Inseln, Kanäle und Seen

Mein Segelplan für dieses Jahr ist ausgearbeitet. Es geht etwas ruhiger zu als in den letzten Jahren auf dem Atlantik (hoffe ich) und bringt mich doch in nicht ganz alltägliche Regionen von Dänemark und Schweden. Wenn jemand Lust hat, mich wieder ein Stück zu begleiten, würde ich mich freuen wenn er/sie sich meldet und eine Koje reservieren. Ich werde in den meisten Häfen einen Tag bleiben (mindestens) damit wir auch die Gegend etwas erkunden können. Ansonsten hoffe ich auf viel Sonne und moderaten Wind!

Törnplan 2019

Vorbereitung zum neuen Törn

Eine Woche war ich nun in Lelystad, um mein Schiff wieder für den Sommer fit zu machen. Es war fast eine wunderbare Woche, denn jeden Tag schien die Sonne von früh bis spät nur mit der Temperatur hat das nicht so geklappt. Es waren nämlich immer nur 2-7° C. Selbst in Island hat es zur Zeit 10°C! Da ist es schon schwierig aus der warmen Bettwäsche zu kriechen und in die eiskalten Klamotten zu schlüpfen.

Nach einem heißen Tee ging es dann an die Arbeit. Erst einmal alles verstauen, was ich von zuhause mitgebracht hatte: Kleider, Seekarten, Grundausstattung für die Küche, Leinen die ich gewaschen hatte. Dann die Segel von der Segelmacherei abholen (jedes wiegt etwa 35 kg!), Wassertanks leeren (Frostschutzmittel) und neu befüllen mit Desinfektion – immerhin 2×200 l -.Dann Großeinkauf für Getränke und anderen Kram, wieder einräumen. Polster lüften, Deck schrubben und Kuchenbude abbauen. Am Montag fuhr ich zur Werft, wo das Schiff aus dem Wasser kam.

Von da an durfte ich jedes Mal 3 Meter eine wackelige Leiter hochklettern, wenn ich ins Schiff wollte (und morgens bei 2°C hinunter, wenn ich die Toilette besuchte – unbeheizt!). Nachdem das Unterwasserschiff ausgebessert war, der Propeller blank geschliffen und die neuen Zinkanoden angebracht waren kam noch der Motorservice und hat den jährlichen Service gemacht. Nun durfte die Bird of Tuvalu endlich wieder ins Wasser und ich musste keine Leitern mehr erklimmen.

In meinem Hafen hab ich dann das Boot aufgetakelt. Glücklicherweise war nicht so viel Wind, sodass ich alleine zurecht kam. Die Genua mit 48 m² war schon in einer Stunde oben. Das Großsegel mit 38 m² klingt zwar kleiner ist aber mit 4 Segellatten bis zu 3,50 m Länge zu bestücken und hat zwei Reffleinen mit je 35 m Länge, die sehr kompliziert eingefädelt werden müssen. So habe ich das am nächsten Tag in 3,5 Stunden auch noch hin gekriegt. Die Rettungsinsel ist auch wieder an der Reling und das Beiboot gut verpackt am Vordeck.

Einen Tag habe ich noch gebraucht, um die beiden Lüfter für den Salon einzubauen. Ich hoffe, dass sich nun kein Wasserschwall mehr über die Polster ergießt, wenn ich wieder einen wilden Wellenritt gegen den Wind machen muss. Es ist immerhin die 4. Variante, die ich teste!

Nun darf ich wieder heim in unsere gut geheizte Wohnung und komme in 2 Wochen wieder, um mit Siggi die Tour zu beginnen. Ist sicher schon wärmer dann ! Heute früh waren die Autoscheiben noch zugefroren.

Von Lelystadt bis nach Dänemark

Geschrieben von Stefan Francke, mit Informationen aus dem Logbuch und Erzählungen von Siggi.

Am späten Nachmittag des 2. Mai 2019 kommt Siggi, den Matthias von zahlreichen Fahrradtouren kennt, an Bord. Da Matthias noch einiges am Boot zu richten hat, fährt Siggi mit dem Fahrrad nach Lelystad, um den lange erwarteten Plotter von der Post zu holen. Nachdem noch einiges repariert wurde und ein neuer Stecker eingelötet ist, kann es losgehen.

Der erste Tag führt von Enkhuizen über das Ijsselmeer durch mehrere Kanäle nach Sneek. Es ist zwar noch ziemlich kalt, mit etwas Glück werden die vielen Regenwolken aber vermieden. Abends wird noch ein Stadtrundgang in Sneek gemacht.

Am nächsten Tag führt die Reise durch mehrere Kanäle. Dabei ist es gar nicht so einfach, den richtigen Weg zu finden und die Crew findet sich zweimal in einer Sackgasse wieder und muss umkehren. An den Brücken muss teilweise lange gewartet werden und ein unverschämter Motorbootfahrer drängelt sich vor. Naja, Motorbootfahrer. Abends gibt es in Dokkum Spareribs zu essen. Matthias erzählt Siggi davon, dass dies die letzte große Fahrt mit der bird of tuvalu werden soll. Im Herbst will er das Boot verkaufen und sich anderen Hobbies widmen.

Am nächsten Tag geht es durch die Schleuse von Lauwersoog ins offene Meer. Bei Wind aus Südost geht es mit einem langen Kreuzschlag zum Ende von Schiermonnikoog. Ab 12 Uhr regnet es bei 9°C. Heute war kein guter Segeltag. Erst gegen 20 Uhr erreicht das Schiff Borkum.

Am nächsten Tag kann bereits im Hafen das Großsegel gehisst werden. Mit Genua geht es entlang an Borkum, Juist und Norderney. Siggi steuert nach Kurslinie bei raumem Wind. Mit nachlassendem Wind werden die Segel geborgen und es geht an den weiteren Ostfriesischen Inseln vorbei bis zur östlichsten bewohnten Ostfriesischen Insel, Wangerooge, wo dann leichter Wind einsetzt.

Am Freitag geht es bei leichtem Nieselregen, der sich tagsüber dann verzieht, weiter nach Bremerhaven. Hier kommen Claudia und André an Bord. Die drei Mitsegler werden im Schnelldurchgang zu Hilfsmatrosen ausgebildet: wie steigt man auf das Boot ohne ins Wasser zu fallen, wie gehen die wichtigsten Knoten.

Bei frischen 9°C fährt das Segelschiff am 11. Mai von Bremerhaven mit guter Sicht am Leuchtturm Roter Sand vorbei. Abends kocht Claudia für die Besatzung Spaghetti.

An den nächsten beiden Tagen wird die Insel Helgoland erkundet. Whisky wird eingekauft (steuerfrei), bei einem Inselrundgang werden die Vögel beobachtet und es gibt Kaffee und Hagebuttenkuchen. Zum Abendessen Matjes. Außerdem liegen an einem Strand eine Menge Robben und sonnen sich.

Am 14. Mai findet bei Sonnenschein und mäßigem Wind die Überfahrt nach Amrum statt. Bei niedrigem Wasser bleibt das Schiff mehrfach im Schlick stecken, bevor im Hafen festgemacht werden kann. Am folgenden Tag wird die Insel mit Fahrrädern und einem Tandem erkundet und das Museum besucht.

Am 16. Mai geht es weiter nach Sylt. Dabei herrscht stark wechselnder Wind mit 10 bis 24 Knoten. Während der Überfahrt reißt die Reffleine und beim Anlegen drückt eine Böe das Schiff so stark gegen das Kopfende des Stegs, dass an Steuerbord zwei tiefe lange Schrammen entstehen.

Hier endet der Besuch von Siggi, Claudia und André. Anschließend wird die Reffleine erneuert, der Mastrutscher repariert und eingekauft.

Am Samstag, den 18. Mai geht es von Sylt in Richtung Norden. Der morgendliche Nebel lichtet sich bald und trotz wechselndem Wind herrscht tolles Segelwetter. In Hvide Sande hilft ein holländischer Segler beim Anlegen. Matthias legt nach den anstrengenden, aber schönen vorangegangenen Tagen einen Hafentag ein, bei dem viel geschlafen wird, aber auch Wäsche gewaschen und der Segelgleiter repariert wird.

Am folgenden Tag Weiterfahrt nach Lemvig. Bei angenehmen 17°C und gesetzter Genua erreicht Matthias abends den Hafen mit einem gelungenen Anlegemanöver zwischen Pfählen. Die nächsten beiden Tage verbringt er im Hafen bei kaltem Wind und trübem Wetter und telefoniert abends mit mir und meinem Bruder Felix. Es wird schon wieder etwas wärmer.

Am 23. Mai Fahrt von Lemvig nach Thisted. Nach 8 Stunden, immer lebhafterem Wind und mehreren Brückendurchfahrten erreicht Matthias den Gästesteg des sauberen Yachtclubs.


Die letzte Reise

Geschrieben von Stefan Francke

Am 25. Mai, morgens um sechs, telefoniert Matthias mit seiner Frau Gerlinde. Beide waren schon früh wach und haben die Gelegenheit genutzt, sich zu unterhalten, während die meisten anderen Menschen noch schlafen. Um 8 Uhr morgens legt Matthias in Thisted ab, um nach Aalborg zu segeln, wo heute Abend ein großes Festival stattfinden wird.

Das Team der Seenotrettungsstation. (Foto: Jacob Dalgaard)

Am gleichen Tag wird in Lögstör die neue Seenotrettungsstation eingeweiht. Der Bürgermeister, der Leiter der Seenotrettungsstation Anders Poulsen und alle ehrenamtlichen Seenotretter von Lögstör sind dabei. Als der Bürgermeister feierlich das Band durchschneidet und die Flagge gehisst wird, fährt Matthias auf der bird of tuvalu im Sonnenschein, mit Wind von Achtern und gehisstem Vorsegel vorbei. Wie immer ist der Törn gut geplant, da 10 Minuten später die Aggersundbrücke geöffnet werden wird.

Nur wenige Minuten später beobachtet eine Anwohnerin, wie das Segelboot auf Grund läuft. Die Seenotretter Holger, Hans und Anders steigen sofort ins Rettungsboot. Als sie die bird of tuvalu erreichen, können sie leider nicht mehr helfen. Matthias‘ Herz hatte aufgehört zu schlagen.

Im Nachgang berichten einige der Anwesenden, darunter viele erfahrene Segler, dass das ein Ende ist, welches man sich als leidenschaftlicher Segler nicht besser wünschen könnte.

Wir sind tief traurig über den plötzlichen und unerwarteten Verlust unseres Ehemanns, Vaters und Opas. Gerne hätten wir noch viele weitere schöne Momente zusammen erlebt. Dennoch sind wir dankbar für die vielen gemeinsamen Jahre und zahlreichen schönen Erinnerungen, die uns für immer bleiben werden. In den Geschichten, die wir uns immer wieder erzählen werden, und in unseren Herzen wirst du immer weiterleben.