neuer Törnplan

Nächste Woche soll endlich mein Schiff wieder vollständig sein. Ich hab jetzt auch noch 4 Batterien ausgetauscht, damit ich unterwegs keine Überraschung wegen einer fehlenden Stromversorgung erleben muss. Außerdem hab ich noch ein paar Umstellungen beim Törn gemacht und die neuesten Anmeldungen eingetragen.Törn2014-7
Hier der link zum Ausdrucken: Törn 2014-7

Die Seeschwalbe im Wasser

Es ist geschafft – fast!
Zumindest schwimmt mein Vogel jetzt in der Elbe und hat einen Mast und ein Segel. Nicht ganz das, was ich mir für die letzten 3 Tage vorgenommen hatte.
Am Montag um 5 Uhr früh ging´s los mit U-Bahn, Zug, S-Bahn und schließlich mit dem Auto von Johanna zur Werft. Dort hab ich erst mal alles aufgeräumt und vorbereitet für den nächsten Tag, an dem das Schiff ins Wasser sollte. Nachdem während des Umbaus die Feder aus dem Konus des Ruderlagers abhanden gekommen war, musste nun noch schnell dieses winzige Eisenplättchen ersetzt werden, damit das Ruder sich nicht leer durchdreht und ich auch steuern kann wenn ich losfahre. Kein Problem – es ist ja ein netter Schlosser mit vielen flotten Sprüchen vor Ort.P1010900
Am Dienstag war Krantermin um 11 Uhr. Um 10 Uhr war das Plättchen noch nicht da, das Schiff stand schon vor der Werfthalle. Der Motorenbauer kam mit Helfer (bloß nicht aus den Augen lassen bei der Fehlerquote, die der produziert!) und hat alle Stauräume, die ich sorgsam geputzt und eingerichtet hatte – weil ja angeblich der Motorenbau fertig war – wieder ausgeräumt um zu prüfen, ob alle Leitungen und Durchgänge dicht sind. Dabei hat er „gebeichtet“, dass er am frisch lackierten Heckspiegel einige tiefer Kratzer hinterlassen hat (Neulackierung ca. 2500 €! Dauer 4-6 Wochen!) Um 11 Uhr ruckt es auf dem Schiff, der Transport beginnt – nicht! Die Feder am Lenkrad muss zum 4. Mal angepasst werden, jetzt mit vereinten Kräften von Motorbauer und Schlosser. 15 Min später geht’s endlich los. Transport zum Kran, anhängen, ins Wasser lassen und ein paar Meter verlegen, um den Motor in Betrieb zu nehmen.P1010907
Motor Läuft und alles ist dicht. Auch die Wasserkühlung geht, nachdem ich das Ventil aufgemacht hatte, das der Helfer vorher hätte öffnen sollen (quergestellt ist aber leider zu und nicht auf. Dafür waren alle Seeventile geöffnet). Auf meine Frage, ob nun auch der Boiler geheizt wird, werden auch die neu verlegten Leitungen hierfür überprüft – alles bleibt kalt. Warum ? Die Motorkühlung ist fast leer gelaufen, weil Sie erst mal die Leitungen zum Boiler gefüllt hat und dann nichts mehr da war. Dabei stellt sich so nebenbei heraus, dass die Backskiste nicht ausgesaugt wurde, als der Helfer ein viel zu großes Loch für eine Entlüftung in die Schiffswand gebohrt hatte. Munter blinken die Stahlspäne am Boden in der Sonne. Sie werden wohl bald rosten, da fallen sie nicht mehr so ins Auge. Der liebe Helfer hatte nun 4 Mal Kühlflüssigkeit im Motor nachzufüllen (insgesamt ca. 7 Liter!) bis es endlich funktionierte (Es gäbe dafür auch einen Nachfüll- und Ausgleichsbehälter). Nach einer ausführlichen Probefahrt –es geht alles erstaunlich gut – lege ich am Mastenkran an. Leider hatte die Werft vergessen, den Rigger, der den Mastsetzen sollte zu verständigen, so ist am Dienstag nichts mehr passiert. Zeit zum meditieren und den Sinn des Geldausgebens zu grübeln.
Mittwoch 9 Uhr: Der Rigger ist tatsächlich da und es geht alles super vorwärts: Mast steht, die Stagen und Wanten sind angeschlagen – bis auf das Vorstag! Der neue Bugbeschlag für den Anker ist zu eng und lässt eine Befestigung nicht zu! Leider ist der Schlosser heute ausnahmsweise nicht da und es ist wieder Ende. Mal sehen ob die morgen, wenn ich wieder zuhause bin, das selbst auf die Reihe kriegen. Versprochen haben Sie es, wie schon so vieles zuvor. Immerhin kann ich wieder alle Stauräume einräumen, Bug und Heckkabine erneut reinigen und einrichten und überhaupt ein bisschen innen und außen putzen. Morgen soll dann auch noch die Elektrik wieder eingerichtet werden, damit alle Anzeigen zuverlässig funktionieren. Auch die vom Motorenbauer abgerissenen Antennenkabel werden wieder gerichtet (das mit dem Elektriker hat bisher immer sehr gut funktioniert!).P1010923
Nun ist es doch noch eine Zitterpartie mit einem unzuverlässigen Schlosser bis zum 30.04. wenn ich ablegen will. Aber ich werde die Hoffnung nicht aufgeben! In 3 Wochen geht´s los!

Die Reise beginnt

Am 04.05.2014 verabschieden wir uns von Gerlinde und Luise, die mit dem Auto zurück nach Nürnberg/München fahren. Nun bin ich die nächsten 2 Wochen mit Felix alleine an Bord der bird of tuvalu. Wer das Chaos vor 3 Tagen gesehen hätte, wäre wohl nicht auf den Gedanken gekommen, dass es jemals soweit kommen könnte. Aber jetzt ist alles verstaut und geputzt, das Schiff ist aufgetakelt und alles funktioniert! Hier nochmals einen herzlichen Dank an Hanne und Uwe, die mich immer wieder so lieb aufgenommen haben, wenn ich am Schiff gearbeitet und die Handwerker angetrieben habe.

Elbphilharmonie

Elbphilharmonie


Nach einem kleinen Bogen um die Elbphilharmonie geht es mit der Tide elbabwärts nach Brunsbüttel in die Schleuse. Im Kanalhafen verbringen wir die erste Nacht. Am Montag geht es weiter mit Motor durch den Kanal nach Rendsburg. Zur Begrüßung fährt gleichzeitig mit der Schwebefähre ein Zug über die Brücke.
Schwebefähre Rendsburg

Schwebefähre Rendsburg

In Rendsburg treffen wir Herm Dieter, meinen Cousin, der mir sein Buch mit den phantastischen Fotos der Landschaften Schleswig- Holsteins mitbringt. Es ist sehr eindrucksvoll mit welchem Feuer er für seine Bilder lebt, trotz der unvorstellbaren Schicksalsschläge die ihn getroffen haben. Alles Gute Herm Dieter!NOK
Der Rest des Nord Ostsee Kanals ist bald hinter uns und wir kommen noch nach Laboe. Am Mittwoch ist dann wieder großes Programm. Zunächst ist der erste Service am Motor fällig, wofür Bußmann (genannt Methusalem, wegen der zahlreichen Arbeitsstunden, die er immer in Rechnung stellt)extra von Wedel anreist. Na ja ein bisschen Ausgleich für die zahlreichen Missgeschicke während des 11-monatigen !!!! Motoreinbaus ist ja auch dringend nötig! Am Nachmittag kann ich dann noch Uwe besuchen, der hier in Reha ist. Er macht gute Fortschritte und ist guten Mutes. Weiter so und viel Erfolg Uwe!
Am Donnerstag können wir mit schönem Wind nach Sönderborg segeln. Allerdings regnet es 4 Mal und einmal hagelt es sogar. regenDer Stadtrundgang fällt für mich recht kurz aus, weil mein Rücken bei jedem Schritt höllisch schmerzt. Über Middelfahrt und Ballen auf Samsoe geht es bei gleichem Sauwetter nach Aarhus, der zweitgrößten Stadt Dänemarks. Der einzige Vorteil ist, dass die Häfen alle leer sind und wir uns in Ruhe den Liegeplatz aussuchen können. Aarhus ist eine hübsche Kleinstadt (250 000 Einwohner) mit einer netten Fußgängerzone und einer Promenade am Fluss mit vielen Cafes (sicher idyllisch, wenn es mal mehr als 11 Grad hat!).Aarhus Ein großes Museum für moderne Kunst „Aros“ ist mit dem Tanztheater und der Musikschule um einen Park voller blühender Azaleen gruppiert. Das Quartier Latin erinnert mit seinen vielen Gaststätten und Cafes wirklich an den berühmten Namensbruder in Paris und ist voller Studenten. Das Hafenareal ist dagegen eher eine Großbaustelle für zahlreiche moderne Wohnungen. aarhus2Nach einem Tag Pause geht es am 14.05.weiter bei 11 Grad, einzelnen Regenschauern und 4 bfts west bzw. NO Wind (je nach Wetterbericht).
Bei relativ schönem Wetter – ziemlich kalt und nur ein Regenschauer – sind wir heute nach Grenaa gesegelt. 3 bfts raumer Wind (also SW). Hier scheint die Sonne und wir entspannen für den Törn ins Kattegat.

Kattegat und Skagerrak

Bei schönem Wetter (trocken und leicht bewölkt) segeln wir von Aarhus nach Grenaa an der Ostküste von Jütland. Unser dritter Angelversuch scheitert wieder und wir holen die lange Schnur wieder ein, denn die letzten Meilen müssen wir mir Motor hinter uns bringen. Der Hafen ist fast leer, aber die Hafengebühr muss trotzdem bezahlt werden. Das sind hier in Dänemark immer so 20-25 €. Für die nächsten Tage haben wir gute Wetterprognosen (diesmal dänische, die wesentlich zutreffender sind). So geht es am Donnerstag an einem großen Windfeld mit 111 Windrädern vorbei auf die Insel Anholt. Anholt

Windräder
Leider hat der Laden geschlossen, das Restaurant ist verkauft und öffnet erst nächste Woche wieder und sonst ist auch nichts los. Selbst im Vogelschutzgebiet in dem angeblich so viele Vögel zu sehen sind schwimmen nur ein paar Möwen auf der Lagune herum.
Auf dem Weg zur Insel Laesoe können wir endlich einmal 4 Stunden wunderschön bei Sonne und 3 bfts Wind segeln. Man merkt dem Hafen schon an, wie exponiert er im Kattegat liegt, denn wir müssen im Zick-Zack durch die riesigen Hafenmolen in den hintersten Winkel fahren um zum Liegeplatz zu kommen. Auch hat die Saison noch nicht begonnen. Trotzdem ist wenigstens der Laden geöffnet und wir kriegen ein schönes Abendessen (Fischfilet mit Gemüse) im Hafenrestaurant.Laesoe
Am Samstag 17.05. überqueren wir den 2. Teil des Kattegat Richtung Göteborg. Der Versuch, den wenigen Wind mit Spinnacker zu nutzen misslingt, denn als ich alles fertig vorbereitet hatte, war auch der Wind fertig und wir mussten wieder mit Motor weiterfahren. Nach 20 Minuten war dann auch der Spi eingeräumt, die Schoten aufgeschossen und alles wieder wie vorher. Bei der Einfahrt in den Göta Älv kommen wir unter einer Brücke durch über die unzählige Menschen laufen. Wir sehen sie dann am Hafen wieder, denn heute findet hier der größte Halbmarathon der Welt statt. Im Hafen ist alles wie letztes Mal: Toiletten und Duschen brauchbar (beim Eintreten ertönt jedes Mal ein „herzlich Willkommen“), die Leute freundlich und das Wetter sommerlich warm. Am Sonntag kann ich meine ganze Wäsche waschen und Felix organisiert seine Heimreise. GöteborgAm Montag kommt Volker an Bord und bringt gleich ein bisschen heimische Verpflegung mit (Schinken und Wein). Wir fahren gleich noch zum Tanken auf die Insel Björkö, denn in der Nähe von Göteborg gibt es keine Tankstellen für Freizeitboote. Seit Hamburg haben wir mit 220 l Diesel fast die ganze Tankfüllung verbraucht.
Am Dienstag können wir wieder 35 Meilen bei idealen Bedingungen nach Skagen segeln – einfach traumhaft. Vor Skagen liegen große Frachter und Tanker auf Reede, die wohl auf Arbeit warten. Im Hafen sind Fischtrawler und kleinere Fischerboote. Der Hafenmeist ist automatisiert (d.h. nur ein Kartenautomat bei dem man einzahlen muss). Dafür ist keiner da um sich zu beschweren, dass die Toiletten von 20:00 Uhr bis 10:00 Uhr geschlossen sind. In einer der vielen Fischbuden am Hafen gönnen wir uns einen Krabben-, Garnelen- Hummerteller (das bisschen, das an den berühmten kleinen Ostseehummern dran ist, schmeckt wirklich lecker).Skagen
Am Mittwoch folgt der lange Schlag über das Skagerrak. Die Wetterprognosen sagen einen leichten Wind aus SO voraus. Nach dem Runden der äußeren Skagentonne versuchen wir wieder eine Spinnackerfahrt. SpiEs gelingt auch ganz gut, aber nach zwei Stunden brechen wir doch ab, denn wir sind zu langsam um heute noch nach Norwegen zu kommen. Mit Motor düsen wir dann den Rest (70 Meilen) nach Norwegen, wo wir um 9:00 Uhr in Grimstad ankommen. Auch hier alle Einrichtungen geschlossen: die Saison beginnt erst am 1.Juni!Grimstad

Nach Stavanger und Leirvik

Am Donnerstag bleiben wir zur Erholung noch in Grimstad und holen in einem tollen Fischladen zwei Scheiben Teufelsfisch, den ich mit einer veredelten Tomatensauce mache. Lecker! (Leider wieder vergessen zu fotografieren) Grimstad ist ein kleiner verschlafener Ort, hat aber auch einen ganz netten Kern.Grimstad2
Frisch gestärkt aber ohne Wind geht es am nächsten Tag nach Kristiansand. Mit vielen Stopps, um mein Bein ausruhen zu lassen, das beim Gehen immer noch heftig schmerzt, laufen wir eine Runde zum neuen Schwimmbad und durch das alte Holzhausviertel.Kristiansand
Auf dem Weg nach Mandal ist erst mal kein Wind oder genau gegenan, sodass wir schon wieder den Motor einsetzen müssen. Auf dem manchmal sehr engen Weg durch die Schären lasse ich mich durch einen unklaren Karteneintrag täuschen und fahre an der falschen Seite der Markierungsstange vorbei. Rumms – poltert der Kiel auf die Steine und dann nochmal und nochmal. Ich hatte zum Glück schon aus Vorsicht schon fast keine Fahrt mehr, so ist hoffentlich nicht viel passiert.Schären Am Schluss ist aber dann doch noch ein bisschen Wind aufgekommen und wir können noch 1,5 Stunden lang Wenden üben. Gar nicht so einfach mit 58 m² Genua! In Mandal ist jetzt die neue Fußgängerbrücke zum Kulturzentrum am anderen Ufer fertig. Kurz vorher legen wir an der Kaimauer an.Mandal
Auf der Fahrt nach Farsund ist endlich mal richtiger Wind. Bei 4-5 bftssegeln wir mit 2 Reffs im Groß und gereffter Genua zwei lange Schläge aufs Meer und wieder zurück in die Schären. Beim dritten Schlag kommen wir nach Farsund, das genauso verschlafen ist wie die anderen Orte.Farsund Volker macht ein Thairestaurant ausfindig, das auch noch ganz gutes und bezahlbares Essen macht. So können wir uns das Kochen Sparen. Der Montag ist Hafentag, denn der Wind kommt genau entgegen und das mit 5 bfts.
Heute ist Dienstag und Starkwind angesagt: 6-7 bfts aus Osten. Der sollte uns nun flott nach Egersund bringen.Flatholmen Nur mit Genua segeln wir bei 3-2 bfts auf den Starkwind aber er kommt nicht. Nach 6 Stunden schläft er dann ganz ein und wir müssen die letzte halbe Stunde noch mit Motor in den Sund fahren.Egersund
Auf der Fahrt nach Tanager läuft der Motor die ganze Zeit und die Nordsee sieht aus wie der Chiemsee bei Flaute. Volker organisiert bei einem Fischer zwei ganze Schellfische. Ich säble vier Filets runter (gelingt auch ganz gut) und wir futtern uns satt. Für die Fische brauch ich beide Pfannen, dazu gibt´s Senfsauce, Reis und Tomatensalat – und das alles auf zwei Kochplatten! Leider wieder kein Foto gemacht, aber das nächste Mal denk ich dran.
An Himmelfahrt geht’s (mit Motor) auf die Insel Kvitsöy, dieberühmt für ihre Hummerzucht ist. KvitsöyLeider gibt es kein einziges Restaurant , nicht mal ein Cafe ist da. Die moderne Seeaufsichtsstelle überwacht von hier die halbe Nordsee, aber sonst sind nur die Sommerhäuser der Stavanger auf der Insel verteilt. Romantisch, aber auch ein bisschen langweilig.Kvitsöy2
Am Freitag verlassen wir Kvitsöy und kämpfen zunächst mit 5-6 bfts und einer unangenehmen steilen Welle. Seltsam war, dass alle Wellen gleich hoch waren, aber sich plötzlich ein tiefes Loch zwischen zwei Wellen auftat, das das Schiff völlig aus dem Kurs warf und abbremste. Nach einer Stunde waren wir dann aber aus dem Schlauch zwischen den Inseln raus und es war wieder alles normal: Welle und 5 bfts, langsam auf 4 bfts abnehmend. Im Helgöysund haben wir dann im Päckchen festmachen müssen, weil die Stavanger das lange sonnige Wochenende auf den Inseln genießen.
Am Samstag können wir nach Stavanger segeln. Der wind nimmt langsam von 2 bfts auf 3 bfts zu und bläst direkt in den alten Hafen. Der neue Yachthafen ist mit kleinen Motorbooten zugeparkt und wir fahren 2 Mal hin und her bis wir einen Platz am Ponton finden. Bei dem Wellengang schwankt der heftig auf und nieder und ich mache das Boot mit 6 langen Leinen fest. Leider hat das immer noch nicht gereicht und das Auge am Bug reißt aus – immerhin 25 mm Aluguss! Mist. Am Sonntag ist wieder Hafentag mit Saubermachen und Aufräumen. Rings um den Hafen ist großer Volksauflauf, denn hier ist 5 Tage lang die Tour des Fjords, ein Fahrradrennen. Immer wieder fliegt der Hubschrauber über den Hafen und ich kann uns auf der Großbildleinwand sehen (die Radler natürlich auch). radrennenDie Queen Mary 2 hat auch noch angelegt. Natürlich mussten wieder einige deutsche Touris ihr Insiderwissen loswerden und haben ein „Hummel Hummel“ herübergerufen. Wir haben dann halt „Güß Gott“ gesagt. Da waren Sie etwas verwirrt. Volker fliegt am Montag nach Göteborg zurück und wir sind beide etwas traurig, denn die letzten 2 Wochen sind wirklich wunderschön gewesen. Im kleinen Hafen sind jetzt keine Freizeitboote mehr, dafür in der Hafeneinfahrt 3 Kreuzfahrer – blos weg! Stavanger3Unterwegs kommt mir dann noch so eine Aida irgendwas entgegen. Wo die wohl noch Platz finden soll?
Es ist gemütliches Kaffesegeln bei 8-12 kn Wind von achtern. Die Windsteueranlage schafft das auch ganz gut. Ich muss nur alle halbe Stunde etwas korrigieren (und natürlich aufpassen, dass ich nicht auf einen Felsen laufe, die hier so unmotiviert überall auftauchen. Um 17:00 Uhr laufe ich dann in Kopervig ein, einem ziemlichen Verhau aus alten und neueren Häusern. Dazwischen viele leere und verkommene.Kopervig Am Abend entschließe ich mich, dem Problem mit dem Dieselgeruch auf den Grund zu gehen. Bis um 11 Uhr zerlege ich die Sitzbank und den Schrank dahinter und siehe da! Die Tankentlüftung ist hier auseinander gefallen! Wie sie jemals zusammen war ist mir schleierhaft, denn die herumliegenden Teile sind einfach 8 cm zu kurz um zusammen zu kommen.Tank Am Dienstag morgen bekomme ich erst mal einen Tipp von einem jungen Mann, der am Steg baden war: erst mal ins frische Wasser tauchen, dann ein paar Kräuterblätter nehmen und an der Nasenwurzel reiben – dabei soll man in die Sonne schauen und den Tag begrüßen – und schließlich die Kräuter aufessen. Hab ich gleich mitgemacht (außer dem Baden natürlich -12 °C). Nun bin ich von Handwerker 1 zu 2 dann zu 3 und der hat schließlich in seiner Krabbelkiste noch ein Stück Dieselschlauch gefunden, das 10 cm länger war als meines. Nun muss es nur noch eingebaut werden, alles sauber gemacht und zusammengebaut werden. Dann kann ich die Schränke wieder einräumen und fertig.
Um 11 Uhr ist alles geschafft und ich ziehe wieder los. LeuchtfeuerOhne Wind mit Motor geht es bei T-shirt-Wärme nach Haugesund (es ist wieder Filmfestival) und weiter nach Mosterhamn. Hier ist der „Hund begraben“, also nix los und niemand zu sehen. Nachdem gerade der Wind kommen will, fahre ich wieder hinaus in den Fjord und weiter nach Leirvik. Hier geht es richtig rund! Eine Opti Regatta im Hafen, viele Segelboote in der Bucht, einige Motorboote, der Rettungskreuzer und zwei Schnellfähren, die hintereinander durch das Getümmel in den Hafen brausen. Ich schaff es trotzdem heil bis zum Anlegesteg und muss feststellen, dass dies mit Abstand der teuerste Hafen ist. Allerdings alle Extras kostenlos. So wasche ich erst mal 3 Maschinen Wäsche. Die 3 Trockner, die ich damit belege, brauchen allerdings so lange, dass die Bude jetzt abgesperrt ist. Morgen um 9 Uhr geht es also weiter.

nach Bergen

Die Wäsche war am Morgen tatsächlich trocken zum wegräumen! FrühstückDer Wetterbericht sagt leider Regen voraus und keinen Wind. Ich schaffe es am Nachmittag noch nach Rosendal, am Eingang zum Hardangerfjord. Die Baroniet hat ihren Rosengarten mal wieder zu gemacht, so trinke ich meinen Kaffee in einen Straßencafé mit Bäckerei. Die Auswahl ist nicht groß, ich gönne mir das aufwändigste Kuchenstück des Ladens: ein Hefekringel mit einem Kleks Quark (sowas Gelbes halt) in der Mitte und einen Rand aus Kokosflocken. Abends um 11:00 Uhr sehe ich dann bei einem schönen Abendhimmel das schöne Wetter davonziehen.um 22 Uhr
Am Donnerstag geht es dann durch den Lokksund nach Vaage auf der Insel Tysnes. Unterwegs kommt der Wind aus allen Richtungen zwischen 2 und 7 kn – also wieder kein Segeln! Der Ort ist eigentlich nur ein Fähranleger mit ein paar Häusern 2 Supermärkte und ein Restaurant. Da ich aber nicht allein im Restaurant sitzen wollte – sonst ist ja weit und breit niemand zu sehen – hab ich mir wieder selbst was gekocht (nicht erwähnenswert).Vaagen
Am Freitag wieder ohne Wind, dafür mit schönem feinen Nieselregen. Erst wollt ich einen anderen Hafen anlaufen aber da war alles mit Privatanlegern voll, so bin ich eben wieder nach Hjellestad weitergefahren. Der Hafen ist inzwischen unverschämt teuer geworden. Fast 40 € fürs anlegen an einem vermüllten Steg. Die einzige Toilette liegt voll Papier und ist sicher seit Wochen nicht gereinigt worden. Jeder, der hier mit seinem kleinen Motorboot angerauscht kommt (Vollgas bis zum Steg natürlich – Männlein will ja die Mädels beeindrucken!) schmeißt die Dose oder Frittentüte dort in die Gegend wo sie gerade ausgenuckelt ist – cool sowas. Nachdem keiner die Hafengebühr wollte bin ich am Samstag nach Bergen weiter.
Die ganze Stadt ist voller Leben, der Hafen voll, aber ich krieg noch ein Plätzchen. bergenEin paar Jungs haben dann gebeten anlegen zu dürfen und es stellt sich heraus, dass sie heute abend ihren Semesterabschluss feiern. Am Schluss waren es dann 3 Boote. Die an mir hingen und die auch noch jede Menge Besuch von den Semesterkollegen bekamen. Jedenfalls ging das Bier bis morgens um 4 Uhr nicht aus und die Gesprächsthemen auch nicht. Na ja, ich hatte ja die Nächte vorher gut geschlafen. Am Abend hatte ich mit übrigens noch2 Krabbenbeine (Kings Crab) geleistet und mit meinem Reisrest verzehrt. Sehr lecker!
Vom Nachbarschiff hab ich noch ein paar Tipps bekommen, wo ich in Schottland unbedingt hinsegeln soll. Das waren 3 Engländer, die gerade von den Shetlands herüber gekommen waren. AusrüstungsschiffBesuch hatte ich gerade noch von Matt, der für die Coastguard die Norwegische Küste überwacht. Er hat sich sehr für meine Pläne und das Schiff interessiert. Ich glaube, er wird ein Auge auf mich haben auf der Weiterfahrt. Heute Abend kommt Yannick an Bord. Mal sehen wie´s dann weitergeht. Der Wetterbericht sagt noch nichts eindeutiges.

von Bergen nach Inverness

Bergen liegt nun schon 10 Tage zurück und ich muss endlich wieder berichten.
Yannick ist eingetroffen, ein Schüler aus Freiburg, der mich im Internet gefunden hatte und nach einigen missglückten Versuchen auf anderen Schiffen nun einen Törn machen wollte, der nicht am 2. Tag abgebrochen werden muss. Na, ich werde mein bestes tun!Blomvaag
Auf Empfehlung eines Norwegers fahren wir erst mal nach Blomsvaag auf eine Insel mit direktem Ausgang in die Nordsee. Tatsächlich gibt es ein kleines Hotel und einen Anleger, an dem wir festmachen können. Abends essen wir das Einheitsmenü, dass für die Arbeiter und Ingenieure gemacht wird, die gerade draußen auf See eine Leitung verlegen: Fleischbällchen mit Kartoffeln und Erbsen.
Am Mittwoch morgen geht’s dann richtig los. NordseeGeplant ist in einer leichten Kurve Richtung SW auf W nach ca. 30 Std (also ca. 14:00 Uhr) in Lerwick auf den Shetlands einzulaufen. Leider hat der Wind da nicht ganz mitgemacht. Erst kam er zwar noch aus der richtigen Richtung, aber mit 2bfts statt mit den angekündigten 4-5 bfts. Wir sind also schön dahingesegelt, aber leider nur halb so schnell wie geplant. Bei Einbruch der Nacht (also ca 23:00) hatte der Wind zwar zugelegt aber auch gedreht, sodass wir nun viel zu weit nördlich zwischen die Ölfelder kamen. ÖlplattformDann mussten wir noch weiter nördlich ausweichen, da gerade seismografische Untersuchungen gemacht wurden, die wir nicht stören durften. Nachdem wir das alles hinter uns hatten und wieder auf Kurs nach SW gehen konnten, hat es zu regnen angefangen und der Wind frischte auf bis auf 7bfts. Dazu kam eine immer stärkere Kreuzsee. Das sind Wellenzwischen 1,5 und 2,5 m , die meist von links kommen, jede 3. allerdings von rechts (manchmal auch mehrere). Wenn sie sich dann vor dem Boot vereingen, verschwinden sie manchmal einfach, meist aber türmen sie sich auf und waschen das Vorschiff (und den Rudergänger). Dabei wird das Boot um 90 Grad auf die Seite geworfen und muss erstmal wieder auf Kurs gebracht werden. Ganz selten läuft die vereinigte Welle aber auch in die entgegen gesetzte Richtung mit dem Boot mit und man hat für 3 sec. richtige Entspannung.
Mit dem Morgengrauen hat der Wind und der Regen dann etwas nachgelassen. Wir mussten aber den ganzen Tag weiterhin mit Motor gegen den Wind und die Wellenfahren – mühsam! Um 18:00 Uhr hatte der Wind etwas weiter gedreht, sodass wir wieder segeln konnten. Es war auch höchste Zeit, denn der Tank stand schon auf Reserve. Das Segeln wird immer angenehmer –Wellen und Windrichtung immer besser, aber in der Bucht vor Lerwick schläft der Wind wieder ganz ein. So fahren wir mit den letzten 3 L Diesel um 1:00 Uhr nachts in den Hafen und legen uns als 4. Boot an eine andere Yacht. Gutes Manöver – die Nachbarn sind nicht aufgewacht und haben nichts bemerkt!Lerwick
Den Rest des Tages haben wir geschlafen und uns erholt. Immerhin waren wir 42 Std unterwegs gewesen. Lerwick, die Hauptstadt der Shetland ist ein ganz nettes Städtchen, bei den grauen Wolken allerdings etwas triste, denn alle Häuser sind aus grauen Steinquadern oder grau verputzt. Wir genießen unser erstes Bier in einem Pub (kostet hier nur 3,80 € für ein pint).
Am Samstag machen wir noch einen Hafentag, d.h. jeder macht sein Programm, weil ich leider wegen meinem Bein immer noch nicht so fit bin. Ich fahre in den Süden der Insel. Dort gibt es eine Ausgrabungsstätte bei der eine der ersten Ansiedlungen auf den Shetlands gefunden wurde und man dann die folgenden Jahrtausende der Hausbauentwicklung ablesen konnte. Sehr interessant! Die ältesten Funde sind 4.000 Jahre alt. Die Häuser bestehen aus lauter kleinen Kammern um eine zentrale Feuerstelle. Die Kammern aus aufgeschichteten Steinen sind so klein dass ich mich höchstens zusammengerollt hineinlegen könnte. Später sind dann dieselben Häuser etwas größer gebaut worden und hatten außen ein doppelte Mauer wo man im Zwischenraum hochgehen konnte.Jarlshof
Ein 1,5 km langer Küstenweg führt von der Ausgrabung zur Inselspitze mit einem Leuchtturm und einigen Vogelfelsen. Über Schafsweiden und eine Rinderweide (beware oft he Bull!) geht es beeindruckend am Klippenrand entlang. Und endlich, da sind sie meine Lieblinge: die Puffins oder Papageientaucher. Ich nehme mir viel Zeit , um ihnen nachzustellen, aber sie sind auch ganz zutraulich. Puffin2PuffinEin schottischer Literaturlehrer spricht mich an und bringt mich schließlich zurück nach Lerwick. Er redet ununterbrochen (1 Std lang) über wichtige schottische Schriftsteller, die ich alle noch nicht gehört habe und den Krieg, den „shetland bus“ eine Spionageaktion mit Norwegen.
Am Sonntag geht es weiter über Fair Isle wo wir kurz anlegen um zu Übernachten. Es gibt da eigentlich nur eine Vogelbeobachtungsstation in die es auch 4 oder 5 Vogeltouristen verschlagen hat und einen guten Hafen der allerdings einen Tidenhub von 2,40 m hat. Das einzige Schiff der Insel ist vorsichthalber in eine extra herausgesprengt Felsnische gezogen worden, wo es vor den Stürmen sicher ist. Im Hafen werden wir gleich von 2 neugierigen Seehunden umschwommen, die sich aber vor dem Fotografieren wieder verdrücken.fair isle
Am Montag erreichen wir Kirckwall auf den Orkney Inseln. Sie sind berüchtigt für die wilden Strömungen, die um die Inseln entstehen. Wir merken, dass sich das ausführliche Studium der Strom und Tidentabellen lohnt. Ich brauche für die Berechnungen fast ein Stunde bis ich den richtigen Törnplan zusammen habe. So fahren wir mit bis zu 10 kn Geschwindigkeit durch die Inseln zum Hafen, im schlechtesten Fall wären es nur 2 kn gewesen. Wir schauen uns die verfallene Bischofsresidenz an, der hier mit dem Grafen in ständigem Konflikt war.Kirkwall Sonst gibt es nur die üblichen grauen Häuser, grauen Himmel etc.
Für die Überfahrt über den berüchtigten Pentland Firth ist wieder rechnen angesagt, Jetzt kommt noch das Wetter hinzu. Ab 12 Uhr wird es nämlich auf den Orkneys ungemütlich mit 18 kn und mehr und in Wick wird der starke Wind erst um 15 Uhr eintreten. Wir legen um 7:00 Uhr ab und es klappt alles wunderbar. So haben wir einen tollen Segeltag, die Wirbel und Strudel sind überall zu sehen, aber so schwach, dass wir sie gelassen beobachten können. Um 15:15 sind wir in Wick in Nordschottland. Abends gönne ich uns ein schönes Abendessen in einem französischen Lokal am Fluss. wickHier möchte ich mich auch herzlich für die vielen Geburtstagsgrüße bedanken, die ich (wenn das internet nicht gerade zusammengebrochen ist) von euch bekommen habe. Hab mich wirklich riesig gefreut!

Am Donnerstag folgt wieder ein Hafentag, denn es ist Wind mit 5 bfts in Böen bis 7 bfts angesagt.Wick2 Wir nutzen den Tag für den Besuch einer Whiskydestillerie. Ich hab bei der flotten Führung nur die Hälfte verstanden, aber der Whisky ist gut. PulteneyWick war eine blühende Handelsstad mit Heringshandel und Whisky (das Silber und Gold der Händler). Manchmal waren bis zu 1.000 Schiffe im Hafen und die ganze Stadt war beschäftigt, den Heringsfang zu sortieren und in Fässern einzusalzen. Heute gibt es nur noch 4 kleine Fischerboote, die meist Krebse oder Hummer fangen.
Am Freitag geht es nach Inverness – immerhin auch 70 Meilen. Da Yannick seinen Zug erreihen muss legen wir schon um 6:00 Uhr ab.Abfahrt Kirkwall Wir können meist schön segeln. Zweimal setzt de Wind ganz aus , aber nach 10 bzw 20 min Fahrt mit Motor kommt er doch wieder und es geht weiter. Auch da ist er sehr böig zwischen 4 und 15 kn stark. Da muss man ganz schön aufmerksam segeln und ist dauernd am Segel nachstellen, um den Kurs zu halten. Um 17:15 Uhr legen wir in Inverness an und Yannick hat genug Zeit den Zug zu erreichen. Leider können wir nicht mehr tanken, denn es ist keiner mehr da. So warte ich bis zum nächsten Tag, an dem ich erst tanke (68l für 123 € ganz schön teuer hier in England) und dann auf einen schönen Liegeplatz wechsle, wo ich die nächsten 10 Tage bleiben werde.inverness1inverness2 Jetzt hab ich erst mal 3 Waschmaschinen Wäsche zu waschen alles zu putzen und aufzuräumen. Am Montag werden noch ein paar Reparaturen gemacht und dann geht’s für eine Woche nach hause.
Und hier gehts dann weiter:

great glen

der Caledonean Canal und Westschottland bis Belfast

Am 30.07. sind wir zu dritt (jetzt sind Gerlinde und Maritta für eine Woche dabei) in Inverness angekommen und haben das Boot wieder besetzt. Alle Arbeiten, die ich in Auftrag gegeben hatte waren sauber erledigt, so ist nun alles wieder in Ordnung. Ich habe sogar einen neuen Lederbezug auf dem Steuerrad.sealock

Am 1. Juli geht es erst mal in das Sea Lock, die erste Schleuse,die den Kanal vom Tidenhub der Nordsee trennt. Dort kann man bei Niedrigwasser 4 Stunden nicht einfahren aberwir kommen morgens um 8:00 Uhr gut rein. Während das Schiff in der Schleuse eingesperrt ist, werden alle Formalitäten erledigt und es sind 216 Pfund für den Kanal fällig (knapp 280 €).dann geht es durch eine Brücke in 4 Schleusen hintereinander, bis wir endlich im eigentlichen Kanal sind. Bis zum Ende werden noch 25 weitere folgen! Gerlinde und Maritta wandern das erste Stück am Kanal entlang, während ich langsam weiterfahre. In Dochgarroch, am Eingang zu Loch Ness treffen wir uns wieder. Der erste Tag war zwar nicht weit, aber doch recht spannend.kanal

Am 2.7 sind wir zunächst zur Ruine von Urchart im Loch Ness gefahren, einem für die Schotten sehr geschichtsträchtigen Ort mit vielen Bustouristen aber keinem Anleger für Schiffe. Ich hab trotzdem am Anleger für die Sightseeing Boote kurz festgemacht, damit „the ladies“ zum Weiterwandern aussteigen konnten. Es war auch ziemlich flach und ich war froh, dass ich nicht an die Steine, die am Boden zu sehen waren, gekommen bin. Der Rest des Tages war für die Beiden ein Marsch durch die Wälder und für mich ein Kampf gegen 28 kn Wind (Eine Yacht hat sogar 40 kn gemessen) und etwas Regen. Am Abend waren wir dann wieder zusammen in Fort Augustus und haben das bei schottischem Essen gefeiert (Haggis mit Steckrüben und Pommes-ein bisschen trocken so ohne Soße).Urchart haggis

Am nächsten Tag ging es erst mal 4 Schleusenstufen hoch, durch einige Brücken und zwei weitere Schleusen zum Loch Oich, dem höchsten und kleinsten See der Reise, den die beiden wieder umwanderten. Die Nacht verbrachten wir vor der Schleuse in Laggan.gairlochy kuh

Der 4. Tag war leider vollständig verregnet. Die beiden Mädels sind trotzdem tapfer um den ganzen See Loch Lochy (er heißt wirklich so) gewandert, während ich durch den dichten Regen und wieder gegen den Wind nach Gairlochy gefahren bin. Dort haben sich alle „trocken gelegt“. Als es dann irgendwann aufgehört hat zu regnen, sind wir gemeinsam weitergefahren nach Banavie Top, dem letzten Anleger vor der Westküste Schottlands. Von dort haben wir noch einen Ausflug nach Fort Williams gemacht, einem netten kleinen Städtchen.LochLochy

Der 5. Tag war erst mal wieder ein Schleusentag. In zwei Stunden sind wir durch Neptuns Staircase (8 Schleusen hintereinander, eine Straßenbrücke, eine Eisenbahnbrücke, eine Doppelschleuse und die Seeschleuse gefahren. Dann war zwar kein Regen (meistens jedenfalls) aber auch kein Wind mehr und wir sind wieder unter Motor nach Oban gefahren.neptuns staicase

Am 06.07 haben wir erst mal den Ort und die Whisky Destillerie angeschaut. Da uns der Whisky nicht so besonders geschmeckt hat, haben wir auch keinen gekauft. Mittags gab es frischen Fisch, bzw, Langustinen am Stand im Freien. Ja, es ist so warm und trocken, dass man gut draußen sitzen kann. Nach einem Kaffee und dem Einkauf im Supermarkt sind wir mit dem Bootchen wieder zurück zur Insel gefahren worden, wo wir auf die beiden nächsten Mitsegler gewartet haben. Matt und Lisa kamen schließlich gut an und wir haben zusammen im Yachthafenrestaurant Gerlindes Geburtstag gefeiert.oban

Am 07.07. sind Gerlinde und Maritta um 7:30 Uhr aufgebrochen zur Reise nach Edinburgh, wo der Flieger nach München am Abend abging. Wir, also ich mit Matt und Lisa sind am Nachmittag noch weiter nach Tobermory auf der Isle of Mull.leuchtturm Der Ort liegt schön in einer Bucht, durch eine kleine Insel davor gut geschützt, aber übervoll mit Urlaubern. Trotzdem haben wir einen Platz am Steg gefunden, der für unseren Tiefgang gerade noch ausreichend war. Abends gab es Seafood im Restaurant am Hafen.tobermory

Der nächste Tag hat gleich mit Regen angefangen. Nach 2 Stunden hat es aber aufgehört und schließlich hat auch ein Wind eingesetzt, den wir brauchen konnten. Bei immer schönerem Wetter ging es um die Isle of Mull herum wieder nach Süden zur Insel Staffa. Dort gibt es ganz eindrucksvolle Basaltsäulen zu bewundern, die wir vom Wasser aus ganz gut sehen konnten. Wegen der vielen Felsen unter Wasser konnten wir aber nicht anlegen. Das geht nur für die flachen Ausflugsboote die hierher kommen.staffa1 staffa2 In strahlendem Sonnenschein sind wir dann nach Süden bis auf die Insel Colonsay weiter gesegelt.colonsay Da gibt es nur zwei Anlegeplätze am hohen Kai des Fähranlegers, die aber schon besetzt waren. Wir konnten als 2. Schiff ins Päckchen gehen. Später kam dann noch ein drittes, sodass wir, wie die vor uns zu dritt nebeneinanderlagen und in der Nacht gemeinsam mit der Tide 3 m hoch und wieder runter wanderten. Soweit ging alles gut, bis die beiden äußeren am nächsten Tag ablegen wollten und mit ihrem Gestänge überall an den Nachbarbooten hängen geblieben sind. Na ja, bei uns ist nichts kaputt gegangen.

Wir sind dann auch weiter  auf die Insel Islay, die für ihre Whisky Brennereien bekannt ist. Vorsichtshalber haben wir dafür einen Hafentag eingeplant, den wir auch gebraucht haben.port ellen lagavulin Die erste Besichtigung war die Destillerie Lagavullin mit einer interessanten Führung und gutem Whisky. Während der Führung haben wir dann 2 Schweizer kennengelernt, die uns netterweise mit zurück nach Port Ellen genommen haben. Da meine beiden Mitsegler etwas geschwächelt haben, bin ich alleine weiter zur Destillerie Bruichladdich im Westen der Insel. Dort gibt es eine Riesenauswahl an Whiskys und ich konnte nicht widerstehen mir noch zwei zu kaufen (nachdem ich 5 probiert hatte). Einen davon durfte ich mir sogar selbst aus dem Fass abfüllen. Das dürfte jetzt für den Rest der Reise reichen. Abends haben Lisa und Matt einen Lachs gekauft und ein sehr gutes Abendessen gezaubert, mit Gemüse und Kartoffeln.

Der Strömungskalender hat uns am nächsten Tag gezwungen, schon um 6:30 aufzubrechen um nicht in die sehr heftigen Gegenströmungen vor Nordirland zu geraten. So waren wir schon um 12:00 Uhr auf der Insel Rathlin, die einen kleinen wenig besuchten Hafen hat. Ich bin dann mit einem Bus für 1 Pfund an beide Enden der Insel gefahren. Der Bus ist dabei fast in seine Einzelteile zerfallen und der Busfahrer hat dauernd in breitestem irischen Dialekt Witze erzählt, die ich nicht verstanden habe. Jedenfalls mußten die anderen Touris immer mal wieder lachen. Am einen Ende der Insel ist ein verfallenes Haus in dem früher Kelp gelagert wurde, das die Haupteinnahme der Inselbewohner bis 1920 war.rathlin Am anderen Ende der Insel sind einige Vogelfelsen, auf denen Basstölpel, Lummen, Papageientaucher und einige Seemöwen brüten. Leider kommt man nicht so nah ran, wie auf Helgoland. Aber es ist auch so recht interessant (und laut). VogelfelsenAm Abend haben Lisa und Matt wieder gekocht: Buntbarsch (vielleicht?) mit Kelpgemüse und eine Krebspaste. Alles aus dem kleinen Fischerladen vor dem Steg. Es war recht lecker und wir haben uns eine Flasche Wein dazu gegönnt.

Samstag, der 13.7. Wir haben uns entschlossen direkt nach Belfast zu fahren, da das Wetter immer schlechter wird und die nächsten Tage nicht mit einem segelbaren Wind zu rechnen ist. Diesmal haben wir schon um 6:00 Uhr abgelegt. Die Strömungsberechnung hat uns das so vorgegeben. Wir hatten nun für 45 sm den Strom mit uns, danach wechselt er und kommt mit bis zu 6 kn entgegen (ganz schön viel, wenn man bedenkt, dass wir unter Motor ca. 6,5 kn fahren). Schon an als wir die Südspitze der Insel umrunden treiben uns Strudel (squals und whirlpools) mit 12-14 kn voran, d.h. dass der Strom uns zeitweise mit 8 kn voranschiebt! Meine Berechnungen haben also wieder geklappt und wir kommen nach einer schnellen Fahrt entlang der Küste um 12:00 in Belfast an. Dort empfängt uns der riesige Prachtbau des Titanicmuseums. Dass man über 1 Mio Pfund ausgibt für ein schon lange gesunkenes Schiff (das hier gebaut wurde) erstaunt schon sehr. Morgen ist der Patriotenaufmarsch. Mal sehen ob wir davon was sehen.titanic

von Belfast über die Insel Man nach Dublin

Manche Beiträge entstehen erst ziemlich spät in der Nacht. Entschuldigt also bitte die vielen Fehler im letzten Artikel.parade

In Belfast hat es am 12.07., dem großen Feiertag der Protestanten erst mal geregnet. Die Parade ist deshalb um ein paar Stunden verschoben worden und wir konnten auch noch viel sehen. Eine Kapelle nach der anderen aus jeweils 10 Mann Vorhut, gefolgt von Fahnenträgern, ca. 20 Trommlern und 20 Querflötenspielern und ordengeschmückten Veteranen hinterher sind stundenlang durch die Stadt gezogen. Der Regen hatte die Gemüter wohl so sehr abgekühlt, dass die Nachrichten am nächsten Tag von den ruhigsten Umzügen und den wenigsten Verletzten seit Jahren sprachen. Am nächsten Tag sind Lisa und Matt zu ihrer Wanderung durch die irische Bergwelt aufgebrochen. Es hat uns allen viel Spaß gemacht und ich glaube, wir werden nochmal zusammen segeln.

Wieder war ein Waschtag zu erledigen, was in der tollen Marina wunderbar klappte. Übrigens mit riesigen Dusch und Waschräumen die bisher großartigste Einrichtung auf der ganzen Reise. Außerdem hab ich mit dem Fahrrad eine Rundfahrt durch die katholischen (alles ruhig und sauber) und die protestantischen Wohngebiete gemacht. Letzteres war ein Fehler, denn bei dem Slalomfahren durch die Glassplitter hab ich mir dann doch den Reifen zerschnitten und musste den ganzen Weg zum Boot zurückschieben (im Dauerregen). An den Grenzwänden zwischen den Wohngebieten sind große patriotische Wandgemälde angebracht und an Feiertagen wie gestern sind die Übergänge in den Mauern und Zäunen mit doppelten Toren geschlossen.Belfast1 Belfast2

Am 14.07 kam dann Hartmut an Bord. Er hatte sich ebenfalls übers Internet angemeldet und will mit seinen 73 Jahren nochmal die Irische See kennen lernen. Nachdem er erstmal die Pubs in Belfast bis ½ 1 Uhr besucht hatte, war er doch am nächsten Morgen schon um 6 Uhr rechtzeitig zum Frühstück und zur Abfahrt zur Stelle. Es ging nach Süden in den Strengford Lough nach Portaferry. Der Strom hat uns den Großteil der Fahrt ganz schön vorwärts getrieben und wir haben bei etwas Seitenwind und viel Strömung am Schwimmsteg festgemacht. Hartmut erste Frage nach dem Anlegeschluck war denn auch nach dem nächsten Pub. Das sollte auch für den Rest der Reise so bleiben. Wir sind dennoch mit der Fähre kurz auf die andere Seite des Sundes gefahren und haben das Städtchen Strengford besucht – also genauer gesagt nur ich, Hartmut hat den Pub besucht!Portaferry

Am nächsten Morgen war die Überfahrt nach Peel auf der Insel Man dran. Dort muss  man in einem relativ kurzen Zeitfenster bei Hochwasser einlaufen, weil sonst der Hafen geschlossen wird. Die Tide beträgt ca. 6 meter und 2,5 Meter müssen im Hafen bleiben. Dafür wird das Sillgate geschlossen, ein Schleusentor, das beim entsprechenden Wasserstand zugefahren wird. Das Wasser außerhalb läuft dann vollständig ab und steigt ein paar Stunden später wieder an. Wenn der Gleichstand wieder erreicht wird, geht das Tor wieder auf und man kann wieder durchfahren. Da ich die Berechnungen auf diese Zeit ausgerichtet hatte sind wir bei ablaufendem Wasser aus den Sund gefahren. Dabei hat uns der Strom mit 4 kn unterstützt. Einige Eddies, Squals und Whirls haben uns etwas herumgetrieben, aber dann kam der Ausgang ins offene Meer. Hier ist die Tide gerade quer zum auslaufenden Strom geflossen, unterstützt von einem kräftigen Südwind und dem Abbruch der Uferkante zum tiefen Wasser. All das hat zu heftigen Brechern geführt, die plötzlich auf 3-4 Meter Höhe anwuchsen. Ich hab uns da mit 8 kn Fahrt hindurchgesteuert. Ein anderes Schiff hätte diese Kreuzseen wohl nicht so ohne weiteres ausgehalten. Nach einer halben Stunde war der Spuk vorbei und wir hatten nur noch den starken Wind. Nur mit 2/3 Genua hat er uns mit 7 kn durch die irirsche See getrieben und pünktlich nach Peel gebracht, wo wir auch gleich in den Hafen einlaufen konnten, weil der Hafenmeister uns die kleine Fussgängerbrücke geöffnet hat. Puuh! Danach das Übliche: Anlegeschluck, Hartmut in die Kneipe, ich auf Besichtigungstour.sillgate peel peel

Peel hat eine recht interessante Burgruine und einen langen Sandstrand an dem auch einige gebadet haben. Das Städtchen ist auch ganz schön und am Ende gibt es noch eine Räucherei, wo ich ein paar frisch geräucherte Heringe erstanden habe. Außerdem hab ich mich an einen frischen Fisch in Tomatensauce gewagt. Ist auch ganz gut gelungen.

Am nächsten Tag fuhren wir unter Motor um die halbe Insel herum nach Douglas, der Hauptstadt von Man. Leider war überhaupt kein Wind und die See wie gebügelt. In Douglas sind wir zu spät angekommen und das Sillgate war schon zu. Wir mussten deshalb an einem kleinen Schwimmponton im Außenhafen festmachen und den Morgen abwarten, um einfahren zu können. In der Nacht hat es angefangen zu stürmen und der Ponton schaukelte wild auf und ab. Da das Schiff manchmal auch entgegengesetzt schaukelte, hat die Festmacherleine die Führungsöse glatt abgerissen. Schon wieder eine Reparatur.douglas

Morgens um 6 Uhr haben wir dann abgelegt und sind in den Jachthafen eingefahren. Ein bisschen eng wars schon, aber wir haben das Boot gut hineingezogen. Die Reparatur hab ich leider nicht organisieren können, weil es hier niemanden gibt, der Schiffsreparaturen durchführt, und das in einer Haupt-und Hafenstadt! Mit einer historischen Dampfbahn sind wir durch den Süden der Insel gedampft und haben uns noch Port St. Mary und Castletown angeschaut. Es geht leider etwas langsam mit Hartmut, sodass wir nur einen kurzen Blick in die kleinen Städte werfen konnten, bevor der Zug wieder weiterfuhr. In einem Pub haben wir dann das klassische englische Essen bekommen: Fish and chips (paniertes Goldbarschfilet mit Pommes und Majo).dampfbahn

Am nächsten Morgen gings um 7:15 Uhr durch die Brücke nach draußen. Kein Wind , flache See  und die ganze Strecke mit Motor nach Holyhead auf einer Insel an der Nordspitze von Wales wo wir im Yachthafen einen ruhigen Steg gefunden haben (natürlich mit einem Pub das Hartmut erstmal erkundete, bevor wir im Restaurant darüber zu Abend gegessen haben. holyhead

Am Sonntag den 20.07. hat uns das Tuten von Nebelhörnern geweckt: Sicht knapp 100 Meter. Mit der Hoffnung auf Besserung haben wir bis 10:00 Uhr gewartet bis zum Auslaufen. Im Yachtclub hat mich Antoine angesprochen wegen einer Überfahrt nach Irland. Nachdem sowieso kein Wind war und wir den ganzen Weg wieder mit Motor zurücklegen mussten, nehmen wir ihn und seine Freundin Avery aus Malaysa mit. Es war ein tolles Abenteuer für sie und einen nette Unterhaltung für uns. Antoine kommt von der Insel Reunion und ist seit seinem Abschluss 2010 auf Reisen. Seit einem Jahr ist Avery dabei und sie versuchen mit wenig Geld und kleinen Arbeiten durch die Länder zu ziehen. Nach 10 Stunden gehen sie in Malahide von Bord.malahide

Am Sonntag fahren wir schließlich – wieder ohne Wind  – um die Ecke nach Dublin in den letzten Hafen vor der Stadt. vogelfelsen2Dublin ist eine sehr bunte Stadt. Es gibt zu Hartmuts Freude ganze Stadtviertel, die fast nur aus Pubs bestehen!pubs Moderne Viertel in denen die IT Branche zuhause ist ebenso wie einen ganzen Stadtteil für die große Triniti Universität. triniti collegescientistDort ist in der Bibliothek das weltberühmte Book of Kells aus dem 8.Jahrhundert zu sehen. Einen weiteren Stadtteil beansprucht die Guinness Brauerei. Ein riesiges Besucherzentrum führt einen durch alle Wege der Braukunst bis man im 7. Stock in einer Skybar bei einem Pint den Blick über die ganze Stadt genießen kann.guinness

Nun fliege ich erstmal wieder nach Hause zur Hochzeitsfeier von Stefan und Maggie. Am 1. August geht die Reise dann weiter.

Von Dublin nach Cornwall

Das Guinessglas ist schon noch voll geworden und schön schwarz wie es sich gehört. Stefan und Maggie hatten eine wirklich tolle Hochzeitsfeier organisiert und wir haben uns sehr gefreut, dass alles so gut geklappt hat. Mit Wäsche waschen, putzen und einkaufen hab ich den ersten Tag in Dublin verbracht. Dann sind Silke und Andreas eingetroffen. In strömendem Regen, der wie üblich als feiner sanfter Niesel beginnt und immer intensiver wird bis alles durchnässt ist, haben wir noch einen kleinen Ausflug in die Stadt gemacht, der natürlich in einem Pub endete.

Dublin alter Markt

Dublin alter Markt

Pub nach Büroschluss

Pub nach Büroschluss

Am 03.08. ging es nach meiner Tiden und Strömungsberechnung um 15:45 Uhr los. Bei einem straffen SW-Wind mit 4-5 bfts ging es flott nach Süden, wo wir um 20:00 in Arklow, einer kleinen Provinzstadt einliefen.

Brücke nach Arklow

Brücke nach Arklow

Der Wind ist nun auf 2-4 kn gefallen und kommt entgegen. Mit Motor und viel Strömung kommen wir in knapp 8 Stunden nach Kilmore Quai. Das ist ein winziger Hafen, den man in einem großen Bogen (etwa 1 Meile) anlaufen muss, damit man durch die schmale Zufahrt ohne auf die Felsen und Sandbänke zu fahren, anlaufen muss. Der kleine Ferienort hat ein Hotel ein Restaurant, zwei Fish +Chips Buden und einen Laden. Außerdem schwimmen 3 Robben im Hafen um von den kleinen Fischerbooten ein paar Abfälle aufzuschnappen. robbeAm 06.08. geht es über die Irische See nach Milford Haven an der  Südwalisischen Landzunge. Leider ist der Wind wieder viel schwächer als der Wetterbericht versprochen hatte und wir geben den Segeln etwas Unterstützung mit dem Motor, damit wir die 70 Meilen in einer vernünftigen Zeit schaffen. Ein Versuch mit dem Spinnacker scheitert leider, weil der bei den Wellen nicht genügend Wind abbekommt, um richtig stehen zu bleiben. So kommen wir zwar um 10:00 nachts an, und können auch in die Schleuse einfahren. Durchgeschleust werden wir aber erst um 23:45 Uhr, weil sie wohl noch warten, ob noch andere Boote kommen. Wir sind aber alleine und kriegen wieder einen schönen Platz am Schlengel.

Schleuse Milford

Schleuse Milford

Am nächsten Tag machen wir uns ein schönes Essen: Lammkotelette mit Kartoffeln, Bohnen und Salat. Sehr lecker!

Lammkotelette

Lammkotelette

Ausfahrt Milford Haven

Ausfahrt Milford Haven

Der nächste Tag bringt uns nach Padstow an der Nordküste von Cornwall. Es ist der einzige Hafen im Umkreis von 70 Meilen. Weil wir leider nicht anders aus dem Hafen von Milford kommen (die Tore sind nur 2 Std vor und nach Hochwasser geöffnet) kommen wir am späten Abend, 5 Stunden nach Niedrigwasser in Padstow an.

Padstow Bay

Padstow Bay

Wir nehmen uns eine Mooringboje vor der Hafeneinfahrt und warten gespannt ob die Tiefe noch reicht, Immerhin sind es über 7 Meter Tidenhub! Bei 40 cm unter dem Kiel kippt die Tide und es geht wieder aufwärts.  Um 6:00 Uhr können wir endlich in den Hafen und legen uns als 3. Boot ins Päckchen. Am Tag sehen wir nun auch, dass wir wohl die einzige Boje erwischt hatten, wo man tatsächlich nicht auf Grund läuft!

Hochwasser-Niedrigwasser

Hochwasser-Niedrigwasser

Die nächsten Tage werden wir wohl hier verbringen, denn die Reste eines Hurrikan aus dem Atlantik ziehen über Cornwall und bringen immer noch Wind mit 24-34 kn (6-8 Bfts) und 2,7m hohen Wellen und alles gegenan „auf die Nase“. Am Mittwoch soll es wieder besser werden.

Padstow

Padstow

von Cornwall über die Bretagne nach Portugal

Wir mussten tatsächlich bis Mittwoch warten, um endlich weiter zu kommen. Am Dienstag früh sind noch zwei Segler ausgelaufen, die aber nach einer Stunde wieder da waren und von unbezwingbaren 4 Meter Wellen am Ausgang der Bucht berichteten. Hier in Padstow hat sich das gar nicht so schlimm angefühlt. Die Stadt war, genauso wie an den Tagen zuvor, wieder voller Urlauber, die an allen Ecken Fish and Chips aßen. Dabei haben sich hier die besten Köche Englands niedergelassen. Wir haben natürlich bei Rick Stein unseren frischen Fisch und Jakobsmuscheln geholt – sehr lecker! Den Dienstag haben wir denn auch so noch gut rum gekriegt.

Am Vormittag haben wir uns den Landsitz der Familie Rideaux-Bruns angeschaut. Der Garten ist etwas nachhilfebedürftig aber trotzdem recht schön. Die schön ausgestatteten Räume (Kaminzimmer, Bibliothek, Esszimmer, Tearoom etc.) werden außerhalb der Besuchszeiten noch von der Familie benutzt. Der Landsitz war auch Kulisse für eine englische Soap Serie, die wohl jeder kennen muss (hab leider vergessen, wie sie heißt).wallfahrtkirche fähre padstow

Der Nachmittag führte uns auf die andere Seite des Flusses durch die Feriensiedlung und den Golfplatz zu einer Pilgerkapelle und wieder zurück über die Sandbänke zum provisorischen Fähranleger. Der richtige ist bei Ebbe nicht benutzbar. Inzwischen ist auch Springtide, d.h. 2 Tage nach Vollmond ist der höchste und niedrigste Wasserstand. Der Unterschied beträgt ganze 8 Meter! Da muss das Hafentor auch bei Hochwasser geschlossen werden, damit die Stadt nicht überflutet wird. Ganz schön viel Wasser, das da aus dem Atlantik in die Bucht gespült wird und wieder heraus fließt.Hochwassertor

Am Mittwoch gings nun endlich los Richtung Südküste von Cornwall. Um 6:00 Uhr mussten wir aus dem Hafen, da das Tor danach wieder für 8 Stunden geschlossen wird. Der Wind war zwar verträglich mit 15-17 kn (5 bfts) aber die Wellen waren noch immer bis zu 3,5 m hoch und kamen schräg von vorne. Das Ergebnis war, dass Andreas und Silke das Frühstück Neptun opferten, was dann nach 6 Stunden auch geholfen hat. Beim Umrunden von Land´s End ist der Wind ganz eingeschlafen und die Wellen haben sich langsam gelegt.lands end Andreas kann noch 2 Stunden bei schönem Wind und wenig Wellen an der Küsten nach Newlyn fahren. Der von Rosamunde Pilcher bekannte Hafen Mousehole  (Anmerkung für die Piltscher Fans) konnte nicht besucht werden. Denn er fällt komplett trocken. Der nächste Hafen war so voll, dass er keine Boote mehr aufnahm, so blieb uns also Newlyn.

Zwischen 100 Fischerbooten haben wir ein Plätzchen gefunden. Die Sanitären Anlagen waren einfach aber sauber, weil sie alle Stunde mit dem dicken Wasserstrahl ausgespritzt werden – also Kloschüssel Wände Waschbecken und Boden. Abends haben wir dann in einer Art Ritterhalle mit 20 Familien zusammen gespeist bei einem Höllenlärm. Was für ein Kontrast zu dem guten Essen am nächsten Tag in Pensance, dem Nachbarort.essen

Am Donnerstag sind wir zur Überfahrt über den englischen Kanal gestartet (er ist eigentlich genauso sehr französisch). Bei wenig Wind sind wir die ersten Meilen gemütlich gesegelt. Dann haben wir den Motor zur Unterstützung gebraucht. Auf dem Plotter kamen auf dem Verkehrsweg (Eingang zum Verkehrstrennungsgebiet) 13 Frachter von Backbord und 11 von Steuerbord. Dazu einige unberechenbare Fischerboote. Es war richtig was los in der Nacht. Im Morgengrauen hatten wir es aber gut überstanden und fuhren ums Kap in die lange Bucht von Brest. Ohne Wellen konnten wir nochmals flott dahin segeln. Das Abschiedsessen im Hafenrestaurant beendete die ereignisreichen Wochen für Silke und Andreas. Tiden- und Stromberechnungen, Häfen mit Tidentoren, die 8 Stunden geschlossen sind 3,5 Meter Wellen, Sturm und Windstille, Regen und Sonne –es war alles dabei.
brest
überfahrt kanal

Am 29.08. war schneller Crewwechsel. Silke und Andreas flogen um 11 Uhr nach Hause, Arnold kam um 17:00 im Hafen an. Schnell hab ich noch die Einkäufe erledigt, die Wäsche gewaschen und alles geputzt. Abends haben wir gekocht, damit die Bordkassen nicht gleich wieder geleert wird. Am Sonntag machten wir den Probetörn um die Westspitze Frankreichs, dem Pointe du Raz und entlang der Südküste nach Loctudy (gegenüber von Concarneau). Beim folgenden Hafentag half uns Horst, der dort sein Sommerhäuschen hat bei den Einkäufen und hat sich auch so mit einigen Tipps beteiligt. Die Selbststeueranlage, die nicht mehr funktionierte haben wir auch ausgetauscht. Sie hat sich aber trotz aller Bemühungen am nächsten Tag nicht einstellen lassen, also Totalausfall!
loctudy

Der Wetterbericht kündigt ruhiges Wetter an. So fahren wir am Dienstag um 6:30 Uhr in Loctudy los auf die große Überfahrt über die Biskaya nach Spanien. Am Nachmittag können wir etwas segeln, dann schläft der Wind wieder ein und der Motor bringt uns weiter. Wenn das so weitergeht, reicht der Sprit nicht bis zum Ziel. Am Mittwochmorgen überfahren wir das Schelfgebiet und kommen in den tiefen Atlantik. Das ist immerhin ein Höhensprung von 100 m Tiefe auf 4.800 m Tiefe. 3 oder 4 Wale tauchen plötzlich vor dem Schiff auf und schwimmen langsam davon. Delfin haben wir bis dahin öfters gesehen, aber das war schon der Höhepunkt.delfine Um Mitternacht können wir die Genua setzen und es geht unter Segel weiter bis nach La Coruna, wo wir am Abend um 19:00 Uhr endlich ankommen.

Wie geht das denn, so 3 Tage auf See? Nun ab und zu wird Tee oder Kaffee gekocht. Einmal am Tag gibt’s eine warme Mahlzeit, z.B. Tortellini mit Tomatensauce und Salat oder Kartoffelbrei (vielen Dank für den Tipp von Florian!) mit Käse, Eiern und Salat. Das geht alles ganz prima solange das Schiff nicht zu rollen beginnt. Wenn die Wellen nämlich schräg von der Seite kommen, schaukelt sich das Schiff so richtig ein (bis 30° Neigung zu jeder Seite)bis es wieder etwas ruhiger fährt. Kaffee kochen sieht dann so aus: Wassertopf auf dem Herd, der mit schwanken kann, mit Drahtstangen einklemmen und Wasser heiß machen. Kaffeekanne in die Spüle stellen, Filter drauf und Kaffee rein. Dabei alles mit einer Hand machen, da die andere zum Festhalten benötigt wird. Sonst würde man nämlich irgendwann über den Herd fallen oder über den Kartentisch auf der anderen Seite. Dann wird das kochende Wasser aufgegossen und es folgt der kritische Moment: Die Kanne muss zurück auf den Herd in die Drahtklammer während der Filter langsam durchläuft. Wenn sich das Boot in diesem Moment überlegt, schnell mal auf der anderen Seite die Welle herunter zu segeln, saust die Kanne mit dem vollen Filter durch das Spülbecken und der Filter macht einen Salto über die Kante auf den Boden. Ergebnis: alles von vorne und 15 Minuten lang den Boden und die Schränke vom Kaffeepulver befreien – einhändig natürlich! Beim nächsten Törn gibt´s wieder Muckefuck.la coruna1 la coruna2

La Coruna ist eine lebendige Stadt mit vielen interessanten Vierteln. Zwischen eine großen Bucht mit dem Hafen und dem Atlantik mit einem langen Badestrand vor dem Boulevard quetsch sie sich von der Halbinsel in die Berge des Hinterlandes. Kleine Gassen mit Restaurants und Tischen davor bringen richtiges südländisches Flair. Abends essen wir dann auch in einem Lokal Mariscos also Meeresfrüchteplatte für zwei mit einer Flasche Albarino, dem hiesigen Wein. Beides sehr lecker.meeresfrüchte

Am Samstag sind wir entlang der Nordküste nach Camarina gefahren. Die See war glatt und der Wind kam auch nicht. So wird meine Segelbilanz wieder nicht ausgeglichen. Das kleine Fischerdorf ist bekannt für seine Klöppelarbeiten. In manchen Läden sitzen die alten Frauen auch immer noch und werfen die Klöppelhölzer in atemberaubender Geschwindigkeit durcheinander. Weiter hinten im Dorf habe ich auch noch einige alte Kornspeicher gefunden, die auf Steinsäulen gebaut wurden.klöppeln kornspeicher

Der nächste Tag führte uns um das Cap Fisterra und entlang der Coste del Morte, der Todesküste.kap Fisterra

Es war wieder wenig Wind, aber auch fast keine Welle. So haben wir den Spinnaker rausgeholt und diesmal hat er uns für fast 5 Stunden eine zügige Fahrt mit 5 kn beschert!spi In Puerto Pedras Negras, einem reinen Ferienort, sind wir über Nacht geblieben, um am nächsten Tag nach Vigo zu fahren. Immerhin haben wir vom Hafenmeister eine Flasche des hiesigen Weins geschenkt bekommen. Toll!

Mit einem schönen Wind sind wir in die Bucht von Vigo gekreuzt. Hinter den Inselbergen hat uns ein paar Mal eine Fallbö erwischt, die wir aber gut abfangen konnten. Vigo breitet sich dann ziemlich lange an der Südseite der Bucht aus und wir mussten etwas suchen bevor wir hinter dem Kreuzfahrer Pier die Einfahrt in den Yachthafen fanden. Der Hafenmeister hat uns in dem halbleeren Hafen auch gleich per Schlauchboot einen Platz zugewiesen und einen Türchip gegeben, damit wir den Steg verlassen können. Der Yachtclub ist etwas verlassen und hat seine besten Tage sicher schon vor vielen Jahren gehabt, aber für eine Nacht geht das auch mal. Die Stadt ist ein Durcheinander von Einkaufsmeile mit alten Häusern und einigen neuen Betonburgen dazwischen. Ein altes Viertel gibt’s auch noch und wird offensichtlich auch wieder hergerichtet und mit Neubauten, die auf alt getrimmt sind, ergänzt. Da wir mit den Lokalen nicht anfangen konnten haben wir unsere Nudeln vertilgt und  wieder ein Flasche Wein geleert. Ja, die Vorräte müssen langsam verbraucht werden.vigo 2 vigo 1

Nach Viana do Castello mussten wir wieder kreuzen, denn der Wind kam wieder einmal direkt von vorne. Die letzte Stunde sind wir dann doch noch mit Motor gefahren, um beim Abendlicht anzukommen. Am Außensteg im Fluß, kurz vor der historischen Eisenbahnbrücke (1896 von G. Eiffel erbaut) haben wir dann festgemacht. Die Stadt ist eine Erholung nach dem Chaos von Vigo. Lauter beschauliche Häuser, unzählige Gassen, kleine Läden und Restaurants und oben drüber eine große Kirche auf dem Berg. Wir sind dann am Mittwoch mit einer Kabelbahn für 3 € rauf gefahren und haben einen fantastischen Blick über die ganze Küste und das bergige Hinterland genossen. Abends gab es eine Dorade im Restaurant.viana1 viana2

Der Donnerstag brachte uns wieder keinen Wind, und wir sind schon wieder mit Motor an der Küste entlang  nach Povoa de Varzim gefahren. Ein Kilometer langer Strand mit vielen Urlaubern zieht sich an beiden Seiten der Stadt hin. Allerdings ist er nicht zum Baden zu gebrauchen, da die Atlantikdünung selbst bei Windstille mit großen Brechern dagegen platscht. povoaAbends ist plötzlich ein kleiner Menschenauflauf am Hafen, und als ich – neugierig wie ich immer bin – hingehe, sehe ich, dass einige stämmige und energische Frauen auf Handwägen einige Kisten mit Fischen haben, die sie verkaufen. Ich kaufe auch 4 Doraden für 10 €, die es am Abend zu Reis und Tomaten gibt.fische

Am Freitag hilft mit Arnold noch beim Segel aufräumen, denn es ist langsam Zeit an die Organisation des Winterlagers zu denken. Schade, dass er morgen schon wieder nach Hause fliegt. Er war immer ein ruhiger und begeisterter Mitsegler und hat alle meine Marotten auch geduldig ertragen. Nun ist also kurz vor Porto erst Mal Schluss und ich muss die nächsten Ziele planen.

Kleine Nachgedanken

Nun bin ich zwei Tage zu Hause und die Reise ist für dieses Jahr zu Ende. Über 3.000 Meilen durch die Nordsee und den Atlantik waren interessant und manchmal anstrengend wegen der Kälte am Anfang und einigen (wenigen) Starkwindtagen. Leider waren auch viele Tage ohne Wind dabei und so war es auf vielen Strecken nur möglich, den Reiseplan einzuhalten, wenn der Motor uns weiterbrachte.nebel

Zwei Tage lang hat nun das Nebelhorn an der Hafeneinfahrt getönt. Die letzten Tage war gute Sicht, aber nun war es wirklich notwendig, um den sicheren Weg in den Hafen zu zeigen. Die Sicht war zeitweise nur 100 Meter und es gab tatsächlich einige Boote, die hereinkamen.

Am 01.09. ist bird of tuvalu aus dem Wasser gehoben worden und hat seinen Platz an Land bekommen. Der Kiel hat die Felsberührung in Norwegen ganz gut überstanden. Es ist einfach toll, was das Stahlboot so alles wegsteckt. Ein bisschen Farbe und Spachtel und alles ist wieder in Ordnung. Nun muss ich noch den Ausfall des Kartenplotters klären, das Großsegel reparieren lassen und die Elektronik (Windanzeige und Steuerpilot) überprüfen, dann sind die wichtigsten Arbeiten erledigt. Da werde ich wohl nochmal 2 Wochen nach Portugal fahren, um das zu erledigen.winterlager

Der Liegeplatz hier ist übrigens nicht einmal halb so teuer wie in Deutschland und beim Schiff bin ich auch schneller. Von München gehen Direktflüge in 3,5 Std nach Porto und dort kann ich mit der S-Bahn in 40 Minuten zum Schiff kommen. Kein Vergleich mit den 8-10 Stunden nach Hamburg oder Fehmarn (nur für die, die sagen „ist das aber weit weg“).

Im Winter werd ich mir nun eine Route durchs Mittelmeer überlegen. Dann hab ich noch etwas Zeit für die Entscheidung, ob ich über den „Teich“ fahre oder zurück nach Norden. Spätestens im Februar gibt’s dann wieder Neuigkeiten. Solange muss das Träumen reichen und der Whisky, den ich aus Schottland mitgebracht habe.whiskyabend

Viele Grüße an alle, die mich begleitet haben – in echt oder virtuell – Es ist immer schön, von euch zu hören.

Arbeitseinsatz am Atlantik

Nun bin ich wieder für eine Woche bei meinem Schiff um alles, was nicht mehr funktioniert, auf Vordermann zu bringen und den Unterwasseranstrich auszubessern, wo die norwegischen Felsen ihn so unschön abgekratzt haben. Das muss ich aber erst mal zurückstellen, denn der ganze Hafen ist in einer Salzwolke eingehüllt und es bläst mit 5-6 Windstärken. Eindrucksvoll zeigen die 4-5 Meter hohen Brecher, die sich vor und in der Hafeneinfahrt brechen, dass der Hafen wohl besser nicht anzulaufen ist. Es fährt auch keiner rein oder raus.

Hafeneinfahrt Povoa da Varzim

Hafeneinfahrt Povoa da Varzim

Also erst mal Innenarbeit. Einen Platz für den Drucker, den ich seit zwei Jahren originalverpackt mit mir herumfahre, finde ich unter dem Kartentisch. Dort baue ich ein Podest und bestelle ein Brett für die neue Rückwand (ja eben mal so vom Baumarkt holen geht hier nicht). Dann geht es an die Elektrik – ein rotes Tuch für mich. Die Internetverbindung geht nicht, Ursache: die w-lan Antenne ist abgebrochen und hängt am Innenleben vom Antennenmast herunter. Notdürftig klebe ich sie wieder mit einem Klebeband zusammen, dann funktioniert sie zumindest vorläufig. Zwei Tage später allerdings schon nicht mehr. Jetzt beginnt die Suche nach dem Fehler beim Kartenplotter: Elektropaneel über dem Kartentisch abbauen, Kabel und Sicherungen prüfen- alles ok. Kabelverlauf durch die Toilette, die Backskiste (alles ausräumen!), durch die Achterkabine (alles ausräumen und die Deckenverkleidung abbauen) – prüfen alles ok. Letzte Chance: den 9-poligen Stecker abschneiden, der ist auch ok. Der Fehler liegt also in dem kurzen Stück Kabel, das durch die Steuersäule geht, d.h. Steuerrad abbauen, Steuersäule abbauen. Dafür müssen die Bodenbretter raus, d.h. der ganze Inhalt der Backskiste, Werkzeug, Farben etc muss einen anderen Platz finden. Das Chaos ist perfekt! Zum Reparieren ziehe ich das Kabel nach (Vom Kartentisch durch die Toilette, die Backskiste, die Achterkoje zur Steuersäule). Jetzt nur noch die Kabel mit dem Stecke verbinden, fertig. Fast, denn ich habe einen Kabelverbinder zu wenig an Bord. Ich mache ein deutsches Schiff im Hafen ausfindig und bekomme tatsächlich meinen Kabelverbinder –super, der Plotter geht wieder! Jetzt muss ich nur noch die Deckenverkleidung wieder einbauen. Dann kann ich die Koje putzen und die Matratzen reinlegen, damit ich wieder ein Bett habe.

Chaos

Chaos

Für den neuen Steuerautomat bohre ich 34 Löcher, erst mit 4mm, dann 6mm, dann 8mm, dann fällt die Platte raus. Grate abschleifen und Stahlstaub/späne entfernen. Jetzt noch 4 mal streichen, Bedienpaneel einbauen und anschließen – fertig!

Es ist Sonntag, der Wind ist nur noch eine leichte Brise, und ich gönne mir eine Auszeit. Die Sonne scheint bei 24°C und vom Atlantik kommt noch eine große Dünung rein. Mit dem Fahrrad fahre ich nach Norden durch ein riesiges Gemüseanbaugebiet – hier schmecken sogar die großen grünen Tomaten gut! Manchmal kommt ein kleiner Pinienwald oder ein Eukalyptuswald (das riecht toll!) dann kommt wieder Gemüse (riecht weniger toll). Überall sitzen die Bauersfrauen an der Straße und verkaufen Zwiebeln, Knoblauch, Kohl, Karotten und rote Kartoffeln. In dem kleinen Ort Esposende will ich eigentlich schon wieder umkehren. Da macht mich ein Haufen Autos vor einigen kleinen Bruchbuden auf einem Hügel neugierig.

Esponsa Restaurant Rückseite

Esponsa Restaurant Rückseite

Esponsa

Esponsa Restaurants

Als ich hinkomme, sehe ich ca 8 kleine Fischlokale, keines breiter als 6 Meter an der Straße aufgereiht und vor jedem stehen etwa 20 bis 25 Menschen. Immer ist in der Mitte der Eingang, rechts der Grill und links der Schaukasten mit ein paar Fischen und Krebsen. Ein hilfsbereiter Portugiese erklärt mir, dass ich mich bei einem der Lokale in eine Liste eintragen muss, dann werde ich ausgerufen wenn ich dran bin. Nach einer Stunde war es dann soweit, ich bekam meinen Platz, musste im Vorbeigehen dem Mann am Grill sagen was ich haben wollte, und schon gings los. Brot und Oliven kriegt sowieso jeder,  dann hab ich mir einen Teller mit Muscheln in Olivenöl ausgesucht, zwei Spieße mit Tintenfisch und Garnelen und Eiskreme mit kandiertem Zucker.  Mit zwei Bier hat das nur 21 € gekostet und war sehr lecker!esponsa 3

Ab Montag wird der Kiel geschliffen und unendlich oft gestrichen(genauer gesagt 10 Mal!). Mit dem neuen Werkzeug –einer Schleifscheibe, die den Belag mit angesetzten Eisenstiften wegschlägt, klappt das Abschleifen tatsächlich prima. Während des tagelangen Farbe Mischens, Streichens und Rollens baue ich in der Backskiste noch ein Podest, um mein Werkzeug besser verstauen zu können. Ich hab nämlich eine neue Quelle für Bretter gefunden: ein Engländer schmeißt gerade die ganze Inneneinrichtung seines Schiffes weg, um es neu auszubauen und da sind einige brauchbare Bretter dabei. Am Dienstag kommt ein anderer Engländer – uralt mit langem Bart – mit seinem Boot an. Er braucht ewig, bis er sein Schiff festgemacht hat, dann greift er zum Stock und humpelt den Steg hinauf. Segeln kann man wohl auch noch, wenn man nicht mal mehr richtig laufen kann! Da hab ich ja noch ein paar Jahre vor mir. Meine Nachbarn, zwei Franzosen, sind mit ihrem Schiff auch schon seit 18 Jahren auf allen Meeren unterwegs und werden im Dezember wieder in die Karibik ziehen. Vielleicht treffe ich sie ja irgendwann wieder. Aber jetzt ist es erst mal Zeit nach Hause zu fliegen und Pläne für das nächste Jahr zu schmieden.

Atlantikdünung bei Windstille

Atlantikdünung bei Windstille