass Katholiken separate Busse benutzten mussten und keine weiterführenden Schulen haben durften. Erst Ende der 70er Jahre hat sich das gebessert mit einem Friedensabkommen.

Bei mir geht es aber nun weiter mit einem lauen Lüftchen zurück nach Castletownbere am Ausgang der Bucht an den Anker. Der Segeltag war wunderbar mit Sonne und Rückenwind und kaum Wellen.

 

 

 

 

 

 

 

Am Donnerstag den 17.05. ging es weiter um die Halbinsel Kerry nach Portmagee.

Dies ist der Ausgangspunkt für Fahrten mit kleinen Ausflugsbooten auf die Insel Skellig. Diese Insel ,auf der es nahezu unmöglich ist zu leben, mitten im Atlantische Ozean wurde im Jahre 600 von Mönchen besiedelt. Auf dem steilen Felsen haben sie es geschafft , Schutzhütten und schließlich ein ganzes Kloster zu errichten mit einem Garten in dem sie das notwendigste anpflanzen konnten. Dreimal wurden Sie von Wikingern überfallen und verschleppt und haben sich doch immer wieder angesiedelt. Beim 4. Mal konnten sie dann den Wikingerfürsten zum Glauben bekehren und sind ungeschoren davon gekommen. Die Skelligs (es gibt noch eine kleinere Nachbarinsel, die ein geschütztes Vogelbrutgebiet ist) sind erst ab Sonntag wieder frei zum Betreten. Es sind aber sämtliche Fahrten dorthin für die ganze Saison ausgebucht – überwiegend von Amerikanern! Und warum: der neuste Star Wars Film wurde dort gedreht und alle wollen den Schauplatz nun besichtigen!

Also wieder weiter um die Insel Valentia herum nach Dingle, wo ich am Pfingstsonntag nach einer flotten Segelfahrt ankam. Leider hat es die ganze Zeit genieselt! Der Hafenmeister, ein kleines dürres Kerlchen mit langen zotteligen Haaren und einem langen Bart kam auch gleich aus seiner Bude gerannt und hat mir beim Anlegen geholfen und gezeigt, wo die Waschräume sind. Außerdem war auch meine Kupplungsscheibe da, die mir Hugh aus Crosshaven nachgeschickt hatte. Juhuu!!

Ich habe sie gleich eingebaut und anschließend im Pub gefeiert. Jetzt ist alles wieder in Ordnung. Dingle besteht eigentlich nur aus Pubs, es sollen 57 sein und die Bevölkerung der Stadt soll 2 mal darin Platz haben. War gute Musik und sehr laut.

Mit einer ruhigen Ankernacht dazwischen bin ich nun bis Galway gekommen. Die Küste wird immer wilder und schroffer, aber der Wind ist ganz ausgeblieben, sodass ich am 2. Tag nur noch mit dem Motor vorwärts gekommen bin. Macht nix, da hab ich wenigstens die Delphine besser genießen können, die mich jetzt fast jeden Tag eine Zeit lang begleiten.

Galway ist wohl das Zentrum der Musikszene. Jedenfalls gibt es in der Fußgängerzone (voll bis Nachts um eins) jede Menge Pubs und in jedem ist Musik und auch davor in der Straße sind mindestens 3-5 Gruppen die Spielen. Mehr davon demnächst, denn ich muss jetzt wieder aus dem Hafen raus, das Tidentor schließt gleich.

Irlands wilder musikalischer Westen

Es war gar nicht so einfach, nach Galway in den Hafen zu kommen. Der hat nämlich ein Tor (wie bei einer Schleuse, aber eben nur eines) und das ist 10 Stunden zu und dann wird es für 2 Stunden aufgemacht, und zwar immer in den 2 Stunden vor Hochwasser. Ich bekam einen Platz zugesagt und sollte vor dem Hafen an einem kleinen Pontoon in der seitlichen Bucht warten. Als ich kam, war da alles in drei Reihen voll mit kleinen Motorbooten. Einige hatten wohl Anweisung das Feld zu räumen und verließen gleich (nach 20 Min) den Anliegeplatz, sodass ich vorläufig festmachen konnte. Es war immer noch so eng, dass ich rückwärts in die Bucht manövrieren musste, weil dort kein Platz zum Wenden war. Es hat aber alles geklappt und um 11:30 Uhr nachts bin ich dann wieder raus und in den geöffneten Hafen gefahren.

Jetzt hab ich erst einmal wieder ein paar Reparaturen am Schiff gemacht, denn hier hab ich ja wieder Läden, in denen ich einkaufen kann. Dafür hat der Hafen nichts – keine Toilette und keine Dusche! Dafür konnte ich im Harbor Hotel für 5 € Duschen und hab sogar noch ein Handtuch gekriegt (nicht zum Mitnehmen). Jetzt hab ich mich auch in den Trubel der Innenstadt mit den zahllosen Pubs und der Musik gestürzt. Von der traditionellen Musik mit Fidel Gitarre und Flöte (oder Dudelsack) bis zur 5 Mann Band mit Verstärker gibt es alles, was das Ohr aushält!

Am Samstag, den 26.5.  bin ich dann 1,5 Std mit dem Bus nach Ennis gefahren. Hier geht es schon entschieden ruhiger zu, obwohl gerade das Musikfestival Fleadh Nua läuft, dass in ganz Irland berühmt ist. Ich hab mir eine Session für Traditionelle Musik in einem Cafe rausgesucht und war 5 Min vor Beginn da. Mit einem großen Cappuccino hab ich mir einen schönen Platz rausgesucht, es war ja auch alles noch frei. Aber es waren schon drei Musiker da. So nach und nach füllte sich das Lokal und fast jeder der kam packte irgendein Instrument aus. Zuletzt (so nach einer halben Stunde) waren etwa 11 Geiger 5 Flöten 3 Trommler drei Ziehharmonikas und diverse andere Instrumente im Saal. Die Zuhörer waren jedenfalls in der Minderzahl. Meist fingen zwei Damen mit Geige und Flöte mit einer einfachen Melodie an und nach und nach spielten alle mit. Nach 4 oder 5 langen Stücken stand ein Mann auf und trug (ohne Begleitung) eine lange Ballade vor. Es folgte noch ein zweiter und schließlich hat auch eine alte Dame (geschätzte 80 Jahre) ein ebenfalls sehr langes Gedicht vorgetragen. Dann ging es mit der Musik wieder weiter. Einfach faszinierend! Am Nachmittag gab es dann wieder eine kleine Session in einem Pub, wo ich gerade etwas zu Essen bestellt hatte. Sehr praktisch.

Am nächsten Tag fuhr ich aus dem Hafen, als das Tor um 5 Uhr wieder einmal offen war. Draußen begegnete mir ein traditionelles Segelboot, ein Galway Hooker, früher ein Frachtboot, das mit seinen roten Segeln langsam an mir vorbeifuhr. Dann hab ich mir eine Tonne ausgesucht und für die Nacht dort festgemacht. Mit einer tollen Morgenstimmung wurde ich für meinen einsamen Platz belohnt.

Ich fuhr zur größten der 3 Aran Inseln, nach Inishmore. Dort habe ich den einzigen Platz an einem Pontoon bekommen aber wieder ohne Klo und Dusche. In dem kleinen Ort gibt es zwei Souvenirläden und einige Hotels und Unterkünfte. Die Besucher werden von Kleinbussen um die Insel gefahren und es gibt auch 2 Fahrradverleihen.

Ich hab mein eigenes Fahrrad ausgepackt und mich an den großen Rundweg (35 km) gemacht. Vorbei an bunten Blumenwiesen, die mit Steinmauern eingesäumt waren ging es erst einmal die Küste entlang zu einer Stelle an der sich die Seehunde in der Sonne aalen. Die Blumenpracht unterwegs war wirklich beeindruckend!

An der SW Küste und an verschieden Stellen auf der Insel gibt es auch noch Reste von vorchristlichen Siedlungen und Befestigungen. Die eindrucksvollste ist Dun Aengus, ein großer Steinwall, der direkt an die Klippen führt, die hier 60 Meter senkrecht ins Meer abfallen. Vor dem Steinwall ist eine Verteidigungszone mit senkrecht gestellten spitzen Steinen, die wohl den Angriff mit Pferden verhindern sollten (und sicherlich auch erfolgreich gemacht haben).

Die nächsten Tage war kein Wind zu erwarten und so bin ich mit Motor über die flache See gebrummt. Vorbei an dem weit ins Meer reichenden Kap von Slyne Head ging´s durch einige einsame Felsen, die einem schon gefährlich werden können, wenn man allzu sorglos dahinfährt.

Nach einer Nacht vor Anker im Hafen von Inishbofin – im Hafen gibt es nur ein Anlegepier für die Fähren bin ich im glitzernden Morgenlicht gleich weiter auf die Insel Clare gefahren. Eine Stunde konnte ich sogar ganz gut segeln, aber dann war der Wind wieder weg. Auf Clare gibt es nichts mehr, außer 148 Einwohner und viele Schafe. Früher war die Insel bekannt und berüchtigt, da hier eine gefürchtete Piratin gelebt hat, die mit ihren Kaperfahrten den Franzosen, Spaniern, Holländern und Engländern das Handeln wohl sehr schwer gemacht hatte. Als die Engländer aber einmal ihren Sohn schnappen konnten, ist sie mit 63 Jahren noch nach London gereist und hat ihn der englischen Königin wieder abgeschwatzt. Dafür musste sie nun die englischen Schiffe in Ruhe lassen. In dem alten Festungsturm am Hafen hat sie damals gehaust. Heute baden die Kinder der Insel davor im Meer (bei 14°C).

Ich habe eine kleine Wanderung gemacht und bin an den letzten abgestorbenen Baumstümpfen vorbeigekommen. Die sind 7500 Jahre alt und damals im Moor versunken, wo sie wunderbar konserviert wurden. Jetzt, wo das Moor zurückgeht tauchen sie aus dem Sumpf wieder auf. Ich hätte nicht gedacht, dass ein paar alte Baumstümpfe eine solche Geschichte erzählen können.

Auch hier blüht es überall. Weiße, gelbe und blaue Blumen wohin man sieht und auch im Moor blühen die gelben Lilien. In einer Woche wird wohl alles rot sein, denn die Fuchsienbüsche, die überall an den Wegrändern stehen (3 Meter hoch) sind schon übervoll mit Knospen.

Am 1.6. wollte ich die eindrucksvolle Küste mit den dramatischsten Klippen Irland erleben, an denen ich vorbeisegeln wollt. Leider ist daraus nichts geworden, denn es war dichter Nebel und ich war ständig in der Mitte einer grauen Kugel – Wasser und Himmel alles grau! Nur manchmal, wenn es um die Ecke ging – als um ein Kap – bin ich so nahe an die Felsen gekommen, dass ich einen sehen konnte.

Am Nachmittag konnte ich dann schon etwa 500 m sehen und fuhr durch einige Vogelschwärme, die sich auf dem Wasser niedergelassen hatte. Mit großen Gekreische sind sie einmal um das Schiff geflogen und haben sich dann wieder auf das Wasser gesetzt.

Gegen Abend ist der Nebel auf einmal davongeflogen und es war doch noch ein bisschen von der dramatischen Küste zu sehen.

In der Hoffnung, am nächsten Tag auch wieder etwas zu sehen, bin ich in eine Bucht vor Anker gegangen. Aber am nächsten Tag war dieselbe Suppe und ich fuhr wieder blind nach Sligo. Am Eingang zu der langen Fahrt zeigt einem ein „eiserner Mann“ den Weg durch das Labyrinth des Fahrwassers durch das man (nur bei Hochwasser 4 Stunden lang) nach Sligo kommt. Dort habe ich einen Platz an dem übervollen Steg als drittes Boot im Päckchen gefunden.

Die kleine Provinzstadt ist stolz auf ihren berühmten Sohn, den Literaturnobelpreisträger – wer errät es? –

Es ist W.B. Yeats. Statue, Museum, Ausstellung, es ist alles da über den Dichter, der so beeindruckend Land und Leben in seiner Heimat beschrieben hatte obwohl er nur selten da war. Außerdem gibt es noch ein verfallenes Kloster und einige Pubs mit Musik. Es geht eher gemütlich zu, nicht so ein Rummel wie in Galway.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Morgen mach ich mich nun auf den Weg die letzte Ecke Irlands zu umfahren, Malin Head, den Nördlichsten Punkt Irlands. In drei Tagen werde ich auch wieder einen Mitsegler haben, wenn Hubert aus Esslingen hier eintrifft. Nun noch eine Einkaufsrunde und dann einen letzten Pub bevor es in den einsamen Norden geht.

Die letzten Tage in Irland und wie mich die englische Army versenken wollte

Blauer Himmel und kein bisschen Wind haben die Fahrt in die Teelin Bay (schön, muss man aber nicht kennen) zu einer Sonnenbadefahrt gemacht. Zum Baden ist mir das Wasser mit 12 Grad noch etwas zu kalt. Im Windschatten meiner Sprayhood hatte es mindestens 25 Grad, wenn man den Kopf in den Wind streckt aber nur noch 14 Grad. Dafür konnte ich die Felsenküste gut sehen.

Im ersten Morgenlicht glänzten die grünen Hügel um mich herum wunderbar. Es war so früh, dass sogar der Basstölpel neben meinem Schiff noch schlief und sich nicht aus der Ruhe bringen ließ.

Leider wurde es nun doch etwas diesig und die erhoffte Morgensonne auf der Steilküste – und auf mir – blieb aus. Nach dem Kap Malin More zog sogar wieder Seenebel auf und es waren wieder nur alle paar Stunden einige Felsen zu sehen.

Nach 6 Stunden war es aber wenigstens wieder klar und ich konnte die Einfahrt zum Hafen von Burtonport, die etwas eng durch die Felsen und Insellandschaft führt, gut finden. Dabei kommt man so nahe an den Seezeichen vorbei, dass man sie fast berühren kann. Ein bisschen erinnert die Landschaft an die Westschwedischen Schären.

Der Hafen ist eigentlich ein reiner Fischerhafen. Hier werden vor allem Krabben und Hummer angelandet und in Seewasserbecken in Lastwagen abtransportiert. Das Pier hat dann entsprechend ausgesehen: Dalben in großen Abständen und eine verrostete Leiter zum Hochklettern. Da gleitet mein Schiff nun täglich 2 Mal 2 m hinauf und wieder herunter. Eine echte Herausforderung, wenn man das Schiff ordentlich festmachen will.

Hubert kam 6 Stunden später, da er in Dublin einen Flieger verpasst hatte, aber er hatte es immerhin geschafft. Ich hab dann noch einen Ausflug auf der alten Eisenbahntrasse durch die Moorlandschaft um Burtonport gemacht.

Am Samstag, den 09.06. sind wir dann auf die Insel Tory gefahren (kein Wind!) die hatten uns Iren wärmstens empfohlen. Auch hier gibt es keinen Hafen für Jachten. Wir haben dennoch einen Platz an einer anderen Jacht gefunden, mussten nun über die andere Jacht zur Hafenmauer und dort mit einer sehr wackeligen Strickleiter hinauf klettern. Auf der Insel ist der Frühling ausgebrochen, alles blüht gelb!

Wir wandern an die Nordküste und sind begeistert von den Felsformationen, die sich hier dem Atlantik entgegenstellen. Die Insel ist die abgelegenste bewohnte Insel Irlands und die Bewohner sollten vor einigen Jahren zwangsweise auf das Festland umgesiedelt werden, nachdem wegen der Stürme im Winter sie einmal 8 Wochen nicht erreichbar waren. Die Bewohner weigerten sich und erkämpften mit ihrem Inselpater ihr Bleiberecht vor dem Europäischen Gerichtshof. Im Sommer werden Malkurse veranstaltet und die einfachen Inselgemälde werden anscheinend teuer gehandelt.

Unsere nächste Station war wieder ein Ankerplatz, bzw. ein Platz an einer Boje. Die liegen hier häufiger in den Buchten aus und sind extra für Jachten die hier einen oder zwei Tage verbringen wollen eingerichtet worden. Die Einfahrt in die Bucht ist mit einem schönen Leuchtturm markiert den wir noch unter bedecktem Himmel passiert haben. Abends kam dann aber wieder die Sonne ein bisschen raus und ließ die Wiesen grün aufleuchten.

Am Montag fuhren wir nun endlich um Malin Head herum nach Portrush in Nordirland. Ein brauchbarer Hafen, allerdings voller Boote für einen Filmdreh für die Disney Production Hollywood. Dauernd liefen die eingebildeten Pinsel über den Steg und man musste aufpassen nicht über den Haufen gerannt zu werden, denn wer nicht zum Team gehörte wurde auch nicht gesehen! Eine Schramme am Heck haben sie uns zur Erinnerung noch mitgegeben. Portrush hat immerhin einen tollen Pub  am Hafen, in dem jeden Abend Musik ist. Sonst gibt es nur alle Varianten von Spielhöllen in der Stadt.

Wir wollten aber zum legendären Giants Causeway. Mit dem Bus fuhren wir die Küste entlang und machten eine kleine Wanderung an der Kante der Felsen und danach auch unten am Wasser entlang. Die Lava wurde hier in 5 und 6 eckigen Säulen aus dem Boden gedrückt und bildet tolle Formationen. Obwohl der Besucherandrang groß ist (die Saison fängt erst in 3 Wochen an!) kann man überall rumklettern und findet immer ein Plätzchen wo man sich die Steine in Ruhe anschauen kann.

Nun haben wir Portrush verlassen und sind ein Stückchen weiter nach Ballycastle gefahren. Hier geht es etwas ruhiger zu. Das Stadtzentrum ist 1 km vom Hafen entfernt und es regnet. In einer Regenpause haben wir eingekauft – endlich wieder ein großer Supermarkt – und uns dann wieder verkrochen. Auch am nächsten Tag sind wir dort geblieben, denn es ging ein heftiges Unwetter mit viel Wind über uns weg.

Am Freitag ging es dann bei sehr böigem Wind Richtung Schottland. Zunächst konnten wir trotzdem gut mit der Genua segeln (mit Wind von hinten), nach der Insel Rathlin war er aber fast weg und die Strömung hat uns am Ziel vorbeigetrieben. Also die letzten Meilen wieder mit Motor in den Hafen von Port Ellen auf Islay wo man in der Einfahrt von einem viereckigen Leuchtturm „mit Nachwuchs“ empfangen wird.

Am nächsten Morgen um 8:00 Uhr legt die Segeljacht neben und ab. Ich schau zu, denn es sind immerhin 6 Mann an Bord und sicher vorbildlich. Als das Schiff 3 m hinter mir ist, gibt der Skipper Vollgas vorwärts und fährt geradewegs in das Heck meiner Yacht. Alles schreit stopp. Aus den umliegenden Schiffen kommen alle aus den Luken, um zu sehen was passiert ist. Die andere Jacht fährt wieder rückwärts und ein zweites Mal mit Vollgas in die Rettungsinsel am Heck und schließlich sogar noch ein drittes Mal. Wie sich herausstellt, gehört das Schiff der Königlich Britischen Marine und ist auf einem Ausbildungstörn. Saubere Marine!

Nun, mein Schiff hat er nicht versenken können (er hatte ja auch nur ein Plastikboot (Hallberg Rassy 34) aber der Schaden war erheblich. Er gab mir die Adresse des Verteidigungsministeriums, die dafür haften würden und nannte mir einen Hafen, wo die Arbeiten gemacht werden sollten.

Nach diesem Schreck sind wir erst einmal in den Hauptort der Insel gefahren und haben eine der 9 Destillerien besichtigt, die sich auf dieser Insel befinden. Die drei Whiskyproben, die es zum Abschluss gab, hatte ich auch nötig!

Die Gerste wird auf den Keimböden erst einmal zum Keimen gebracht. Damit das gleichmäßig passiert wird sie alle 2 Stunden durchgerecht. Wenn die Keimlinge den höchsten Zuckergehalt erreicht haben, werden sie über glühender Holzkohle getrocknet (auf Islay mit Torf, was dem Whisky den typischen rauchigen Geschmack verleiht), gemahlen und mit Wasser in großen Bottichen zum Gären angesetzt. Danach wird das so entstandene Bier in großen Kupferkesseln erhitzt und das Destillat im sogenannten Tresor in Vor- Haupt- und Nachbrand geteilt. Der Hauptbrand kommt in Fässer in denen vorher Wein, Sherry oder amerikanischer Whiskey war und lagert dort einige Jahre bis er verkauft wird.

Nun kümmern wir uns seit einer Woche in Crobhhaven (nur 1 Hafen, 10 Ferienhäuser und ein Hotel sonst nix!) um die Reparatur der Heckreling und der Rettungsinsel sowie die Bezahlung des ganzen.

Es geht weiter nach Norden

Ganze 8 Tage haben wir in dem „gottverlassenen“ Nest Croabhaven verbracht. Erst einmal jemanden organisieren, der die Heckreling richten kann. Der Hafenmeister war uns sehr behilflich und so fanden wir dann am Dienstag (am Montag war er unerreichbar wegen der Hochzeit seiner Tochter) einen Metallbauer, der noch am Dienstag kam und sagte, es müsse alles neu gemacht werden. Er versprach uns das bis Freitag und am nächsten Tag kam tatsächlich ein Handwerker, der die Reling abschraubte und Maß nahm. Klingt einfach, aber ist es nicht, denn die Schrauben sitzen fest oder sind durch die Rammung verbogen. Außerdem muss man auch von unten dran, das heißt durch die leere Backskiste an Steuerbord (Spinnacker ausräumen, Heizung ausbauen, Schutzverkleidung abschrauben) an der Steuersäule vorbei unter der Gasflaschenbox durch auf die Backbordseite kriechen und dort die Muttern abschrauben. Na ja, nach 4 Stunden war das auch geschehen und wir hatten keine Reling mehr.

Zur Erholung fuhren wir mit dem Bus (1 km Fußmarsch bis zur Haltestelle) nach Oban, der einzigen größeren Stadt in der Nähe – 1 Std Fahrt. Dort war es endlich wieder ein bisschen lebendiger, die Fähren kommen und gehen, viele Läden haben offen und es gibt einen ausgezeichneten frischen Fisch und frische Muscheln. Da haben wir zugeschlagen und unsere Muscheln eisern gegen die gierigen Möwen verteidigt. Ein paar T-Shirts für die Enkel sind auch noch abgefallen. Schließlich haben wir in einem der großen Supermärkte noch ausgiebig eingekauft und sind mit dem Bus wieder heimgefahren.

Inzwischen hatte ich eine Adresse für meine Rettungsinsel bekommen. Eine Reparatur würde mindestens 2-3 Wochen dauern, so habe ich eine neue bestellt: 1250 £, also 1500 € mal so eben. Danach war wieder etwas Ablenkung nötig und wir fuhren mit dem Bus von der Marina (2 mal am Tag hält er hier!) nach Süden zum Crinan Kanal. Der schneidet den Mull of Kintyre ab, eine lange Landzunge die weit nach Südwesten Richtung Irland hinausragt und immer sehr schwierig zu umfahren ist. Die Wanderung an dem kleinen idyllisch gelegenen Kanal mit den großen, bei Hochwasser überfluteten Flussdeltasan beiden Enden ist wirklich eine erholsame Ablenkung! Wunderbare Ausblicke, hin und wieder eine Schleuse, an der ein paar Schiffe warten und schließlich durchfahren (alles Handbetrieb wie vor 200 Jahren) sind die Reise wert.

Mit einem kurzen Zwischenstopp in Kilmartin, das als Wiege des Schottischen Volkes gilt, fuhren wir zurück in die Marina. Im Tal von Kilmartin sind mehrere Hügelgräber und Steinkreise (insgesamt etwa 800 teils prähistorische Zeugnisse) zwischen den Hochlandrindern auf den Wiesen zu finden. Bei den Steinhügeln habe ich den Eindruck, dass man nur so viele Steine auf die Gräber der Wichtigen Persönlichkeiten gehäuft hat, damit man sicher war, dass sie nicht mehr heraus kamen.

Einen Ausflug zu Fuß nach Ardfern über den Berg war zwar auch ganz schön aber auch nur etwas zum Zeit totschlagen. Auch wenn die blühenden Sträucher und Fingerhüte durchaus sehenswert waren.

Die Rettungsinsel kam pünktlich am Donnerstagabend, nur der Handwerker kam nicht am Freitag. Auf meinen Anruf sagte er, es werde Montag. Ich wurde, glaube ich, etwas unwirsch und er kam dann am Sonntagnachmittag. Mit einer bewundernswerten Geduld hat er die neue Reling angepasst und sehr solide montiert. Wir haben dann bis 23:00 Uhr noch die Rettungsinsel angebaut, die Heizung montiert und die Backskiste eingeräumt. Endlich wieder Platz im Schiff!

Montag früh ging es endlich weiter. Leider bei absoluter Windstille, dafür haben wir uns durch einige Engstellen zwischen den kleinen Inseln getraut, die wegen der Stromschnellen sonst nicht befahrbar sind. Je nach Ausbildung heißen sie hier Whirlpool, Overfall oder Eddies. Unser Ziel war durch den Sound of Oban nach Tobermory auf der Insel Mull zu fahren. Das ist eine kleine Stadt mit bunten Häusern. Wohl deshalb will jeder dahin, weil alle anderen Orte nur graue, braune oder weiße Häuser haben.

Nach einem weiteren windstillen Tag landeten wir in Malleig, ein letztes Mal auf dem Festland. Von dort fährt eine Dampfbahn nach Fort Williams, dem Eingang zum großen Caledonean Canal, den ich vor 4 Jahren schon gefahren war. Die Bahn wird auch Harry Potter Bahn genannt, weil sie und eine schöne Bogenbrücke über die sie fährt, in der Geschichte eine wichtige Rolle spielt. Leider fuhr der Zug erst nachmittags und so haben wir uns das „dampfende“ Motorboot im Hafen angeschaut und sind dann weiter gefahren.

Wieder glattes Wasser und kein Wind! Na ja, da kommen wir wenigstens schneller zum Ziel. Zur Abwechslung passieren wir eine Brücke bevor wir in die Bucht zur Insel Sky einbiegen. Das Sonnenlicht, das endlich gegen den allgemeinen Dunst gesiegt hatte lässt die Berge grün leuchten. Ein toller Anblick.

Gestärkt von einer ausgezeichneten Lammkeule mit Bohnen und Kartoffeln (nicht zu glauben in diesem Fish and Chips Land) ging es durch relativ offenes Wasser zu den äußeren Hebrieden nach Stornoway. Wieder kein Wind, dafür unser erster Wal, bzw. mindestens 3! Dann hat uns noch ein Seehund mitleidig nachgeschaut, während ein Papageientaucher eifrig davonpaddelte. Stornoway lassen wir besser im Nebel, denn außer einigen Fastfood Läden, Kirchen und leeren Hotels hat es nichts zu bieten.

Auf zu den Faröer Inseln! Es ging relativ ruhig mit 10 kn Wind an, steigerte sich aber bald auf 16-20 kn und hatte am 2. Tag schließlich über 20 kn Wind. Der kam glücklicherweise schräg von achtern und wir segelten mit dem 2. Reff in beiden Segeln mit 7 kn und mehr durch den Atlantik! Nur die Wellen machten mir zu schaffen. Ja ich muss es zugeben, ich habe gekotzt. Nachdem ich für uns beide das Essen gekocht, das Geschirr weggeräumt und die Koje für die Nacht hergerichtet hatte, war es wohl zu viel der Schaukelei. Immerhin war ich noch einsatzfähig und habe meine Wachen auch durchgestanden. Ohne Sonne ist es bei dem Wind und 8 Grad kaltem Wasser ringsum doch ziemlich frisch auf die Dauer.Am frühen Morgen tauchte dann auch schon der erste Felsen der südlichsten Insel aus dem Dunst. Mittags konnten wir nach einer Rekordzeit von 31 Stunden für die 215 sm in Toyroyri auf Sandoroy festmachen. Heftige Böen drückten das Schiff gegen die Holzpier, aber wir hatten die erste Etappe nach Island geschafft.

Am nächsten Tag hatte Hubert starke Schmerzen in der Leistengegend und wir sind vorsichtshalber nicht weitergefahren. Die Schmerzen wurden heftiger, bis er schließlich vom Hafenmeister ins Krankenhaus gebracht wurde und nach einigen Untersuchungen heimgeschickt wurde. Am nächsten Tag wurden die Untersuchungsergebnisse bekannt und es bestand der Verdacht auf Blinddarmentzündung. Schließlich wurde er im Sanka mit der Fähre nach Torshavn gebracht und noch in der Nacht dort operiert.

Ich bin mit dem Segelboot gefolgt und hab schon unterwegs die Nachricht bekommen, dass alles gut verlaufen ist. Uii, das hätte ganz schön schief gehen können, wenn es ihn auf der 3 tägigen Überfahrt nach Island erwischt hätte!

Das Wetterfenster für die Überfahrt nach Island war weg, mein Mitsegler auch und die Zeit wegen der Reparatur und dem Krankenhausaufenthalt sowieso schon um 5 Tage überzogen. An den nächsten 10 Tagen folgt ein Tief mit Starkwind dem anderen. Was nun? Immerhin scheint Torshavn eine ganz interessante Stadt zu sein. Aber in 3 Tagen kommt Gerlinde nach Reykjavik wo wir uns treffen wollten.

Island

Eigentlich wollte ich den Bericht schon vor 4 Tagen fertig machen aber das Nordlicht hinderte mich dran. Wie das kam, erzähl ich im nächsten Bericht.

Nun bin ich doch nach Island gekommen, aber nicht mit meinem Boot, sondern mit dem Flieger. Die Fluggesellschaft der Färoer Islands, die Atlantic Airways hat gerade 3 Flugzeuge und fliegt 3 Mal die Woche nach Reykjavik. Nachdem es Hubert nun wieder gut ging, konnte ich beruhigt abfliegen und habe Gerlinde in Reykjavik am Flughafen (Keflavik) nachts um 13:30 Uhr abholen können. Morgens um 5 gings mit dem Bus in die Stadt, wo wir nach einigem Suchen ein Cafe gefunden haben, das schon um 7:00 Uhr aufmacht. Wir sind 2 Tage durch die Stadt gepilgert, haben alle Einkaufsstraßen abgeklappert, die neue Konzerthalle bewundert und schließlich mit einem Leihwagen, den uns die Touriinfo vermittelt hat davon gezogen.

Wir hatten für die erste Zeit ein Hostel in Akranes, auf der gegenüber liegenden Seite der Bucht, gebucht und mussten immer über eine Stunde hin und her fahren. Dafür war in Akranes gerade das Irische Dorffest, denn die erste Besiedelung der Gegend wurde durch eine irische Familie um 800 gemacht. Überall hingen irische Flaggen, die Frauen verkauften Selbstgestricktes und am Abend war Crowdsinging, zu dem man traditionell mit gestrickten Pullies kommt. Jeder hat die Lieder gekannt und mitgesungen die ein Vorsänger mit Gitarre auf der Bühne gespielt hat. Tolle Stimmung. Durch Akranes brausen im Winter die Weststürme und manche binden ihre Häuser lieber fest, damit sie nicht weg fliegen.

An den Straßen blühen große Lupinenfelder und die ersten Islandpferde sehen wir auch auf den Weiden stehen. Auf unserer ersten Rundtour ins Hinterland kommen wir an riesigen Lavafeldern vorbei. Irgendwo dampft es dann aus der Erde, wo in einem Brunnenhaus die heißen Quellen zur Energiegewinnung genutzt werden.

Wir kommen an unseren ersten Wasserfall, dem Barnafoss, der wild zwischen den schwarzen Lavablöcken durchrauscht. Gleich in der Nähe begegnen wir auch unserem ersten Troll, bzw. Trollfrau, die schon darauf wartet einen Menschen in ihren Kochtopf zu stecken und ihn dann gut gekocht zu verspeisen. Uns hat sie aber in Ruhe gelassen, obwohl der Topf noch leer war.

Am Scheitel unsere Rundtour erreichen wir nach einer kurzen Pistenfahrt Strutur, eine Lavahöhle, die man besichtigen kann. Über einen Pfad durch die aufgebrochenen Lavablöcke erreichen wir den Eingang in die Unterwelt. Mit Helm und Helmlampe ausgerüstet laufen wir dann 1,5 Std durch die Höhle. Das Gestein hat noch feine Risse, durch die das Wasser durchtropft und auf dem Boden zu kleinen Stalagmiten gefriert. Es ist sehr kalt in der Höhle!

Nun sind wir aber doch zu einer Rundfahrt um die Insel gestartet. An beeindruckenden Bergen und großen Lavafeldern vorbei fuhren wir am Sonntag in das sogenannte goldene Dreieck zur ersten Station nach þingvellir. Das ist die Zone, in der sich die eurasische Platte von der amerikanischen trennt und die beiden Lavawände sich jedes Jahr um einige Millimeter auseinander bewegen. Natürlich halten hier alle Busse der Rundreisen und der Kreuzfahrer die in Reykjavik anlanden (täglich 2-3 Schiffe im Sommer).

Der nächste Stopp war mindestens genauso voll. Hier liegt der Geysir, der allen Geysiren der Welt den Namen gab – heute aber nicht mehr tätig ist. Dafür spritzt der Nachbargeysir regelmäßig eine eindrucksvolle Fontäne in die Luft. Außerdem gibt es zahlreiche sprudelnde Löcher und schöne Farbspiele mit den unterschiedlichen Algen, die in diesem heißen Wasser wachsen.

Die nächste Station war der Gulfoss, ein Wasserfall bei dem ungeheure Mengen von Wasser in 2 Etagen runter fallen. Es entsteht dabei so viel Dunst, dass alle triefend nass zu ihren Bussen zurück liefen. Natürlich sind wir auch nass geworden und waren froh, als wir in unserem nächsten Quartier unsere Sachen wieder trocknen konnten. Wir hatten eine bezahlbare Unterkunft in einer Art Landschulheim gefunden, das in der Ferienzeit als Touristenunterkunft dient. So hatten wir zwar eine große Küche und drei Aufenthaltsräume (für uns allein) aber ein winziges Zimmer mit Stockbetten. Geht auch mal!

Der nächste Tag war ein Entspannungstag an dem wir nur in einen Hot Pool wollten. Der erste, ziemlich einsam gelegene war uns dann doch zu einfach und wir fuhren nach Fludir in die Secret Lagoon. Aus den umliegenden Heißwasserquellen läuft das heiße Wasser direkt in den Pool und stinkt fürchterlich nach Schwefel. Aber bei 38-40 Grad halten wir das ganz schön lange aus.

Nun führte uns die Route an der langen Südküste entlang nach Osten. Zunächst war alles noch grün. Die Wiesen blühten in gelb – Hahnenfuß- und blau – Lupinen. Dazu kam das Braun am Ufer der Bachläufe und das Schwarz des Vulkangesteins. Beim Skogafoss, dem nächsten Touristenstopp hat mir die Schlucht oberhalb des Wasserfalls fast besser gefallen als der Wasserfall selbst. Mit wilden Stromschnellen fließt der Fluss durch die bemoosten Lavabrocken.

Nun sind wir wieder an der Küste gelandet, die hier schwarz ist und mit den weißen Wellen ein faszinierendes Muster zeigt, das sich dauernd ändert , verschwindet und neu bildet. Wir könnten dem Spiel stundenlang zuschauen. An den seitlichen Klippen nisten Papageientaucher (Puffins) denen man ziemlich nah kommen kann.

Über ausgedehnte Lavafelder und lange Schotterflächen geht es zu den ersten Ausläufern des Vatnajökull des größten Gletschers von Island. Der Svartifoss fällt über eine fantastische Lavaformation in die Tiefe. Die sechseckigen Steingebilde habe ich ja schon in Irland gesehen und früher auch in Schottland. Sie entstehen und ganz speziellen Bedingungen, wenn die noch weichen heißen Lavabrocken zusammengepresst werden.

Gleich daneben (na gut, etwa 40 Minuten zu laufen) endet ein Ausläufer des Vatnajökull in einem See. Man kann gut die Aschelinien erkennen, die von früheren Vulkanausbrüchen stammen, die ihren Ascheregen über den Gletscher gelegt haben.

Im späten Abendlicht wirken die Gletscherausläufer richtig dramatisch. Wir mussten aber noch zu unserem Quartier und schauten nur kurz an einem anderen Gletschersee vorbei. Der war dann das erste Ziel am nächsten Tag, denn es schien ausnahmsweise einmal die Sonne!!!

Der Jökusarlon, wie der See heißt, mündet unter einer Brücke direkt in den Atlantik. Der mächtige Gletscherausläufer – natürlich wieder vom Vatnajökull – wirft große Eisbrocken in den See, die sich dann ständig langsam Richtung Meer bewegen, unter der Brücke durchsausen, sich manchmal drehen oder stecken bleiben, bis ein andere Eisbrocken sie wieder weiter stößt. Dazwischen sausen viele Seeschwalben in das brodelnde Wasser um sich kleine Fische raus zu picken, die es offensichtlich hier in Mengen gibt. Auch eine Robbe taucht ab und zu auf um die seltsamen Gäste an Land zu beäugen, bevor sie sich wieder unter Wasser den Bauch vollschlägt.

Nach einer Stunde haben wir das tolle Schauspiel hinter uns gelassen und sind an den Ostfjorden die Küste weiter entlang gefahren. Gewaltige Schotterabhänge werden von der Küstenstraße durchschnitten, die genau dem Küstenverlauf folgt. Im dritten Fjord hatten wir in Faskrudsfjördur ein günstiges Quartier gefunden. In einem Einfamilienhaus (Blockhaus aus Finnland importiert) werden die 3 Kinderzimmer an Touristen vermietet, seit die Kinder aus dem Haus sind.

Am nächsten Morgen bot sich eine prächtige Aussicht über den Fjord und die Wiesen am Ende. Dort führt ein Tunnel wieder zurück auf die Rundstraße Nr. 1, die ganz Island umkreist und geteert ist. Doch nach wenigen Kilometern sind wir auf einer Piste ins Hinterland abgebogen. Hier geht es erst durch eine unendlich scheinende Steinwüste und kurz vor der Rückkehr auf die N1 in ein Fruchtbares Hochtal. Der geschäftstüchtige Bauer hat hier einige Ferienunterkünfte und ein Cafe/Shop in der Art der ursprünglichen Torfhäuser aufgestellt. Auch wenn alles sehr geschleckt aussieht, ist es doch interessant, wie diese ärmlichen Hütten damals Mensch und Vieh gedient hatten.

Einige Kilometer weiter sieht man es schon von weitem dampfen. Das Solfatarenfeld Hverir kündigt sich an. Sogar der dahinter aufragende Berg dampft aus vielen Löchern. Auf einem markierten Weg kann man das ganze stinkende! Areal durchwandern. Überall brodelt und blubbert und zischt es. Zu den bunten Farben der Mineralienablagerungen, die aus der Tiefe hervorgedrückt werden, kommen noch die bunten Algen in den verschieden heißen Tümpeln. Manchmal sind wir uns gar nicht sicher, ob der Weg uns auch hält, oder ob wir einbrechen und in der heißen Tiefe verschwinden.

Auf der anderen Seite des dampfenden Berges ist wieder ein heißes Naturbad, das wir natürlich wieder besuchen (40 €/Person). Nun hatten wir aber erstmal genug vom Schwefelgestank und sind in unser nächstes Quartier gefahren. Dies war eine Internatsschule, die während der Sommerferien als Touristenunterkunft dient. Einfache 2-Bett Zimmer mit einer traumhaften Aussicht über das Tal und ein gutes Frühstück werden über die „Hotelkette Edda“ angeboten.

Am Freitag erreichten wir Akureyri, die 2. Größte Stadt Islands. Hier halten sogar Kreuzfahrschiffe, was man deutlich an dem Großaufgebot an Touristenshops merken konnte. Uns war das ein bisschen zu viel, so sind wir gleich weiter in das weitaus kleinere uns einsamere Siglufjördur an der Nordspitze des Fjords. Es war einmal die Hauptstadt des Heringsfanges im Atlantischen Ozean und in der Bucht suchten manchmal über 700 Schiffe Zuflucht vor den Atlantischen Stürmen. Es entstanden einige Fischfabriken in denen der Hering in Fässern eingesalzen und in alle Welt verschickt wurde. Die Reste wurden gekocht, um das Fett herauszuholen, das als Lampenöl ebenfalls Verwertung fand. Ein interessantes Museum zeigt die ganze Prozedur, die 1961 ein plötzliches Ende fand, als kein Heringsschwarm mehr an der Küste Island auftauchte.

Das nächste Quartier war das absolut scheußlichste der ganzen Reise. Hinter einer Kneipe wurden alle Räume, die möglich waren in Lila, rosa, gelb gestaltet und vermietet. Schade, dass es hier nie dunkel wird, so muss man das jedes Mal anschauen, wenn man die Augen aufmacht.

Langsam hatten wir die Runde voll und wollten nun die Halbinsel Snœfellsness besuchen, die wunderschön sein soll. Die Anfahrt im Norden ging über eine Piste voller Schlaglöcher. So habe ich außer vielen wassergefüllten Löchern – es hat nämlich dauernd geregnet – eigentlich nicht viel gesehen. In Stykkisholmur sind wir auch nur schnell in ein Restaurant geschlupft und in die etwas seltsame Kirche auf dem Hügel, bevor wir uns wieder ins trockene Auto gerettet haben.

Der nächste Tag war unglaublich. Hat da doch tatsächlich die Sonne durch die Wolken geblitzt! Voller Tatendrang sind wir los, um den Snœfellsjökull (das war der letzte komplizierte Namen), den Gletscherberg am Ende der Halbinsel zu sehen. Irgendwann haben wir dann aufgegeben und nur das fotografiert, was die Wolken uns sehen ließen. Dafür wurde es auf der Rückfahrt nach Reykjavik immer schöner und die letzte Wasserfälle und Berge präsentierten sich in schönem Sonnenlicht.

Das künstlerische Wikingerschiff steht in Reykjavik am Hafen, wo Gerlinde nun noch 2 Nächte im 6 Bett Zimmer in einer Jugendherberge verbringen muss (pro Nacht 50 €). Ich fliege am Abend wieder nach Torshavn auf den Färöer Inseln wo ich mir überlegen werde, wie es weiter geht.

 

 

 

 

 

 

Fazit: Island ist spannend, teuer, kalt, teuer, nass, teuer und ungeheuer interessant, aber teuer!

Zurück in den warmen Süden

Je länger man hier im Norden ist, desto mehr wird man zum Wikinger! Nun empfinde ich schon die 14 Grad am Morgen im Boot als angenehm warm und muss nicht immer gleich die Heizung anschmeißen. Das Wasser hat auch schon 10 Grad nur die Sonne fehlt noch immer, bzw. schaut nur manchmal für einen kurzen Moment durch die dicke Wolkendecke.

Das Nordlicht, genauer gesagt die Norðlýsið, ein alter Schoner, der für Ausflugsfahrten genutzt wird, war schuld an der Verspätung des letzten Berichts. Birgir, der Besitzer hatte mich angesprochen, ob ich am nächsten Tag als Crewmitglied auf eine Tour mitfahren wollte. Ich hatte ihn schon vor der Islandtour kennen gelernt und er hatte mir den Flug dorthin vermittelt. Ich sagte spontan zu, ohne auf den Wetterbericht zu schauen.  Offensichtlich hatte er auch einige andere Segler angesprochen, denn außer mir waren noch 2 Deutsche und 3 Norweger und 2 weitere Helfer an Bord. Nun, am nächsten Tag regnete es ohne Pause wir fuhren mit etwa 15 Chinesen und ein paar anderen Touris mit Motor raus, an den Felsen entlang, die man nur auf die unteren 30 m sah und schließlich mit dem Schlauchboot in eine Grotte, wo Musik aus einem Gettoblaster gespielt wurde. Ich habe mir die Grottenfahrt gespart und lieber auf die Angler aufgepasst, die in der Zwischenzeit die Köder wässerten (ohne Erfolg). Nach 4 Stunden war alle triefend nass zurück und Birgir kochte in der Bordküche Lengfisch im Zwiebelsud mit Kartoffeln. War sehr lecker.

Am nächsten Tag habe ich mir frei genommen und das Regierungsviertel Tinganes der Färöer angeschaut. Seit 900 n.Ch. war es zunächst Versammlungsstätte der Wikinger und nachdem es 1673 fast vollständig abgebrannt war, wurde es mit den roten Regierungsgebäuden wieder aufgebaut, die heute noch da stehen und auch so genutzt werden. Die daneben stehenden Privathäuser sehen z.T. noch romantischer aus.

Nun hat mich Birgir wieder eingefangen für eine Tour nach Klaksvik, der zweitgrößten Stadt auf den Färöer. Es war ein Traumtag und wir haben sogar die Segel gesetzt (um ein bisschen Diesel zu sparen). Diesmal waren nur Ingo und ich als Helfer da und so hatten wir doch einiges zu tun, um die schwere Holzgaffel mit Segel am Mast hochzukriegen. Der Holzbalken, den ich da in der Hand halte ist übrigens das Ruder. Wir fuhren um die nächste Insel herum und holten eine Gruppe von Pfadfindern ab, die hier zu einem internationalen Treffen der Kleinstaatengruppen (unter 1 Mio Einwohner) zusammengekommen waren. Wir hatten die Färoesen und eine Gruppe aus Lichtenstein (zu erkennen an den bunten Bommelmützen) an Bord, was recht lustig war.

In Klaksvik fragte mich Birgir, ob ich auch ein Auto zurück fahren würde, denn es habe gerade einer angerufen, der mit seiner Familie mitfahren wollte und sein Auto dann gerne wieder am Hafen in Torshamn stehen hätte. So bin ich auch noch zu einer kostenlosen Spazierfahrt über drei Inseln, durch drei Tunnels und eine Brücke gekommen. 

In Torshamn zeigte sich, dass Birgir seinen Hot Pool auf dem Schiff aufgebaut hatte, den er mit dem Kühlwasser aus dem Motor auf 40° aufheizte und schließlich auch noch selbst hineinstieg. Ich hab mir das feuchtfröhliche Vergnügen verkniffen, denn am nächsten Morgen wollte ich los nach Süden. Birgir bedankte sich für meine Hilfe mit den Worten: Might you live as long as you desire and die as soon as you wish. Nun, mancher wünscht sich das glaube ich nie.

Im ersten Morgengrauen um 6 Uhr früh hab ich meinen schönen Platz vor dem deutschen Konsulat im Hafen von Torsham verlassen und bin wieder in den kalten Atlantik hinaus gefahren. Zunächst ging es im „Wellenschatten“ der südlichen Inseln entlang. Die Wolken hingen wieder tief über die Berge, doch endlich war der Wind brauchbar und er schob mich mit 7-26 kn (in dauerndem Wechsel!) zu den Orkneys.

In der Nacht schlief er dann ein und ich half mit dem Motor etwas nach. Um Mitternacht passierte ich eine Reihe von 6 Bohrtürmen – ein Lichtermeer in der finsteren Nacht! Am nächsten Tag erreichte ich Kirkwall in schönstem Sonnenschein und bei 17°C. Das hatte ich schon einige Wochen nicht mehr. Das Wasser hat auch schon kuschelige 14° und es fühlt sich an wie Sommer.

Ich genoss erst einmal die Ruhe und die Wärme. Dann besuchte ich Schottlands nördlichste Whisky Destillerie Highland Park und machte am nächsten Tag eine Rundfahrt mit dem Bus.

Stromness auf der anderen Inselseite ist ein verschlafener kleiner Ort und empfängt die Gäste, die mit der Fähre vom Festland übersetzen. Ein paar Cafes, Hotels und eine kleine Einkaufsstraße machen ein netteres Flair als Kirkwall, die Hauptstadt es hat. Bei der Rückfahrt habe ich noch eine prähistorische Ausgrabungsstätte besucht, bei der ein Professor kostenlos eine einstündige Führung durch die Ausgrabung gemacht hat. Sehr interessant was er aus den 3.500 Jahre alten Steinhaufen alles herauslesen kann. Daneben ist noch ein Kreis von aufgestellten Steinen, den manche Historiker für wichtiger als Stonehenge halten. Ich fand ihn einfach eindrucksvoll.

Der Bus fuhr weiter an das andere Ende der Insel nach St. Margaret´s Hope. Hier ist die norwegische Prinzessin Margaret 1290 gestorben, als sie auf dem Weg zu Prinz Edward war, den sie wohl heiraten sollte. Eigentlich liegt das verschlafene Dorf auf der Insel South Ronaldsay, die jedoch seit dem 2. Weltkrieg, wie auch mehrere andere Inseln, mit Steinwällen mit der Hauptinsel verbunden sind. Churchill hat dies von italienischen Kriegsgefangenen bauen lassen, um die Bucht vor den Angriffen der deutschen U-Boote zu schützen – als Straßenbaumaßnahme, denn Zwangsarbeit für Verteidigungsanlagen war ja verboten. Zusammen bilden die Inseln nun einen Ring um Scapa Flow, die Bucht, in der sich ein Großteil der Deutschen Flotte im 1. Weltkrieg selbst versenkte, als der Admiral von der Deutschen Kapitulation erfuhr. Heute kann man Tauchexpeditionen zu den versunkenen Wracks buchen.

Genug der Geschichte, wie geht es weiter. Draußen bläst der Wind mit bis zu 40 kn (Windstärke 8) durch den Hafen, soll aber in der Nacht langsam abflauen. Sollte das stimmen, geht die Reise morgen weiter nach Wick in Schottland. Den Rest entlang der Ostküste Englands und durch Holland habe ich mal zusammengestellt. Vielleicht hat ja noch jemand Lust mich ein paar Tage zu begleiten.

Großbritanniens Nordseeküste – Segeln nach Berechnung

Es fängt schon auf den Orkneyinseln an. Nur bei Flut kommt man vernünftig aus der Bucht von Kirkwall raus (mit 1-2,5 kn Schiebestrom), um dann möglichst bei stillem Wasser (Hochwasser) den Pentland Firth mit zahlreichen Untiefen und Felsen zu durchqueren und nicht zu spät nach Wick zu kommen, da sonst starker Gegenstrom (bis zu 3 kn) die Hafeneinfahrt schwierig macht. Nun es hat alles geklappt und ich war wieder in Wick, der ersten Stadt in Schottland mit dem guten Pulteney Whisky.

Die obere Stadt ist unverändert wie vor hundert Jahren mit kleinen Handwerkerhäusern um einen grünen Platz ganz idyllisch (und einsam). Die Stadt am Fluss, die vor 4 Jahren einen so deprimierenden Eindruck machte mit ihren zahlreichen leerstehenden Häusern ist mitten im Aufbruch. Die Windfelder und Bohrinseln vor der Küste haben den Einwohnern neue Jobs verschafft. Im Hafen, der noch mitten im Ausbau ist, werden Windräder verladen und die mächtigen Offshoreboote haben eigene Anlegestege bekommen.Daneben wird ein ganzes Quartier mit Handwerkerhäusern und großen Innenhöfen saniert und restauriert. Nur die Läden und Restaurants in der Innenstadt haben noch nicht mitgezogen. Leider hatte das einzige gute Restaurant geschlossen und ich musste wieder selber kochen. Am nächsten Tag habe ich mal wieder die üblichen Fish and Chips vertilgt.

Als nächsten Hafen habe ich mir Banff ausgesucht. Eigentlich gibt es nichts anderes an dieser Küste und der Hafenmeister hatte gesagt ich solle nur kommen. Nachdem ich einige Kreuzschläge gegen den Wind gemacht hatte, bin ich mit Motor weiter, denn die Strömung hätte mich sonst wieder zurück nach Wick getrieben. Ein paar Wale haben sich an meinem Schiff vorbei geschlichen und auch eine größere Gruppe von Delphinen war einmal in der Nähe auf Jagd. Schließlich kam noch ein Kabelleger vorbei, der gerade ein Kabel zu den neuen Windfeldern legte, an denen ich seit 1,5 Std vorbeifuhr. So hatte ich doch einige Abwechslung bis ich etwa 2 Stunden nach Hochwasser Baff erreichte.

Vorsichtig fuhr ich durch die etwa 6 m hohe und ziemlich enge Hafeneinfahrt in den Außenhafen, dann mit scharfer Wende nach Backbord durch die zweite Einfahrt, die noch enger war (etwa 8 Meter breit) in den Innenhafen. Ein ziemlicher „Blindflug“, denn wegen der hohen Hafenmauern sieht man nicht ob irgendein Schiff entgegen kommt. Der Platz, den mir der Hafenmeister genannt hatte, war belegt. Also rief ich ihn an und er wollte in einer halben Stunde vorbeikommen. Er meinte, ich könne bleiben, der Grund ist weicher Schlamm in dem mein Kiel gut versinken würde. Bei einer aktuellen Wassertiefe von 2,20 m und einem Pegel, der noch um 1,4 m fällt, muss da sehr viel versinken! So bin ich eben wieder rausgefahren –gerade noch, denn in der Einfahrt waren es nur noch 1,7m Tiefe – und bin vor dem Hafen vor Anker. Schade, so kann ich nichts von Banff erzählen. Es hatte ganz vielversprechend ausgesehen.

Am Donnerstag, den 02.08. gings weiter ohne Wind nach Peterhead, dem Hafen in dem die meisten Segler, die quer über die Nordsee segeln, ankommen. Beim von Bord gehen ist mir das Handy ins Wasser gefallen. Mist! Den Rest des Tages habe ich damit verbracht, jemanden zu finden, der mir das Ding wieder aus der trüben Brühe heraustaucht. Das hat schließlich geklappt. Der Sohn eines Bootsbesitzers, der für seinen Vater ebenfalls tauchen musste, hat es mir in zahlreichen Tauchgängen aus 4,5m Tiefe herausgeholt (14 Grad Wassertemperatur!).

Am nächsten Tag hab ich erst einmal eine neue SIM Karte gekauft, die ich dann gar nicht gebraucht habe, denn meine Karte hätte mit einem entsprechenden Rahmen auch in das Ersatzhandy gepasst (technische Blindschleiche!) Den Rest des Tages hab ich mit dem Herunterladen von Programmen verbracht. Übrigens hatte am Morgen der auf- und absteigende Nebel eine fantastische Stimmung über den Hafen gelegt. Ansonsten ist es eine denkbar langweilige graubraune Stadt.

Eine kurze Fahrt bracht mich nach Stonehaven einen netten kleinen Fischerort in dem sich eine kleines Museum und einige Restaurants um den Hafen verteilen. Es gibt auch eine neu angelegte Promenade, die um die Bucht herumführt und an der die eigentliche Stadt liegt. Ein Künstler hatte hier sehr eigenwillige Bootsmodelle aus Edelstahl zusammengeschweißt und aufgestellt. Die Landschaft ist auch sanfter und die Häuser z.T. weiß gestrichen. So verfliegt langsam das deprimierende Graubraun, in dem ganz Nordschottland versinkt (vor allem bei trübem Wetter).

Die Küste ist aber nach wie vor immer wieder sehr schroff. Die weißen Felsen sind aber nicht aus Kalk, sondern mit Vogelkot bedeckt und überall schwimmen die Jungvögel hinter ihren Eltern her. Sie sind nur schwierig zu fotografieren, denn kaum bin ich nah genug heran, tauchen sie ab.

Mit einem Zwischenstopp in Abroath gings nach Edinburgh, tief hinten im Firth of Forth. Der Wind war sehr abwechslungsreich, man kann auch sagen anstrengend. Zwischen 6 und 24 kn also Windstärke 2-6, war alles drin. Beim Hafen sind dann 4 Brücken, die hier den Firth überqueren, davor ein paar Felsen, die zu umfahren sind und eine Gasladestation für die Tanker und ein Ankerfeld für Kreuzfahrer. Zu allem Überfluss ist auch noch ein Baggerschiff rumgekurvt (hat natürlich Vorfahrt!) und eine Fähre. Ich hab den Hafen dennoch gefunden und irgendwo festgemacht, denn es war keiner mehr da, der mir meinen Platz zeigen konnte.

Nach so vielen einsamen Inseln und kleinen Dörfern ist Edinburgh ein Knaller!!! Die Stadt, die zunächst auf einem Hügel an der Festung gebaut wurde, mit den ersten 8-stöckigen „Hochhäusern“ Europas wegen der Platznot, ist schließlich doch auf dem gegenüberliegenden Hügel erweitert worden mit einer durchaus attraktiven Neustadt.

Dazwischen liegt ein tiefes Tal mit ausgedehnten Parkanlagen (und der Bahnlinie). Die Häuser der Neustadt haben oft einen Graben davor, damit auch im Keller noch Wohnungen eingerichtet werden können – na, ja wer´s mag.

Natürlich bin ich auf die Burg und habe mich durch die Schlangen geschoben, die Karten kaufen, den Rittersaal (Schlange) und den Kronjuwelen Saal (Schlange) anzuschauen. Der Höhepunkt ist aber der 1-Uhr Schuss mit der Kanone von der Aussichtsplattform. Der überaus bedeutungsvoll daher schreitende Offizier lädt die Kanone nachdem er sie einmal umkreist hat und zündet den Böller dann (möglichst genau) um 1 Uhr. Danach dürfen sich alle neben ihn stellen und fotografieren lassen. Ich vermute ja dass die Schotten den 1-Uhr Schuss erfunden haben, weil ihnen 12 Schuss am Mittag zu teuer waren.

Im August ist in Edinburgh auch das Fringe Festival. Da kann jeder Künstler sich anmelden und mitmachen und es gibt nichts was es nicht gibt. Am Nachmittag sind in der Hauptstraße der Altstadt kurze Aufführungen, bei der jeder zeigen kann, was er am Abend in einem der Theater aufführen will.

Dabei werden immer Postkarten verteilt, wo man das nötigste nachlesen kann. Insgesamt sind 1.200 Gruppen registriert, die in 3 Wochen ihre Kunst darbieten. Zwischendrin kreuzt eine Gruppe swingender Leute, die von einem Entertainer im Badeanzug über Kopfhörer Anweisung bekommen, wie und wohin sie sich jetzt zu bewegen haben.

Manch einer ist auch selbst Kunstwerk genug. Natürlich gibt es auch Straßenmusik, wobei die größte Kunst ist, das Publikum schon beim Aufbauen der Anlage um sich zu scharen. Jongleure, Flamencomusik, Kartenleser, Feuerschlucker, Transvestiten, Portraitzeichner und Mozarts kleine Nachtmusik. Es passt hier alles rein! Das ist Fringe!

Nun geht es aber wieder raus aus dem Firth und vorbei an der Insel Bass. Die Insel ist so weiß, weil hier ein weißer Vogel am andern auf den Klippen sitzt. Wahrscheinlich wäre sie auch weiß, wenn sie auf einmal alle wegfliegen würden. Von dieser Insel hat der Basstölpel seinen deutschen Namen. Der Felsen beherbergt nämlich die größte Brutkolonie dieser größten Seevögel des Nordatlantiks und wurde deshalb zum Namenspatron der Art.

Im Hafen von Eyesmouth wird man gleich von 3 Seehunden begrüßt, die einen hungrig anschauen. An der kleinen Uferpromenade ist eine eindrucksvolle Gedächtniswand aufgestellt, die darstellt wie die Familien von 273 Seeleuten zuschauen mussten, wie vor etwa 100 Jahren ihre Männer mit den Schiffen vor dem Hafen im Sturm untergingen. Unter jeder dargestellten Familie steht der Name des Schiffes auf dem der Angehörige war. Sehr beeindruckend – Respect the sea – ist das Motto der englischen Seenotretter!

Mein nächster Stopp in Amble bringt wieder etwas Urlaubsstimmung. Hübsch hergerichtete Uferpromenade mit einigen guten Fischlokalen und in der Ferne ein altes Schloss, das im Morgenlicht wunderbar aus den Feldern leuchtet.

Am Samstag, den 11.08. komme ich in Castletown upon Tyne an. Jetzt musste ich erstmal das Boot putzen, denn am nächsten Tag wollte Verena, die Tochter von unseren Freunden, die heir seit einem Jahr lebt, unbedingt das Boot besichtigen. Das hat auch alles geklappt und wir haben ausgemacht, dass sie mit ihrem Freund ein Stückchen mitsegeln kann.

Zuvor habe ich aber noch Newcastle angeschaut, das mit der Metro nur 40 Minuten weg ist. Nicht so eindrucksvoll wie Edinburgh, aber recht betriebsam mit vielen Ladenzentren (nur das älteste ist vorzeigbar) einigen Museen und Kunsthallen und vielen Brücken über den River Tyne. Die interessanteste ist die Milleniumsbridge, wie ein aufgeklapptes Fischmaul, das sich komplett dreht, wenn es geöffnet wird, sodass beide Bögen dann schräg noch oben schauen.

Mein nächstes Ziel war Whitby, eine kleine Stadt voller Läden, Lokalen und Touristen (englischen). Zum Glück hält sich die Billigindustrieware und die Spielhöllenwut hier noch in engen Grenzen, sodass der Ort eine angenehme Atmosphäre hat, obwohl er so voll ist. Hier sind am Donnerstag Verena und Dave zugestiegen (um 6 Uhr früh!). Wir mussten früh los, denn der Hafen an unserem Ziel in Scarbourough ist nicht mehr erreichbar, wenn das Wasser zu niedrig wird. Wir haben hier inzwischen schon einen Tidenhub von 5,70m.

Es ging alles gut, wir konnten sogar segeln bei leichtem Wind von der Seite und keinen Wellen. So war bis auf einige Regenminuten alles ein gutes Erlebnis. Am Hafeneingang empfängt uns dann die züchtige Meerjungfrau im Badeanzug (Wassertemperatur 14°C)

In Scarborough haben mich Dave´s Eltern, die dort wohnen, zum Abendessen eingeladen. Außerdem waren 2 Freunde von Dave und die Schwester des Vaters mit ihren 5 Kindern dabei – eine schöne große Runde also. Und das Essen war super! Scarbourough hat einige schöne alte Häuser, z.B. das große Hotel mit 365 Zimmern, 12 Etagen und 52 Kaminen. Dazu einige kleine Parkanlage , das Rathaus, schöne Bürgerhäuser aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts etc. Leider wächst auf der anderen Seite eine Flut von Spielhöllen, Billigramschläden, Fish and Chips Buden und überschwemmt die halbe Stadt.

Nach den aufregenden Tag war wieder ein ruhigerer Segeltag mit angenehmen Winden, der mich nach Grimsby im River Humber führte. Muss man nicht kennen. Morgens riecht es in diesem halb verlassenen Industriegelände nach Räucherfisch, abends eher nach Fischabfällen. Dazwischen nach Öl oder Schweißarbeiten. Die Stadt ist fürchterlich und zu sehen gibt es auch nix. Nur die Menschen im Segelclub in dem ich untergebracht bin sind sehr freundlich und aufgeschlossen.

Morgen um 5:00 früh werde ich noch weiterfahren, bevor das Schleusentor für 8 Stunden schließt. Dann geht es weiter Richtung Süden nach Wells. Dort habe ich nur ein Zeitfenster von 2 Stunden, in denen ich in den Hafen komme. Wird schon klappen.

Die Reise endet 5 Meter unter dem Meeresspiegel

Den Hafen von Grimsby musste ich um 5:00 Uhr früh verlassen, also aufstehen um 4 Uhr! Alles ist finster und kalt. Nach dem Frühstück um 4:40 Uhr hab ich dann nochmal den Schleusenwart angerufen, dass ich in 20 Minuten komme und erfahren, dass er das Tor jetzt schließen wolle aber noch warten würde, wenn ich gleich käme. Also schnell alles ins Spülbecken schmeißen, Ölzeug anziehen und ablegen. Um 4:50 war ich durch und auf dem River Humber, der schon jetzt ziemlichen Verkehr aufweist. Etwas abseits der Hauptroute hab ich mich dann von einem Navigationslicht zum nächsten gehangelt bis nach einer Stunde langsam die Sonne aufstieg.

Zunächst hat die Strömung mich ganz schön angeschoben und langsam hat auch der Wind aufgefrischt. Schließlich hat er mich mit 16-18 kn nach Süden geblasen. Es war etwas zu schnell, denn als ich vor Wells-next-the-Sea ankam konnte ich noch nicht reinfahren, denn das Wasser war noch nicht hoch genug gestiegen. Ich wartete also eine Stunde, dann ging´s mit Motor durch die lange betonnte Einfahrt im Zick-Zack zum Hafen. Am nächsten Tag bei Ebbe konnte man sehen, dass von der ganzen Wasserfläche nur noch ein winziges Rinnsal übrig war, das sich durch die Sandbänke ins Meer schlängelte.

Wells ist ein ganz lebendiges Städtchen und Ziel vieler (englischer) Urlauber. Gleich neben meinem Schiff gehen die Familien ihrer liebsten Freizeitbeschäftigung nach, dem Crabbing. In allen Läden der Stadt gibt es dir notwendige Ausrüstung dazu: ein Eimer, ein kleines Netz mit Köder und eine lange Schnur. Stundenlang können Erwachsene und Kinder hier mit dem Netz und Köder nach kleinen Krabben fischen, die dann in dem Eimer gesammelt werden, gezählt und bewundert und schließlich wieder ins Wasser zurückbefördert werden. An der Kaimauer ist extra eine Pumpe für Meerwasser, damit man nicht 50 m gehen muss um den Eimer zu füllen und der Ökostand verleiht Eimer, damit der Plastikabfall in Grenzen gehalten wird.

Das zweite Nationalhobby ist Fish and Chips. Das können Engländer auch von morgens bis abends essen und entsprechend ist jeder 2. Laden eine Fish and Chips Bude. Trotzdem muss man anstehen um sowas zu kriegen. Manchmal schmeckt es auch tatsächlich ganz lecker. Meist ist es aber nur fettige Panade mit lapprigen Pommes.

Am Donnerstag hab ich mit dem Fahrrad einen Ausflug zum Sandstrand mit den bunten Strandhäuschen gemacht. Die kleinen Bretterbuden sind sehr beliebt (irgendwo muss man sich ja mal aufwärmen bei 14 Grad Wassertemperatur!). Falls sich jemand sowas leisten möchte: die Häuschen kosten bis zu 55.000 Pfund (60 T€)!

Die Radtour ging weiter nach Holkham Park, einem großen Landhaus mit einem riesigen Parkgelände außen rum und vielen Freizeitangeboten insbesondere für Familien – Traktorfahrt, Bootsfahrt auf dem Teich, Basteln Radfahren usw. Auf dem Rasen hat eine Altherrentruppe Kricket gespielt, d.h. meist sind sie nur rumgestanden. In den alten Häusern (ehemalige Bediensteten Wohnungen) am Rande des Parks kann man auch Zimmer bekommen.

Am Freitag fuhr ich mit meinem Fahrrad in die andere Richtung auf dem Deich durch das Marschenland. Überall saftige und süße Brombeeren – da kommt man nur langsam voran. Durch ein paar Orte im Hinterland ging´s wieder zurück. Hier ist wirklich absolut nichts los und kein Mensch auf der Straße.

Für den Samstag hatte ich einige gute Wettervorhersagen bevor es ab Sonntag wieder aus der falschen Richtung kachelt. Also fuhr ich um 7:00 Uhr früh durch den Bojenslalom wieder aufs Meer hinaus, wo mich eine ziemlich ruppige Welle erwartete. Der Wind kommt von hinten, die Wellen schräg von hinten und es schaukelt ganz grausam. Trotzdem kann ich nur mit der gerefften Genua 6 kn machen. Das Großsegel kann ich nicht setzen, denn der Baum würde alle 5 Minuten auf die andere Seite schlagen bei dem Geschaukel. Um 17:00 Uhr ist der Wind dann eingeschlafen und die letzten 2 Stunden hab ich den Motor gebraucht. Mitten in dem Geschaukel ist auch noch unser 3. Enkel Paul in Berlin auf die Welt gekommen. Ein schöner Tag!

Am Sonntag ist das Barometer in den Keller gefallen und Regenschauer sind mit 36 kn (8 bfts) durch den Hafen geblasen worden. Zeit zur Planung der letzten Touren und Winterlagersuche und Wäsche waschen. Der Yachtclub von Lowestoft ist sehr alt und ehrwürdig, die Stadt ziemlich langweilig aber vor dem Yachtclub ist ein Kilometer langer Sandstrand und eine schön angelegte Promenade.

Leider war das Wetter nicht so nach Promenieren und zum Baden war es selbst den abgehärteten Engländern zu ungemütlich. So hab ich mich in der Bar mit einigen Engländern unterhalten. Es waren übrigens alle gegen den Brexit. Einer sagte, dass inzwischen mehr alte Leute gestorben sind (der Brexit ist vor Allem von alten Leuten gewählt worden) als für den Brexit Stimmen erforderlich waren. Das heißt, dass nun von den noch lebenden Engländern die Mehrheit dagegen gestimmt hatte. Ich habe auf meiner ganzen Tour durch Schottland und England jedenfalls keinen getroffen der für den Brexit war. Die Schotten haben sogar ganz vehement für eine Abtrennung von England geworben.

Nach einem weiteren ungemütlichen Tag (Regen und böige Winde) hab ich mich entschlossen gleich nach Holland zu segeln. Die Tour nach London ist lang und teuer (der Hafen soll 90 € kosten). Die Überfahrt von dort nach Belgien ist zwar kürzer, aber geht durch den intensiven Frachtverkehr vor dem Kanal mit zahlreichen Einschränkungen für Segler, sodass der direkte Weg zwar länger aber durchaus angenehmer zu segeln ist. Nun mit segeln war bis auf 2 Stunden nichts, weil der Wind ganz wegblieb, dafür konnte ich die 110 Meilen in 17 Stunden ohne Umwege durchfahren. Um 1:30 Uhr hat  mir die Hafenkontrolle die Ausfahrt frei gegeben, dann ging es mit wenig Querverkehr schnurgerade Westwärts auf die andere Seite nach Ijmuiden in Holland. Eine komfortable Marina an der Mündung des Flusses Ij hat mich für 3 Tage aufgenommen. Meine Ankunft auf dem Festland hab ich erst einmal mit einem leckeren Lachsfilet gefeiert.

Am Freitag bin ich durch die Seeschleuse und die Drehbrücke in den Kanal nach Amsterdam eingefahren. Die weiteren Straßenquerungen gehen unter dem Fluss durch und man sieht auf beiden Seiten die großen Lüftungsbauwerke, die die Einfahrten markieren.

Nachdem ich die ausgedehnten Industriegebiete durchfahren hatte haben die beiden Holländerkinder den Beginn von Amsterdam angezeigt. Der Verkehr auf dem Wasser ist nun ziemlich heftig: 3 Fähren kreuzen im 5 Minutentakt das Fahrwasser, dazu kommen etliche Ausflugsboot, Sightseeing Touren, Lastkähne, Flusskreuzfahrtschiffe usw. Zum Hafen muss ich da mittendurch!

Kurz vor meinem Hafen kam ich dann am neuen Wahrzeichen von Amsterdam vorbei, dem A`dam Lookout mit der höchsten Schaukel Europas in 100 m Höhe. Ich bin allerdings nicht geschaukelt (Auffahrt 16 €, Schaukeln 5€).

Ich konnte Gerlinde überreden mich in Holland abzuholen und sie ist am Samstag den langen Weg nach Lelystad gefahren und das letzte Stück mit dem Zug nach Amsterdam gekommen. Dort geht vom Bahnhof aus eine kostenlose Fähre auf die andere Flussseite direkt zu meinem Hafen. Am Bahnhof gibt es übrigens keine Parkplätze für PKW, nur für Fahrräder. Das ist der kleinste von 5 Fahrradstellplätzen mit 400 Fahrradständern!

In den nächsten Tagen haben wir uns Amsterdam angeschaut, mit Rundfahrt durch die Grachten und einem halben Tag im Rejksmuseum wo Rembrandts berühmte Nachtwache hängt, aber auch viele andere interessante Kunstwerke.

Am Dienstag hatten wir dann genug von dem Großstadttrubel und sind durch die nächste Schleuse ins Markermeer gefahren. Dort war eine ganz seltsame diesige Stimmung über dem Wasser und zu Gerlindes Beruhigung kein Wind.

Wir haben in Volendam angelegt, dass sich gerade auf das Herbstvolksfest vorbereitet. Die Restaurants werden mit überdachten Terrassen erweitert und in jeder Ecke werden Fahrgeschäfte aufgebaut. Trotzdem ein netter Touristenort, in den offensichtlich viele Chinesische Gruppen gelotst werden, denn es gibt ein Käsemuseum und eine Waffelfabrik, die man besichtigen kann.

Es sind auch einige historische Ijsselmeer Boote hier stationiert, die mit verschiedenen Gruppen Rundfahrten oder Ausflüge machen. Dabei schrecken die Holländer nicht davor zurück die Schiffe in der Mitte auseinander zu sägen und ein 4 Meter langes Stück einzusetzen, damit mehr Gäste transportiert werden können.

Am Mittwoch hat es dann richtig geregnet. Wir sind aber trotzdem 5 km nach Edam gelaufen – im Regen ist das viel länger als man glaubt – und haben auf dem Käsemarkt einen Käse gekauft. Außer der offenen Käsehalle waren nur 2 Stände da und niemand der was kaufen wollte. Ziemlich trübe Angelegenheit im Regen. Selbst ein Reiher am Kanal hat recht begossen ausgesehen.

Am Donnerstag sind wir dann 3 Stunden mit dem Motor über das Markermeer, eine Abtrennung vom großen Ijsselmeer, nach Lelystad gefahren. Dort in die Schleuse zu einem der kleinen Seitenkanäle, wo es zu unserer Überraschung etwa 6 Meter in die Tiefe ging. Wir habe auch kurz dahinter unseren Steg für das Winterlager gefunden und festgemacht. Die nächsten 2 Tage vergingen mit Segel waschen, trocknen und bergen. Die Genua haben wir zur Reparatur weggegeben, denn sie hatte an der oberen Saling einen Riss, den ich unterwegs nur notdürftig geklebt hatte. Das Dinghi wurde gewaschen getrocknet und verstaut, alles geputzt und schließlich alles Bewegliche ins Auto gepackt, um zuhause gewaschen und sortiert zu werden. Am Sonntag, den 09.09.18 war dann die Segelsaison beendet und wir sind heimgefahren. Die Bird of Tuvalu liegt nun am Steg eines kleinen Yachtvereins und ich hoffe, dass sie gut durch den Winter und das Eis (wenn es eins gibt) kommt. Der Steg liegt, wie das ganze umliegende Land, etwa 5 Meter unter dem Meeresspiegel. Holland wäre nicht einmal halb so groß, wenn sie nicht in den letzten hundert Jahren mit Deichen und einem ausgeklügelten Entwässerungssystem dem Meer so viel Land abgerungen hätten. Wir liegen hier mitten im neuen Land.

Es war eine Reise mit vielen Rückschlägen: Zuerst hatte die Werft schwere Fehler bei der Wartung des Motors gemacht, dann hat mir ein Seil die Antriebswelle aus der Kupplung gerissen, dann hat mich der Ausbilder der britischen Marine mit seinem Boot gerammt (der Schaden in Höhe von fast 6.000 € wurde vor zwei Tagen endlich bezahlt!), dann hatte Hubert die Blinddarmoperation auf den Färöer Inseln was schließlich meine Reise nach Island mit dem Schiff endgültig sabotiert hatte. 7 Monate intensiver Vorbereitung einschließlich dem Kauf von teuren Sicherheitseinrichtungen waren umsonst investiert. Und doch war es wieder eine Reise mit vielen interessanten Begegnungen und Erlebnissen an die ich noch gerne denke, wie die Musiksessions in Irland, die Whiskyproben in Schottland, die Fahrten mit dem alten Lastkahn auf den Färöer, das Fringefestival in Edinburgh, der kleine Ausflug mit Verena und Dave und immer wieder der Einblick in eine Geschichte der Seefahrt, Fischerei und Piraterie, wie ich sie noch nie erfahren hatte.

Nächstes Jahr zieht es mich wieder Richtung Schweden, vielleicht meine letzte Reise mit der Bird of Tuvalu.